Samstag, 25. Juni 2011

So, ich habe die Kommentarfunktion umgestellt und für alle freigegeben. Hoffentlich funktionierts... Ihr dürft Tanja (und uns) also jetzt alle schreiben :-) und wir freuen uns drauf!




Guido
Es ist kalt und dunkel und viel zu frueh. Die ganz Ehrgeizigen fahren bereits an der offenen Tuer des Schnecks vorbei, aber wir wollen zuerst fruehstuecken bevor wir den Campingplatz verlassen und in den Park fahren – uns ist das Licht noch viel zu spaerlich. Wer faehrt schon gern im Halbdunkel gegen einen Elefanten. Und ausserdem schlafen die Loewen bestimmt noch (eigentlich scheinen sie nie etwas anderes zu tun). Eiin dumpfer Aufprall laesst uns die Broetchen vergessen: Die schwere Muelltonne vor dem Chalet gegenueber ist umgefallen und etwas bewegt sich davor oder darin. Ein Campingplatzhund? Wohl kaum im Kruegernationalpark. Bestimmt Paviane. In diesem Moment entscheidet sich die Sonne den Schritt ueber den Horizont zu wagen und ich gebe Alarm: Lili! Meine Kamera!! Ein Honigdachs!!!Was?Wie? Fuer einen kurzen Moment herrscht Verwirrung, aber wir sind ein eingespieltes Team. Nur Sekunden spaeter pirschen wir uns an die Muelltonne heran. Honigdachse sind schwarz und silber, haben 3,5 cm lange Krallen an den Vorderfuessen und zaehlen zu den aggressivsten Tieren Afrikas. Ein ausgewachsener Honigdachs hat keinen natuerlichen Feind: Die huebschen Tiere beissen, kratzen und verspruehen eine stinkende Fluessigkeit aus den Analdruesen und sie haben den Ruf gezielt auf die Weichteile des Kontrahenten loszugehen. Wen wunderts, dass sogar Hyaenen dankend abwinken. Wir kommen erstaunlich nah heran, bevor uns ein tiefes Knurren zwei Schritte zurueckweichen laesst, dann fluechtet der Pluenderer. Wir haben gerade das naechste Broetchen geschmiert als ich ihn zurueckkommen sehe: Er hat seine Frau mitgebracht und zeigt ihr liebevoll unsere Muelltonne, die voller guter Dinge wie Kotlettknochen und Papayaschalen ist. Natuerlich koennen wir es nicht lassen und begeben uns erneut auf die Fotopirsch, und diesmal duerfen wir knipsen was die Karte hergibt. Nicht mal den Blitz (es ist immer noch Zwielicht) nehmen die beiden jetzt uebel, und wir kehren stolz zum Truck zurueck. Ein Honigdachs stand noch ganz oben auf der Wunschliste – und nun gleich zwei!


Waehrend wir den kalt gewordenen Tee austrinken bekommen wir ein neues Schauspiel geboten. Zwei Campingplatzmitarbeiter stehen verwirrt vor den umgekippten Muelltonnen (die Dachse waren gruendlich und haben keine ausgelassen) und dem verstreuten Muell. Nach laengerer Beratung und viel Kopfkratzen erbarmt sich Lili und laeuft hinueber um die frechen Dachse anzuzeigen. Die beiden wirken erleichtert, schultern ihre Besen – und gehen wieder. Das Raetsel ist geloest, warum sollte man den Muell wegrauemen?

Wir fahren los und streifen einen weiteren Tag durch den Park. Giraffen gehoeren zu unseren besonderen Lieblingen und Guido laesst den Schneck immer auf Samtpfoten heranrollen, um die grazilen Schoenen nicht zu verschrecken. Heute aber bleibt eine auf der Strasse stehen und ruehrt sich ueberhaupt nicht von Fleck. Hinter ihr steht ein weisser Gelaendewagen, der gern an ihr vorbei moechte: Der Fahrer hupt vorsichtig, er klatscht in die Haende, er winkt, er laesst den Motor aufheulen – nichts. Sie ist offenbar tief in Gedanken versunken und schaut ihn nicht einmal an. Guido laesst schliesslich den Motor des Trucks wieder an und faehrt gaaanz vorsichtig auf das Tier zu, das locker ueber die Fahrerkabine hinwegschauen kann. Endlich kommt sie in Bewegung und verlaesst wuerdevoll die Fahrbahn. Der dankbare Fahrer des Gelaendewagens – er stand seit einer Viertelstunde da – revanchiert sich mit einem Tipp: Biegt da hinten links ab und dann auf der rechten Seite liegt ein Loewe im tiefen Gras. Manchmal hebt er den Kopf. Wir finden die Stelle problemlos, aber den Loewen sehen wir nicht. Das ist das Problem mit den Raubtieren – sie sind da, aber sehr schwer zu finden. Es braucht eine gehoerige Portion Glueck einen Loewen aktiv und womoeglich noch aus der Naehe zu sehen. Wir diskutieren gerade, wie lange wir den vielleicht schon leeren Schlafplatz beobachten wollen, da erhebt sich der Koenig der Tiere majestaetisch aus dem Gras, schaut verschlafen zu uns herueber, dreht sich wie ein Hund einmal um sich selbst und laesst sich wieder fallen. Mehr ist fuer die naechsten Stunden nicht zu erwarten und so fahren wir weiter.

Auf einer Nebenstrecke begegnen wir erneut Giraffen. Der Bulle ist auffaellig um eine seiner Kuehe bemueht und wir warten ganz gespannt. Immer wieder laesst sie ihn stehen und geht ein paar Schritte und immer wieder wird er von seinen Pflichten als Wachhabender abgelenkt, aber nach geraumer Zeit hat er sie schliesslich ueberredet und kommt zum Zug. Das sieht ja furchtbar muehsam aus, bemerkt der Mann am Steuer mitleidig und von der Rueckbank kommt ein Das war schon alles? Das Kind hat Recht, aber in der Wildnis koennen zwei Sekunden Unachtsamkeit ueber Leben und Tod entscheiden. Da kommt das Vergnuegen wohl nicht an erster oder zweiter Stelle.

Jede Menge Spass hat dafuer das kleine Flusspferd, dass im Sabie in den Stromschnellen plantscht. Die Warzenschweine im Schlammbad scheinen sich zumindest sehr wohl zu fuehlen (auch diese laufen heute nicht weg, es scheint der Tag der ungewoehnlichen Begegnungen zu sein) und der kleine Pavian auf dem Ruecken seiner Mutter scheint ebenfalls aeusserst zufrieden. Um ihn besser beobachten zu koennen draengen wir uns alle an den linken Fenstern des Schnecks, da hoere ich von der Rueckbank einen Schreckensruf. Ein Affe im Schneck! Waehrend wir die Paviane links beobachtet haben, hat sich die Meerkatze (richtiger auf Englisch: Vervet Monkey, oder umgangssprachlich: Blue ball monkey) durch das rechte hintere Fenster eingeschlichen und stiehlt in Blitzgeschwindigkeit eine Papiertuete, mit der sie sich in den naechsten Baum fluechtet. Zum Glueck war die Tuete leer, sonst haetten wir uns noch Vorwuerfe gemacht, die Tiere gefuettert zu haben. Bettelnde Tiere werden frueher oder spaeter abgeschossen, damit sie nicht zu einer Bedrohung fuer die Besucher werden. Besonders betrifft das die Paviane, deren beeindruckendes Gebiss einen Schaeferhund blass vor Neid werden laesst. Was die Parkverwaltung allerdings gegen die bettelnden Perlhuehner unternehmen will ist mir schleierhaft – an einem vielbesuchten Aussichtspunkt versucht eine Gang von fuenf der Helmeted Guineafowls ebenfalls den Schneck zu entern. Bis jetzt duerften die fuenf ein Einzelfall sein, aber Huehner sind lernfaehig – diese hatten glasklar erkannt, dass wir tatsaechlich gerade Lunchpause machten. Kein anderes Auto wurde belaestigt.











Montag, 20. Juni 2011

So, fuer alle die mich schon vermisst haben: Ich habe noch einen Namibiabeitrag eingestellt, die Zusammenfassung Namibia und den ersten Suedafrikabeitrag. Die letzten Namibiafotos fallen leider der schwachen Internetverbindung zum Opfer - aber vielleicht kann ich die demnaechst noch nachreichen....
Viel Spass und liebe Gruesse an alle Leser!
NEWS-Ticker: Einreise nach Süd-Afrika bei Nakop - Upington - Vryburg – Pretoria – Blyde River Canyon – Kruegerpark – Schneck und Besatzung wohlauf


Wenn man ein Fachgeschäft für Rasenmäherersatzteile sieht, dann weiß man dass man in der Zivilisation angekommen ist. Während Guido noch seine Entdeckung bestaunt betrachte ich stirnrunzelnd die übrigen Geschäfte, die das Einkaufzentrum von Upington bilden. Soviel Auswahl hatten wir bisher nur in den größten Städten auf unserer Reise, aber Upington ist eine sehr kleine Kleinstadt in der Mitte von Nirgendwo. Der Besuch des Supermarktes ist eine Offenbarung was das Angebot angeht und lässt von Gemüse bis Labello keine Wünsche offen. So viel Auswahl sind wir gar nicht mehr gewöhnt und brauchen entsprechend lange für den Einkauf. Leider müssen wir uns mit dem Grenzübertritt wohl wieder vom Vollkornbrot verabschieden – was sich hier Roggenbrot nennt ist weicher als Toast und teurer als Steaks und die sind auch nicht mehr wirklich günstig. Dafür gibt es frisches Obst und Gemüse in Hülle und Fülle und sogar küchenfertig vorbereitet im Kühlregal.

Die Vielfalt wird durch die Eintönigkeit der Strecke Richtung Osten wieder aufgehoben. Wir bewegen uns am südlichen Kalaharirand entlang und ohne die neuerliche Reifenpanne wäre uns wohl langweilig geworden. Die Rückkehr in die Zivilisation bemerkt Guido am nächsten Morgen gleich noch einmal: Die Werkstatt hat den passenden Schlauch vorrätig, die Jungs wissen den Reifen von der Felge zu bekommen und nach etwas über einer Stunde sind wir wieder unterwegs – was für ein Unterschied zu dem Erlebnis in Zimbabwe!

Das schönste am Straßenrand sind die Wohnsiedlungen an den Strommasten. Sie sind oft kugelrund und liegen oben auf den Sicherungen auf, manchmal aber auch birnenförmige Ballungsgebiete, die den halben Mast bedecken. Der Soziale Webervogel ist ein unscheinbarer, kleiner, brauner Vogel mit großem Talent für erstaunliche Bauprojekte. Die Gebilde aus Gras können so groß werden, dass sie nach Regenfällen durch ihr Gewicht Bäume oder Strommasten zum Umstürzen bringen. Webervögel mögen es gesellig, also sind ihre Nester dicht an dicht gepackt, wobei die Einfluglöcher alle unten liegen und die Oberseite der Nester so glatt und ordentlich wirkt, dass sie wohl als Vorbild für die Strohdächer auf den typischen afrikanischen Rundhütten dienten. Rundhütten gibt es hier allerdings keine mehr – dafür Ansammlungen hässlicher Wellblechbehausungen, die sicher keine Verbesserung an Wohnqualität mit sich gebracht haben. Aber auch die Webervögel leben nicht im Paradies: Handspannengroße Falken sitzen oben auf den Nestern und warten auf unvorsichtige Jungvögel, die in diesen Tagen flügge werden und bei ihren ersten Ausflug gleich um ihr Leben fürchten müssen.

Um unser Leben fuerchten wir zwar nicht, aber etwas mulmig wird uns bei den Schauergeschichten am Abendbrottisch von Chris und Magda schon. Wir haben die beiden im Chobe fluechtig kennengelernt und sind prompt in ihr Haus nach Pretoria eingeladen worden. Das Haus der beiden ist eine moderne Trutzburg mit Stacheldrahtzaeunen, Bewegungsmeldern und drei scharfen Hunden. Schlagen die Ridgebacks nachts an muss jemand einen Kontrollgang machen mit einem Scheinwerfer der ein ganzes Stadion erhellen kann – und einer Schusswaffe. Einen Wachmann hat Chris, der sein Geld mit Zahnprothesen verdient, nicht denn die Gegend gilt als relativ sicher. Zum Glueck sind sich alle am Tisch einig, dass der Schneck uns die ultimative Sicherheit bietet: Er ist viel zu alt, gross und auffaellig um Ziel von Ueberfaellen zu sein. Nur Buschcampen sollen wir bitte auf keinen Fall. Merkwuerdig, dass ausgerechnet Suedafrika den Ruf als sicheres Urlaubsparadies geniesst – kein anderes Land bisher zwang uns eine so verklemmte Einstellung auf. Andererseits ist es sicher nicht gefaehrlicher als eine Reise durch Sueditalien. Chris und Magda gehen noch mit uns shoppen, denn beinah alle unsere Kleider sind abgetragen oder passen nicht mehr, und sie helfen uns mit der Buchung der Campingplaetze fuer das Drakensberge Escarpment und den Kruegernationalpark. Dann heisst es Abschied nehmen – aber vielleicht sehen wir uns bald in Deutschland, denn die beiden wollen jetzt unbedingt unserem Beispiel folgen und von Afrika nach Europa fahren.
Zusammenfassung Namibia


Land: Namibia besteht zum größten Teil aus horizontaler und vertikaler Ödnis, darüber kann auch das lindgrüne Gras nach den Regenfällen nicht hinwegtäuschen. Halbwüste und Wüste haben ebenso wie die raue Atlantikküste ihren Charme, aber wer im Urlaub gerne Grün sieht ist hier falsch. Zwischen den landschaftlichen Höhepunkten liegen oft sehr lange und mitunter langweilige Fahrstrecken. Da das Land so dünn besiedelt ist sind kaum Menschen zu Fuß unterwegs und oft fährt man an endlosen Zäunen entlang. Die Straßen allerdings sind – obwohl meist ungeteert – sehr gut, so dass längere Tagesetappen problemlos möglich sind. Die touristische Infrastruktur ist sehr gut, das Land gilt als sicher und die Landessprache ist zwar Englisch aber Deutsch wird vielerorts zumindest verstanden zumal es dem Afrikaans sehr ähnlich ist. Kein Wunder, dass die meisten Touristen denen man begegnet deutschsprachige Europäer über 50 sind ;-).

Leute: Schwarz und Weiß scheinen in Parallelwelten zu leben, deren Berührung ängstlich vermieden wird. Der Besuch lokaler Märkte oder Restaurants ist nicht zu empfehlen und auch sonst wird man von der schwarzen Bevölkerung bestenfalls freundlich distanziert betrachtet – oder einfach ignoriert. Man bewegt sich zwangsläufig unter den (sehr gastfreundlichen) Weißen, die nur 7% Anteil an der Gesamtbevölkerung haben, aber 85% des Bruttoinlandsproduktes erwirtschaften. Das ist bequem, aber auf die Dauer etwas einseitig. Die Himba im Norden und die farbenprächtigen Kleider der Herero waren seltene, aber faszinierende Einblicke in die andere Welt. Die Museumsdörfer der einzelnen Stämme haben wir nicht besucht, sie erinnerten uns ein wenig zu sehr an Disney – wer allerdings zum ersten Mal in Afrika ist findet sie sicher interessant gemacht.

Tiere: Namibia glänzt nicht nur mit dem Etosha-Nationalpark und zahllosen (oft privaten) Schutzgebieten, man sieht auch immer wieder Wildtiere außerhalb der Parks. Neben zahllosen Springböcken, Straußen und Oryxantilopen tummeln sich auch Giraffen und Elefanten gelegentlich auf oder neben der Fahrbahn. Auch von freilebenden Raubkatzen haben wir gehört. Uns werden vor allem die Seelöwen bei Cape Cross im Gedächtnis bleiben, die Ginsterkatze nachts im Camp und die scheuen Strauße, die wir nie von vorne fotografiert bekamen.

Highlights: Löwen im Etosha, Elenantilopenkoteletts bei Adri und Hanel, die Himba, Kakteen und zahme Erdmännchen am Brandberg, Seelöwen am Cape Cross, Fish River Canyon, Rosenquarzmine bei Grünau
NEWS-Ticker: Namib Naukluft – Namibrand – Aus – Fish River Canyon – Grünau – Schneck und Besatzung wohlauf


Namibia ist bunt nach dem Jahrhundertregen der letzten Wochen und die Fahrt entlang der Namibwüste gerät zu einer ungewöhnlichen Erfahrung. Wo nur oranger Sand sich gegen den blauen Himmel abheben sollte bedeckt zartes Grün die weiten Ebenen und den größten Teil der Dünen, und den blaugrauen Himmel zieren Regenbogen. Fette Oryxantilopen und glücklich grasende Rinder am Straßenrand sind deutliches Zeichen, dass auch diese Wüste lebt – sobald sie Wasser hat. Die Piste von Windhoek bis Aus zieht sich entlang der Namib, windet sich gelegentlich durch sanfte Hügel und einsame Farmen. Immer wieder sehen wir Strauße, Springböcke und Oryx und zweimal spielen Schakale gleich neben der Schotterstraße, aber wir öffnen nur selten die Fenster zum Fotografieren, denn es ist lausig kalt und windig in dieser Gegend. Der geplante Besuch der Geisterstadt bei Lüderitz fällt ebenso aus wie das abendliche Grillen – die Fahrt durch das Diamantensperrgebiet zur Küste scheint in diesem Wetter wenig attraktiv und wir wenden uns lieber gen Südosten, der Sonne auf der Spur.

Die Sonne holt uns am Fish River Canyon ein. Die 160km lange Schlucht öffnet sich abrupt in der Ebene, die in voller Blüte steht. Die Farben sind glasklar und schwerelos: Die im Morgenlicht sandsteinfarbenen Felsformationen liegen zwischen Himmelsblau und Bergwiesen: Purpurfarbene Sukkulenten, stacheliges Zitronengelb und transparentes Lavendelblau und dazwischen die ockerfarben blühenden Köcherbäume mit ihren weißlichen Stämmen. Die Pflanzen sind perfekt an die lebensfeindliche Umgebung angepasst. Wir finden viele wasserspeichernde Arten, Wolfsmilchgewächse, dornenbewehrte Früchte und Zweige und beinah blattlose Gräser. Alles zielt nur darauf ab in den wenigen wasserreichen Wochen Blüte und Samenbildung rechtzeitig abzuschließen. Es eilt – in wenigen Wochen liegt hier eine Geröllwüste unter gleißender Sonne.

Nur wenige Kilometer weiter sehen wir rosa. Die Rosenquarzmine auf der 15000 Hektar großen Farm von Dolf und Kinna bei Grünau liegt still unter dem blauen Himmel. In dem weißlichen Gestein sind überall Flecken und Taschen in allen Rosaschattierungen zu erkennen und der Boden ist bedeckt von kleinen und kleinsten Bruchstücken. Lilian und Fabi dürfen sich die Taschen füllen und wir alle halten immer wieder begeistert ein besonders schönes Stück in das gleißende Licht. Das ist reine Schönheit, die uns gerade in der rohen Form beeindruckt. Da werden nicht nur die Kinder zu Steinesammlern.















Sonntag, 5. Juni 2011

News-Ticker: Twyfelfontein – Brandberg – Cape Cross - Swakopmund – Walvis Bay – Namib Naukluft – Windhoek – Schneck und Besatzung wohlauf


Es ist unglaublich heiß und unglaublich ruhig. Die gravierten Felsen, auf denen sich Giraffen, Oryx und ein Schamane in Löwengestalt tummeln wirken wie ein Backofen in der staubigen Umgebung. Dennoch klettern wir unserem Führer Charles eifrig hinterher um auch ganz bestimmt nichts zu verpassen. Wieder mal ein Weltkulturerbe, das die San uns aus grauer Vorzeit hinterlassen haben  – aber welch ein Unterschied zu den vernachlässigten oder gar vergessenen Stätten in Tansania. Sorgfältig angelegte Pfade und Aussichtsplattformen bringen uns überall bequem hin, und unser Führer erklärt kompetent und interessant. Zur Freude der Kids spricht Charles sogar ein wenig nordisch gefärbtes Deutsch und spielt Wer findet zuerst den Elefanten? mit uns. Keine Frage - die Kinder sind immer schneller als wir.
Zurück am Truck entdecken wir mehrere hübsche, weißgeflügelte Stare, die die großen Außenspiegel des Schnecks besetzt halten – clevere Kerlchen, die gelernt haben, dass Touristen nach der Besichtigung nicht nur die Wasserflaschen aus dem Auto holen. Einer frißt mir gar aus der Hand und wir lassen die Bande nur ungern zurück um zur nächsten Attraktion bei Twyfelfontein zu fahren. Der versteinerte Wald (Steine, die tatsächlich vor Jahrmillionen einmal Holz waren und auch noch so aussehen), der verbrannte Berg (nein, nicht wirklich, er sieht nur so aus), Orgelpfeifen aus Basalt und lumpig aussehende uralte Welwitschiapflanzen warten auf uns.

Nach dem anstrengenden Besichtigungsprogramm gönnen wir uns am Fuße des Brandbergs zwei Tage Erholung bevor wir in die deutsche Kolonialgeschichte eintauchen und nach Swakopmund weiterfahren. In Swakop wohnen die meisten deutschstämmigen Namibier und pflegen eine Kultur wie sie deutscher nicht sein könnte: dunkles Brot, Bier, Eisbein und ein blitzsauberes Städtchen mit Karnevalsverein, deutscher Zeitung, deutscher Schule usw. – es ist wie Deutschland aus dem Bilderbuch mit ein paar exotischen Zugaben wie Zebrasteaks und Oryxbraten auf der Speisekarte und Schuhgeschäfte, die Schuhe aus Kudu- oder Robbenleder führen.

Robben. Ohrenrobben, um genau zu sein. Wir haben ungezählte Fotos von vielleicht hunderttausend oder mehr Seelöwen gemacht, wir haben Seelöwen gehört (die Jungtiere machen Määäh wie ein Lamm!), gerochen (nicht zu empfehlen, aber nicht zu vermeiden bei so vielen Tieren) und gestreichelt und sind bezaubert von ihrem Charme und ihrer Klugheit. Mitgenommen haben wir allerdings keinen – der hätte neben dem Eselfohlen, dem Zebra und dem Babyelefanten keinen Platz mehr gefunden, die Erdmännchen erschreckt und zu viel Wasser verbracht. Im Ernst: Es ist ganz gut, dass man sich als Eltern auf die Zollbehörden berufen kann, wenn es gilt tierische Mitfahrer abzulehnen.

Der Weg nach Windhoek führt uns wieder in die Einsamkeit, durch den Namib Naukluft Park und weiter über den Gemsbockpass, den der Schneck gewohnt zügig erklommen hat und nun frieren wir in Windhoek, denn es wird zumindest nachts eisig kalt.