Ein fliegender Pelikan erinnert aus der Nähe betrachtet an eine riesige Quietscheente und klingt wie ein Hubschrauber mit Startschwierigkeiten. Stimmt aber die Thermik , dann zeigen diese schweren Tiere was ein gekonnter Gleitflug ist: Beinah 150 Pelikane schrauben sich in einer engen Spirale, die von der glitzernden Wasseroberfläche bis in die Wolken zu reichen scheint immer höher und lassen sich dann langsam wieder abwärts tragen.
Die Straße vom Lake Langano nach Arba Minch ist in einem furchtbaren Zustand, aber die mehr als zehnstündige Tortur (für 300 km) hat sich gelohnt: Von der Terrasse des heruntergekommenen Bekele Mola Hotels – und auch von einigen Fenstern des Schneck – bietet sich ein grandioser Ausblick auf einen Teil des Großen Grabenbruchs: Zwei Seen werden hier nur durch eine schmale Hügelkette, die die Einheimischen Gottesbrücke nennen, voneinander getrennt. Den Chamosee und seine Ufer haben wir gestern per Boot und zu Fuß erkundet. In einer flachen, schilfgesäumten Bucht hat uns der Bootsführer den Crocodile Market gezeigt: Auf Baumstämmen ruhen riesige Krokodile und halten ihr Verdauungsschläfchen während unzählige Marabus und Gelbschnabelstörche dazwischen herumwaten und die Fischreste aus dem Wasser fischen. Offenbar frühstücken die Reptilien hier auch. Die Pelikane verfolgen eine andere Taktik: In militärischer Präzision schwimmen sie in kleinen Gruppen von 5 bis 10 Tieren eng beieinander, um dann auf ein geheimes Zeichen hin völlig synchron die Schnäbel tief ins Wasser zu tauchen. Dabei heben sie gleichzeitig etwas die Flügel und den Pöter, was sie so komisch wirken läßt wie die Entchen im Kinderlied. Es ist schwer zu entscheiden, ob es sich um eine Parade oder eher um die Choreographie für ein Ballett handelt, aber wir schauen lange fasziniert zu: Eins, zwei, drei und runter, eins, zwei, drei und runter…. Kurz darauf sehen wir tatsächlich die ersten Hippos.
Am anderen Ufer des Sees handelt unser Führer einem Fischer zwei große Tilapias ab, die später einen köstlichen Lunch abgeben werden, dann geht es zu Fuß einen Pfad hinauf bis auf die grasbewachsene Ebene auf der wir mehrere Zebraherden entdecken. Die lustig gestreiften Burchell Zebras sind nicht besonders scheu und lassen uns auf ca. 30m heran bis sie uns ausweichen. Insgesamt sehen wir ungefähr hundert von ihnen, darunter einige noch ganz kleine Fohlen. Der scharfe Wildgeruch hängt noch lange in der Luft als sie an uns vorbei zum See gezogen sind.
Am späten Abend holt uns der Regen wieder ein. Arba Minch hat sich bisher als ziemlich nass erwiesen – dass die Regenzeit seit Wochen vorbei ist hat das Wetter hier noch nicht gehört, denn es regnet nachts heftig. Wir hoffen nur, dass das ein lokal begrenztes Ereignis ist, sonst könnten sich die Straßen weiter südlich als für uns unpassierbar erweisen.
Am naechsten Morgen haben wir Dorze besucht, der dortige Stamm ist beruehmt fuer seine bienenkorbfoermigen Haeuser und seine Webarbeiten. Die Strasse hinauf in die Berge ist unbefestigt aber um Laengen besser als die Katastrophe zwischen Shashemene und Arba Minch, die wir vor ein paar Tagen hinter uns gebracht haben. Trotzdem benimmt sich der Schneck komisch. Beim abendlichen Check steht fest: Einen Stossdaempfer hat es erwischt und die Verbindung von Kabine und Unterteil schwaechelt an einer Stelle. Also noch ein oder zwei Tage Arba Minch, damit Guido Zeit fuer die Reparatur hat... Uns beruhigt nur, dass alle Reisenden und Einheimischen sagen, schlimmer als die 300km vor Arba Minch (da werden wir uns die Probleme geholt haben) sei keine andere Strasse ...
Mittwoch, 27. Oktober 2010
Sonntag, 24. Oktober 2010
Da die Verbindung hier in Arba Minch so flott ist, versuche ich mal ein paar Bilder einzustellen. Darunter findet Ihr mehrere neue blog Eintraege. Der Auspuff ist am Lake Langano uebrigens noch geschweisst worden und wir haben die ersten Flamingos und Impalas gesehen. Morgen geht es auf Krokos und Hippos....
NEWS-Ticker: Addis Abeba schnellstmöglich abgehakt – Lake Langano – Schneck hat Verdauungsstörung, Besatzung wohlauf
Addis liegt hinter uns und wir sind froh darüber. Die 3-Millionenstadt entzieht sich eigentlich jeder Beschreibung – ich will es dennoch versuchen.
Wir sind – wie wohl jeder Overlander – in Wim’s Holland House untergekommen. Wim hat nicht nur ein großes Herz für Reisende, sein Haus verfügt auch über eine hervorragende Küche, eine warme Dusche und einen bewachten Parkplatz und ist somit eine Oase der Entspannung. Abends trifft sich hier die High Society von Addis zum Bier und praktisch jeder in der Stadt lebende Ausländer schaut regelmäßig rein.
Als wir verkünden in die Stadt gehen zu wollen, um ein Buchgeschäft, einen Supermarkt und ein Internetcafe zu finden schütteln alle entsetzt den Kopf. Man geht nicht – man fährt oder besser: läßt sich fahren und bewegt sich auf keinen Fall zu Fuß durch die Straßen voller Bettler, Obdachloser, Taschendiebe und verkrüppelter Kriegsveteranen. Wir schütteln innerlich den Kopf, schlimmer als Kairo kann es doch nicht sein, oder? Am nächsten Tag mit einem von Wim organsierten Taxi unterwegs finden wir die Reaktion nicht mehr übertrieben. Auf dem Mittelstreifen der breiten Straße vor dem Supermarkt (also dem besten Tante-Emma-Laden der Stadt) liegen Dutzende von Menschen und gerade raubt einer seinen Nachbarn aus. Die zwei Meter Bürgersteig vom Taxi zum Buchgeschäft zu überwinden heißt drei Bettler abzuwehren. Als wir den Taxifahrer auf dem Rückweg 500m vor Wim entlassen weil wir noch in ein Cafe wollen (ein normales Cafe – das Internetcafe bot eine so langsame Verbindung dass wir entnervt aufgegeben haben und den blog nicht aktualisieren konnten) müssen wir auf dem Bürgersteig buchstäblich über liegende Menschen drüber steigen. Wir sehen einige Leprakranke, viele Beinamputierte und schlimme Gangräne, die zu Amputationen oder zum Tode führen werden und es fällt schwer nichts zu geben oder zu versuchen zu helfen, aber jede Hilfe würde unweigerlich dazu führen sofort von Dutzenden anderer bedrängt zu werden, die Hilfe mindestens genauso nötig hätten.
Während die Hilfsorganisationen auf dem Land Weizen sackweise verteilen (selbst jetzt während der Erntesaison, was nun wirklich überhaupt keinen Sinn macht) fehlt in Addis jedes Erbarmen mit der offensichtlichen humanitären Katastrophe.
Die Zustände bringen uns dazu noch einmal unsere Reiseroute für die nächsten Wochen zu überdenken, denn um über das Omo Valley auszureisen und dann in Kenia am Turkanasee langzufahren müßten wir (wir sind am Freitag abend in Addis eingetroffen) fast eine Woche verweilen um den notwendigen Papierkrieg zu bewältigen. Das kommt einfach nicht in Frage und wir beschließen doch den Grenzübergang Moyale anzusteuern und dann durch die nordkenianische Wüste nach Isolo weiterzufahren.
Und so sitzen wir heute am Montag schon am Lake Langano, auf einem wirklich paradiesischen Campingplatz und genießen das wärmere Wetter der Tiefebene. In dem sulfathaltigen See gibt es weder Bilharzien noch Krokodile so dass wir gefahrlos schwimmen gehen können, und der Ort ist absolut ruhig und abgelegen. Das gibt Guido auch die Möglichkeit am Schneck zu basteln, denn ca. 100km hinter Addis ist der Auspuff 40cm hinter dem Krümmer gebrochen. Wir waren nicht wirklich überrascht, früher oder später war damit zu rechnen und wenn wir irgendwo eine Möglichkeit haben (spätestens in Nairobi) sollte das auch richtig repariert werden, aber es stellt kein großes Problem dar.
Addis liegt hinter uns und wir sind froh darüber. Die 3-Millionenstadt entzieht sich eigentlich jeder Beschreibung – ich will es dennoch versuchen.
Wir sind – wie wohl jeder Overlander – in Wim’s Holland House untergekommen. Wim hat nicht nur ein großes Herz für Reisende, sein Haus verfügt auch über eine hervorragende Küche, eine warme Dusche und einen bewachten Parkplatz und ist somit eine Oase der Entspannung. Abends trifft sich hier die High Society von Addis zum Bier und praktisch jeder in der Stadt lebende Ausländer schaut regelmäßig rein.
Als wir verkünden in die Stadt gehen zu wollen, um ein Buchgeschäft, einen Supermarkt und ein Internetcafe zu finden schütteln alle entsetzt den Kopf. Man geht nicht – man fährt oder besser: läßt sich fahren und bewegt sich auf keinen Fall zu Fuß durch die Straßen voller Bettler, Obdachloser, Taschendiebe und verkrüppelter Kriegsveteranen. Wir schütteln innerlich den Kopf, schlimmer als Kairo kann es doch nicht sein, oder? Am nächsten Tag mit einem von Wim organsierten Taxi unterwegs finden wir die Reaktion nicht mehr übertrieben. Auf dem Mittelstreifen der breiten Straße vor dem Supermarkt (also dem besten Tante-Emma-Laden der Stadt) liegen Dutzende von Menschen und gerade raubt einer seinen Nachbarn aus. Die zwei Meter Bürgersteig vom Taxi zum Buchgeschäft zu überwinden heißt drei Bettler abzuwehren. Als wir den Taxifahrer auf dem Rückweg 500m vor Wim entlassen weil wir noch in ein Cafe wollen (ein normales Cafe – das Internetcafe bot eine so langsame Verbindung dass wir entnervt aufgegeben haben und den blog nicht aktualisieren konnten) müssen wir auf dem Bürgersteig buchstäblich über liegende Menschen drüber steigen. Wir sehen einige Leprakranke, viele Beinamputierte und schlimme Gangräne, die zu Amputationen oder zum Tode führen werden und es fällt schwer nichts zu geben oder zu versuchen zu helfen, aber jede Hilfe würde unweigerlich dazu führen sofort von Dutzenden anderer bedrängt zu werden, die Hilfe mindestens genauso nötig hätten.
Während die Hilfsorganisationen auf dem Land Weizen sackweise verteilen (selbst jetzt während der Erntesaison, was nun wirklich überhaupt keinen Sinn macht) fehlt in Addis jedes Erbarmen mit der offensichtlichen humanitären Katastrophe.
Die Zustände bringen uns dazu noch einmal unsere Reiseroute für die nächsten Wochen zu überdenken, denn um über das Omo Valley auszureisen und dann in Kenia am Turkanasee langzufahren müßten wir (wir sind am Freitag abend in Addis eingetroffen) fast eine Woche verweilen um den notwendigen Papierkrieg zu bewältigen. Das kommt einfach nicht in Frage und wir beschließen doch den Grenzübergang Moyale anzusteuern und dann durch die nordkenianische Wüste nach Isolo weiterzufahren.
Und so sitzen wir heute am Montag schon am Lake Langano, auf einem wirklich paradiesischen Campingplatz und genießen das wärmere Wetter der Tiefebene. In dem sulfathaltigen See gibt es weder Bilharzien noch Krokodile so dass wir gefahrlos schwimmen gehen können, und der Ort ist absolut ruhig und abgelegen. Das gibt Guido auch die Möglichkeit am Schneck zu basteln, denn ca. 100km hinter Addis ist der Auspuff 40cm hinter dem Krümmer gebrochen. Wir waren nicht wirklich überrascht, früher oder später war damit zu rechnen und wenn wir irgendwo eine Möglichkeit haben (spätestens in Nairobi) sollte das auch richtig repariert werden, aber es stellt kein großes Problem dar.
Der Mussolinitunnel ist gesperrt – von 7 Uhr bis 11 Uhr 30 ist construction time , es ist aber 7.15.Uhr und wir haben die Wahl zwischen stundenlanger Warterei und einer Umleitung über die alte Straße. Natürlich probieren wir die alte Straße und nach der ersten kniffligen halben Stunde mit wirklich schlechtem Straßenzustand erreichen wir eine besser fahrbare gravel road (eine unübersetzbare Vokabel, denn mit Schotter haben diese Pisten wenig zu tun) und der Schneck erklimmt die Höhenmeter wieder schneller. Dann an einer schmalen steilen Stelle vor einer scharfen Linkskurve eine afrikanische Baustellenampel: Der freundliche Junge hebt eine handbeschriebene grüne Tafel mit der Botschaft go hoch und winkt dann aufgeregt seinem Kumpel oberhalb der Kurve zu, der mit einer entsprechenden rot bemalten stop-Tafel einen von oben kommenden Landrover anhält.
Eine Stunde später hat uns die Teerstraße wieder – nicht dass die so gut wäre dass wir schneller vorankämen, schließlich handelt es sich um eine schon neun Monate alte chinesische Wertarbeit – und wir erleben eine dieser Überraschungen, die man nie vergisst: Etwa 50 Paviane in mehreren Gruppen überqueren vor uns die Straße. Guido zieht den Schneck nach links von der Straße und wir trauen uns erst kaum auszusteigen, um die Tiere nicht zu verschrecken. Die Gruppe bewegt sich jetzt auf einem Berghang, der durch eine tiefe Schlucht eingekerbt wird. Zwischen den senkrechten Felswänden eröffnet sich ein fantastischer Ausblick auf das viele hundert Meter tiefer liegende Tal. Die Jungtiere beginnen nahe dem Abhang zu spielen und jagen und kugeln sich übermütig während die Erwachsenen sich zum Fressen und Lausen ruhig niederlassen. Wir ziehen die Fleecepullis drüber und schleichen uns mit den Kameras bewaffnet auf die gegenüberliegende Seite der Schlucht und dort sitzen wir für die nächste Stunde und sehen den Pavianen zu, wie sie spielen und streiten und in der senkrechten Felswand herumklettern.
Eine Stunde später hat uns die Teerstraße wieder – nicht dass die so gut wäre dass wir schneller vorankämen, schließlich handelt es sich um eine schon neun Monate alte chinesische Wertarbeit – und wir erleben eine dieser Überraschungen, die man nie vergisst: Etwa 50 Paviane in mehreren Gruppen überqueren vor uns die Straße. Guido zieht den Schneck nach links von der Straße und wir trauen uns erst kaum auszusteigen, um die Tiere nicht zu verschrecken. Die Gruppe bewegt sich jetzt auf einem Berghang, der durch eine tiefe Schlucht eingekerbt wird. Zwischen den senkrechten Felswänden eröffnet sich ein fantastischer Ausblick auf das viele hundert Meter tiefer liegende Tal. Die Jungtiere beginnen nahe dem Abhang zu spielen und jagen und kugeln sich übermütig während die Erwachsenen sich zum Fressen und Lausen ruhig niederlassen. Wir ziehen die Fleecepullis drüber und schleichen uns mit den Kameras bewaffnet auf die gegenüberliegende Seite der Schlucht und dort sitzen wir für die nächste Stunde und sehen den Pavianen zu, wie sie spielen und streiten und in der senkrechten Felswand herumklettern.
NEWS-Ticker : Felsenkirchen von Lalibela – Übernachtung in Woldyia – Fahrt bis Debre Sina – Schneck und Besatzung wohlauf (na ja…leichtes Schwächeln bei der Besatzung: den Mädels läuft die Nase, die Jungs hatten einen Tag lang Magenprobleme, die Höhenunterschiede von oft 1000m die wir täglich sogar mehrmals überwinden schlauchen ganz schön)
Wer die Felsenkirchen von Lalibela besuchen will braucht eine gute Taschenlampe, rutschsicheres Schuhwerk und einen guten Führer. Ein Bauarbeiterhelm wäre vielleicht auch nicht schlecht, denn während Stufen und Eingänge für Riesen gemacht zu sein scheinen, sind die Verbindungsgänge offensichtlich für Zwerge geplant.
Vor ca. 800 Jahren lebte ein Junge namens Lalibela. Eines Tages ließ sich ein ganzer Bienenschwarm auf ihm nieder ohne dass er auch nur einen einzigen Stich abbekommen hätte, was seinem Volk ein Zeichen war ihn zum König auszurufen. Lalibela war nicht nur ein guter, sondern auch ein besonders gläubiger König, der sogar nach Jerusalem pilgerte. Nach seiner Rückkehr erschien ihm Gott im Traum und hieß ihn in Abessinien Kirchen in den Fels schlagen zu lassen um ein zweites Jerusalem zu bauen. Seine Anweisungen waren sehr präzise und Lalibela machte sich ans Werk. Tausende gläubige Menschen schufen in nur 50 Jahren ein Wunder, das heute ein Weltkulturerbe ist: Sie gruben sich von oben mit Hammer und Meißel in den Fels und schachteten zunächst den Freiraum um die 11 Kirchen herum aus – dabei sorgsam bereits Tür-und Fensteröffnungen ausarbeitend. Unten arbeiteten sie sich in den massiven Felsblock vor und höhlten ihn aus, dabei Säulen und Querschiffe, Reliefs und Verzierungen schaffend. Zum Schluß malten sie die Kirchen aus und ließen Verbindungsgänge, Kapellen und Taufbecken zwischen ihnen entstehen. Die Planung und Hingabe, die all das erfordert haben muß läßt sich kaum ermessen: Sie schufen Regenrinnen, Abläufe und Sammelbecken für das Regenwasser, dabei die ganze Zeit von oben nach unten arbeitend. Und sie folgten einer strengen Symbolik, die die Grundsätze ihres Glaubens und die Anordnung der heiligen Stätten Jerusalems in Stein meißelte.Ihre Liebe zu Gott war großzügig und tolerant: In den Kirchen finden sich 20 verschiedene Kreuzformen – alle damals bestehenden christlichen Kirchen wurden symbolisch integriert.
Die Architektur hat sich uns dennoch besser erschlossen als der äthiopisch orthodoxe Glaube an sich. Die in jeder Kirche murmelnden Priester, die Frömmigkeit der vor Ikonen knienden Menschen , die Gesänge und Trommelschläge die durch den Berg hallen schaffen zwar eine ganz eigene und sehr berührende Atmosphäre, aber um wirklich Verständnis zu erlangen hätten wir uns besser vorbereiten müssen.
Der Ort Lalibela selbst ist von Hilfsorganisationen mit ihren Projekten überflutet und hat seine Ursprünglichkeit und seinen Charme leider eingebüßt. Auch scheinen die meisten Projekte uns zu pauschal: Zwar sind Schulen gebaut worden, aber mangels Arbeitsplätzen entsteht keine Hoffnung unter den Jugendlichen. Immer noch werden Getreidesäcke en masse verteilt, aber das schafft keine Eigeninitiative und hilft nicht mit dem Tourismus umzugehen und ihn zu nutzen. Hier fehlen Kleinprojekte und vielleicht Kleinkredite, die zur Selbständigkeit verhelfen. Wir sind trotzdem drei Nächte geblieben, denn die internationale Atmosphäre und die schöne Gartenterasse des Seven Olive Hotels haben es uns angetan. Hier kann man wunderbar ausspannen und die Glanzstare und Webervögel am Futterhäuschen beobachten.
Die Weiterreise führt uns zunächst bis Woldyia, wo wir mangels Campingplatz wie so oft in Äthiopien ein Hotel mit schönem Innenhof ansteuern: Hallo, wir möchten in ihrem Hof campen und die Duschen benutzen. – Sie müssen Deutsche sein. -- ??? – Alle Deutschen wollen im Hof campen und die Duschen benutzen.
Den ganzen nächsten Tag verbringen wir wieder auf der Straße – der Weg nach Addis Abeba ist lang und windet sich durch die Berge, dabei unglaubliche Höhenunterschiede überwindend. Fährt man morgens noch über eine karge Hochebene und sieht Menschen in bunten Strickmützen und dicken Parkas auf kräftigen und bunt aufgezäumten Ponys so ist man vielleicht eine Stunde später in einer fruchtbaren Flussaue mit Schwärmen von Marabus oder bestaunt Transportkamele, Meerkatzen, Papaya- und Mangobäume neben kleinen Wasserfällen am Wegesrand.
In der letzten Stunde vor dem Einbruch der Dunkelheit ist der Schneck von 1200m wieder auf 2700m hoch geklettert und wir haben ein ruhiges Plätzchen kurz vor dem Mussolinitunnel gefunden. Zwar fährt ab und zu ein Auto vorbei aber wir sind in der in Äthiopien seltenen und glücklichen Situation dass wir nicht von Neugierigen umlagert werden, weil das nächste Haus zu weit entfernt ist.
Wer die Felsenkirchen von Lalibela besuchen will braucht eine gute Taschenlampe, rutschsicheres Schuhwerk und einen guten Führer. Ein Bauarbeiterhelm wäre vielleicht auch nicht schlecht, denn während Stufen und Eingänge für Riesen gemacht zu sein scheinen, sind die Verbindungsgänge offensichtlich für Zwerge geplant.
Vor ca. 800 Jahren lebte ein Junge namens Lalibela. Eines Tages ließ sich ein ganzer Bienenschwarm auf ihm nieder ohne dass er auch nur einen einzigen Stich abbekommen hätte, was seinem Volk ein Zeichen war ihn zum König auszurufen. Lalibela war nicht nur ein guter, sondern auch ein besonders gläubiger König, der sogar nach Jerusalem pilgerte. Nach seiner Rückkehr erschien ihm Gott im Traum und hieß ihn in Abessinien Kirchen in den Fels schlagen zu lassen um ein zweites Jerusalem zu bauen. Seine Anweisungen waren sehr präzise und Lalibela machte sich ans Werk. Tausende gläubige Menschen schufen in nur 50 Jahren ein Wunder, das heute ein Weltkulturerbe ist: Sie gruben sich von oben mit Hammer und Meißel in den Fels und schachteten zunächst den Freiraum um die 11 Kirchen herum aus – dabei sorgsam bereits Tür-und Fensteröffnungen ausarbeitend. Unten arbeiteten sie sich in den massiven Felsblock vor und höhlten ihn aus, dabei Säulen und Querschiffe, Reliefs und Verzierungen schaffend. Zum Schluß malten sie die Kirchen aus und ließen Verbindungsgänge, Kapellen und Taufbecken zwischen ihnen entstehen. Die Planung und Hingabe, die all das erfordert haben muß läßt sich kaum ermessen: Sie schufen Regenrinnen, Abläufe und Sammelbecken für das Regenwasser, dabei die ganze Zeit von oben nach unten arbeitend. Und sie folgten einer strengen Symbolik, die die Grundsätze ihres Glaubens und die Anordnung der heiligen Stätten Jerusalems in Stein meißelte.Ihre Liebe zu Gott war großzügig und tolerant: In den Kirchen finden sich 20 verschiedene Kreuzformen – alle damals bestehenden christlichen Kirchen wurden symbolisch integriert.
Die Architektur hat sich uns dennoch besser erschlossen als der äthiopisch orthodoxe Glaube an sich. Die in jeder Kirche murmelnden Priester, die Frömmigkeit der vor Ikonen knienden Menschen , die Gesänge und Trommelschläge die durch den Berg hallen schaffen zwar eine ganz eigene und sehr berührende Atmosphäre, aber um wirklich Verständnis zu erlangen hätten wir uns besser vorbereiten müssen.
Der Ort Lalibela selbst ist von Hilfsorganisationen mit ihren Projekten überflutet und hat seine Ursprünglichkeit und seinen Charme leider eingebüßt. Auch scheinen die meisten Projekte uns zu pauschal: Zwar sind Schulen gebaut worden, aber mangels Arbeitsplätzen entsteht keine Hoffnung unter den Jugendlichen. Immer noch werden Getreidesäcke en masse verteilt, aber das schafft keine Eigeninitiative und hilft nicht mit dem Tourismus umzugehen und ihn zu nutzen. Hier fehlen Kleinprojekte und vielleicht Kleinkredite, die zur Selbständigkeit verhelfen. Wir sind trotzdem drei Nächte geblieben, denn die internationale Atmosphäre und die schöne Gartenterasse des Seven Olive Hotels haben es uns angetan. Hier kann man wunderbar ausspannen und die Glanzstare und Webervögel am Futterhäuschen beobachten.
Die Weiterreise führt uns zunächst bis Woldyia, wo wir mangels Campingplatz wie so oft in Äthiopien ein Hotel mit schönem Innenhof ansteuern: Hallo, wir möchten in ihrem Hof campen und die Duschen benutzen. – Sie müssen Deutsche sein. -- ??? – Alle Deutschen wollen im Hof campen und die Duschen benutzen.
Den ganzen nächsten Tag verbringen wir wieder auf der Straße – der Weg nach Addis Abeba ist lang und windet sich durch die Berge, dabei unglaubliche Höhenunterschiede überwindend. Fährt man morgens noch über eine karge Hochebene und sieht Menschen in bunten Strickmützen und dicken Parkas auf kräftigen und bunt aufgezäumten Ponys so ist man vielleicht eine Stunde später in einer fruchtbaren Flussaue mit Schwärmen von Marabus oder bestaunt Transportkamele, Meerkatzen, Papaya- und Mangobäume neben kleinen Wasserfällen am Wegesrand.
In der letzten Stunde vor dem Einbruch der Dunkelheit ist der Schneck von 1200m wieder auf 2700m hoch geklettert und wir haben ein ruhiges Plätzchen kurz vor dem Mussolinitunnel gefunden. Zwar fährt ab und zu ein Auto vorbei aber wir sind in der in Äthiopien seltenen und glücklichen Situation dass wir nicht von Neugierigen umlagert werden, weil das nächste Haus zu weit entfernt ist.
NEWS-Ticker: nach Gonder zum Königspalast -- Fahrt über Debre Tabor in bis zu 3000m Höhe – Schneck und Besatzung wohlauf
Die Hitze und der Rauch, die von dem kleinen Gefäß ausgehen sind so stark, dass ich unwillkürlich zurückweiche. Die Holzkohle im unteren Teil brennt noch mit starker Flamme und mein Lammfleisch brutzelt mit reichlich Knoblauchzehen vermischt in der Schale darüber. Guido schaut derweil etwas überrascht auf eine riesige Schüssel, in der eine Injera (ein äthiopischer Sauerteigfladen, der das Grundnahrungsmittel der Äthiopier darstellt) von einer Unmenge verschiedenster Gemüsezubereitungen bedeckt ist. Essen gehen auf Äthiopisch : Die Karte ist zwar auch auf Englisch verfügbar , aber die meisten Gerichte sind nur aus dem Amharischen transkribiert und da niemand im Lokal Englisch spricht bestellen wir praktisch blind. Was soll‘s - das Essen schmeckt hervorragend, wenn wir uns auch einig sind dass man wohl mit Injerafladen groß geworden sein muss, um sie zu dreimal täglich zu essen.
Dabei ist die Leidenschaft der Äthiopier für Injera für jeden ein großes Problem, der sich Gedanken über die Ernährung der ständig wachsenden Bevölkerung macht. Die Fladen werden aus einem Getreide hergestellt, dass die Einheimischen Teff nennen und das ungefähr genauso ertragreich ist wie Weidegras. Diverse Hilfsorganisationen haben versucht, den Äthiopiern Weizen oder andere Getreidesorten schmackhaft zu machen und tatsächlich mögen viele Menschen Brötchen, Kuchen und Gebäck recht gern. Aber für Injera muss es nun mal Teff sein, und die allermeisten Äthiopier essen Injera mit Sirup, Injera mit Soße, Injera mit Gemüse, Injera mit….. und Gebäck können sich nicht viele leisten.
Wir sind in Gonder, der alten Königsstadt, deren Blütezeit um 1632 mit dem Bau einer großen Residenz begann, rasch ca. 60000 Einwohner anzog und erst im 18.Jh langsam in Vergessenheit geriet. Einige Teile der Palastanlagen sind noch sehr gut erhalten und erinnern stark an deutsche Burgen am Rhein, nur das der wehrhafte Charakter der Anlage mehr Dekoration als Notwendigkeit war, denn ihre Kriege führten diese Herrscher weit im Süden gegen die Völker der Omo. Sogar die Zwingeranlage der berühmten abessinischen Löwen kann man noch besichtigen.
Die Stadt selbst hat heute 200 000 Einwohner und ist quirlig und lebendig. Sobald es dunkel wird scheint Gonder rund um die Piazza (vieles wird hier italienisch benannt, man kann auch Cappuccino und Macchiatto bestellen, nur bekommt man dann Kakao bzw. Espresso) eine einzige Party zu feiern. Wir haben den Sonnenuntergang hinter der großartigen Bergkulisse im Garten eines Musikcafes genossen und dabei einen der fabelhaften dreifarbigen Fruchtsäfte geschlürft: Unten Guave, darüber Papaya und darüber Ananassaft.
Am nächsten Tag geht es gegen Mittag weiter. Unser Ziel sind die berühmten Felsenkirchen von Lalibela, aber in einem halben Tag ist das nicht zu schaffen, wir werden irgendwo kurz hinter Debre Tabor auf der Strecke übernachten. Die Fahrt geht weiter durch malerische Landschaft. Zweimal sind Brücken von den Regenfällen weggespült worden und der provisorische Ersatz würde den Schneck nicht tragen – also nehmen wir die Furt wie alle LKWs und Busse, was sich als problemlos erweist. Immer öfter sehen wir nun Dörfer mit besser gebauten und gepflegten Hütten, d.h. dass zumindest zwei Wände mit einem Gemisch aus Lehm und Stroh verputzt sind und die Erbauer schon mal etwas von einem rechten Winkel gehört haben müssen. Auch sind die Hütten etwas größer als nördlich des Tanasees, allerdings sehen wir praktisch nur die in Afrika so verbreiteten Wellblechdächer. Das ist nicht nur wenig hübsch, sondern heizt sich im Sommer furchtbar auf und lässt im Winter die Kälte ungehindert durch. Obendrein gerät die Kunst ein gutes Strohdach zu bauen langsam in Vergessenheit.
Die meisten Menschen winken uns freundlich zu, nur müssen wir uns noch daran gewöhnen sofort umringt zu sein, wenn wir aussteigen. Wer mit einer Großfamilie in einer Einraumhütte lebt kennt keine Privatsphäre.
Kurz vor Debre Tabor ändert sich plötzlich der Baustil und wir fühlen uns in die Schweiz versetzt: Die winzigen Häuser hier haben ein Erdgeschoss aus Bruchsteinen für Vorräte und vielleicht auch Vieh, und ein hölzernes Wohngeschoss darüber. Letzteres hat oft einen Lehmverputz, ist umgeben von einem schmalen Balkon und von einem Satteldach (aus Wellblech) mit großem Dachüberstand geschützt. Das sieht besonders mit den Rundhütten für Ziegen und Schafe daneben sehr hübsch und liebevoll gemacht aus.
Die Hitze und der Rauch, die von dem kleinen Gefäß ausgehen sind so stark, dass ich unwillkürlich zurückweiche. Die Holzkohle im unteren Teil brennt noch mit starker Flamme und mein Lammfleisch brutzelt mit reichlich Knoblauchzehen vermischt in der Schale darüber. Guido schaut derweil etwas überrascht auf eine riesige Schüssel, in der eine Injera (ein äthiopischer Sauerteigfladen, der das Grundnahrungsmittel der Äthiopier darstellt) von einer Unmenge verschiedenster Gemüsezubereitungen bedeckt ist. Essen gehen auf Äthiopisch : Die Karte ist zwar auch auf Englisch verfügbar , aber die meisten Gerichte sind nur aus dem Amharischen transkribiert und da niemand im Lokal Englisch spricht bestellen wir praktisch blind. Was soll‘s - das Essen schmeckt hervorragend, wenn wir uns auch einig sind dass man wohl mit Injerafladen groß geworden sein muss, um sie zu dreimal täglich zu essen.
Dabei ist die Leidenschaft der Äthiopier für Injera für jeden ein großes Problem, der sich Gedanken über die Ernährung der ständig wachsenden Bevölkerung macht. Die Fladen werden aus einem Getreide hergestellt, dass die Einheimischen Teff nennen und das ungefähr genauso ertragreich ist wie Weidegras. Diverse Hilfsorganisationen haben versucht, den Äthiopiern Weizen oder andere Getreidesorten schmackhaft zu machen und tatsächlich mögen viele Menschen Brötchen, Kuchen und Gebäck recht gern. Aber für Injera muss es nun mal Teff sein, und die allermeisten Äthiopier essen Injera mit Sirup, Injera mit Soße, Injera mit Gemüse, Injera mit….. und Gebäck können sich nicht viele leisten.
Wir sind in Gonder, der alten Königsstadt, deren Blütezeit um 1632 mit dem Bau einer großen Residenz begann, rasch ca. 60000 Einwohner anzog und erst im 18.Jh langsam in Vergessenheit geriet. Einige Teile der Palastanlagen sind noch sehr gut erhalten und erinnern stark an deutsche Burgen am Rhein, nur das der wehrhafte Charakter der Anlage mehr Dekoration als Notwendigkeit war, denn ihre Kriege führten diese Herrscher weit im Süden gegen die Völker der Omo. Sogar die Zwingeranlage der berühmten abessinischen Löwen kann man noch besichtigen.
Die Stadt selbst hat heute 200 000 Einwohner und ist quirlig und lebendig. Sobald es dunkel wird scheint Gonder rund um die Piazza (vieles wird hier italienisch benannt, man kann auch Cappuccino und Macchiatto bestellen, nur bekommt man dann Kakao bzw. Espresso) eine einzige Party zu feiern. Wir haben den Sonnenuntergang hinter der großartigen Bergkulisse im Garten eines Musikcafes genossen und dabei einen der fabelhaften dreifarbigen Fruchtsäfte geschlürft: Unten Guave, darüber Papaya und darüber Ananassaft.
Am nächsten Tag geht es gegen Mittag weiter. Unser Ziel sind die berühmten Felsenkirchen von Lalibela, aber in einem halben Tag ist das nicht zu schaffen, wir werden irgendwo kurz hinter Debre Tabor auf der Strecke übernachten. Die Fahrt geht weiter durch malerische Landschaft. Zweimal sind Brücken von den Regenfällen weggespült worden und der provisorische Ersatz würde den Schneck nicht tragen – also nehmen wir die Furt wie alle LKWs und Busse, was sich als problemlos erweist. Immer öfter sehen wir nun Dörfer mit besser gebauten und gepflegten Hütten, d.h. dass zumindest zwei Wände mit einem Gemisch aus Lehm und Stroh verputzt sind und die Erbauer schon mal etwas von einem rechten Winkel gehört haben müssen. Auch sind die Hütten etwas größer als nördlich des Tanasees, allerdings sehen wir praktisch nur die in Afrika so verbreiteten Wellblechdächer. Das ist nicht nur wenig hübsch, sondern heizt sich im Sommer furchtbar auf und lässt im Winter die Kälte ungehindert durch. Obendrein gerät die Kunst ein gutes Strohdach zu bauen langsam in Vergessenheit.
Die meisten Menschen winken uns freundlich zu, nur müssen wir uns noch daran gewöhnen sofort umringt zu sein, wenn wir aussteigen. Wer mit einer Großfamilie in einer Einraumhütte lebt kennt keine Privatsphäre.
Kurz vor Debre Tabor ändert sich plötzlich der Baustil und wir fühlen uns in die Schweiz versetzt: Die winzigen Häuser hier haben ein Erdgeschoss aus Bruchsteinen für Vorräte und vielleicht auch Vieh, und ein hölzernes Wohngeschoss darüber. Letzteres hat oft einen Lehmverputz, ist umgeben von einem schmalen Balkon und von einem Satteldach (aus Wellblech) mit großem Dachüberstand geschützt. Das sieht besonders mit den Rundhütten für Ziegen und Schafe daneben sehr hübsch und liebevoll gemacht aus.
Freitag, 8. Oktober 2010
Ich habe heute in einer endlosen Sitzung im Golden Internet Cafe in Gonder, Aethiopien die Zusammenfassung vom Sudan eingestellt und die ersten zwei Eintraege ueber Aethiopien hochgeladen, ausserdem einige Sudanfotos.
Kann sein dass ein Sudanbeitrag fehlt - evt reiche ich da noch etwas nach, wenn die Verbindung in Addis Abbeba naechste Woche oder so besser sein sollte...
Ich wuensche viel Spass allen Daheimgebliebenen!
Hier noch die ersten Bilder aus Aethiopien:
Kann sein dass ein Sudanbeitrag fehlt - evt reiche ich da noch etwas nach, wenn die Verbindung in Addis Abbeba naechste Woche oder so besser sein sollte...
Ich wuensche viel Spass allen Daheimgebliebenen!
Hier noch die ersten Bilder aus Aethiopien:
Am frühen Nachmittag liegt der See als glatter silberner Spiegel unter einem türkisfarbenem Himmel, der von ganz leichten weißen Wolken durchzogen ist. Die Bäume spiegeln sich im Wasser und nur wenige Meter neben uns plantscht eine Gruppe Ägyptischer Gänse. Kleine bunte Vögel hopsen durch die Zweige und am Stamm des mächtigen Feigenbaumes lehnen zwei Papyruskanus zum Trocknen. Diese leichten Boote sind so flach gebaut, dass sie mehr Flößen gleichen und schwimmen allein aufgrund der im Papyrusrohr eingeschlossenen Luft. Nach wenigen Stunden Fahrt allerdings sind sie so voll Wasser gesogen, dass sie erst wieder drei bis vier Stunden trocknen müssen. Tim hat die Kinder vorgestern auf eine kleine Tour mitgenommen und die beiden haben sich eine veritable Wasserschlacht geliefert.
Der paradiesische Eindruck dieses Fleckchens Erde verfliegt schnell wenn man das Dorf Gorgora besucht. Zerlumpte Kinder voller sechsbeiniger Bewohner umringen einen, die Wege hinter dem Dorf werden von Mensch und Tier als Toiletten benutzt und viele der Hütten sind einem erbärmlichen Zustand. Fünftausend Menschen leben hier, davon sind sicher dreiviertel unter 16 Jahren, und die meisten waren noch nie im nächsten Dorf das ca. 45 km entfernt liegt. Die nahe gelegene Großstadt Gonder, einst eine Königsstadt des abessinischen Reiches, ist für diese Menschen bestenfalls eine Geschichte von der die Alten erzählen. Wir haben beschlossen in der örtlichen Grundschule die meisten der mitgebrachten Blei- und Buntstifte abzugeben. Vielleicht lockt das ein paar Kinder mehr in den Schulraum, der nicht einmal Bänke oder eine Toilette hat und den laut Kims Auskunft nur ca. 50 Kinder regelmäßig besuchen.
Abends präsentiert sich der See ganz anders, wenn der unglaubliche afrikanische Sternenhimmel über uns prangt während ringsum helle Blitze aufzucken. Das allabendliche Wetterleuchten hält um diese Jahreszeit oft die ganze Nacht an und ist so gewaltig, dass wir versucht sind an einen Streit griechischer Götter zu glauben.
Der paradiesische Eindruck dieses Fleckchens Erde verfliegt schnell wenn man das Dorf Gorgora besucht. Zerlumpte Kinder voller sechsbeiniger Bewohner umringen einen, die Wege hinter dem Dorf werden von Mensch und Tier als Toiletten benutzt und viele der Hütten sind einem erbärmlichen Zustand. Fünftausend Menschen leben hier, davon sind sicher dreiviertel unter 16 Jahren, und die meisten waren noch nie im nächsten Dorf das ca. 45 km entfernt liegt. Die nahe gelegene Großstadt Gonder, einst eine Königsstadt des abessinischen Reiches, ist für diese Menschen bestenfalls eine Geschichte von der die Alten erzählen. Wir haben beschlossen in der örtlichen Grundschule die meisten der mitgebrachten Blei- und Buntstifte abzugeben. Vielleicht lockt das ein paar Kinder mehr in den Schulraum, der nicht einmal Bänke oder eine Toilette hat und den laut Kims Auskunft nur ca. 50 Kinder regelmäßig besuchen.
Abends präsentiert sich der See ganz anders, wenn der unglaubliche afrikanische Sternenhimmel über uns prangt während ringsum helle Blitze aufzucken. Das allabendliche Wetterleuchten hält um diese Jahreszeit oft die ganze Nacht an und ist so gewaltig, dass wir versucht sind an einen Streit griechischer Götter zu glauben.
NEWS-Ticker: Grenze passiert – erster Eindruck Äthiopien überwältigend – Lake Tana
Dank der Regenfälle der letzten Tage und Wochen ist die Grenzstation ein wüstes Schlammloch. Guido traut sich gar nicht den Schneck neben der Teerstraße zu parken und bleibt einfach stehen um die anstehenden Gänge zu Fuß zu erledigen. Nach wenigen Metern klebt der Schlamm so unter seinen Sandalen, dass er wie auf Plateausohlen geht. Dann ein echt afrikanisches Erlebnis: Das Carnet de passage (sozusagen der Reisepass des Schneck) kann nicht gestempelt werden, weil der zuständige Herr vom Zoll noch schläft – in einem Bett mitten im Raum. Es dauert etwa 45 Min bis er erwacht ist und weitere 30 bis er sich gewaschen hat und seinen Tee getrunken, dann ist er bereit das Carnet zu stempeln. Nur leider läßt sich der richtige Schlüssel nicht finden, mit dem man die Schreibtischschublade aufschließen kann und den Stempel befreien. Also noch mal 20 Minuten warten. Währenddessen sitzen die Kinder und ich im Schneck und werden von den ersten Bettlern belästigt – halbwüchsigen Jungs, die gleich recht unverschämt daherkommen. Alle tragen das äthiopisch orthodoxe Kreuz um den Hals. Wir sind von vielen Reisenden gewarnt worden, dass Äthiopien zwar wunderschön sei, die Menschen aber schwierig: Bettler und Steineschmeißer, so lautet häufig das Urteil und wir hoffen sehr, dass wir bessere Erfahrungen machen.
Äthiopien empfängt uns grün und blühend mit deutlich kühleren Temperaturen. Das Land beginnt schon wenige Kilometer hinter der Grenze anzusteigen und die Ausblicke auf die Berge sind fantastisch. Überall grünt und blüht es und überall rauscht Wasser in oft tief eingeschnittenen Flußbetten. Am Strassenrand sehen wir die ersten Affen und unzählige kleine bunte Vögel. Guido wagt allerdings kaum den Blick von der Straße zu nehmen, denn die Dörfer liegen aufgereiht dicht an dicht entlang der Straße und auf der Straße sonnen sich Esel, Ziegen und Kälber. Dazwischen laufen immer wieder Kinder im letzten Moment vor dem Schneck lang. Die meisten Kinder und einige Erwachsene winken uns fröhlich zu und wir grüßen besonders freundlich alle, die etwas reservierter wirken.
Die Besiedelung wird etwas dünner als die Straße immer stärker ansteigt und der Schneck kriecht tapfer bis auf 2200m die Serpentinen hinauf. Hier oben ist die Luft deutlich kühler und als wir auf eine Piste durch die Dörfer abbiegen beginne ich mich zu fragen, wieso ein seit mehreren tausend Jahren hier lebendes Volk es immer noch nicht gelernt hat winddichte Häuser zu bauen. Die rechteckigen Hütten von ca 15 qm bestehen in den meisten Fällen nur aus Knüppeln, nur wenige haben mit Lehm und Stroh wenigstens die Wetterseite verputzt. Aus den meisten Hütten, deren Boden nur gestampfter Erdboden ist quellen 8 bis 10 Personen und einige Hühner. Vor der Hütte ein kleines Feuer an dem die Hausfrau im kalten Schlamm hockt – dabei sehen die Einfriedungen aus Kakteen und die bestellten Felder recht ordentlich aus, aber in den Hütten muß es schon jetzt nachts bitterkalt sein. Wir sehen viele kleine Mädchen denen die Haare bis auf ein Kreuz auf dem Kopf abrasiert sind. Soll das Kreuz das Kind beschützen oder segnen? Die Piste wird schlechter und schlammiger, hier und da ist eine Brücke überspült, aber Guido und der Schneck kommen überall glatt durch. Nur die entsetzlich schlechten letzten zwei Kilometer vor dem Campingplatz am Tanasee werden in der inzwischen hereingebrochenen Dunkelheit zur Zerreißprobe. Johlende und kreischende Dorfbewohner hängen beidseits am Truck – um mit den zu tief hängenden Stromleitungen zu helfen und um dafür etwas Geld zu kassieren – und einmal kracht es bedrohlich als der Schneck aufsetzt. Endlich im Camp angekommen legen wir erschöpft die Füße hoch. Jetzt wird erst mal ein paar Tage an diesem hübschen Ort direkt am See ausgespannt, geputzt, geflickt, gelernt und repariert. Der Tanasee liegt auf 1800m Höhe und wird von über 50 Flüssen gespeist, aus ihm entspringt der Blaue Nil, der sich bei Khartoum mit dem Weißen Nil verbindet. Mehrere Inseln mit uralten Klöstern liegen im See, in dem wir die ersten Flusspferde zu sehen hoffen und den die örtlichen Fischer immer noch mit Kanus aus Papyrus befahren.
Dank der Regenfälle der letzten Tage und Wochen ist die Grenzstation ein wüstes Schlammloch. Guido traut sich gar nicht den Schneck neben der Teerstraße zu parken und bleibt einfach stehen um die anstehenden Gänge zu Fuß zu erledigen. Nach wenigen Metern klebt der Schlamm so unter seinen Sandalen, dass er wie auf Plateausohlen geht. Dann ein echt afrikanisches Erlebnis: Das Carnet de passage (sozusagen der Reisepass des Schneck) kann nicht gestempelt werden, weil der zuständige Herr vom Zoll noch schläft – in einem Bett mitten im Raum. Es dauert etwa 45 Min bis er erwacht ist und weitere 30 bis er sich gewaschen hat und seinen Tee getrunken, dann ist er bereit das Carnet zu stempeln. Nur leider läßt sich der richtige Schlüssel nicht finden, mit dem man die Schreibtischschublade aufschließen kann und den Stempel befreien. Also noch mal 20 Minuten warten. Währenddessen sitzen die Kinder und ich im Schneck und werden von den ersten Bettlern belästigt – halbwüchsigen Jungs, die gleich recht unverschämt daherkommen. Alle tragen das äthiopisch orthodoxe Kreuz um den Hals. Wir sind von vielen Reisenden gewarnt worden, dass Äthiopien zwar wunderschön sei, die Menschen aber schwierig: Bettler und Steineschmeißer, so lautet häufig das Urteil und wir hoffen sehr, dass wir bessere Erfahrungen machen.
Äthiopien empfängt uns grün und blühend mit deutlich kühleren Temperaturen. Das Land beginnt schon wenige Kilometer hinter der Grenze anzusteigen und die Ausblicke auf die Berge sind fantastisch. Überall grünt und blüht es und überall rauscht Wasser in oft tief eingeschnittenen Flußbetten. Am Strassenrand sehen wir die ersten Affen und unzählige kleine bunte Vögel. Guido wagt allerdings kaum den Blick von der Straße zu nehmen, denn die Dörfer liegen aufgereiht dicht an dicht entlang der Straße und auf der Straße sonnen sich Esel, Ziegen und Kälber. Dazwischen laufen immer wieder Kinder im letzten Moment vor dem Schneck lang. Die meisten Kinder und einige Erwachsene winken uns fröhlich zu und wir grüßen besonders freundlich alle, die etwas reservierter wirken.
Die Besiedelung wird etwas dünner als die Straße immer stärker ansteigt und der Schneck kriecht tapfer bis auf 2200m die Serpentinen hinauf. Hier oben ist die Luft deutlich kühler und als wir auf eine Piste durch die Dörfer abbiegen beginne ich mich zu fragen, wieso ein seit mehreren tausend Jahren hier lebendes Volk es immer noch nicht gelernt hat winddichte Häuser zu bauen. Die rechteckigen Hütten von ca 15 qm bestehen in den meisten Fällen nur aus Knüppeln, nur wenige haben mit Lehm und Stroh wenigstens die Wetterseite verputzt. Aus den meisten Hütten, deren Boden nur gestampfter Erdboden ist quellen 8 bis 10 Personen und einige Hühner. Vor der Hütte ein kleines Feuer an dem die Hausfrau im kalten Schlamm hockt – dabei sehen die Einfriedungen aus Kakteen und die bestellten Felder recht ordentlich aus, aber in den Hütten muß es schon jetzt nachts bitterkalt sein. Wir sehen viele kleine Mädchen denen die Haare bis auf ein Kreuz auf dem Kopf abrasiert sind. Soll das Kreuz das Kind beschützen oder segnen? Die Piste wird schlechter und schlammiger, hier und da ist eine Brücke überspült, aber Guido und der Schneck kommen überall glatt durch. Nur die entsetzlich schlechten letzten zwei Kilometer vor dem Campingplatz am Tanasee werden in der inzwischen hereingebrochenen Dunkelheit zur Zerreißprobe. Johlende und kreischende Dorfbewohner hängen beidseits am Truck – um mit den zu tief hängenden Stromleitungen zu helfen und um dafür etwas Geld zu kassieren – und einmal kracht es bedrohlich als der Schneck aufsetzt. Endlich im Camp angekommen legen wir erschöpft die Füße hoch. Jetzt wird erst mal ein paar Tage an diesem hübschen Ort direkt am See ausgespannt, geputzt, geflickt, gelernt und repariert. Der Tanasee liegt auf 1800m Höhe und wird von über 50 Flüssen gespeist, aus ihm entspringt der Blaue Nil, der sich bei Khartoum mit dem Weißen Nil verbindet. Mehrere Inseln mit uralten Klöstern liegen im See, in dem wir die ersten Flusspferde zu sehen hoffen und den die örtlichen Fischer immer noch mit Kanus aus Papyrus befahren.
Zusammenfassung Sudan
Natürlich haben wir nur sehr wenig dieses riesigen Landes gesehen. Wer sich die Mühe macht und eine Karte heraussucht muß seinen Blick auf den Verlauf des (Blauen) Nils richten um unserer Route zu folgen. Unser Eindruck bleibt also nur ein Puzzlestück und ist damit unvollständig und unzuverlässig.
Land: Es ist gar nicht so einfach hineinzugelangen, sofern man nicht das Flugzeug nimmt. Unser Weg über den Nassersee war langwierig, teuer und lästig und die alternative Route über Saudi Arabien ist ebenfalls nicht einfach. Tatsächlich haben wir ein wenig herumgesponnen wie leicht sich eine Autovermietung in Khartoum aufbauen ließe, die auf Landrover mit Dachzelt spezialisiert ist. Wieso kommt bloß niemand auf diese Idee?
Die Landschaft ist überwiegend flach bis sanft hügelig und bis kurz vor der Grenze Äthiopiens sehr trocken. Die Abwechslung besteht in den unterschiedlichen Sandfarben und Gesteinsformen und natürlich im Verlauf des Nils mit seinem mal schmalen mal breitem, aber immer unglaublich üppigen Fruchtland.
Highlights: Die Pyramiden am Jebel Berka (die uns mehr beeindruckt haben als die von Meroe), klassische Wüstenerfahrung inklusive Wasserloch und lagernder Nomaden, die Märkte, die Menschen, die Menschen, die Menschen.
Die Menschen: Jeder Overlander, den wir trafen bestätigte unser Empfinden: Die Menschen im Nordsudan sind unglaublich freundlich, offen und ehrlich. Niemand versucht einen Touristenpreis zu berechnen, man kann jederzeit und überall wild campen ohne die geringste Gefahr auch nur belästigt zu werden, fragt man jemanden etwas schlägt einem eine Welle an Hilfsbereitschaft entgegen. Selbst die verständliche Neugierde auf die Fremden wird so würdevoll und leicht distanziert ausgedrückt dass man sich gleich wohl fühlt. Sagt man, dass man aus Deutschland kommt wird der Empfang gleich noch um einige Grade wärmer.
Viele Menschen haben sich bitter über die schlechte Presse des Sudans im Ausland beklagt und sprachen von bösartiger Propaganda. Uns ist natürlich bewußt, dass die Sudanesen selbst einer starken Propaganda und Pressezensur unterliegen, aber uns ist klar geworden, dass der angebliche Konflikt zwischen Nord- und Südsudan eine Art Stellvertreterkrieg zwischen den USA und China ist bei dem es um Zugang zu Öl- und Mineralvorkommen geht. Wir werden in Zukunft alle Berichte auch in den deutschen Medien sehr kritisch betrachten.
Der Sudan ist laut Verfassung ein streng islamischer Staat. Im Gegensatz zu Ägypten wird Religion aber viel weniger öffentlich ausgeübt und insgesamt sehr entspannt gelebt.
Wir waren beeindruckt was für ein umfassendes Bildungs- und Gesundheitssystem wir vorfanden. Praktisch überall gibt es Kliniken und Fachärzte, weiterführende Schulen und Universitäten, die zu gleichen Teilen von Männern und Frauen besucht werden.
Tiere: Kaum Streuner, insgesamt sind die Sudanesen deutlich freundlicher und achtsamer im Umgang mit ihren Tieren als andere afrikanische Völker. Man könnte beinah sagen, sie behandeln ihre Tiere ebenso gut wie ihre Mitmenschen. An Wildtieren haben wir einen Nilwaran, eine Baumschlange (nicht genau identifizert), die erste wirklich große Spinne, viele wilde Kamele und Esel und viele hübsche Vögel gesehen. Leider kein Krokodil…
Wir haben auf jeden Fall große Lust bekommen, irgendwann auch den übrigen Sudan zu bereisen!
Nachtrag: Hier noch eine Anekdote, die einem österreichischem Overlander mit dem wir einige Tage zusammen gereist, sind widerfahren ist: Hubert in der Apotheke : Nein, ich kann kein Antibiotikum nehmen, dass gekühlt aufbewahrt werden muß. Ich bin mit dem Motorrad unterwegs. Haben Sie das auch als Tabletten? Die nette Apothekerin: Mit dem Motorrad? Das ist interessant – durch welche Länder fahren sie denn? - Na ja, ich bin durch die Türkei, Syrien und Jordanien gefahren, dann durch Ägypten und Sudan, als nächstes Äthiopien, Kenia, Tansania … - Durch Kenia ?!? Ja ist ihnen das nicht viel zu gefährlich?!
Natürlich haben wir nur sehr wenig dieses riesigen Landes gesehen. Wer sich die Mühe macht und eine Karte heraussucht muß seinen Blick auf den Verlauf des (Blauen) Nils richten um unserer Route zu folgen. Unser Eindruck bleibt also nur ein Puzzlestück und ist damit unvollständig und unzuverlässig.
Land: Es ist gar nicht so einfach hineinzugelangen, sofern man nicht das Flugzeug nimmt. Unser Weg über den Nassersee war langwierig, teuer und lästig und die alternative Route über Saudi Arabien ist ebenfalls nicht einfach. Tatsächlich haben wir ein wenig herumgesponnen wie leicht sich eine Autovermietung in Khartoum aufbauen ließe, die auf Landrover mit Dachzelt spezialisiert ist. Wieso kommt bloß niemand auf diese Idee?
Die Landschaft ist überwiegend flach bis sanft hügelig und bis kurz vor der Grenze Äthiopiens sehr trocken. Die Abwechslung besteht in den unterschiedlichen Sandfarben und Gesteinsformen und natürlich im Verlauf des Nils mit seinem mal schmalen mal breitem, aber immer unglaublich üppigen Fruchtland.
Highlights: Die Pyramiden am Jebel Berka (die uns mehr beeindruckt haben als die von Meroe), klassische Wüstenerfahrung inklusive Wasserloch und lagernder Nomaden, die Märkte, die Menschen, die Menschen, die Menschen.
Die Menschen: Jeder Overlander, den wir trafen bestätigte unser Empfinden: Die Menschen im Nordsudan sind unglaublich freundlich, offen und ehrlich. Niemand versucht einen Touristenpreis zu berechnen, man kann jederzeit und überall wild campen ohne die geringste Gefahr auch nur belästigt zu werden, fragt man jemanden etwas schlägt einem eine Welle an Hilfsbereitschaft entgegen. Selbst die verständliche Neugierde auf die Fremden wird so würdevoll und leicht distanziert ausgedrückt dass man sich gleich wohl fühlt. Sagt man, dass man aus Deutschland kommt wird der Empfang gleich noch um einige Grade wärmer.
Viele Menschen haben sich bitter über die schlechte Presse des Sudans im Ausland beklagt und sprachen von bösartiger Propaganda. Uns ist natürlich bewußt, dass die Sudanesen selbst einer starken Propaganda und Pressezensur unterliegen, aber uns ist klar geworden, dass der angebliche Konflikt zwischen Nord- und Südsudan eine Art Stellvertreterkrieg zwischen den USA und China ist bei dem es um Zugang zu Öl- und Mineralvorkommen geht. Wir werden in Zukunft alle Berichte auch in den deutschen Medien sehr kritisch betrachten.
Der Sudan ist laut Verfassung ein streng islamischer Staat. Im Gegensatz zu Ägypten wird Religion aber viel weniger öffentlich ausgeübt und insgesamt sehr entspannt gelebt.
Wir waren beeindruckt was für ein umfassendes Bildungs- und Gesundheitssystem wir vorfanden. Praktisch überall gibt es Kliniken und Fachärzte, weiterführende Schulen und Universitäten, die zu gleichen Teilen von Männern und Frauen besucht werden.
Tiere: Kaum Streuner, insgesamt sind die Sudanesen deutlich freundlicher und achtsamer im Umgang mit ihren Tieren als andere afrikanische Völker. Man könnte beinah sagen, sie behandeln ihre Tiere ebenso gut wie ihre Mitmenschen. An Wildtieren haben wir einen Nilwaran, eine Baumschlange (nicht genau identifizert), die erste wirklich große Spinne, viele wilde Kamele und Esel und viele hübsche Vögel gesehen. Leider kein Krokodil…
Wir haben auf jeden Fall große Lust bekommen, irgendwann auch den übrigen Sudan zu bereisen!
Nachtrag: Hier noch eine Anekdote, die einem österreichischem Overlander mit dem wir einige Tage zusammen gereist, sind widerfahren ist: Hubert in der Apotheke : Nein, ich kann kein Antibiotikum nehmen, dass gekühlt aufbewahrt werden muß. Ich bin mit dem Motorrad unterwegs. Haben Sie das auch als Tabletten? Die nette Apothekerin: Mit dem Motorrad? Das ist interessant – durch welche Länder fahren sie denn? - Na ja, ich bin durch die Türkei, Syrien und Jordanien gefahren, dann durch Ägypten und Sudan, als nächstes Äthiopien, Kenia, Tansania … - Durch Kenia ?!? Ja ist ihnen das nicht viel zu gefährlich?!
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