Montag, 27. Dezember 2010
NEWS-Ticker: am Viktoriasee entlang über Mwanza und Bwanda nach Bukoba gefahren – Weihnachten am Strand - Schneck und Besatzung wohlauf
Mücken gibt es in ganz verschiedenen Größen. Diese hier sind sehr klein und äußerst zahlreich und lästig. Abends summt es im Schneck schrill, hoch und in ohrenbetäubender Lautstärke. Zum Glück sind die Mücken am Viktoriasee nicht besonders blutrünstig und kapitulieren schnell vor unseren Mückenspiralen.
Der Viktoriasee ist der zweitgrößte Süßwassersee der Erde und schafft sich deshalb sein eigenes Klima, das recht feucht, neblig und vergleichsweise kühl ist wodurch optimale Bedingungen für den Reisanbau herrschen – und für die Mücken. Während im Süden des Sees vor allem große runde Steine aus dem Boden wachsen (die Sorte für die wir unter dem Namen Findlinge viel Geld im Gartencenter bezahlen), und die meisten Häuser auf den größten Steinhaufen stehen um keinen Quadratmeter Ackerkrume zu vergeuden, ist das Land hier im Westen bei Bukoba, kurz vor der Grenze nach Uganda, sehr fruchtbar. Große ebene Flächen auf denen intensiv Reis und Mücken angebaut werden wechseln sich ab mit Hügeln, auf denen zur Zeit Ananas, Tomaten, Auberginen, Kohl und anderes reifen. Die meisten Häuser werden von mindestens einem großen Mangobaum beschattet und stehen in einem dichten Hain aus Kochbananenstauden. Kochbananen sind das traditionelle Grundnahrungsmittel der Haya, die hier leben. Ansonsten scheinen sich die Haya kaum von anderen Tansaniern zu unterscheiden – es sei denn man wirft einen Blick in ihre Geschichte, denn die Haya waren Jahrtausende lang und bis ins 19. Jh. hinein eine der wenigen Hochkulturen Afrikas. Sie bearbeiteten Stahl schon vor fast zweitausend Jahren und bauten große Städte und Paläste für ihre Könige, deren Macht den Kolonialherren natürlich ein Dorn im Auge war. Um das Jahr 1920 herum war die Kultur beinahe ausgelöscht, der Widerstandsgeist der Haya aber nicht gebrochen, was sie zu einer treibenden Kraft in der Unabhängigkeitsbewegung werden ließ.
Wir finden Kochbananen bisher wenig schmackhaft und halten uns lieber an Ugali, den Kloß aus gekochtem Maismehl, den man in vielen Ländern Afrikas unter unterschiedlichen Namen bekommt. Ugali schmeckt ähnlich wie unsere Kartoffelklöße, lässt sich problemlos mit den Fingern essen und macht satt. Am Viktoriasee isst man meist gebratenen Tilapia, Mangold und Bohnen dazu. Auf ihren Tilapia sind die Menschen hier sehr stolz, leider hat sich das Einsetzen des Fisches in den See aus ökonomischen Gründen bereits als ökologische Katastrophe erwiesen, denn Nilbarsche sind Raubfische und so sind viele im See heimische Fischarten inzwischen vom Aussterben bedroht.
Immer wieder erleben wir, dass Afrika an Umweltproblemen leidet, die es ohne unsere sogenannte Hilfe nicht hätte. Was der Tilapia nicht schafft beenden die amerikanischen Pestizide, die in der Landwirtschaft Verwendung finden, und wie eine afrikanische Zeitschrift gerade herausfand in den USA längst verboten sind.
Der Schönheit des Sees und der fröhlich lauten Stimmung auf dem Markt Bukobas tut das keinen Abbruch. Die kleine Stadt ist eine bunte Mischung ehemaliger Kolonialarchitektur, Fischerdorf und Marktflecken und erscheint uns als Musterbild religiöser Toleranz. Neben einer riesigen und sehr modernen katholischen Kathedrale und einigen kleineren christlichen Kirchen aller Couleur finden sich hier auch drei Moscheen und ein Sikh-Tempel und der muslimische Besitzer des Rose Cafe, in dem wir zu Mittag essen, wünscht uns Frohe Weihnachten.
Weihnachtlich ist außer dem Stern, den wir über den Eßtisch im Schneck gehängt haben aber nur das Wetter: Morgens hat es immer mal wieder leicht geregnet und der Himmel ist bis in den späten Nachmittag hinein grau und bedeckt. Als die Sterne über dem See aufgehen wird rasch kühl, und wir ziehen die Fleece-Pullover drüber noch bevor wir die Mückenspiralen anzünden.
Mücken gibt es in ganz verschiedenen Größen. Diese hier sind sehr klein und äußerst zahlreich und lästig. Abends summt es im Schneck schrill, hoch und in ohrenbetäubender Lautstärke. Zum Glück sind die Mücken am Viktoriasee nicht besonders blutrünstig und kapitulieren schnell vor unseren Mückenspiralen.
Der Viktoriasee ist der zweitgrößte Süßwassersee der Erde und schafft sich deshalb sein eigenes Klima, das recht feucht, neblig und vergleichsweise kühl ist wodurch optimale Bedingungen für den Reisanbau herrschen – und für die Mücken. Während im Süden des Sees vor allem große runde Steine aus dem Boden wachsen (die Sorte für die wir unter dem Namen Findlinge viel Geld im Gartencenter bezahlen), und die meisten Häuser auf den größten Steinhaufen stehen um keinen Quadratmeter Ackerkrume zu vergeuden, ist das Land hier im Westen bei Bukoba, kurz vor der Grenze nach Uganda, sehr fruchtbar. Große ebene Flächen auf denen intensiv Reis und Mücken angebaut werden wechseln sich ab mit Hügeln, auf denen zur Zeit Ananas, Tomaten, Auberginen, Kohl und anderes reifen. Die meisten Häuser werden von mindestens einem großen Mangobaum beschattet und stehen in einem dichten Hain aus Kochbananenstauden. Kochbananen sind das traditionelle Grundnahrungsmittel der Haya, die hier leben. Ansonsten scheinen sich die Haya kaum von anderen Tansaniern zu unterscheiden – es sei denn man wirft einen Blick in ihre Geschichte, denn die Haya waren Jahrtausende lang und bis ins 19. Jh. hinein eine der wenigen Hochkulturen Afrikas. Sie bearbeiteten Stahl schon vor fast zweitausend Jahren und bauten große Städte und Paläste für ihre Könige, deren Macht den Kolonialherren natürlich ein Dorn im Auge war. Um das Jahr 1920 herum war die Kultur beinahe ausgelöscht, der Widerstandsgeist der Haya aber nicht gebrochen, was sie zu einer treibenden Kraft in der Unabhängigkeitsbewegung werden ließ.
Wir finden Kochbananen bisher wenig schmackhaft und halten uns lieber an Ugali, den Kloß aus gekochtem Maismehl, den man in vielen Ländern Afrikas unter unterschiedlichen Namen bekommt. Ugali schmeckt ähnlich wie unsere Kartoffelklöße, lässt sich problemlos mit den Fingern essen und macht satt. Am Viktoriasee isst man meist gebratenen Tilapia, Mangold und Bohnen dazu. Auf ihren Tilapia sind die Menschen hier sehr stolz, leider hat sich das Einsetzen des Fisches in den See aus ökonomischen Gründen bereits als ökologische Katastrophe erwiesen, denn Nilbarsche sind Raubfische und so sind viele im See heimische Fischarten inzwischen vom Aussterben bedroht.
Immer wieder erleben wir, dass Afrika an Umweltproblemen leidet, die es ohne unsere sogenannte Hilfe nicht hätte. Was der Tilapia nicht schafft beenden die amerikanischen Pestizide, die in der Landwirtschaft Verwendung finden, und wie eine afrikanische Zeitschrift gerade herausfand in den USA längst verboten sind.
Der Schönheit des Sees und der fröhlich lauten Stimmung auf dem Markt Bukobas tut das keinen Abbruch. Die kleine Stadt ist eine bunte Mischung ehemaliger Kolonialarchitektur, Fischerdorf und Marktflecken und erscheint uns als Musterbild religiöser Toleranz. Neben einer riesigen und sehr modernen katholischen Kathedrale und einigen kleineren christlichen Kirchen aller Couleur finden sich hier auch drei Moscheen und ein Sikh-Tempel und der muslimische Besitzer des Rose Cafe, in dem wir zu Mittag essen, wünscht uns Frohe Weihnachten.
Weihnachtlich ist außer dem Stern, den wir über den Eßtisch im Schneck gehängt haben aber nur das Wetter: Morgens hat es immer mal wieder leicht geregnet und der Himmel ist bis in den späten Nachmittag hinein grau und bedeckt. Als die Sterne über dem See aufgehen wird rasch kühl, und wir ziehen die Fleece-Pullover drüber noch bevor wir die Mückenspiralen anzünden.
Mittwoch, 22. Dezember 2010
Wir wünschen allen Daheimgebliebenen Zweibeinern und Vierpfotern:
Fröhliche Weihnachten und ein wunderschönes Neues Jahr 2011 !
Rudolf das Rentier haben wir übrigens schon vor Wochen am Strand getroffen, wie das Foto beweist - vermutlich hat er noch mal Urlaub gemacht, bevor die Saison beginnt. Obwohl wir uns ein wenig gewundert haben, dass Rentiere es in dieser Hitze aushalten…
Liebe Grüße aus dem heute gar nicht heißen Tansania,
Guido, Tanja, Lilian, Fabian und der Schneck
P.S. Einen neuen Beitrag und einige Bilder habe ich auch hochgeladen!
Fröhliche Weihnachten und ein wunderschönes Neues Jahr 2011 !
Rudolf das Rentier haben wir übrigens schon vor Wochen am Strand getroffen, wie das Foto beweist - vermutlich hat er noch mal Urlaub gemacht, bevor die Saison beginnt. Obwohl wir uns ein wenig gewundert haben, dass Rentiere es in dieser Hitze aushalten…
Liebe Grüße aus dem heute gar nicht heißen Tansania,
Guido, Tanja, Lilian, Fabian und der Schneck
P.S. Einen neuen Beitrag und einige Bilder habe ich auch hochgeladen!
Dienstag, 21. Dezember 2010
Hier ist es schön weich und kühl und angenehm und das Gras bildet eine Kante in der genau richtigen Höhe, um den Kopf darauf abzulegen und zu träumen. Auch die Gesellschaft ist nicht schlecht – all die dominanten Weibchen sitzen im Bau und kümmern sich um den Nachwuchs. Da sind die beiden Hyänenmännchen, die sich so genüsslich im Schlammloch aalen sowieso nicht erwünscht. Nur ein paar hundert Meter weiter wird der Eingang zu einem Erdloch sorgfältig bewacht. Erst als wir einige Minuten bei abgeschaltetem Motor stehengeblieben sind tauchen winzige runde Ohren im Gras auf, dann springen zwei entzückende Hyänenbabys durchs Gras und zur Milchbar - sie sind so plüschig, dass man unwillkürlich den Knopf im Ohr sucht. Die Mütter drücken die Kleinen aber sogleich mit der Vorderpfote in Liegeposition herunter, damit diese auf der weiten Ebene nicht gleich sichtbar sind, denn Hyänenjunge fallen häufig Löwen zum Opfer.
Hyänen haben einen schlechten Ruf. Das mag daran liegen, dass sie ihre Beute nicht mit einem Genickbiss töten sondern sie bei lebendigem Leibe zerreißen oder daran, dass sie fürchterlich sabbern, aber wir sind von ihrem Stofftieräußerem und ihrem interessanten Sozialverhalten begeistert. Da kommen die ewig schlafenden Löwen einfach nicht mit.
Wir sind in der Serengeti – wer mich kennt kann sich vorstellen was das für mich bedeutet. Professor Grzimeks Fernsehsendungen haben meine Begeisterung für alle wilden Tiere geweckt als ich noch im Dirndlkleidchen zur Schule ging und ich habe nie aufgehört von der Serengeti zu träumen. Der Professor liegt übrigens hier begraben, genau wie sein im Ngorongorokrater verunglückter Sohn und die Filmlöwin Elsa.
Meine Familie war zugegebenermaßen etwas skeptisch, ob die Serengeti ihren (enormen) Eintrittspreis wert ist, wo wir doch in Kenia schon in Nationalparks waren und auch noch in anderen Ländern welche besuchen wollen. Jetzt sitzen sie alle drei mit offenen Mündern im Auto und Unglaublich! ist das am häufigsten verwendete Wort angesichts der großen Herden Gnus und Zebras um uns herum. Die Wanderung der großen Herden, die Migration, gibt es in dieser Form nur in der Serengeti und wir sind gerade rechtzeitig hier um sie im Süden des Parks am Ziel zu sehen. Hier gibt es um diese Jahreszeit gute Weidegründe und hier kommen im Dezember 95% aller Zebrafohlen der Serengeti zur Welt. So weit das Auge reicht ist die Ebene dicht gedrängt voll von Tieren, es müssen hunderttausende sein und das tiefe Grunzen der Gnus wechselt sich mit dem aufgeregten Geschrei der Zebrahengste ab, die versuchen ihre Mädels zusammenzuhalten. Noch ein Zebrafohlen! ruft Lili und zückt zum hundertsten Mal die Kamera um ein noch besseres Zebraportrait zu schießen und Ich mag Gnus. konstatiert Fabian in einem Tonfall als sei er selber überrascht, dass neben seiner Liebe zu Elefanten auch noch Platz für Gnus in seinem Herzen ist. Guido und ich müssen grinsend an einen Cartoon denken, den wir vor Jahren aus Afrika mitgebracht haben und Guido zitiert prompt I’m in the middle of this migration thing.
Da die Raubtiere den Herden folgen haben wir in nur zwei Tagen auch Löwe, Leopard und Gepard zu Gesicht bekommen – und eben die verkannten Hyänen, die uns so gut gefallen. Trotz der hohen Tierdichte auch abseits der Migration gleicht die Serengeti niemals einem Safaripark, sie ist und bleibt ursprüngliche Wildnis in der der Eine den Anderen jagt und frisst und das wunderschöne verlassene Zebrafohlen nur noch kurze Zeit zu leben hat.
Hyänen haben einen schlechten Ruf. Das mag daran liegen, dass sie ihre Beute nicht mit einem Genickbiss töten sondern sie bei lebendigem Leibe zerreißen oder daran, dass sie fürchterlich sabbern, aber wir sind von ihrem Stofftieräußerem und ihrem interessanten Sozialverhalten begeistert. Da kommen die ewig schlafenden Löwen einfach nicht mit.
Wir sind in der Serengeti – wer mich kennt kann sich vorstellen was das für mich bedeutet. Professor Grzimeks Fernsehsendungen haben meine Begeisterung für alle wilden Tiere geweckt als ich noch im Dirndlkleidchen zur Schule ging und ich habe nie aufgehört von der Serengeti zu träumen. Der Professor liegt übrigens hier begraben, genau wie sein im Ngorongorokrater verunglückter Sohn und die Filmlöwin Elsa.
Meine Familie war zugegebenermaßen etwas skeptisch, ob die Serengeti ihren (enormen) Eintrittspreis wert ist, wo wir doch in Kenia schon in Nationalparks waren und auch noch in anderen Ländern welche besuchen wollen. Jetzt sitzen sie alle drei mit offenen Mündern im Auto und Unglaublich! ist das am häufigsten verwendete Wort angesichts der großen Herden Gnus und Zebras um uns herum. Die Wanderung der großen Herden, die Migration, gibt es in dieser Form nur in der Serengeti und wir sind gerade rechtzeitig hier um sie im Süden des Parks am Ziel zu sehen. Hier gibt es um diese Jahreszeit gute Weidegründe und hier kommen im Dezember 95% aller Zebrafohlen der Serengeti zur Welt. So weit das Auge reicht ist die Ebene dicht gedrängt voll von Tieren, es müssen hunderttausende sein und das tiefe Grunzen der Gnus wechselt sich mit dem aufgeregten Geschrei der Zebrahengste ab, die versuchen ihre Mädels zusammenzuhalten. Noch ein Zebrafohlen! ruft Lili und zückt zum hundertsten Mal die Kamera um ein noch besseres Zebraportrait zu schießen und Ich mag Gnus. konstatiert Fabian in einem Tonfall als sei er selber überrascht, dass neben seiner Liebe zu Elefanten auch noch Platz für Gnus in seinem Herzen ist. Guido und ich müssen grinsend an einen Cartoon denken, den wir vor Jahren aus Afrika mitgebracht haben und Guido zitiert prompt I’m in the middle of this migration thing.
Da die Raubtiere den Herden folgen haben wir in nur zwei Tagen auch Löwe, Leopard und Gepard zu Gesicht bekommen – und eben die verkannten Hyänen, die uns so gut gefallen. Trotz der hohen Tierdichte auch abseits der Migration gleicht die Serengeti niemals einem Safaripark, sie ist und bleibt ursprüngliche Wildnis in der der Eine den Anderen jagt und frisst und das wunderschöne verlassene Zebrafohlen nur noch kurze Zeit zu leben hat.
Hier ist es schön weich und kühl und angenehm und das Gras bildet eine Kante in der genau richtigen Höhe, um den Kopf darauf abzulegen und zu träumen. Auch die Gesellschaft ist nicht schlecht – all die dominanten Weibchen sitzen im Bau und kümmern sich um den Nachwuchs. Da sind die beiden Hyänenmännchen, die sich so genüsslich im Schlammloch aalen sowieso nicht erwünscht. Nur ein paar hundert Meter wird der Eingang zu einem Erdloch sorgfältig bewacht. Erst als wir einige Minuten bei abgeschaltetem Motor stehengeblieben sind tauchen winzige runde Ohren im Gras auf. Dann springen zwei entzückende Hyänenbabys durchs Gras und zur Milchbar - sie sind so plüschig, dass man unwillkürlich den Knopf im Ohr sucht. Die Mütter drücken die Kleinen aber sogleich mit der Vorderpfote in Liegeposition, damit diese auf der weiten Ebene nicht gleich sichtbar sind, denn Hyänenjunge fallen häufig Löwen zum Opfer.
Hyänen haben einen schlechten Ruf. Das mag daran liegen, dass sie ihre Beute nicht mit einem Genickbiss töten sondern sie bei lebendigem Leibe zerreißen oder daran, dass sie fürchterlich sabbern, aber wir sind von ihrem Stofftieräußerem und ihrem interessanten Sozialverhalten begeistert. Da kommen die ewig schlafenden Löwen einfach nicht mit.
Wir sind in der Serengeti – wer mich kennt kann sich vorstellen was das für mich bedeutet. Professor Grzimeks Fernsehsendungen haben meine Begeisterung für alle wilden Tiere geweckt als ich noch im Dirndlkleidchen zur Schule ging und ich habe sie nie vergessen. Der Professor liegt hier begraben, genau wie sein im Ngorongorokrater verunglückter Sohn und die Filmlöwin Elsa. Meine Familie war zugegebenermaßen etwas skeptisch, ob die Serengeti ihren (überzogenen) Eintrittspreis wert ist, wo wir doch in Kenia schon in Nationalparks waren und auch noch in anderen Ländern welche besuchen wollen. Jetzt sitzen sie alle drei mit offenen Mündern im Auto und Unglaublich! ist das am häufigsten verwendete Wort angesichts der großen Herden Gnus und Zebras um uns herum. Die Wanderung der großen Herden, die Migration, gibt es in dieser Form nur in der Serengeti und wir sind gerade rechtzeitig hier um sie im Süden des Parks am Ziel zu sehen. Hier gibt es um diese Jahreszeit gute Weidegründe und hier kommen im Dezember 95% aller Zebrafohlen der Serengeti zur Welt. So weit das Auge reicht ist die Ebene dicht gedrängt voll von Tieren, es müssen hunderttausende sein und das tiefe Grunzen der Gnus wechselt sich mit dem aufgeregten Geschrei der Zebrahengste ab, die versuchen ihre Mädels zusammenzuhalten. Noch ein Zebrafohlen! ruft Lili und zückt zum hundertsten Mal die Kamera um ein noch besseres Zebraportrait zu schießen und Ich mag Gnus. konstatiert Fabian in einem Tonfall als sei er selber überrascht, dass neben seiner Liebe zu den Elefanten auch noch Platz für Gnus in seinem Herzen ist. Guido und ich müssen grinsend an einen Cartoon denken, den wir vor Jahren aus Afrika mitgebracht haben und Guido zitiert prompt I’m in the middle of this migration thing.
Da die Raubtiere den Herden folgen haben wir in nur zwei Tagen auch Löwe, Leopard und Gepard zu Gesicht bekommen – und eben die verkannten Hyänen, die uns so gut gefallen. Trotz der hohen Tierdichte auch abseits der Migration gleicht die Serengeti niemals einem Safaripark, sie ist und bleibt ursprüngliche Wildnis in der der Eine den Anderen jagt und frisst und das wunderschöne verlassene Zebrafohlen nur noch kurze Zeit zu leben hat.
Hyänen haben einen schlechten Ruf. Das mag daran liegen, dass sie ihre Beute nicht mit einem Genickbiss töten sondern sie bei lebendigem Leibe zerreißen oder daran, dass sie fürchterlich sabbern, aber wir sind von ihrem Stofftieräußerem und ihrem interessanten Sozialverhalten begeistert. Da kommen die ewig schlafenden Löwen einfach nicht mit.
Wir sind in der Serengeti – wer mich kennt kann sich vorstellen was das für mich bedeutet. Professor Grzimeks Fernsehsendungen haben meine Begeisterung für alle wilden Tiere geweckt als ich noch im Dirndlkleidchen zur Schule ging und ich habe sie nie vergessen. Der Professor liegt hier begraben, genau wie sein im Ngorongorokrater verunglückter Sohn und die Filmlöwin Elsa. Meine Familie war zugegebenermaßen etwas skeptisch, ob die Serengeti ihren (überzogenen) Eintrittspreis wert ist, wo wir doch in Kenia schon in Nationalparks waren und auch noch in anderen Ländern welche besuchen wollen. Jetzt sitzen sie alle drei mit offenen Mündern im Auto und Unglaublich! ist das am häufigsten verwendete Wort angesichts der großen Herden Gnus und Zebras um uns herum. Die Wanderung der großen Herden, die Migration, gibt es in dieser Form nur in der Serengeti und wir sind gerade rechtzeitig hier um sie im Süden des Parks am Ziel zu sehen. Hier gibt es um diese Jahreszeit gute Weidegründe und hier kommen im Dezember 95% aller Zebrafohlen der Serengeti zur Welt. So weit das Auge reicht ist die Ebene dicht gedrängt voll von Tieren, es müssen hunderttausende sein und das tiefe Grunzen der Gnus wechselt sich mit dem aufgeregten Geschrei der Zebrahengste ab, die versuchen ihre Mädels zusammenzuhalten. Noch ein Zebrafohlen! ruft Lili und zückt zum hundertsten Mal die Kamera um ein noch besseres Zebraportrait zu schießen und Ich mag Gnus. konstatiert Fabian in einem Tonfall als sei er selber überrascht, dass neben seiner Liebe zu den Elefanten auch noch Platz für Gnus in seinem Herzen ist. Guido und ich müssen grinsend an einen Cartoon denken, den wir vor Jahren aus Afrika mitgebracht haben und Guido zitiert prompt I’m in the middle of this migration thing.
Da die Raubtiere den Herden folgen haben wir in nur zwei Tagen auch Löwe, Leopard und Gepard zu Gesicht bekommen – und eben die verkannten Hyänen, die uns so gut gefallen. Trotz der hohen Tierdichte auch abseits der Migration gleicht die Serengeti niemals einem Safaripark, sie ist und bleibt ursprüngliche Wildnis in der der Eine den Anderen jagt und frisst und das wunderschöne verlassene Zebrafohlen nur noch kurze Zeit zu leben hat.
Montag, 13. Dezember 2010
Die Ansammlung von Brettern, Wellblech, Bananenblättern und Tuchfetzen, die waghalsig über dem Abgrund balancieren und sich Aussichtspunkt, Picknickplatz, Bar und Hütte nennen, würde bei deutschen Amtspersonen augenblicklich zu Herzrasen und Atemnot führen. Uns aber gefällt der Campingplatz mit Aussicht und Frühstücksplatz vor der dramatischen Bergkulisse außerordentlich gut, und zumindest der Schneck steht auf sicherem Boden.
Von hier aus starten wir eine kleine Wanderung durch den noch von Wolken durchzogenen üppigen Wald, zur vorbildlich geführten Milchfarm, einigen Dörfern und weiteren grandiosen Ausblicken. Joseph, unser Führer, fischt Chamäleons für uns aus den Zweigen, zeigt Kaffeesträucher und –bohnen und erklärt deren Weiterverarbeitung und beinah jede weitere Pflanze am Wegesrand. In einem Dorf können wir einen aus Zuckerrohr gewonnenen Saft und daraus hergestelltes „Bier“ probieren und finden beides überraschend sauer. Die größte Attraktion aber sind wir selbst – einige Dorfkinder haben bisher kaum Weiße gesehen und sind entsprechend aufgeregt. Ihre Mütter kichern und bieten uns niedliche schokoladenfarbige Babys im Tausch gegen unsere Kinder an, was uns für einen Moment beinah in Versuchung führt und aus jedem Haus und von jedem Feld schallen die Jambo! Rufe.
Wir haben uns schwer in die Usambaraberge und ihre freundliche Bevölkerung verliebt, daran kann auch der kräftige nachmittägliche Regenschauer nichts ändern. Die Landschaft ist eine gelungene Mischung aus atemberaubender Natur und lieblich anzuschauendem, ordentlich bewirtschaftetem Farmland. Hier wachsen Möhren und Kartoffeln, Tomaten und Ananas, Kohl und Paprika, Auberginen, Bohnen und Mais unter Mango- und Avocadobäumen, zwischen Bananenstauden und Kaffeesträuchern. Viele Felder sind terrassenförmig an steile und steilste Berghänge geklebt, andere liegen wie eine Patchworkdecke im Tal, dazwischen liegen kleine Wasserfälle und Bewässerungskanäle und die Straßen winden sich durch einen Marktflecken nach dem anderen. Menschen und Tiere machen einen zufriedenen, gepflegten Eindruck und so chaotisch afrikanisch die etwas größeren Orte auch wirken mögen – sie alle sind unglaublich sauber. Die Arbeit der Bauern hier ist sicher hart, aber offensichtlich lohnender als anderswo in Tansania und das Fehlen von Hilfsorganisationen und deren zweifelhaften Projekten fällt angenehm auf – es wird nur wenig und nur von Kindern gebettelt. Stattdessen helfen die größeren Farmen, einige von ihnen in kirchlicher Hand, und der sanfte Tourismus in Form von Arbeitsplätzen und Schulen auf nachhaltigere Art und Weise.
Zum Mittagessen kehren wir im Center Restaurant in Lushoto ein und nach einigen Verständigungsproblemen – hier spricht längst nicht jeder Englisch – haben wir eine Art Bauernomlette aus mit Eiern überbackenen Pommes vor uns und je einen Spieß mit drei winzigen Fleischstückchen vom Grill. Die Tischdecke ist aus Plastik und großflächig mit Werbung für das beliebte Kilimandjaro-Bier bedruckt und in der Ecke an der Bar sitzen ein paar Männer fasziniert vor dem Fernseher, der einen alten Science Fiction Film in Kisuahelisynchronisation bringt. Uns fasziniert viel mehr die Frau mit der großen Schüssel voll Geschirr auf dem Kopf, die auf dem Weg zur Spüle und zurück durch zwei niedrige Türen muss und jedes Mal elegant ein wenig in die Knie geht, ohne dass die Schüssel auch nur schwankt. Das Essen hat uns übrigens wunderbar geschmeckt.
Von hier aus starten wir eine kleine Wanderung durch den noch von Wolken durchzogenen üppigen Wald, zur vorbildlich geführten Milchfarm, einigen Dörfern und weiteren grandiosen Ausblicken. Joseph, unser Führer, fischt Chamäleons für uns aus den Zweigen, zeigt Kaffeesträucher und –bohnen und erklärt deren Weiterverarbeitung und beinah jede weitere Pflanze am Wegesrand. In einem Dorf können wir einen aus Zuckerrohr gewonnenen Saft und daraus hergestelltes „Bier“ probieren und finden beides überraschend sauer. Die größte Attraktion aber sind wir selbst – einige Dorfkinder haben bisher kaum Weiße gesehen und sind entsprechend aufgeregt. Ihre Mütter kichern und bieten uns niedliche schokoladenfarbige Babys im Tausch gegen unsere Kinder an, was uns für einen Moment beinah in Versuchung führt und aus jedem Haus und von jedem Feld schallen die Jambo! Rufe.
Wir haben uns schwer in die Usambaraberge und ihre freundliche Bevölkerung verliebt, daran kann auch der kräftige nachmittägliche Regenschauer nichts ändern. Die Landschaft ist eine gelungene Mischung aus atemberaubender Natur und lieblich anzuschauendem, ordentlich bewirtschaftetem Farmland. Hier wachsen Möhren und Kartoffeln, Tomaten und Ananas, Kohl und Paprika, Auberginen, Bohnen und Mais unter Mango- und Avocadobäumen, zwischen Bananenstauden und Kaffeesträuchern. Viele Felder sind terrassenförmig an steile und steilste Berghänge geklebt, andere liegen wie eine Patchworkdecke im Tal, dazwischen liegen kleine Wasserfälle und Bewässerungskanäle und die Straßen winden sich durch einen Marktflecken nach dem anderen. Menschen und Tiere machen einen zufriedenen, gepflegten Eindruck und so chaotisch afrikanisch die etwas größeren Orte auch wirken mögen – sie alle sind unglaublich sauber. Die Arbeit der Bauern hier ist sicher hart, aber offensichtlich lohnender als anderswo in Tansania und das Fehlen von Hilfsorganisationen und deren zweifelhaften Projekten fällt angenehm auf – es wird nur wenig und nur von Kindern gebettelt. Stattdessen helfen die größeren Farmen, einige von ihnen in kirchlicher Hand, und der sanfte Tourismus in Form von Arbeitsplätzen und Schulen auf nachhaltigere Art und Weise.
Zum Mittagessen kehren wir im Center Restaurant in Lushoto ein und nach einigen Verständigungsproblemen – hier spricht längst nicht jeder Englisch – haben wir eine Art Bauernomlette aus mit Eiern überbackenen Pommes vor uns und je einen Spieß mit drei winzigen Fleischstückchen vom Grill. Die Tischdecke ist aus Plastik und großflächig mit Werbung für das beliebte Kilimandjaro-Bier bedruckt und in der Ecke an der Bar sitzen ein paar Männer fasziniert vor dem Fernseher, der einen alten Science Fiction Film in Kisuahelisynchronisation bringt. Uns fasziniert viel mehr die Frau mit der großen Schüssel voll Geschirr auf dem Kopf, die auf dem Weg zur Spüle und zurück durch zwei niedrige Türen muss und jedes Mal elegant ein wenig in die Knie geht, ohne dass die Schüssel auch nur schwankt. Das Essen hat uns übrigens wunderbar geschmeckt.
Donnerstag, 9. Dezember 2010
Grenze nach Tansania überquert – noch mehr Strandtage – Korogwe -- alle wohlauf und überhaupt nicht in Weihnachtsstimmung
Der ist ganz weich! Jetzt ist er mir wieder durch die Finger gerutscht. – Du mußt schon richtig festhalten. Von oben! Er springt doch immer nach oben. Laß mich mal!.... Oh, jetzt ist er mir auch wieder entwischt. Lili und ich knien in Korogwe neben dem Klo des White Parrot Hotels auf dem Boden und versuchen einen kleinen verirrten Frosch einzufangen. Wir müssen ein komisches Bild abgeben, aber zum Glück sind wir derzeit die einzigen Campinggäste und so bleibt die Rettungsaktion unbemerkt.
In das verschlafene Städtchen, das eigentlich recht malerisch vor der Kulisse der Usambaraberge liegt, dem aber durch den Bau der neuen Durchgangsstraße der Ortskern ebenso wie der Charme abhanden gekommen ist haben uns ein schwerer Koffer und zwei Briefe unserer Kirchengemeinde für die Partnergemeinde in Korogwe geführt. Der Ort zeugt noch von deutscher Kolonialvergangenheit, einige leider halb verfallene Häuser im alten Teil sehen überraschend vertraut aus, während der neuere Teil durch die üblichen Baracken mit Wellblechdach glänzt. Das schönste an Korogwe sind die großen Flammenbäume, die zur Zeit in voller Blüte stehen und das bizarrste ist die Verkaufsausstellung eines Schreiners, der zwischen soliden Bettgestellen und einem altmodischen Waschtisch mit Spiegelaufsatz einen schlichten Sarg präsentiert.
Heute morgen haben wir Abschied genommen vom badewannenwarmen Indischen Ozean, wo wir die letzten Tage südlich von Tanga verbracht haben und uns Richtung Westen auf den Weg gemacht. Ich leg den Fleecepulli mal besser nach oben, bestimmt wird es in den Bergen wieder kalt. hat unsere Tochter überlegt und Guido, der mit durchgeschwitztem Hemd nach einem kurzen Gang zur Rezeption in seinem Stuhl hing grinste: Was glaubt ihr eigentlich wie warm es hier ist? – Keine Ahnung, etwas schwül aber nicht wirklich heiß. Vielleicht so 28 Grad? – Laut dem Thermometer an der Rezeption sind es 38. – Was?! Das kann doch nicht sein…? Heute abend sitzen wir neben einem blinkenden Weihnachtsbaum im Restaurant und versuchen uns an den Gedanken zu gewöhnen, dass bald Weihnachten ist. Im Fernsehen fällt digitaler Schnee und eine Blondine singt Weihnachtslieder -- Fabian fängt haltlos an zu kichern als Guido laut überlegt ob wir dem ausgestopften Impalakopf an der Wand vielleicht eine Christbaumkugel ins Maul schieben könnten. Rudolf das Rentier haben übrigens auch schon gesehen, es stand vor ein paar Tagen plötzlich am Strand und wartete auf Kunden. Äääh, na gut, ich bin nicht mehr so ganz sicher wie Rentiere eigentlich aussehen. Sie sind sehr groß und hochmütig und haben einen Höcker, nicht wahr?
Samstag, 4. Dezember 2010
Zusammenfassung Kenia
Land: Kenia ist Afrika im Kleinformat. Praktisch jede Landschaftsform ist hier zu finden, sei es Wüste, Savanne, Bergwelt, subtropische Strände oder das ostwestfälisch anmutende Hochplateau Laikipias. Der zusätzliche Reiz Kenias besteht darin, dass diese Vielfalt sich auf recht engem Raum zusammendrängt und so innerhalb kurzer Zeit erfahrbar wird. Kenia ist mit Sicherheit nie langweilig. Der Pauschaltourist, der außer den Traumstränden nur eine Kurzsafari in einen der vielen Nationalparks macht ist zu bedauern – die Kombination Strand und Savanne bedient zwar das Klischee wird aber dem Land nicht gerecht. Kenia ist stark geprägt vom Tourismus, nicht ganz preiswert und sicher auch in mancher Hinsicht vom Pauschaltourismus verdorben. Da sich dieser aber auf einige wenige Ecken beschränkt findet man reichlich Gegenden, wo man die Tagessensation ist – und die Gastfreundschaft und das Interesse an den Fremden echt und uneigennützig. Für uns ist Kenia der Anblick des Mount Kenya im Morgengrauen vor üppig grüner Kulisse mit Wasserfällen und exotischen Blüten, sowie das gastfreundliche Dorf Shiraz voller fleißiger lachender Frauen in bunten Tüchern. Ach ja, und es ist das Land der Giraffen ;-).
Leute: Zwischen dem nervigen Beach-Boy, der einem von Schnitzerei bis Drogen alles aufschwatzen will und den Leuten auf dem Land liegen Welten. Letztere können manchmal recht distanziert wirken, tauen aber schnell auf. Insgesamt sind alle beeindruckt und begeistert von den Gästen, die einen so weiten Weg auf sich genommen haben und überschlagen sich mit guten Wünschen. Die Sicherheitswarnungen des Auswärtigen Amtes erscheinen uns im Nachhinein doch etwas übertrieben – wer im Italienurlaub oder auf einem Wochenend-Trip in NY war hat sich den gleichen Risiken ausgesetzt. Nairobi will ich bei dieser Aussage mal außen vor lassen, aber ich würde auch kein Sightseeing in der Bronx machen…
Highlights: Die Savanne voller Giraffen, Antilopen und Elefanten im Samburu-Nationalpark, die Timau Mountain River Lodge am Mount Kenya, der Anblick des Kilimandjaro am Morgen, Barbecue am Strand von Tiwi und unsere Stippvisite im Dorf Shiraz.
Land: Kenia ist Afrika im Kleinformat. Praktisch jede Landschaftsform ist hier zu finden, sei es Wüste, Savanne, Bergwelt, subtropische Strände oder das ostwestfälisch anmutende Hochplateau Laikipias. Der zusätzliche Reiz Kenias besteht darin, dass diese Vielfalt sich auf recht engem Raum zusammendrängt und so innerhalb kurzer Zeit erfahrbar wird. Kenia ist mit Sicherheit nie langweilig. Der Pauschaltourist, der außer den Traumstränden nur eine Kurzsafari in einen der vielen Nationalparks macht ist zu bedauern – die Kombination Strand und Savanne bedient zwar das Klischee wird aber dem Land nicht gerecht. Kenia ist stark geprägt vom Tourismus, nicht ganz preiswert und sicher auch in mancher Hinsicht vom Pauschaltourismus verdorben. Da sich dieser aber auf einige wenige Ecken beschränkt findet man reichlich Gegenden, wo man die Tagessensation ist – und die Gastfreundschaft und das Interesse an den Fremden echt und uneigennützig. Für uns ist Kenia der Anblick des Mount Kenya im Morgengrauen vor üppig grüner Kulisse mit Wasserfällen und exotischen Blüten, sowie das gastfreundliche Dorf Shiraz voller fleißiger lachender Frauen in bunten Tüchern. Ach ja, und es ist das Land der Giraffen ;-).
Leute: Zwischen dem nervigen Beach-Boy, der einem von Schnitzerei bis Drogen alles aufschwatzen will und den Leuten auf dem Land liegen Welten. Letztere können manchmal recht distanziert wirken, tauen aber schnell auf. Insgesamt sind alle beeindruckt und begeistert von den Gästen, die einen so weiten Weg auf sich genommen haben und überschlagen sich mit guten Wünschen. Die Sicherheitswarnungen des Auswärtigen Amtes erscheinen uns im Nachhinein doch etwas übertrieben – wer im Italienurlaub oder auf einem Wochenend-Trip in NY war hat sich den gleichen Risiken ausgesetzt. Nairobi will ich bei dieser Aussage mal außen vor lassen, aber ich würde auch kein Sightseeing in der Bronx machen…
Highlights: Die Savanne voller Giraffen, Antilopen und Elefanten im Samburu-Nationalpark, die Timau Mountain River Lodge am Mount Kenya, der Anblick des Kilimandjaro am Morgen, Barbecue am Strand von Tiwi und unsere Stippvisite im Dorf Shiraz.
Mama setzt sich hierhin und die Beine nach vorne! So, jetzt zeige ich. Die ältere Frau, die für mich beiseite rutscht wirkt ein bißchen verunsichert, also lächle ich erst mal ein Jambo und halte ihr die Hand hin, auf die sie lächelnd klatscht. Jambo grinst sie und beobachtet wie ich Daos Erklärung folge. Die Strohmatten, die in dieser Gegend jedes Hausdach von der kleinsten Hütte bis zum 4-Sterne-Hotel decken werden von den Frauen in Shiraz und in ähnlichen Dörfern hergestellt. Die herabgefallenen Blätter der Kokospalme werden eingesammelt und die schmalen Blattstreifen von den Rippen mit einem großen Messer, ähnlich einer Machete, abgeschnitten. Über einen dünnen geraden Stock gefalzt und an diesem mit einem Sisalstengel verknotet ergibt sich ein Rechteck von ca. 80 mal 60 cm. Diese Matten werden zu zehn Stück gebündelt und zu 50 Shilling das Bündel (0,50 Euro) an die Hotels verkauft, deren große Dächer häufig der Erneuerung bedürfen, und dort dachziegelartig übereinandergelegt und an den Dachsparren festgebunden werden. So entstehen relativ regendichte luftige Dächer, die sich leicht ausbessern oder erneuern lassen. Wenn sie noch sechs Jahre gelernt hat kann sie wiederkommen und hier mitarbeiten. lacht unser deutschsprachiger Führer und die Frauen kichern vor sich hin. Meine Knoten sitzen zwar an den richtigen Stellen, sehen aber bei weitem nicht gleichmäßig genug aus. Außerdem habe ich vergessen auf die richtige Länge der Matte zu achten.
Wir sind durch Zufall in diesem Dorf gelandet, indem man uns so gastfreundlich aufgenommen hat. Gegen Mittag standen wir, vom Navigationsgerät geleitet, in einer traumhaft schönen Bucht in Shimoni. Leider hat sich der Campingplatz inzwischen zur Luxuslodge gemausert, in der laut Werbung auch Gott Urlaub macht, und wir wurden mit unserem Schneck weggeschickt. Kurz darauf wollten wir klüger als das Navi sein und bogen eine Straße zu früh zum nächsten angegebenen Campingplatz ab und standen plötzlich am Ende der Straße in Shiraz, einem 800-Seelen-Dorf ohne Elektrizität, aber mit einer eigenen Moschee, dessen Dorfoberhaupt uns sofort seine Gastfreundschaft anbot. Nach einigem einleitendem Palaver, Tee, Toast und grünen Kokosnüssen wurden wir zur Dorfbesichtigung gebeten und bekamen nicht nur die Herstellung der Dachmatten sondern auch die der Sisalmatten für Fußböden und Betten, sowie die von Coconut Liquor gezeigt. Um den im Koran eigentlich verbotenen, aber offensichtlich begehrten Stoff zu gewinnen, wird der Stiel an dem die Kokosnüsse hängen abgeschnitten (das ist botanisch bestimmt total falsch erklärt, aber vielleicht versteht es trotzdem jemand) und eine Flasche darunter gebunden. Ist die Plastikflasche voll muß sie im hier herrschenden Klima nur ein paar Tage vor sich hin gären, und die illegale und gut versteckte Kneipe unter der Kokospalme kann öffnen. Natürlich wurden wir zur Probe des „Weines“ gebeten, damit sich auch eine ordentliche Ausrede für den Genuss finden ließe und so stießen wir auf die deutsch-kenianische Freundschaft an und probierten neugierig das weißlich trübe Produkt. Guidos höfliches Lächeln gefror ein bißchen und er murmelte etwas wie Das brauche ich kein zweites Mal! , aber ich fand das Erlebnis gar nicht mal so schlimm – oder anders ausgedrückt: Ich habe schon schlimmere Dinge probiert. Irgendwie etwas süß-sauer mit einer ganz leichten Kokosnote, ein bißchen dickflüssig und mit locker 20% - also mit Orangensaft auf Eis hätte mir das ganz gut geschmeckt.
Außer von den Strohmatten lebt das Dorf von einem benachbarten Hotel (mit open-air-Whirlpool auf dem Aussichtsdach). Leider ist die Anlage seit einem halben Jahr wegen Besitzerwechsels geschlossen und so fehlen die Einnahmen der 25 bis 30 Leute, die das Hotel normalerweise beschäftigt.
Im lokalen Supermarkt, einem kleinen Kiosk, haben wir noch acht frittierte Fische fürs Abendbrot gekauft und uns dann zu einer neuen Runde der neugierigen Fragen auf beiden Seiten wieder vor den Truck gesetzt, während Lili und Fabian mit einer Horde Dorfkinder unterwegs waren.
Jetzt sitzen wir drinnen, Fabian schläft schon und Lili beinahe. Das Skandieren der Mädchen des Dorfes, die Lili wieder nach draußen locken wollten hat auch aufgehört und morgen werden wir, sofern man uns hier gehen lässt, die Grenze nach Tansania überqueren.
Wir sind durch Zufall in diesem Dorf gelandet, indem man uns so gastfreundlich aufgenommen hat. Gegen Mittag standen wir, vom Navigationsgerät geleitet, in einer traumhaft schönen Bucht in Shimoni. Leider hat sich der Campingplatz inzwischen zur Luxuslodge gemausert, in der laut Werbung auch Gott Urlaub macht, und wir wurden mit unserem Schneck weggeschickt. Kurz darauf wollten wir klüger als das Navi sein und bogen eine Straße zu früh zum nächsten angegebenen Campingplatz ab und standen plötzlich am Ende der Straße in Shiraz, einem 800-Seelen-Dorf ohne Elektrizität, aber mit einer eigenen Moschee, dessen Dorfoberhaupt uns sofort seine Gastfreundschaft anbot. Nach einigem einleitendem Palaver, Tee, Toast und grünen Kokosnüssen wurden wir zur Dorfbesichtigung gebeten und bekamen nicht nur die Herstellung der Dachmatten sondern auch die der Sisalmatten für Fußböden und Betten, sowie die von Coconut Liquor gezeigt. Um den im Koran eigentlich verbotenen, aber offensichtlich begehrten Stoff zu gewinnen, wird der Stiel an dem die Kokosnüsse hängen abgeschnitten (das ist botanisch bestimmt total falsch erklärt, aber vielleicht versteht es trotzdem jemand) und eine Flasche darunter gebunden. Ist die Plastikflasche voll muß sie im hier herrschenden Klima nur ein paar Tage vor sich hin gären, und die illegale und gut versteckte Kneipe unter der Kokospalme kann öffnen. Natürlich wurden wir zur Probe des „Weines“ gebeten, damit sich auch eine ordentliche Ausrede für den Genuss finden ließe und so stießen wir auf die deutsch-kenianische Freundschaft an und probierten neugierig das weißlich trübe Produkt. Guidos höfliches Lächeln gefror ein bißchen und er murmelte etwas wie Das brauche ich kein zweites Mal! , aber ich fand das Erlebnis gar nicht mal so schlimm – oder anders ausgedrückt: Ich habe schon schlimmere Dinge probiert. Irgendwie etwas süß-sauer mit einer ganz leichten Kokosnote, ein bißchen dickflüssig und mit locker 20% - also mit Orangensaft auf Eis hätte mir das ganz gut geschmeckt.
Außer von den Strohmatten lebt das Dorf von einem benachbarten Hotel (mit open-air-Whirlpool auf dem Aussichtsdach). Leider ist die Anlage seit einem halben Jahr wegen Besitzerwechsels geschlossen und so fehlen die Einnahmen der 25 bis 30 Leute, die das Hotel normalerweise beschäftigt.
Im lokalen Supermarkt, einem kleinen Kiosk, haben wir noch acht frittierte Fische fürs Abendbrot gekauft und uns dann zu einer neuen Runde der neugierigen Fragen auf beiden Seiten wieder vor den Truck gesetzt, während Lili und Fabian mit einer Horde Dorfkinder unterwegs waren.
Jetzt sitzen wir drinnen, Fabian schläft schon und Lili beinahe. Das Skandieren der Mädchen des Dorfes, die Lili wieder nach draußen locken wollten hat auch aufgehört und morgen werden wir, sofern man uns hier gehen lässt, die Grenze nach Tansania überqueren.
Samstag, 27. November 2010
Hallo vom indischen Ozean!
Wer jetzt an weisse von Kokospalmen gesaeumte Sandstraende vor tiefblauem Wasser denkt hat genau das Bild vor Augen, das wir seit einigen Tagen vor Augen haben, wenn wir vor dem Schneck in der Haengematte liegen :-))))).
Tanja war fleissig und hat mir drei Beitraege und einige Keniabilder mitgegeben, um sie in dem sonst internettechnisch duenn besiedelten Kenia einzustellen. Also viel Spass bei der Lektuere und HAKUNA MATATA aus Kenia
Guido & die Schneckbesatzug
Wer jetzt an weisse von Kokospalmen gesaeumte Sandstraende vor tiefblauem Wasser denkt hat genau das Bild vor Augen, das wir seit einigen Tagen vor Augen haben, wenn wir vor dem Schneck in der Haengematte liegen :-))))).
Tanja war fleissig und hat mir drei Beitraege und einige Keniabilder mitgegeben, um sie in dem sonst internettechnisch duenn besiedelten Kenia einzustellen. Also viel Spass bei der Lektuere und HAKUNA MATATA aus Kenia
Guido & die Schneckbesatzug
Eigenheim Naehe Marsabit
Samburu-Frauen
Gerenuk (Giraffengazelle)
Netzgiraffe
Oryx-Antilope
gut, dass das Fenster zu ist....
am Lake Elmentaita
Hell's Gate
Einstieg zum Abstieg
irgendwo im Nirgendwo
kaum noch Schnee am Kilimandjaro
Einkaufen klappt schon prima....
| Mango Man (so nennt er sich selbst) |
Der Mann mit der Harpune kommt immer gegen Mittag. Heute hat er einige Red Snapper, einen veritablen Oktopus, zwei Green Mullet (oder wie schreibt man das?), einen Lemon Fish und einen leuchtend roten Fisch, dessen Suahelinamen wir unaussprechlich finden im Angebot. Dann packt er ein Stoffbündel aus: Vorsicht! sagt er, als die große Languste ihre Fühler ausstreckt. Ihr Körper ist fast schwarz mit unzähligen winzigen bunten Punkten, so dass sie beinah wie ein funkelnder Sternenhimmel aussieht. Leider haben wir keinen Topf, der groß genug wäre – und so verhandelt Guido über zwei große Fische für den Grill. Wir schwelgen seit Tagen in gegrilltem Fisch und einer reichen Auswahl an exotischen Früchten, die die einheimischen Händler in Bastkörben auf ihren Fahrrädern transportieren. Nur der Mann mit der Harpune hat keinen Bastkorb, sondern trägt seinen Fang an Grashalmen in der rechten und die Waffe malerisch in der linken Hand.
Wer jetzt noch nicht neidisch genug ist: Wir sind praktisch allein auf dem Campingplatz am Tiwi Beach, nur gelegentlich lässt sich ein dauerhaft bekifftes Schweizer Pärchen neben uns nieder (the good Malawi stuff wird hier ebenfalls angeboten) und Palmen, türkisblaues Meer und weißer Strand würden gut in die Barcadiwerbung passen. Der Mann, der uns das Feuerholz und die Holzkohle bringt beschwert sich über die ungewöhnliche Hitze für November, aber wir sind bei ca. 30 Grad im Schatten äußerst glücklich. Die Kids üben das Erklimmen der Kokospalmen und sind stundenlang im extrem flachen Wasser unterwegs, wo sie keiner Aufsicht bedürfen oder sammeln Muscheln und Schneckenhäuser.
Wir werden noch ein paar Tage hier bleiben, bevor wir uns Richtung Tanzania aufmachen, um unsere Partnerkirchengemeinde dort aufzusuchen und die Gotteskiste, wie Guido sie nennt, abzuliefern.
Wer jetzt noch nicht neidisch genug ist: Wir sind praktisch allein auf dem Campingplatz am Tiwi Beach, nur gelegentlich lässt sich ein dauerhaft bekifftes Schweizer Pärchen neben uns nieder (the good Malawi stuff wird hier ebenfalls angeboten) und Palmen, türkisblaues Meer und weißer Strand würden gut in die Barcadiwerbung passen. Der Mann, der uns das Feuerholz und die Holzkohle bringt beschwert sich über die ungewöhnliche Hitze für November, aber wir sind bei ca. 30 Grad im Schatten äußerst glücklich. Die Kids üben das Erklimmen der Kokospalmen und sind stundenlang im extrem flachen Wasser unterwegs, wo sie keiner Aufsicht bedürfen oder sammeln Muscheln und Schneckenhäuser.
Wir werden noch ein paar Tage hier bleiben, bevor wir uns Richtung Tanzania aufmachen, um unsere Partnerkirchengemeinde dort aufzusuchen und die Gotteskiste, wie Guido sie nennt, abzuliefern.
NEWS-Ticker: von Nairobi durch den West-Tsavo zum Indischen Ozean – Schneck und Besatzung wohlauf
Der Ranger hängt seine Waffe an einen Nagel in der Wand des kleinen Unterstandes und greift nach einem langen dünnen Stock, um uns und die paar anderen Touristen an diesem Picknick-Platz vor dem Angriff der Affen zu bewahren. Die hübschen Meerkatzen, die hier wegen der leuchtend türkisblauen Hoden der Männchen ganz unwissenschaftlich blue-ball-monkeys heißen, sind zwar nur wenig gefährlich für uns, umso mehr aber für unseren Lunch. Eine Tomate haben wir schon eingebüßt und angesichts der unglaublichen Dreistigkeit der Affenbande schlägt nicht mal meine Tierliebe Alarm als der Stock in ihre Richtung fliegt und tatsächlich einen Affen trifft, der laut kreischend im Blätterdach über uns verschwindet. Seine Freunde und Verwandten schreckt das nur wenig ab – sie sitzen auf der Lauer, beobachten genau und warten auf einen günstigen Moment. Als eine interessiert die noch leicht schaukelnde Waffe betrachtet hüpft das kleine grüne Männchen in meinem Hinterkopf verschreckt auf und ab: Ist die gesichert?? Nicht dass die Waffe gleich zur Affenschaukel wird… Guidos Blick ist in die gleiche Richtung gewandert, seine Gedanken aber offenbar in eine andere: Wie alt ist diese Waffe? – Die ist von 1945! Von den Briten… ein wirklich gutes Gewehr! Das bleibt zu hoffen angesichts der Tatsache, dass die Wilderer von heute mit dem Hubschrauber einfliegen und über modernste Technologie verfügen. Die hübsche Kollegin unseres tapferen Ritters trägt ein etwas aktuelleres Modell über der Schulter, aber in einem Land, in dem selbst Viehhirten Kalaschnikows spazieren tragen, macht ein G-3 keinen großen Eindruck auf uns. Vielleicht sollen die beiden auch eher die Touristen vor den wilden Tieren des Tsavos beschützen als die wilden Tiere vor den Wilderern, aber es sind praktisch keine wilden Tiere da. Der Tsavo prangt zwar teilweise mit schöner Landschaft, aber von den berühmten mähnenlosen Löwen (ja, ja, die menschenfressende Sorte, aus dem Film Der Geist und die Dunkelheit) und den roten Elefanten (ich bin nicht betrunken, der Boden in dieser Gegend ist rötlich, und die Elefanten pudern sich damit ein) ist nichts zu sehen. Möglicherweise spielen sie irgendwo zusammen Skat oder Scrabble. Die Giraffen haben sie jedenfalls nicht dazu eingeladen, die sind überall und wegen ihrer Grazie von uns einstimmig zum Tier des Jahres gewählt worden. Vielleicht sitzen die Löwen und Leoparden aber auch nur im dichten Busch und lachen verschmitzt über unser Bemühen sie zu finden. Wir bleiben jedenfalls erfolglos was die Großkatzen angeht – allerdings entdecken wir noch einen Serval und mehrere Schabrackenschakale als wir am nächsten Morgen zur zweiten Runde starten.
Wir schaffen es unabsichtlich die Nacht im Park kostenlos zu verbringen, weil wir zu spät dran sind und das Tor zum Campingplatz bereits verschlossen und verwaist ist. So bleiben wir einfach vor dem Tor stehen und sparen zu unserer Freude 80 (in Worten: achtzig!) US-Dollar, die wir für das Privileg der Benutzung fragwürdiger sanitärer Anlagen für eine Nacht hätten zusätzlich zum Eintrittspreis zahlen müssen, denn im Park ist wildes Campen verständlicherweise verboten. Und dabei ist der Tsavo nur ein Park der zweiten Preiskategorie.
Das Preisniveau in Kenia – und besonders das der Touristenattraktionen - verleidet uns etwas den Spass. Bei vielen Gelegenheiten fühlen wir uns einfach geneppt oder zumindest gemolken. Ein Südafrikaner, den wir in Nairobi getroffen haben sagte uns über Tansania, das noch deutlich teurer sein soll: Es ist so schade. Man sagt automatisch dauernd aber…. Eine unglaubliche Erfahrung, aber… Ein fantastisches Erlebnis, aber… Dabei kommt das eingenommene Geld ja nicht den Nationalparks zu Gute – sonst wären die Ranger wohl anders bewaffnet, und auch nicht der Bevölkerung, die teilweise nicht mal über Zugang zu sauberem Trinkwasser verfügt, sondern den Herren von der Regierung, die in Nairobi und sonstwo in teuren Autos chauffiert werden und sich Küchen von Poggenpohl leisten.
Die Fahrt vom Tsavo bis Tiwi Beach hat Mensch und Material noch einmal viel abverlangt. Die völlig ruinierte Teerstrasse bis Voi (nicht dass man von dem Teer noch viel hätte erkennen können) hat zu einen ungeplanten Erholungstag auf einer hübschen Lodge geführt, an dem Guido wenig Erholung und mehr Überholung des Schneck betrieben hat, die Kids aber begeistert den Pool unsicher machten. Für die Weiterfahrt zur Küste haben wir dann bewußt einen Umweg über die Dörfer genommen. Zum einen um den Großraum Mombasa zu umgehen, zum anderen um Landschaft und Menschen des ländlichen Kenias noch einmal so richtig zu genießen.
Kenia ist ein Land harter Gegensätze, aber auch großer Vielfalt. Zwischen den Menschen, die in Nairobi ihre Häuser mit Stacheldraht, Hunden und Wachmannschaften umgeben und denen, die auf dem Land mit einem Ochsenpaar das Feld pflügen liegen Welten, ebenso zwischen der rauen heißen Schönheit der Savanne und dem kühlen üppigen Bewuchs des Mount Kenia oder dem Kitschpostkartenidyll des Indischen Ozeans.
Über letzterem sehen wir heute Abend den Vollmond riesig und rötlich aufgehen. Als Abschluss unseres Aufenthalts in Kenia haben wir uns für ein paradiesisches Fleckchen mit Palmen und weißem Sandstrand entschieden, an dem man im warmen Wasser schwimmen und schnorcheln kann und die Seele baumeln lassen. Die Kinder hoffen auf Kokosnüsse und wir alle auf frischen Fisch vom Lagerfeuer.
Der Ranger hängt seine Waffe an einen Nagel in der Wand des kleinen Unterstandes und greift nach einem langen dünnen Stock, um uns und die paar anderen Touristen an diesem Picknick-Platz vor dem Angriff der Affen zu bewahren. Die hübschen Meerkatzen, die hier wegen der leuchtend türkisblauen Hoden der Männchen ganz unwissenschaftlich blue-ball-monkeys heißen, sind zwar nur wenig gefährlich für uns, umso mehr aber für unseren Lunch. Eine Tomate haben wir schon eingebüßt und angesichts der unglaublichen Dreistigkeit der Affenbande schlägt nicht mal meine Tierliebe Alarm als der Stock in ihre Richtung fliegt und tatsächlich einen Affen trifft, der laut kreischend im Blätterdach über uns verschwindet. Seine Freunde und Verwandten schreckt das nur wenig ab – sie sitzen auf der Lauer, beobachten genau und warten auf einen günstigen Moment. Als eine interessiert die noch leicht schaukelnde Waffe betrachtet hüpft das kleine grüne Männchen in meinem Hinterkopf verschreckt auf und ab: Ist die gesichert?? Nicht dass die Waffe gleich zur Affenschaukel wird… Guidos Blick ist in die gleiche Richtung gewandert, seine Gedanken aber offenbar in eine andere: Wie alt ist diese Waffe? – Die ist von 1945! Von den Briten… ein wirklich gutes Gewehr! Das bleibt zu hoffen angesichts der Tatsache, dass die Wilderer von heute mit dem Hubschrauber einfliegen und über modernste Technologie verfügen. Die hübsche Kollegin unseres tapferen Ritters trägt ein etwas aktuelleres Modell über der Schulter, aber in einem Land, in dem selbst Viehhirten Kalaschnikows spazieren tragen, macht ein G-3 keinen großen Eindruck auf uns. Vielleicht sollen die beiden auch eher die Touristen vor den wilden Tieren des Tsavos beschützen als die wilden Tiere vor den Wilderern, aber es sind praktisch keine wilden Tiere da. Der Tsavo prangt zwar teilweise mit schöner Landschaft, aber von den berühmten mähnenlosen Löwen (ja, ja, die menschenfressende Sorte, aus dem Film Der Geist und die Dunkelheit) und den roten Elefanten (ich bin nicht betrunken, der Boden in dieser Gegend ist rötlich, und die Elefanten pudern sich damit ein) ist nichts zu sehen. Möglicherweise spielen sie irgendwo zusammen Skat oder Scrabble. Die Giraffen haben sie jedenfalls nicht dazu eingeladen, die sind überall und wegen ihrer Grazie von uns einstimmig zum Tier des Jahres gewählt worden. Vielleicht sitzen die Löwen und Leoparden aber auch nur im dichten Busch und lachen verschmitzt über unser Bemühen sie zu finden. Wir bleiben jedenfalls erfolglos was die Großkatzen angeht – allerdings entdecken wir noch einen Serval und mehrere Schabrackenschakale als wir am nächsten Morgen zur zweiten Runde starten.
Wir schaffen es unabsichtlich die Nacht im Park kostenlos zu verbringen, weil wir zu spät dran sind und das Tor zum Campingplatz bereits verschlossen und verwaist ist. So bleiben wir einfach vor dem Tor stehen und sparen zu unserer Freude 80 (in Worten: achtzig!) US-Dollar, die wir für das Privileg der Benutzung fragwürdiger sanitärer Anlagen für eine Nacht hätten zusätzlich zum Eintrittspreis zahlen müssen, denn im Park ist wildes Campen verständlicherweise verboten. Und dabei ist der Tsavo nur ein Park der zweiten Preiskategorie.
Das Preisniveau in Kenia – und besonders das der Touristenattraktionen - verleidet uns etwas den Spass. Bei vielen Gelegenheiten fühlen wir uns einfach geneppt oder zumindest gemolken. Ein Südafrikaner, den wir in Nairobi getroffen haben sagte uns über Tansania, das noch deutlich teurer sein soll: Es ist so schade. Man sagt automatisch dauernd aber…. Eine unglaubliche Erfahrung, aber… Ein fantastisches Erlebnis, aber… Dabei kommt das eingenommene Geld ja nicht den Nationalparks zu Gute – sonst wären die Ranger wohl anders bewaffnet, und auch nicht der Bevölkerung, die teilweise nicht mal über Zugang zu sauberem Trinkwasser verfügt, sondern den Herren von der Regierung, die in Nairobi und sonstwo in teuren Autos chauffiert werden und sich Küchen von Poggenpohl leisten.
Die Fahrt vom Tsavo bis Tiwi Beach hat Mensch und Material noch einmal viel abverlangt. Die völlig ruinierte Teerstrasse bis Voi (nicht dass man von dem Teer noch viel hätte erkennen können) hat zu einen ungeplanten Erholungstag auf einer hübschen Lodge geführt, an dem Guido wenig Erholung und mehr Überholung des Schneck betrieben hat, die Kids aber begeistert den Pool unsicher machten. Für die Weiterfahrt zur Küste haben wir dann bewußt einen Umweg über die Dörfer genommen. Zum einen um den Großraum Mombasa zu umgehen, zum anderen um Landschaft und Menschen des ländlichen Kenias noch einmal so richtig zu genießen.
Kenia ist ein Land harter Gegensätze, aber auch großer Vielfalt. Zwischen den Menschen, die in Nairobi ihre Häuser mit Stacheldraht, Hunden und Wachmannschaften umgeben und denen, die auf dem Land mit einem Ochsenpaar das Feld pflügen liegen Welten, ebenso zwischen der rauen heißen Schönheit der Savanne und dem kühlen üppigen Bewuchs des Mount Kenia oder dem Kitschpostkartenidyll des Indischen Ozeans.
Über letzterem sehen wir heute Abend den Vollmond riesig und rötlich aufgehen. Als Abschluss unseres Aufenthalts in Kenia haben wir uns für ein paradiesisches Fleckchen mit Palmen und weißem Sandstrand entschieden, an dem man im warmen Wasser schwimmen und schnorcheln kann und die Seele baumeln lassen. Die Kinder hoffen auf Kokosnüsse und wir alle auf frischen Fisch vom Lagerfeuer.
Die berühmte Schneekappe des Kilimanjaro ist dem Klimawandel zum Opfer gefallen, aber ein heftiger Regenguss am gestrigen Abend hat die majestätischen Gipfel mit dünnem Eis bedeckt und für klare Sicht gesorgt. Als wir in unserem Buschcamp im Morgengrauen aufwachen sind die beiden höchsten Spitzen des Massivs klar zu sehen und wir stehen ein paar Minuten später mit dampfenden Teebechern und unseren Kameras staunend vor dem unglaublichen Anblick – zum Amusement der lokalen Bevölkerung, die sich um diese Zeit aufmacht um auf den Feldern am Fuß des Berges zu arbeiten oder in der nahegelegenen Kleinstadt nach einem Job für den Tag zu fragen. Wir werden ungeniert ausgefragt Wo kommt ihr her? Habt ihr in dem Auto geschlafen? Sind das eure Kinder? Wo wollt ihr hin? und müssen viele Hände schütteln. Moses und Asuf möchten auf ihren Mopeds fotografiert werden und es stört sie gar nicht, dass sie das Bild nur auf dem kleinen Kameradisplay zu sehen bekommen – die Versicherung, dass wir es zu Hause unseren Freunden zeigen werden genügt ihnen vollkommen. Die Frauen stehen kichernd um die Kinder herum, die das Aufsehen, dass sie erregen inzwischen gewöhnt sind.
Den Tag zuvor waren wir es, die neugierige Blicke geworfen haben, denn die Gegend ist Massailand und überall entlang der Straße konnten wir in die mit Dornenwällen geschützten runden Höfe schauen und die traditionell gewandeten Menschen bestaunen. Die Massai sind sehr stolz auf ihre Traditionen und ähnlich wie die Samburu im Norden eine echte Augenweide: Große schlanke Menschen in stolzer Haltung mit auffälligem Perlenschmuck und in bunte oder rötliche Tücher gehüllt schreiten gelassen durch den Busch oder winken uns freundlich zu. Kenias Regierung, die sich überwiegend aus dem Stamm der Kikuju rekrutiert hat ihnen kürzlich Land zurückgeben müssen und so profitiert der Stamm jetzt direkt von den Einnahmen aus dem Amboseli-Nationalpark und den umliegenden Lodges. Eine Entwicklung die hoffentlich nicht zu noch mehr Vieh in dieser bereits überweideten Gegend führt, denn auch die Massai halten Rinder als Statussymbol und Wertanlage. Am Abend jedenfalls verloren die meisten Massai viel vor ihrer Würde als der Wolkenbruch sie ebenso wie uns überraschte und dann einen herrlichen Regenbogen über der Landschaft entstehen ließ: Hektisch strebte jeder auf die Hütten zu und duckte sich rasch unter den niedrigen Eingang während wir kaum weniger hektisch die Wassereinbrüche in der Fahrerkabine des Schneck bekämpften. Der Schneck ist eben ein Schönwetterfahrzeug und sintflutartige Regenfälle sind nicht sein Ding. Zum Glück ist der Koffer – unser Schneckenhaus – wasserdicht. An der Küste soll das Wetter besser sein… in den letzten Tagen hat es fast täglich einmal geregnet, wenn auch nur selten so heftig, und die Temperaturen schätzen wir auf höchstens 25 Grad Celsius. Ein bißchen wärmer und trockener dürfte es ruhig sein!
Den Tag zuvor waren wir es, die neugierige Blicke geworfen haben, denn die Gegend ist Massailand und überall entlang der Straße konnten wir in die mit Dornenwällen geschützten runden Höfe schauen und die traditionell gewandeten Menschen bestaunen. Die Massai sind sehr stolz auf ihre Traditionen und ähnlich wie die Samburu im Norden eine echte Augenweide: Große schlanke Menschen in stolzer Haltung mit auffälligem Perlenschmuck und in bunte oder rötliche Tücher gehüllt schreiten gelassen durch den Busch oder winken uns freundlich zu. Kenias Regierung, die sich überwiegend aus dem Stamm der Kikuju rekrutiert hat ihnen kürzlich Land zurückgeben müssen und so profitiert der Stamm jetzt direkt von den Einnahmen aus dem Amboseli-Nationalpark und den umliegenden Lodges. Eine Entwicklung die hoffentlich nicht zu noch mehr Vieh in dieser bereits überweideten Gegend führt, denn auch die Massai halten Rinder als Statussymbol und Wertanlage. Am Abend jedenfalls verloren die meisten Massai viel vor ihrer Würde als der Wolkenbruch sie ebenso wie uns überraschte und dann einen herrlichen Regenbogen über der Landschaft entstehen ließ: Hektisch strebte jeder auf die Hütten zu und duckte sich rasch unter den niedrigen Eingang während wir kaum weniger hektisch die Wassereinbrüche in der Fahrerkabine des Schneck bekämpften. Der Schneck ist eben ein Schönwetterfahrzeug und sintflutartige Regenfälle sind nicht sein Ding. Zum Glück ist der Koffer – unser Schneckenhaus – wasserdicht. An der Küste soll das Wetter besser sein… in den letzten Tagen hat es fast täglich einmal geregnet, wenn auch nur selten so heftig, und die Temperaturen schätzen wir auf höchstens 25 Grad Celsius. Ein bißchen wärmer und trockener dürfte es ruhig sein!
Mittwoch, 17. November 2010
Die Felsen sind mit einer leuchtend grünen Schicht überzogen, über die das Wasser circa vier Meter tief in einem Spalt in den Felsen verschwindet und sich dort mit dem Bach vereinigt. Hot shower verkündet Francis fröhlich und ergänzt Kommt runter! Der Pfad da oben taugt nur für Paviane. Der Weg ist hier! Francis ist ungefähr zwölf und hat sich zu unserem Führer für die Wanderung durch die Hell's Gate Schlucht im gleichnamigen Nationalpark ernannt. Wanderung trifft es aber nicht ganz - es ist eher eine Kletterpartie durch das zur Zeit fast trockene und nur sehr schmale Flußbett, das von hohen Wänden eingerahmt ist. Als das Rift Valley entstand begannen die Wassermassen einen tausende Jahre dauernden Prozess der Auswaschung, dessen Höhepunkt (oder eigentlich tiefsten Punkt) wir nun vor uns haben. Der Spalt im Boden ist an dieser Stelle nur 1,50 m breit und das heiße Wasser der Quelle einige Meter weiter oben spritzt heftig. Die Kinder und wir zögern etwas - aber der Weg zurück ist ganz bestimmt nicht einfacher. Schon an einigen Stellen sind wir Felsen hinabgerutscht und haben uns von Francis Anweisungen leiten und von Guido auffangen lassen. Der sogenannte Wanderweg durch die Schlucht ist eine Einbahnstraße. Also reicht Guido mir den Rucksack und begibt sich von Francis gecoacht in den Spalt. Rechts festhalten und jetzt links - nein weiter unten - den Fuss hierhin, dann dort... Es geht besser als erwartet und Guido dreht sich dicht am Felsen und noch außerhalb der Spritzwasserzone um und hilft uns herunter. Ein kurzer Sprint durch die nicht ganz so heiße Dusche und weiter gehts.
Die Höllentorschlucht hat dem Nationalpark den Namen gegeben, aber wir sind auch sonst von dem kleinen Park begeistert: Es gibt hier so viele Warzenschweine wie nirgendwo sonst, es ist überall erlaubt aus dem Auto auszusteigen und es gelingt uns tatsächlich zu Fuß auf vielleicht 15m an einen Giraffenbullen heranzukommen, der uns sehr neugierig und fast zehn Minuten lang aus seiner luftigen Höhe betrachtet. Als wir etwas später eine Büffelherde entdecken sind wir allerdings weniger mutig und bleiben lieber im Schneck. Es kommen in Afrika mehr Menschen durch Büffel ums Leben als durch Raubkatzen oder Hippos...
Am nächsten Tag sind wir nach Nairobi weitergefahren um dem Schneck eine gründliche Inspektion und Pflege zukommen zu lassen und erleben die andere Seite Kenias: Slums in den Außenbezirken, von Stacheldraht umgebene Villenviertel, luxuriöse Einkaufszentren - wieder eine Hauptstadt, die uns nicht zusagt.
Auf unserer bisherigen Hitliste der Hauptstädte (Wenn wir in einer der besuchten Hauptstädte leben müßten - welche würden wir wählen?) kommt Nairobi für uns an dritter Stelle nach Khartoum und Kairo und vor Addis Abbeba.
Die Höllentorschlucht hat dem Nationalpark den Namen gegeben, aber wir sind auch sonst von dem kleinen Park begeistert: Es gibt hier so viele Warzenschweine wie nirgendwo sonst, es ist überall erlaubt aus dem Auto auszusteigen und es gelingt uns tatsächlich zu Fuß auf vielleicht 15m an einen Giraffenbullen heranzukommen, der uns sehr neugierig und fast zehn Minuten lang aus seiner luftigen Höhe betrachtet. Als wir etwas später eine Büffelherde entdecken sind wir allerdings weniger mutig und bleiben lieber im Schneck. Es kommen in Afrika mehr Menschen durch Büffel ums Leben als durch Raubkatzen oder Hippos...
Am nächsten Tag sind wir nach Nairobi weitergefahren um dem Schneck eine gründliche Inspektion und Pflege zukommen zu lassen und erleben die andere Seite Kenias: Slums in den Außenbezirken, von Stacheldraht umgebene Villenviertel, luxuriöse Einkaufszentren - wieder eine Hauptstadt, die uns nicht zusagt.
Auf unserer bisherigen Hitliste der Hauptstädte (Wenn wir in einer der besuchten Hauptstädte leben müßten - welche würden wir wählen?) kommt Nairobi für uns an dritter Stelle nach Khartoum und Kairo und vor Addis Abbeba.
Montag, 15. November 2010
Hallo aus Nairobi :-)
Habt Ihr einen Kaffee und Kekse parat?
Ich habe den letzten Äthiopienbeitrag eingestellt, dazu Fotos und die Zusammenfassung Äthiopien und die ersten drei (recht kurzen) Kenia-Beiträge. Es gibt also einiges zu lesen und Ihr müßt weit zurückscrollen und vielleicht sogar blättern... Wenn es mich morgen packt schreibe ich nämlich noch einen Beitrag und stelle die ersten Kenia-Fotos ein. Wenn das keine Drohung ist...
LG
Tanja
Habt Ihr einen Kaffee und Kekse parat?
Ich habe den letzten Äthiopienbeitrag eingestellt, dazu Fotos und die Zusammenfassung Äthiopien und die ersten drei (recht kurzen) Kenia-Beiträge. Es gibt also einiges zu lesen und Ihr müßt weit zurückscrollen und vielleicht sogar blättern... Wenn es mich morgen packt schreibe ich nämlich noch einen Beitrag und stelle die ersten Kenia-Fotos ein. Wenn das keine Drohung ist...
LG
Tanja
NEWS-Ticker: Laikipia-Plateau – Nakuru – Lake Elmentaita – Lake Naivasha – Schneck und Besatzung wohlauf
Im Licht der Taschenlampe schälen sich zwei rundliche Formen aus dem Grau. Die beiden halbstarken Flusspferde haben den Lake Naivasha zum nächtlichen Grasen verlassen und stehen jetzt zwischen meterhohem Papyrus und dem Elektrozaun des Campingplatzes. Irgendwie sehen sie aus als müßten sie Happy Hippo und Hubba Bubba heißen, wie sie sich auf ihren kurzen Beinen langsam und lautlos über das Gras bewegen.
Vor einer Stunde ging es weniger lautlos zu, als die Alttiere noch im flachen Wasser zwischen Booten und Seerosen stehend sich mit lauten Rufen und Grunzlauten verständigten. Jetzt platscht es vernehmlich im Papyrus, einige Gänse schimpfen in ihrem Schlaf gestört vor sich hin und ein riesiges Hippo bricht durch die dichte Vegetation. Kurz darauf hören wir nur noch ein leises Schnaufen und das regelmäßige rupf-rupf eines glücklich grasenden Hippos. Unsere Augen tun sich schwer im schwachen Mondlicht etwas zu erkennen, obwohl das Tier kaum fünf Meter von uns entfernt ist, also kommt wieder die Taschenlampe zum Einsatz. Das macht den Großvater aller Flusspferde aber nervös, und mit einer raschen Wendung und etwas Anlauf springt er aus vollem Lauf ins wieder ins Wasser. Ein gewaltiger Platsch ist zu hören, als würde Obelix den See leeren, dann ist er spurlos verschwunden.
Das nächtliche Erlebnis ist der Höhepunkt unseres Zwischenstopps am Lake Naivasha, aber nicht das einzige beeindruckende Erlebnis an diesem Frischwassersee im Rift Valley: Noch vor der Dämmerung, als wir mit unserem Tee gemütlich vor dem Schneck saßen schwebten an die dreißig Marabus auf dem Platz ein und untersuchten die Mülltonnen auf Eßbares. Wir kennen Hunde, Krähen und Paviane, die Mülltonnen plündern – Marabus sind wir auf diese Art noch nie begegnet. Die großen greisenhaft wirkenden Vögel, die sich mit würdevollem Staksen vorwärtsbewegen haben mit den offenen, flachen Fässern leichtes Spiel, und lassen sich zur Freude der Kinder aus nächster Nähe beobachten. Jetzt, im ersten Licht des Morgens, rückt die Mülltonnenkontrolle soeben erneut an…
Im Licht der Taschenlampe schälen sich zwei rundliche Formen aus dem Grau. Die beiden halbstarken Flusspferde haben den Lake Naivasha zum nächtlichen Grasen verlassen und stehen jetzt zwischen meterhohem Papyrus und dem Elektrozaun des Campingplatzes. Irgendwie sehen sie aus als müßten sie Happy Hippo und Hubba Bubba heißen, wie sie sich auf ihren kurzen Beinen langsam und lautlos über das Gras bewegen.
Vor einer Stunde ging es weniger lautlos zu, als die Alttiere noch im flachen Wasser zwischen Booten und Seerosen stehend sich mit lauten Rufen und Grunzlauten verständigten. Jetzt platscht es vernehmlich im Papyrus, einige Gänse schimpfen in ihrem Schlaf gestört vor sich hin und ein riesiges Hippo bricht durch die dichte Vegetation. Kurz darauf hören wir nur noch ein leises Schnaufen und das regelmäßige rupf-rupf eines glücklich grasenden Hippos. Unsere Augen tun sich schwer im schwachen Mondlicht etwas zu erkennen, obwohl das Tier kaum fünf Meter von uns entfernt ist, also kommt wieder die Taschenlampe zum Einsatz. Das macht den Großvater aller Flusspferde aber nervös, und mit einer raschen Wendung und etwas Anlauf springt er aus vollem Lauf ins wieder ins Wasser. Ein gewaltiger Platsch ist zu hören, als würde Obelix den See leeren, dann ist er spurlos verschwunden.
Das nächtliche Erlebnis ist der Höhepunkt unseres Zwischenstopps am Lake Naivasha, aber nicht das einzige beeindruckende Erlebnis an diesem Frischwassersee im Rift Valley: Noch vor der Dämmerung, als wir mit unserem Tee gemütlich vor dem Schneck saßen schwebten an die dreißig Marabus auf dem Platz ein und untersuchten die Mülltonnen auf Eßbares. Wir kennen Hunde, Krähen und Paviane, die Mülltonnen plündern – Marabus sind wir auf diese Art noch nie begegnet. Die großen greisenhaft wirkenden Vögel, die sich mit würdevollem Staksen vorwärtsbewegen haben mit den offenen, flachen Fässern leichtes Spiel, und lassen sich zur Freude der Kinder aus nächster Nähe beobachten. Jetzt, im ersten Licht des Morgens, rückt die Mülltonnenkontrolle soeben erneut an…
NEWS-Ticker: Fahrt über Isiolo zum Mount Kenya – Wanderung in 2500m Höhe bei wechselhaftem Wetter – Nashörner am Wegesrand – Thomas Falls
Der zweithöchste Berg Kenias hüllt sich in dichte Wolken, so dass alles über dem Hochplateau auf dem wir uns befinden verborgen bleibt. Nur früh am Morgen sieht man den schneebedeckten Gipfel vor blauem Himmel aufragen.
Wir haben zwei Nächte auf der Timau River Lodge in 2500m Höhe verbracht und eine schöne Wanderung zu einer Forellenfarm unternommen. Die Kids durften die Forellen füttern und bestanden beim anschließenden Verzehr darauf, dass sie ihr Essen selbst gefüttert hätten. Überall in den Gärten blühen Agapanthus und Anthurien und viele uns unbekannte Pflanzen, und die hohen Bleistiftzedern duften in der feuchten Luft ganz herrlich.
Der Besitzer der Lodge, einer der vielen indischstämmigen Kenianer, hat uns mit vielen Tipps und guten Wünschen auf die Weiterreise geschickt und so nehmen wir eine Abkürzung, die weder auf der Karte noch im GPS verzeichnet ist und fahren fast 25 km entlang des Zauns einer großen Wildfarm. Und tatsächlich: Neben Wasserbüffeln, Oryxantilopen, Impalas, Warzenschweinen und Kronenkranichen grasen Nashörner keine 100m von uns entfernt. Guido klettert für ein optimales Bestimmungsfoto auf das Dach des Schnecks und dann steht es fest: Spitzmaulnashörner. Wir sind alle ganz verzaubert wie ruhig und friedlich diese grauen Riesen wirken. Eines schaut lange und gründlich unseren Schneck an – Nashörner sind kurzsichtig. Was mag es über das rote Ungetüm hinter dem Elektrozaun denken?
Am Spätnachmittag erreichen wir auf einer fürchterlich schlechten Straße die Wasserfälle bei Nyahururu, die auch als Thomas Falls bekannt sind. Über 70m tief stürzt hier der Fluß in eine Schlucht, in die wir über unzählige Stufen hinunterklettern. Die Vegetation erinnert in ihrer Üppigkeit an einen Regenwald – ein starker Kontrast zu den riesigen Stoppelfeldern und trockenen Weiden des Laikipiaplateaus über das wir heute gefahren sind. Wir schaffen es gerade noch vor Einbruch der Dunkelheit wieder nach oben und setzen uns bei Kerzenschein zum Abendessen. Gemüse, nörgelt Fabian angesichts des Weißkohls und nimmt dann doch einen Nachschlag - klettern macht eben hungrig. Morgen werden wir sicher alle über Muskelkater klagen!
Der zweithöchste Berg Kenias hüllt sich in dichte Wolken, so dass alles über dem Hochplateau auf dem wir uns befinden verborgen bleibt. Nur früh am Morgen sieht man den schneebedeckten Gipfel vor blauem Himmel aufragen.
Wir haben zwei Nächte auf der Timau River Lodge in 2500m Höhe verbracht und eine schöne Wanderung zu einer Forellenfarm unternommen. Die Kids durften die Forellen füttern und bestanden beim anschließenden Verzehr darauf, dass sie ihr Essen selbst gefüttert hätten. Überall in den Gärten blühen Agapanthus und Anthurien und viele uns unbekannte Pflanzen, und die hohen Bleistiftzedern duften in der feuchten Luft ganz herrlich.
Der Besitzer der Lodge, einer der vielen indischstämmigen Kenianer, hat uns mit vielen Tipps und guten Wünschen auf die Weiterreise geschickt und so nehmen wir eine Abkürzung, die weder auf der Karte noch im GPS verzeichnet ist und fahren fast 25 km entlang des Zauns einer großen Wildfarm. Und tatsächlich: Neben Wasserbüffeln, Oryxantilopen, Impalas, Warzenschweinen und Kronenkranichen grasen Nashörner keine 100m von uns entfernt. Guido klettert für ein optimales Bestimmungsfoto auf das Dach des Schnecks und dann steht es fest: Spitzmaulnashörner. Wir sind alle ganz verzaubert wie ruhig und friedlich diese grauen Riesen wirken. Eines schaut lange und gründlich unseren Schneck an – Nashörner sind kurzsichtig. Was mag es über das rote Ungetüm hinter dem Elektrozaun denken?
Am Spätnachmittag erreichen wir auf einer fürchterlich schlechten Straße die Wasserfälle bei Nyahururu, die auch als Thomas Falls bekannt sind. Über 70m tief stürzt hier der Fluß in eine Schlucht, in die wir über unzählige Stufen hinunterklettern. Die Vegetation erinnert in ihrer Üppigkeit an einen Regenwald – ein starker Kontrast zu den riesigen Stoppelfeldern und trockenen Weiden des Laikipiaplateaus über das wir heute gefahren sind. Wir schaffen es gerade noch vor Einbruch der Dunkelheit wieder nach oben und setzen uns bei Kerzenschein zum Abendessen. Gemüse, nörgelt Fabian angesichts des Weißkohls und nimmt dann doch einen Nachschlag - klettern macht eben hungrig. Morgen werden wir sicher alle über Muskelkater klagen!
NEWS-Ticker: Grenze nach Kenia überquert – Piste Moyale-Marsabit gemeistert – erste Elefanten, Giraffen, Warzenschweine usw. in Samburu – Schneck wieder instandgesetzt – Besatzung wohlauf
Jambo! Wir sind in Kenia!
Soviel vorweg: Alles was an Schreckensgeschichten über die Piste von der Grenzstadt Moyale nach Marsabit im Umlauf ist entspricht der Wahrheit – abgesehen davon, dass die Strasse (die keine ist, sie verdient nicht mal den Titel einer Piste) auch auf den nächsten hundert Kilometern nicht besser wird. Es läßt sich eigentlich gar nicht beschreiben: teils schlimmstes Wellblech, teils einfach nur eine Aneinanderreihung von tiefen Löchern, teils Buckelpiste aus mal spitzen und mal runden Steinen, dann wieder alles zusammen.. Der Schneck hat sich prompt über die schlechte Behandlung beschwert: In Marsabit mußten wir die Kofferbrücke erneut schweißen lassen und Guido hat Lecks bzw. losgerüttelte Teile an Dieselfiltern und Bremsleitung (zum Druckluftbehälter) repariert. Wir gehen jede Wette ein, dass die große Zahl an Autowerkstätten in Marsabit kein Zufall ist.
Die weitere Strecke bis Archers Post war nur zur Hälfte genau so katastrophal – die zweite Hälfte ist frisch geteert! Gleich heute Morgen wollten wir dann im ersten Tageslicht in den Samburu Nationalpark aufbrechen – da war der rechte Hinterreifen platt. Wohl ein letzter Gruss von der materialmordenden Piste. Die Jungs vom örtlichen Reifendienst haben die zwei Löcher im Schlauch aber rasch gefunden und geflickt, und für umgerechnet 6 Euro mußte Guido nicht mal selber Hand anlegen.
Gegen 11 Uhr waren wir dann doch noch im Park und da stehen wir jetzt: Kenia, wie man es sich vorstellt. Ein Lagerfeuer im Busch als Abschluß eines Tages voller Höhepunkte: Elefantenherde direkt neben dem Schneck, Netzgiraffen mit anmutig schräg gelegtem Kopf, rennende Warzenschweine, riesige Zebraherden vor grandioser Landschaft, Meerkatzen auf dem Außenspiegel….. Morgen gehen wir weiter auf die (Foto-)Pirsch und suchen nach Löwen und Geparden.
Jambo! Wir sind in Kenia!
Soviel vorweg: Alles was an Schreckensgeschichten über die Piste von der Grenzstadt Moyale nach Marsabit im Umlauf ist entspricht der Wahrheit – abgesehen davon, dass die Strasse (die keine ist, sie verdient nicht mal den Titel einer Piste) auch auf den nächsten hundert Kilometern nicht besser wird. Es läßt sich eigentlich gar nicht beschreiben: teils schlimmstes Wellblech, teils einfach nur eine Aneinanderreihung von tiefen Löchern, teils Buckelpiste aus mal spitzen und mal runden Steinen, dann wieder alles zusammen.. Der Schneck hat sich prompt über die schlechte Behandlung beschwert: In Marsabit mußten wir die Kofferbrücke erneut schweißen lassen und Guido hat Lecks bzw. losgerüttelte Teile an Dieselfiltern und Bremsleitung (zum Druckluftbehälter) repariert. Wir gehen jede Wette ein, dass die große Zahl an Autowerkstätten in Marsabit kein Zufall ist.
Die weitere Strecke bis Archers Post war nur zur Hälfte genau so katastrophal – die zweite Hälfte ist frisch geteert! Gleich heute Morgen wollten wir dann im ersten Tageslicht in den Samburu Nationalpark aufbrechen – da war der rechte Hinterreifen platt. Wohl ein letzter Gruss von der materialmordenden Piste. Die Jungs vom örtlichen Reifendienst haben die zwei Löcher im Schlauch aber rasch gefunden und geflickt, und für umgerechnet 6 Euro mußte Guido nicht mal selber Hand anlegen.
Gegen 11 Uhr waren wir dann doch noch im Park und da stehen wir jetzt: Kenia, wie man es sich vorstellt. Ein Lagerfeuer im Busch als Abschluß eines Tages voller Höhepunkte: Elefantenherde direkt neben dem Schneck, Netzgiraffen mit anmutig schräg gelegtem Kopf, rennende Warzenschweine, riesige Zebraherden vor grandioser Landschaft, Meerkatzen auf dem Außenspiegel….. Morgen gehen wir weiter auf die (Foto-)Pirsch und suchen nach Löwen und Geparden.
Zusammenfassung Äthiopien
Land: Das Dach Afrikas ist ein Land landschaftlicher Höhepunkte, die sich beinah pausenlos aneinanderreihen. Wer Berglandschaften mag muss (Nord-)Äthiopien gesehen haben, wo sich hinter jeder Kurve neue spektakuläre Aussichten bieten. Auch die Seen im Rift Valley sind wunderschön: Lake Langano, Lake Shala, Lake Abiata, Lake Chamo, Lake Abaya… Oktober und November sind die perfekte Reisezeit, weil alles grün ist und so bietet sich das Land eigentlich als Reiseziel für die Herbstferien an. Man kann Rundreisen mit Reiseleitung buchen oder einfach ab Addis mit einem gemieteten Landrover selber fahren, zu den wichtigsten Städten gibt es ab Addis auch Flugverbindungen.
Leute: Die Äthiopier sind sicherlich gewöhnungsbedürftiger als viele andere Afrikaner, aber im Allgemeinen sehr freundlich. Da es eher wenig Touristen gibt sind Weiße „zum Anfassen“ wie wir vielerorts noch eine Sensation und weiße Kinder ganz besonders. Die mangelnde Distanz der Äthiopier kann nerven: Kaum aus dem Auto ausgestiegen ist man umringt und selbst im Auto wird man bei jedem Stopp angesprochen und genau beobachtet. Allerdings erlebt man das auch in einigen anderen afrikanischen Ländern. Das schrille you-you-you und farandschi, farandschi (hier ist jeder Weiße noch ein „Franke“) der Kinder begleitet einen die ganze Zeit.
Äthiopien ist ein Land der Bettler und Steineschmeißer? Wir sind keinerlei Fremdenfeindlichkeit begegnet und Steine hat man auch nicht nach uns geworfen. Es würde uns nicht wundern, wenn es ab und zu vorkäme, denn in Äthiopien schmeißen Kinder mit Steinen nach dem Vieh um es zu lenken und die Erwachsenen mit Steinen nach Kindern, um sie zu erziehen. Ein Stein , den man schon in der Hand hält ist schnell auch mal hinter einem komischen Auto hergeworfen… Aber es scheint wohl eher die Ausnahme zu sein. Im Reiseführer wurde davor gewarnt nach Chencha rein zu fahren, weil man dort von den Kindern massiv beworfen werde – wir sind hingefahren und über den Markt geschlendert und sind nur Freundlichkeit begegnet.
Ein Land der Bettler ist Äthiopien zweifellos. Geprägt von Jahrzehnten fehlgeleiteter Entwicklungshilfe, die jede Eigeninitiative oder Weiterentwicklung im Keim erstickt hat sowie von einer Kultur in der jeder, der etwas braucht, zunächst einen anderen darum bittet ehe er es selbst besorgt, betteln Äthiopier gewohnheitsmäßig, ständig und alle. Eine Ablehnung etwas zu geben wird aber fast nie übel genommen – schließlich ist man kein Verwandter, der verpflichtet wäre alles zu teilen.
Äthiopien ist auf jeden Fall ein Land der Kinder, von denen es (Entschuldigung!) viel zu viele gibt. Zur Zeit bewirtschaftet eine Familie (vom Selbstverständnis her ist jeder Äthiopier Bauer und in der Realität stützen sich bestimmt 95% der Bevölkerung auf den Eigenanbau) ca. einen Hektar Land. Da Land auf alle Kinder zu gleichen Teilen weitervererbt wird ist dies die letzte Generation, die überhaupt noch eine Chance hat von ihrem Land zu leben. Oder hätte – wenn sie denn bereit wäre statt Teff ein ertragreicheres Getreide anzubauen und ihr Vieh zu essen.
Highlights: Berglandschaft, Kirchen von Lalibela, Palast in Gonder, Dorze, Nechisar Nationalpark und Umgebung
Tiere: Die Vogelwelt ist unglaublich vielfältig und absolut faszinierend. Die Nationalparks haben nur noch sehr wenig Großwild zu bieten – das meiste wurde während der Hungersnöte aufgegessen, aber Zebras, Gazellen, Krokodile und Flusspferde haben wir gesehen. Streunende Hunde und Katzen gibt es nicht – die Tiere gehören alle jemandem – und sind in unterschiedlichem Pflegezustand. Das Gleiche gilt für Nutztiere. In Äthiopien besteht die paradoxe Situation, dass eine Unmenge Großtiere (Rinder, Ziegen, Esel, Schafe und in einigen Gegenden auch Kamele) gehalten werden – aber nicht zur Ernährung sondern als Statussymbol. In der Trockenzeit verhungert das Vieh elend und die Besitzer sehen traurig zu, sind aber nicht bereit vor der Dürre zu schlachten und zu konservieren um sich selbst damit während der schlechten Zeit zu ernähren, denn das Vieh gehört zur Familie. Warum auch – die Hilfsorganisationen (allen voran US Aid) verteilen ja ganzjährig Getreidesäcke, die man während der fetten Monate an das Vieh verfüttert (weil Weizen nicht schmeckt und das Vieh sich ja vermehren soll) und während der mageren Monate notgedrungen selber ißt. Natürlich führt die übermäßige Viehhaltung zu vermehrter Bodenerosion und damit zu noch weniger Ertragsflächen.
Resümee: Wir würden gerne wiederkommen! Wenn sich unsere Ohren vom you-you-you erholt haben……
Land: Das Dach Afrikas ist ein Land landschaftlicher Höhepunkte, die sich beinah pausenlos aneinanderreihen. Wer Berglandschaften mag muss (Nord-)Äthiopien gesehen haben, wo sich hinter jeder Kurve neue spektakuläre Aussichten bieten. Auch die Seen im Rift Valley sind wunderschön: Lake Langano, Lake Shala, Lake Abiata, Lake Chamo, Lake Abaya… Oktober und November sind die perfekte Reisezeit, weil alles grün ist und so bietet sich das Land eigentlich als Reiseziel für die Herbstferien an. Man kann Rundreisen mit Reiseleitung buchen oder einfach ab Addis mit einem gemieteten Landrover selber fahren, zu den wichtigsten Städten gibt es ab Addis auch Flugverbindungen.
Leute: Die Äthiopier sind sicherlich gewöhnungsbedürftiger als viele andere Afrikaner, aber im Allgemeinen sehr freundlich. Da es eher wenig Touristen gibt sind Weiße „zum Anfassen“ wie wir vielerorts noch eine Sensation und weiße Kinder ganz besonders. Die mangelnde Distanz der Äthiopier kann nerven: Kaum aus dem Auto ausgestiegen ist man umringt und selbst im Auto wird man bei jedem Stopp angesprochen und genau beobachtet. Allerdings erlebt man das auch in einigen anderen afrikanischen Ländern. Das schrille you-you-you und farandschi, farandschi (hier ist jeder Weiße noch ein „Franke“) der Kinder begleitet einen die ganze Zeit.
Äthiopien ist ein Land der Bettler und Steineschmeißer? Wir sind keinerlei Fremdenfeindlichkeit begegnet und Steine hat man auch nicht nach uns geworfen. Es würde uns nicht wundern, wenn es ab und zu vorkäme, denn in Äthiopien schmeißen Kinder mit Steinen nach dem Vieh um es zu lenken und die Erwachsenen mit Steinen nach Kindern, um sie zu erziehen. Ein Stein , den man schon in der Hand hält ist schnell auch mal hinter einem komischen Auto hergeworfen… Aber es scheint wohl eher die Ausnahme zu sein. Im Reiseführer wurde davor gewarnt nach Chencha rein zu fahren, weil man dort von den Kindern massiv beworfen werde – wir sind hingefahren und über den Markt geschlendert und sind nur Freundlichkeit begegnet.
Ein Land der Bettler ist Äthiopien zweifellos. Geprägt von Jahrzehnten fehlgeleiteter Entwicklungshilfe, die jede Eigeninitiative oder Weiterentwicklung im Keim erstickt hat sowie von einer Kultur in der jeder, der etwas braucht, zunächst einen anderen darum bittet ehe er es selbst besorgt, betteln Äthiopier gewohnheitsmäßig, ständig und alle. Eine Ablehnung etwas zu geben wird aber fast nie übel genommen – schließlich ist man kein Verwandter, der verpflichtet wäre alles zu teilen.
Äthiopien ist auf jeden Fall ein Land der Kinder, von denen es (Entschuldigung!) viel zu viele gibt. Zur Zeit bewirtschaftet eine Familie (vom Selbstverständnis her ist jeder Äthiopier Bauer und in der Realität stützen sich bestimmt 95% der Bevölkerung auf den Eigenanbau) ca. einen Hektar Land. Da Land auf alle Kinder zu gleichen Teilen weitervererbt wird ist dies die letzte Generation, die überhaupt noch eine Chance hat von ihrem Land zu leben. Oder hätte – wenn sie denn bereit wäre statt Teff ein ertragreicheres Getreide anzubauen und ihr Vieh zu essen.
Highlights: Berglandschaft, Kirchen von Lalibela, Palast in Gonder, Dorze, Nechisar Nationalpark und Umgebung
Tiere: Die Vogelwelt ist unglaublich vielfältig und absolut faszinierend. Die Nationalparks haben nur noch sehr wenig Großwild zu bieten – das meiste wurde während der Hungersnöte aufgegessen, aber Zebras, Gazellen, Krokodile und Flusspferde haben wir gesehen. Streunende Hunde und Katzen gibt es nicht – die Tiere gehören alle jemandem – und sind in unterschiedlichem Pflegezustand. Das Gleiche gilt für Nutztiere. In Äthiopien besteht die paradoxe Situation, dass eine Unmenge Großtiere (Rinder, Ziegen, Esel, Schafe und in einigen Gegenden auch Kamele) gehalten werden – aber nicht zur Ernährung sondern als Statussymbol. In der Trockenzeit verhungert das Vieh elend und die Besitzer sehen traurig zu, sind aber nicht bereit vor der Dürre zu schlachten und zu konservieren um sich selbst damit während der schlechten Zeit zu ernähren, denn das Vieh gehört zur Familie. Warum auch – die Hilfsorganisationen (allen voran US Aid) verteilen ja ganzjährig Getreidesäcke, die man während der fetten Monate an das Vieh verfüttert (weil Weizen nicht schmeckt und das Vieh sich ja vermehren soll) und während der mageren Monate notgedrungen selber ißt. Natürlich führt die übermäßige Viehhaltung zu vermehrter Bodenerosion und damit zu noch weniger Ertragsflächen.
Resümee: Wir würden gerne wiederkommen! Wenn sich unsere Ohren vom you-you-you erholt haben……
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