Montag, 27. September 2010
Nach langer Suche haben wir in Khartoum ein Internetcafe gefunden und ich kaempfe mal wieder mit der arabischen Tastatur. Ich habe vier ! Beitraege eingestellt (also kocht Euch erst mal einen Kaffee) und versuche noch ein paar Bilder hochzuladen. Von oben nach unten: Moebelladen in Khartoum, der Schneck auf dem Ponton vor der Ueberquerung des Nassersees, sudanesisches Dorf im Morgengrauen und Frau mit Palmfaserbuendel, Essen in Dongola, Wasserloch in der Wueste, Pyramide von Meroe (eine von Dutzenden).
NEWS-Ticker: Jebel Barkal - zwei Tage Fahrt durch die Wüste – Pyramiden von Meroe - Ankunft in Khartoum – Beifahrertür wieder gängig
Der Morgen in Karima beginnt früh, denn wir wollen vor der Hitze den heiligen Berg Jebel Barka besuchen. Dort stehen einige kleinere Pyramiden sowie die Reste eines Amuntempels. Alle Kulturen, die hier gesiedelt haben waren sich einig, dass der Berg ein Kraftort und daher heilig sei und zu unserer eigenen Überraschung können wir das an diesem Morgen gut nachvollziehen. Irgendetwas strahlt er aus, der einzeln stehende Felsbrocken über dem die Geier und Falken ihre Kreise ziehen.
Von Karima nach Atbara an einem Tag und von Atbara nach Khartoum am nächsten – wir sind so viele Kilometer durch entsetzlich heiße Wüste gefahren dass wir fürs erste genug davon haben. Bei fast 50 Grad haben die verschiedensten Wüstenformen gesehen, sind von Sandhosen knapp verfehlt worden, haben Beduinen mit ihren riesigen Herden sich an Wasserlöchern sammeln gesehen und Kilometer gezählt.
Irgendwo am ersten Tag auf der hitzeflimmernden Strasse: Ein einsamer Esel taumelt uns entgegen. Die Stute ist noch gar nicht alt, aber völlig abgemagert und ausgetrocknet. Um den linken Vorderfuß trägt sie noch ein Stück Strick – sie ist also kein Wildtier. Ihre Augen eitrig und sie sieht kaum etwas, aber als Guido ganz langsam an ihr vorbeiziehen will drängt sie sich in den Schatten des Schnecks. Das gibt den Ausschlag: Eine Stunde später ist sie getränkt und mit Brot und Datteln gefüttert, von dem einschneidenden Stück Strick befreit und steht 300m weiter in einem Verschlag, den irgendein gütiger Gott vielleicht von einem Beduinen hat errichten lassen. Darin finden wir Hinweise, dass der Verschlag regelmäßig genutzt wird und hoffen, dass dies die Rettung für das Eselmädchen ist, die bestimmt kein schlechtes Tier ist und entweder weggelaufen ist oder das Pech hatte an den einzigen Sudanesen zu geraten, der seinen Esel schlecht behandelt. Das sanfte Langohr geht mir noch lange nicht aus dem Kopf, aber mehr können wir nicht für sie tun. Doch – Guido steigt ein paar Kilometer weiter noch einmal aus und zeigt einem Beduinen ein Foto und weist ihm die Richtung. Der Mann ist misstrauisch und beinahe scheu, aber als wir weiterfahren sehe ich im Außenspiegel, dass er mit seinen vielleicht 30 Schafen und seinem gepflegten Esel die richtige Richtung einschlägt.
Der Höhepunkt des zweiten Tages sind die Pyramiden von Meroe. Zweifellos unscheinbarer als ihre ägyptischen Schwestern und in traurigem Zustand, die Reliefs wenig künstlerisch und die meisten Spitzen fehlen aber dafür haben den Ort für uns allein und durften die Nacht vor dem Haupteingang campen.
Nach all der Einsamkeit erschlägt uns Khartoum fast, aber trotz Verkehrschaos finden wir den Campingplatz am Nil sofort. Der ist zwar schmutzig und laut, aber ein großer Teil unserer Fährgesellschaft aus Ägypten trifft sich hier wieder und mit fünf Männern, einem LKW-Spanngurt und einem Wagenheber wird meine Tür wieder gerichtet. Das Trittbrett ist zwar unrettbar verloren, aber Guido verspricht einen Ersatz zu basteln. Ihm geht es auch auf die Nerven, dass ich nicht mal eben aussteigen kann….
Der Morgen in Karima beginnt früh, denn wir wollen vor der Hitze den heiligen Berg Jebel Barka besuchen. Dort stehen einige kleinere Pyramiden sowie die Reste eines Amuntempels. Alle Kulturen, die hier gesiedelt haben waren sich einig, dass der Berg ein Kraftort und daher heilig sei und zu unserer eigenen Überraschung können wir das an diesem Morgen gut nachvollziehen. Irgendetwas strahlt er aus, der einzeln stehende Felsbrocken über dem die Geier und Falken ihre Kreise ziehen.
Von Karima nach Atbara an einem Tag und von Atbara nach Khartoum am nächsten – wir sind so viele Kilometer durch entsetzlich heiße Wüste gefahren dass wir fürs erste genug davon haben. Bei fast 50 Grad haben die verschiedensten Wüstenformen gesehen, sind von Sandhosen knapp verfehlt worden, haben Beduinen mit ihren riesigen Herden sich an Wasserlöchern sammeln gesehen und Kilometer gezählt.
Irgendwo am ersten Tag auf der hitzeflimmernden Strasse: Ein einsamer Esel taumelt uns entgegen. Die Stute ist noch gar nicht alt, aber völlig abgemagert und ausgetrocknet. Um den linken Vorderfuß trägt sie noch ein Stück Strick – sie ist also kein Wildtier. Ihre Augen eitrig und sie sieht kaum etwas, aber als Guido ganz langsam an ihr vorbeiziehen will drängt sie sich in den Schatten des Schnecks. Das gibt den Ausschlag: Eine Stunde später ist sie getränkt und mit Brot und Datteln gefüttert, von dem einschneidenden Stück Strick befreit und steht 300m weiter in einem Verschlag, den irgendein gütiger Gott vielleicht von einem Beduinen hat errichten lassen. Darin finden wir Hinweise, dass der Verschlag regelmäßig genutzt wird und hoffen, dass dies die Rettung für das Eselmädchen ist, die bestimmt kein schlechtes Tier ist und entweder weggelaufen ist oder das Pech hatte an den einzigen Sudanesen zu geraten, der seinen Esel schlecht behandelt. Das sanfte Langohr geht mir noch lange nicht aus dem Kopf, aber mehr können wir nicht für sie tun. Doch – Guido steigt ein paar Kilometer weiter noch einmal aus und zeigt einem Beduinen ein Foto und weist ihm die Richtung. Der Mann ist misstrauisch und beinahe scheu, aber als wir weiterfahren sehe ich im Außenspiegel, dass er mit seinen vielleicht 30 Schafen und seinem gepflegten Esel die richtige Richtung einschlägt.
Der Höhepunkt des zweiten Tages sind die Pyramiden von Meroe. Zweifellos unscheinbarer als ihre ägyptischen Schwestern und in traurigem Zustand, die Reliefs wenig künstlerisch und die meisten Spitzen fehlen aber dafür haben den Ort für uns allein und durften die Nacht vor dem Haupteingang campen.
Nach all der Einsamkeit erschlägt uns Khartoum fast, aber trotz Verkehrschaos finden wir den Campingplatz am Nil sofort. Der ist zwar schmutzig und laut, aber ein großer Teil unserer Fährgesellschaft aus Ägypten trifft sich hier wieder und mit fünf Männern, einem LKW-Spanngurt und einem Wagenheber wird meine Tür wieder gerichtet. Das Trittbrett ist zwar unrettbar verloren, aber Guido verspricht einen Ersatz zu basteln. Ihm geht es auch auf die Nerven, dass ich nicht mal eben aussteigen kann….
Die Rundfahrt durch Dörfer und Kleinstädte verdanken wir den neuesten Informationen über den Strassenzustand: Die Wüstenautobahn soll in einem so schlechten Zustand sein, dass die von den Chinesen entlang des Nils gebaute Strasse auf jeden Fall vorzuziehen ist. Von dieser gehen zum Glück überall nicht asphaltierte Stichstrassen und Schleifen ab, so dass wir zwischen schnellem und langsamem Vorankommen nach Belieben wechseln können.
In Dongola packt uns mittags der Hunger, aber zunächst können wir kein Restaurant oder ähnliches finden. Also fragen wir den nächstbesten Mann auf der Strasse. Der spricht zwar kein Wort Englisch, aber da food und ful (die sudanesische Grundnahrung aus braunen Bohnen) sich ähnlich anhören verstehen wir uns doch. Der gute Mann schiebt strahlend hinter sich ein Metalltor auf – und da ist die Küche im Torbogen und dahinter im Hof Tische und Stühle. Wir bestellen Essen mit viel Gestik und Lachen Essen für vier und er macht sich an die Arbeit: Ful mit Schafkäse und reichlich Öl, gebratene Leber auf zweierlei Art mariniert, ein Dip aus Sauermilch, Zwiebeln und Kräutern und ein weiterer aus Kichererbsenmus mit scharfen Peperoni. Dazu gibt es natürlich Brot, dass auch als Besteck dient – zum ersten Mal müssen die Kinder mit den Fingern und aus der gemeinsamen Schüssel essen und Fabi tut sich überraschend schwer. Lili genießt das Essen und strahlt so, dass der Koch noch schnell zum Markt läuft und noch frischen Salat für uns besorgt.
Dank der chinesischen Strasse schaffen wir es bis Karima wo wir Michael und Hubert mit ihren Motorrädern wiedertreffen und die Nacht an einer grandiosen Stelle am Stadtrand im weichen Wüstensand campen.
In Dongola packt uns mittags der Hunger, aber zunächst können wir kein Restaurant oder ähnliches finden. Also fragen wir den nächstbesten Mann auf der Strasse. Der spricht zwar kein Wort Englisch, aber da food und ful (die sudanesische Grundnahrung aus braunen Bohnen) sich ähnlich anhören verstehen wir uns doch. Der gute Mann schiebt strahlend hinter sich ein Metalltor auf – und da ist die Küche im Torbogen und dahinter im Hof Tische und Stühle. Wir bestellen Essen mit viel Gestik und Lachen Essen für vier und er macht sich an die Arbeit: Ful mit Schafkäse und reichlich Öl, gebratene Leber auf zweierlei Art mariniert, ein Dip aus Sauermilch, Zwiebeln und Kräutern und ein weiterer aus Kichererbsenmus mit scharfen Peperoni. Dazu gibt es natürlich Brot, dass auch als Besteck dient – zum ersten Mal müssen die Kinder mit den Fingern und aus der gemeinsamen Schüssel essen und Fabi tut sich überraschend schwer. Lili genießt das Essen und strahlt so, dass der Koch noch schnell zum Markt läuft und noch frischen Salat für uns besorgt.
Dank der chinesischen Strasse schaffen wir es bis Karima wo wir Michael und Hubert mit ihren Motorrädern wiedertreffen und die Nacht an einer grandiosen Stelle am Stadtrand im weichen Wüstensand campen.
NEWSTICKER: Ankunft im Sudan – nervige und teure Einreise – erster guter Eindruck von Land und Leuten – Besatzung wohlauf – Schneck hat erste Delle und Lichtmaschine des Koffers schwächelt
Der erste Morgen im Sudan bringt die allerersten Wolken unserer Reise mit sich. Wie leichte graue Schleier ziehen sie und verbergen immer wieder die Sonne. Wadi Halfa empfängt uns schwülheiß aber freundlich – welch ein Unterschied zum lauten Ägypten.
Die Sudanesen sind kein einheitlicher Volksstamm – in diesem riesigen Land, siebenmal größer als die Bundesrepublik, leben über hundert verschiedene Ethnien mit jeweils eigener Sprache und Kultur – und Wadi Halfa bietet einen nur kleinen Ausschnitt daraus. Trotz des Trubels auf engem Raum in dem kleinen Dorf, das nur von der einmal wöchentlich eintreffenden Fähre aus Ägypten lebt fühlen wir uns auf Anhieb wohl und willkommen. Unser erster Anlaufpunkt ist eine Kaffeebude, die vielleicht zum typischsten gehört, was der Sudan zu bieten hat. Die Besitzerin mit dem glänzend tiefschwarzen Gesicht in ihren malvenfarbenen Gewändern facht das kleine Feuer zu ihrer Rechten an, worauf zwei Kannen kochendes Wasser bereitstehen und Kaffeebohnen in einem kleinen Stieltopf rösten, den sie regelmäßig schüttelt. Zu ihrer Linken zwei Eimer mit Spülwasser und saubere Tücher und vor ihr eine kleine Holzkiste mit einer Batterie von Einmachgläsern, in denen sie die Zutaten zu ihrer Alchimistenküche aufbewahrt: Ingwer und Zimt, Nelken und Koriander zum aromatisieren des Kaffees und Schwarz- und Pfefferminztee. Die Pfefferminzblätter werden von ihrer sehr schönen und äußerst selbstbewussten Tochter im Mörser zerstoßen. Gelegentlich hält sie inne und nimmt den Schleier den sie nur lose um den Kopf geschlungen hat ab und wickelt ihn neu – nicht ohne ihrem Verehrer auf der anderer Straßenseite damit zuzuwinken.
Der Ponton mit dem Schneck kommt überraschend schon am Mittwoch mittag an und wir sind zurück auf der Strasse. Die Nacht verbringen wir in der Wüste und gleich nach Sonnenaufgang machen wir uns auf den Weg. Wir verlassen die gute Teerstrasse und fahren am Nil entlang durch malerische Dörfer, die wahrscheinlich schon vor hunderten von Jahren so ausgesehen haben. Überall winken uns Menschen zu, die Frauen, die um diese Zeit das Brot für den Tag backen halten uns an um uns nach dem Woher und Wohin zu fragen. Je weiter wir nach Süden kommen desto mehr hat zwar die moderne Zeit mit elektrischem Strom, Satellitenschüssel und Plastikmüll in die Dörfer Einzug gehalten aber die Bewohner bleiben unverändert freundlich.
Nervig ist nur, dass Guido beim Runterfahren von der Fähre angeeckt ist und sich meine Tür nicht mehr öffnen läßt. Der Schaden ist aber eigentlich gering und läßt sich bestimmt leicht wieder beheben. Auch die Kühltruhe läuft nicht wie sie sollte, weil die neue gebrauchte Lichtmaschine nicht richtig lädt. Michael und Hubert – zwei motorradfahrende Elektriker, die wir auf der Fähre getroffen haben – geben aber Entwarnung. Wahrscheinlich nur die Kohlen verklemmt von zu viel Sand. Mal sehen ob sich ihr Gefummel bewährt, ansonsten gibt es eben irgendwo mal eine neue Lichtmaschine, die sollte hier nicht viel kosten.
Der erste Morgen im Sudan bringt die allerersten Wolken unserer Reise mit sich. Wie leichte graue Schleier ziehen sie und verbergen immer wieder die Sonne. Wadi Halfa empfängt uns schwülheiß aber freundlich – welch ein Unterschied zum lauten Ägypten.
Die Sudanesen sind kein einheitlicher Volksstamm – in diesem riesigen Land, siebenmal größer als die Bundesrepublik, leben über hundert verschiedene Ethnien mit jeweils eigener Sprache und Kultur – und Wadi Halfa bietet einen nur kleinen Ausschnitt daraus. Trotz des Trubels auf engem Raum in dem kleinen Dorf, das nur von der einmal wöchentlich eintreffenden Fähre aus Ägypten lebt fühlen wir uns auf Anhieb wohl und willkommen. Unser erster Anlaufpunkt ist eine Kaffeebude, die vielleicht zum typischsten gehört, was der Sudan zu bieten hat. Die Besitzerin mit dem glänzend tiefschwarzen Gesicht in ihren malvenfarbenen Gewändern facht das kleine Feuer zu ihrer Rechten an, worauf zwei Kannen kochendes Wasser bereitstehen und Kaffeebohnen in einem kleinen Stieltopf rösten, den sie regelmäßig schüttelt. Zu ihrer Linken zwei Eimer mit Spülwasser und saubere Tücher und vor ihr eine kleine Holzkiste mit einer Batterie von Einmachgläsern, in denen sie die Zutaten zu ihrer Alchimistenküche aufbewahrt: Ingwer und Zimt, Nelken und Koriander zum aromatisieren des Kaffees und Schwarz- und Pfefferminztee. Die Pfefferminzblätter werden von ihrer sehr schönen und äußerst selbstbewussten Tochter im Mörser zerstoßen. Gelegentlich hält sie inne und nimmt den Schleier den sie nur lose um den Kopf geschlungen hat ab und wickelt ihn neu – nicht ohne ihrem Verehrer auf der anderer Straßenseite damit zuzuwinken.
Der Ponton mit dem Schneck kommt überraschend schon am Mittwoch mittag an und wir sind zurück auf der Strasse. Die Nacht verbringen wir in der Wüste und gleich nach Sonnenaufgang machen wir uns auf den Weg. Wir verlassen die gute Teerstrasse und fahren am Nil entlang durch malerische Dörfer, die wahrscheinlich schon vor hunderten von Jahren so ausgesehen haben. Überall winken uns Menschen zu, die Frauen, die um diese Zeit das Brot für den Tag backen halten uns an um uns nach dem Woher und Wohin zu fragen. Je weiter wir nach Süden kommen desto mehr hat zwar die moderne Zeit mit elektrischem Strom, Satellitenschüssel und Plastikmüll in die Dörfer Einzug gehalten aber die Bewohner bleiben unverändert freundlich.
Nervig ist nur, dass Guido beim Runterfahren von der Fähre angeeckt ist und sich meine Tür nicht mehr öffnen läßt. Der Schaden ist aber eigentlich gering und läßt sich bestimmt leicht wieder beheben. Auch die Kühltruhe läuft nicht wie sie sollte, weil die neue gebrauchte Lichtmaschine nicht richtig lädt. Michael und Hubert – zwei motorradfahrende Elektriker, die wir auf der Fähre getroffen haben – geben aber Entwarnung. Wahrscheinlich nur die Kohlen verklemmt von zu viel Sand. Mal sehen ob sich ihr Gefummel bewährt, ansonsten gibt es eben irgendwo mal eine neue Lichtmaschine, die sollte hier nicht viel kosten.
Wir haben Ägypten verlassen. Was ist an Eindrücken geblieben?
Das Land: Ägypten ewige Trockenheit hat uns manchmal erschöpft, wir sind – und das wußten wir – keine Wüstenfans. Die Wüste ist schön, beeindruckend und in all ihren Formen sogar vielfältig und dennoch – wir waren immer wieder heilfroh die Augen am funkelnd blauen Nil und dem üppig grünen Fruchtland ausruhen lassen zu können. Selbst die Küste des Roten Meeres ist uns zu dürr und langweilig, wegen des völligen Fehlens von Vegetation im Hinterland. Das Niltal allerdings hat uns unglaublich gut gefallen. Aus dieser Einstellung heraus resultierte auch die Entscheidung nicht mehr in die berühmte weiße Wüste, zurück ans Rote Meer oder nach Abu Simbel zu fahren, sondern die Wartezeit auf die Sudanfähre in Assuan zu verbringen. Auch soll man ja in jedem Land etwas übriglassen, das man bei einem späterem Besuch anschauen kann.
Ägypten ist landschaftlich also ein Land sehr harter Kontraste, es gibt keine Übergänge zwischen den Landschaftsformen – soviel der Assuanstaudamm auch zerstört haben mag, dies haben auch kontrolliertere Bewässerung und moderne Kunstdünger nicht verändert. Im alten Ägypten sind die Pflanzen und Tiere andere gewesen, die Landschaft aber ist dieselbe geblieben.
Die Begegnung mit der pharaonischen Kultur war beeindruckender als wir es uns erträumt hatten, und wir alle hatten großen Erwartungen gehegt. Erst wenn man selber zwischen den jahrtausendealten Tempeln, Pyramiden und Gräbern steht kann ihre Vergangenheit atmen und bekommt den rechten Respekt vor diesen grandiosen Baumeistern und Handwerkern. Ihre tiefe Spiritualität, in der sie ihr ganzes Leben verbrachten ist nicht verloren gegangen.
Unsere Highlights: die Pyramiden bei Dashur, die Tempel von Dendera und Edfu, der Tempel von Luxor bei Nacht, der Nil (immer wieder – eine Fahrt mit einer Feluke ist ein Muß), die Totentempel von Ramses II und Hatschepsut, das westliche Nilufer mit seinem ruhigen bäuerlichen Leben, die nubischen Dörfer, Schnorcheln im Roten Meer.
Die Menschen: Die selbstlose, harmlose Freundlichkeit der Menschen – sieht man von den weltweit auftretenden Touristenneppern einmal ab - ist überwältigend und wird von uns mißtrauischen Europäern oft mißverstanden. Der nette Mann auf dem Autobahnparkplatz, dessen Tomatenlaster eine Panne hatte, hatte seine liebe Mühe uns Tomaten zu schenken – dank der Sprachbarriere glaubten wir nämlich an einen besonders aufdringlichen Verkäufer. Ähnliches ist uns immer wieder passiert, wenn wir auch natürlich dazu gelernt haben. Die Großzügigkeit wurde sicherlich vom Ramadan und seinen Vorschriften ins teilweise Übertriebene gesteigert, aber sie erscheint uns doch charakteristisch. Eine Gegengabe wird übrigens nicht erwartet und ist auch nicht erwünscht. Überall wurde uns zugewunken – oft aus großer Entfernung, und überall hörten Welcome! Wenn wir insgesamt zehn unfreundliche oder auch nur distanzierte Ägypter getroffen haben ist das hoch geschätzt – wie gesagt: Abzüglich der Nepper, Schlepper und Bauernfänger die im Touristengeschäft arbeiten und die wirklich lästig fallen können. Allerdings lassen sich auch diese meist durch ein freundliches Nein, danke abweisen. Dass man dieses dreimal sagen muß ist einfach arabische Mentalität: Eine Einladung ist nur ernstgemeint, wenn sie dreimal wiederholt wird und eine Ablehnung wird nur dann als solche verstanden. Viele haben versucht mit uns ins Gespräch zu kommen und Guidos arabische Bruchstücke wurden hoch geschätzt, wer auch nur einige Worte konnte hat sie an uns ausprobiert.
Die Kinderfreundlichkeit der Ägypter ist unglaublich und unbeschreiblich und macht Ägypten zum perfekten Urlaubsland für Familien. Dass die meisten Touristen keine Kinder haben oder sie nicht dabei haben versteht hier niemand.
Einkaufen bedeutet Feilschen und wer es dem Verkäufer verweigert oder zu kurz gestaltet beleidigt ihn. Da mir selbst das Handeln sehr schwer fällt habe ich immer Guido vorgeschickt. Um Lebensmittel wird nicht oder fast nicht gefeilscht, das ist hier nicht anders als in anderen afrikanischen Ländern.
Tiere: Wer jeden Strassenhund und jede streunende Katze einsammeln und mitnehmen muß sollte Ägypten meiden. Beide Arten gelten als wenig geachtete Abfallvernichter – und in einem Land, dass im Müll versinkt erledigen sie wichtige Arbeit – und werden von der Bevölkerung weitgehend ignoriert. Esel, Kamele und Pferde sind wie Kühe, Schafe und Ziegen landwirtschaftliche Nutztiere und obendrein Arbeitstiere und den meisten geht es recht gut in einem Land mit einer Tradition, in dem Tiere keinen hohen Stellenwert haben. Pferde bilden besonders bei den Kaleschenfahrern manchmal eine unrühmliche Ausnahme und natürlich sieht man auch manchen überlasteten Esel mit Druckstellen von der Deichsel. Insgesamt sind diese Tiere ihren Besitzern aber etwas wert, da sie ihren Lebensunterhalt damit bestreiten. Dass ich das Leid mancher dieser Tiere schlecht aushalten kann ist wohl jedem klar, der mich nur ein bißchen kennt, aber insgesamt war es nicht so schlimm wie ich befürchtet hatte.
Gefährliche Tiere haben wir nicht gesehen. Als typische Vertreter der Fauna würden wir Wüstenfüchse und den Wiedehopf nennen.
Wir möchten jeden ermutigen Urlaub in diesem faszinierenden Land zu machen – und sich dabei ruhig auch auf Nebenstrassen und in die Dörfer und Kleinstädte zu wagen. Ägypten ist ein Land mit bisher sehr wenig Individualtourismus, ist aber offen genug für jeden, der es wirklich kennenlernen will. Man hat uns auch immer wieder versichert, wie sicher es hier ist. Das Schlimmste vor dem wir gewarnt wurden waren Taschendiebe und Kleinbetrüger – und die gibt es in jedem touristisch interessantem Ort der Welt.
Das Land: Ägypten ewige Trockenheit hat uns manchmal erschöpft, wir sind – und das wußten wir – keine Wüstenfans. Die Wüste ist schön, beeindruckend und in all ihren Formen sogar vielfältig und dennoch – wir waren immer wieder heilfroh die Augen am funkelnd blauen Nil und dem üppig grünen Fruchtland ausruhen lassen zu können. Selbst die Küste des Roten Meeres ist uns zu dürr und langweilig, wegen des völligen Fehlens von Vegetation im Hinterland. Das Niltal allerdings hat uns unglaublich gut gefallen. Aus dieser Einstellung heraus resultierte auch die Entscheidung nicht mehr in die berühmte weiße Wüste, zurück ans Rote Meer oder nach Abu Simbel zu fahren, sondern die Wartezeit auf die Sudanfähre in Assuan zu verbringen. Auch soll man ja in jedem Land etwas übriglassen, das man bei einem späterem Besuch anschauen kann.
Ägypten ist landschaftlich also ein Land sehr harter Kontraste, es gibt keine Übergänge zwischen den Landschaftsformen – soviel der Assuanstaudamm auch zerstört haben mag, dies haben auch kontrolliertere Bewässerung und moderne Kunstdünger nicht verändert. Im alten Ägypten sind die Pflanzen und Tiere andere gewesen, die Landschaft aber ist dieselbe geblieben.
Die Begegnung mit der pharaonischen Kultur war beeindruckender als wir es uns erträumt hatten, und wir alle hatten großen Erwartungen gehegt. Erst wenn man selber zwischen den jahrtausendealten Tempeln, Pyramiden und Gräbern steht kann ihre Vergangenheit atmen und bekommt den rechten Respekt vor diesen grandiosen Baumeistern und Handwerkern. Ihre tiefe Spiritualität, in der sie ihr ganzes Leben verbrachten ist nicht verloren gegangen.
Unsere Highlights: die Pyramiden bei Dashur, die Tempel von Dendera und Edfu, der Tempel von Luxor bei Nacht, der Nil (immer wieder – eine Fahrt mit einer Feluke ist ein Muß), die Totentempel von Ramses II und Hatschepsut, das westliche Nilufer mit seinem ruhigen bäuerlichen Leben, die nubischen Dörfer, Schnorcheln im Roten Meer.
Die Menschen: Die selbstlose, harmlose Freundlichkeit der Menschen – sieht man von den weltweit auftretenden Touristenneppern einmal ab - ist überwältigend und wird von uns mißtrauischen Europäern oft mißverstanden. Der nette Mann auf dem Autobahnparkplatz, dessen Tomatenlaster eine Panne hatte, hatte seine liebe Mühe uns Tomaten zu schenken – dank der Sprachbarriere glaubten wir nämlich an einen besonders aufdringlichen Verkäufer. Ähnliches ist uns immer wieder passiert, wenn wir auch natürlich dazu gelernt haben. Die Großzügigkeit wurde sicherlich vom Ramadan und seinen Vorschriften ins teilweise Übertriebene gesteigert, aber sie erscheint uns doch charakteristisch. Eine Gegengabe wird übrigens nicht erwartet und ist auch nicht erwünscht. Überall wurde uns zugewunken – oft aus großer Entfernung, und überall hörten Welcome! Wenn wir insgesamt zehn unfreundliche oder auch nur distanzierte Ägypter getroffen haben ist das hoch geschätzt – wie gesagt: Abzüglich der Nepper, Schlepper und Bauernfänger die im Touristengeschäft arbeiten und die wirklich lästig fallen können. Allerdings lassen sich auch diese meist durch ein freundliches Nein, danke abweisen. Dass man dieses dreimal sagen muß ist einfach arabische Mentalität: Eine Einladung ist nur ernstgemeint, wenn sie dreimal wiederholt wird und eine Ablehnung wird nur dann als solche verstanden. Viele haben versucht mit uns ins Gespräch zu kommen und Guidos arabische Bruchstücke wurden hoch geschätzt, wer auch nur einige Worte konnte hat sie an uns ausprobiert.
Die Kinderfreundlichkeit der Ägypter ist unglaublich und unbeschreiblich und macht Ägypten zum perfekten Urlaubsland für Familien. Dass die meisten Touristen keine Kinder haben oder sie nicht dabei haben versteht hier niemand.
Einkaufen bedeutet Feilschen und wer es dem Verkäufer verweigert oder zu kurz gestaltet beleidigt ihn. Da mir selbst das Handeln sehr schwer fällt habe ich immer Guido vorgeschickt. Um Lebensmittel wird nicht oder fast nicht gefeilscht, das ist hier nicht anders als in anderen afrikanischen Ländern.
Tiere: Wer jeden Strassenhund und jede streunende Katze einsammeln und mitnehmen muß sollte Ägypten meiden. Beide Arten gelten als wenig geachtete Abfallvernichter – und in einem Land, dass im Müll versinkt erledigen sie wichtige Arbeit – und werden von der Bevölkerung weitgehend ignoriert. Esel, Kamele und Pferde sind wie Kühe, Schafe und Ziegen landwirtschaftliche Nutztiere und obendrein Arbeitstiere und den meisten geht es recht gut in einem Land mit einer Tradition, in dem Tiere keinen hohen Stellenwert haben. Pferde bilden besonders bei den Kaleschenfahrern manchmal eine unrühmliche Ausnahme und natürlich sieht man auch manchen überlasteten Esel mit Druckstellen von der Deichsel. Insgesamt sind diese Tiere ihren Besitzern aber etwas wert, da sie ihren Lebensunterhalt damit bestreiten. Dass ich das Leid mancher dieser Tiere schlecht aushalten kann ist wohl jedem klar, der mich nur ein bißchen kennt, aber insgesamt war es nicht so schlimm wie ich befürchtet hatte.
Gefährliche Tiere haben wir nicht gesehen. Als typische Vertreter der Fauna würden wir Wüstenfüchse und den Wiedehopf nennen.
Wir möchten jeden ermutigen Urlaub in diesem faszinierenden Land zu machen – und sich dabei ruhig auch auf Nebenstrassen und in die Dörfer und Kleinstädte zu wagen. Ägypten ist ein Land mit bisher sehr wenig Individualtourismus, ist aber offen genug für jeden, der es wirklich kennenlernen will. Man hat uns auch immer wieder versichert, wie sicher es hier ist. Das Schlimmste vor dem wir gewarnt wurden waren Taschendiebe und Kleinbetrüger – und die gibt es in jedem touristisch interessantem Ort der Welt.
Donnerstag, 16. September 2010
News: Warten auf die Faehre in den Sudan - vieleicht Montag. Dann werden wir uns erst einmal nicht mehr melden koennen und deswegen hier noch ein paar Fotos und weiter unten ein langer Textbeitrag ueber Zahnaerzte in Assuan und wie ein aegyptischer Taxifahrer uns auf den richtigen Weg gebracht hat. Lilians Zahn ist mittlerweile wieder angeschraubt und wurde doch nicht durch Keramik ersetzt. Schneck und Besatzung sind also wieder wohlauf!
Fröhliche Trommelschläge klingen durch die Nacht und wir sitzen am Ende eines langen Tages etwas erschöpft unter dem unglaublichen Sternenhimmel.
"Mama, das hat aber jetzt ganz schön Knack gemacht." Verständnislos starre ich beim Mittagessen auf das kleine weiße Etwas in der Hand meiner Tochter und ganz langsam dämmert es mir: Der nach einem Unfall im Sportunterricht der Grundschule einst wieder angeklebte Schneidezahn ist erneut abgebrochen. Gut, das wir immer noch in Assuan sind – hier wird es ja wohl einen Zahnarzt geben. Der Blick in den Reiseführer hilft nicht viel weiter und so rufen wir die deutsche Botschaft in Kairo an, die angeblich eine Liste deutsch- oder englischsprachiger Ärzte führt. Der entsprechende Dienst ist allerdings etwas überfordert "Ja, wenn sie nicht nach Kairo kommen wollen, dann versuchen sie es vielleicht mal im Militärhospital in Assuan." – Welches Militär?? – Na, das ägyptische. – Äääh, danke, dann würden wir wohl eher nach Luxor zurückfahren, dort haben wir englischsprachige Arztschilder gesehen. Das nächste Telefonat führen wir mit dem Mövenpickhotel in dessen Pool wir Samstag ein paar schöne Stunden verbracht haben. "Guten Tag, zu welchem Zahnarzt schicken sie ihre Gäste in einem Notfall? – Zu dem am Deutschen Hospital auf der Corniche, gleich neben der Geschäftsstelle von Egypt Air. – Haben sie vielen Dank."
Eine Stunde später stehen wir an der angegebenen Stelle vor dem abgeschlossenen Tor der Evangelischen Mission. Das Gelände sieht nicht so aus, als gebe es hier ein Krankenhaus oder auch nur einen Arzt und die Tür ist definitiv zu. Nach einigem Suchen finde ich hundert Meter weiter ein auf die Wand gemaltes Dentist – Schild, dem wir durch eine muslimische Buchhandlung und den Vorhof einer Moschee folgen. Die Tür des Zahnarztes ist allerdings geschlossen und der nette Mann, der den unvermeidlichen Müll hin und her fegt sagt immer nur Eight o’clock. Heute abend um acht oder morgen früh?? Das ist uns zu unsicher und deutsch wie wir sind wollen wir JETZT einen Zahnarzt finden.
Mein Gatte greift seufzend und schwitzend – nachmittags um drei über die schattenlose Corniche am Nil entlangzulaufen ist eine ziemlich schweißtreibende Angelegenheit, und nur eine deutsche Familie kann so dumm sein kein Taxi zu nehmen – und ruft die Nummer des Deutschen Hospitals kurzerhand an. Nach acht oder neun Weiterleitungen endlich jemand der Englisch spricht mit einer Auskunft: "Nein nein, wir sind ganz woanders und einen Zahnarzt haben wir auch nicht. Ich gebe ihnen mal zwei Telefonnummern."
Den Arabisch-Sprachführer haben wir natürlich im Camp vergessen und der Akku meines Handys ist wie immer fast leer – Guidos Handy verweigert seit ein paar Tagen den Dienst, weil ich es mitgewaschen habe. Kurz entschlossen mache ich der nervigen Telefoniererei ein Ende und beschließe mich auf die Hilfsbereitschaft der Ägypter zu verlassen, wenn es um Kinder geht. Zweihundert Meter zurück ist das Polizeipräsidium. Dort findet man tatsächlich einen englischsprachigen Beamten, der sich engagiert des Problems annimmt: Er hält einfach ein paar Taxis an und fragt die Taxifahrer. Beim dritten Taxi hat er Glück und wir steigen ein und schaukeln in dem uralten Gefährt voller Schaffellbezüge durch Assuans schlimmste Schlaglöcher. Als wir schon befürchten, der Fahrer nutze die Gelegenheit für eine gut bezahlte Spazierfahrt hält er vor einem unauffälligen Haus und lotst uns hinein und durch ein heruntergekommenes Treppenhaus vor eine Wohnungstür mit rot-grünem Schild und klingelt. Nichts rührt sich. Unser Fahrer seufzt und schaut noch einmal auf das Schild und dann auf seine Armbanduhr. Seven o’clock. Um sieben also…. Während wir noch diskutieren, wo wir am besten die Wartezeit überbrücken werden wir wieder ins Auto gepackt. Anderer, sagt unser Fahrer auf Deutsch und wir staunen nicht schlecht. Zehn Minuten später wiederholt sich die Szene in Innenstadtnähe, aber diesmal sieht das Schild irgendwie vertrauenserweckender aus, und unser Fahrer betont immer wieder. "Gut!! Sieben Uhr. Von sieben bis elf. Halb sieben hier." Wir haben immer noch Probleme an die Sprechzeit am späten Abend zu glauben, aber inzwischen ist es viertel vor fünf und um die Ecke können wir uns die Wartezeit auf dem Basar vertreiben. Von dem netten Fahrer, der nicht mal einen festen Preis für seine Mühe will bekommen wir vorsichtshalber noch einen Zettel mit der Adresse des Arztes auf arabisch mit, damit wir auf jeden Fall zurückfinden – den hätten wir etwas später auch fast gebraucht, denn nachdem es dunkel geworden ist und der Basar voller Leben sieht alles so anders aus.
Der Doktor erweist sich als Glücksgriff. In dem Moment in dem wir das Sprechzimmer betreten fällt mir ein Stein vom Herzen – so moderne Ausrüstung habe ich noch nirgendwo gesehen und der freundliche und erfahrene koptische Arzt spricht fließend Englisch und recht gut Deutsch. Das erste Röntgenbild zeigt leider, dass der Zahn beim Wegbrechen noch etwas mehr Substanz verloren hat, und der Nerv liegt unmittelbar unter der Bruchkante. "Sie wollen nächste Woche in den Sudan? Dann kann man das nicht provisorisch machen, da gibt es keine guten Zahnärzte und das wird eher früher als später Probleme machen. Wir machen heute eine Nervenbehandlung und Donnerstag eine Rekonstruktion entweder mit dem abgebrochenen Stück oder in Keramik. Wenn sie dann 17 ist können sie immer noch eine Krone machen lassen. "
Der Rest ist Legende. Lili schimpft, staunt, fragt und witzelt, findet jedes neue Bild Cool und den Zahnarzt toll und der nette Onkel Doktor schwitzt und schmunzelt und lobt sie weil sie so gut mitmacht. Wir verlassen die Praxis mit einem Rezept über ein Antibiotikum, ein Schmerzmittel und "etwas für den Magen". Unter letzterem stelle ich mir so etwas wie ein Schutzmittel für die Magenschleimhaut vor, damit die Maus die Antibiose besser verträgt und muß dann später als ich auf die Packung gucke herzlich lachen: Mit dem Zeug entwurme ich zu Hause unsere Hunde. Da Lili keinem schwerwiegendem chirurgischen Eingriff entgegensieht werde ich auf die Entwurmung wegen zu geringen Nutzens verzichten und das Mittel der Reiseapotheke einverleiben.
Kaum stehen wir auf der Straße verkündet Lili "Hunger!" Und wir legen noch einen Halt am Falafelstand ein, wo Lili aufs Niedlichste mit dem 12-jährigen Jungen hinter der Theke flirtet.
Die Fahrt mit der kleinen Fähre auf die andere Seite ist inzwischen Routine: Frauen und Kinder ins vordere kleinere und immer überfüllte Abteil und Männer nach hinten ins größere und wie immer halb leere. In der Dunkelheit wirken die bei Tage oft so eleganten Frauen im Tschador gespenstisch und Lili ist froh, dass so viele Mädchen im bunteren Outfit und Kinder dabei sind. Bei den Männern dominieren die weißen Galabijahs, nur eine ungewöhnliche Gestalt ist dabei: Ein alter Mann in hellblauem Gewand mit weißem Turban und einer verzierten Jagdflinte über der Schulter, die bestimmt noch aus der Zeit des ersten Weltkriegs stammt.
Die vielen Lichter der Stadt und der Kreuzfahrtschiffe versinken hinter uns und wir fahren am Turm des Mövenpickhotels auf Elephantine Island vorbei, der alle 30 Sekunden in einer anderen schreienden Farbe angestrahlt wird. Der Wind auf dem Nil ist abends frisch und das kleine Boot schwankt stark als wir unter den Felsengräbern auf der Westseite anlegen. Ein Pick-up-Taxi bringt uns und zehn andere zurück zum Dorf.
Mittwoch, 8. September 2010
NEWS-Ticker: von Luxor nach Assuan - Felukenfahrt auf dem Nil - Krokodilgotttempel in Kom Ombo - Mangroven und Meer - Horustempel in Edfu - Assuan - Schneck und Besatzung wohlauf
Wenn die Sonne hinter dem Haus in der Wueste aufgeht ist es so als knipse jemand gleichzeitig Licht und Heizung an. Die kuehlen Blau-und Grautoene veraendern sich ploetzlich und das klare tuerkisblau des Anstrichs tritt vor dem warmen gelben Sand der Duenen deutlich hervor.
Die Nubier, die hier leben wurden vor Jahren beim Bau des Assuanstaudamms aus ihren Haeusern vertrieben und haben ueber dem Nil neue Doerfer in die sandigen Haenge gebaut. Nubische Haeuser sind irgendwie knubbelig, mit wenig rechten Winkeln, bunt bemalt, mit Kuppeln ueber Kueche und Bad mit einem Loch als Abzug in der Decke und beschatteten Hoefen in denen sich die Gluthitze einigermassen aushalten laesst.
Wir sind zum zweitenmal in diesem schoenen nubischen Camp in Assuan und sitzen wohl auch erstmal noch hier fest, da die Faehre in den Sudan erst am 20. wieder geht - inshallah (so Gott will).
Natuerlich versuchen wir die Zeit so gut es geht zu nutzen. So haben wir in den letzten Tagen eine Rundtour gemacht, die uns ueber den Doppeltempel in Kom Ombo ueber eine einsame Bergstrasse zu den Mangroven am tuerkisblauen Roten Meer und zurueck am Horustempel in Edfu vorbei wieder nach Assuan gefuehrt hat. Unser Versuch dabei ueber die Strasse nach Port Sudan auszureisen ist leider fehlgeschlagen. Angeblich ist das zwar moeglich, man braucht dafuer aber eine Sondergenehmigung des Gouverneurs. Und da hier in den naechtsten vier Tagen das Ende des Ramadans gefeiert wird und danach die Ferienzeit beginnt konnten wir das nicht organisieren.
Also warten wir auf die Faehre. Wo fuer Assuan nicht der schlechteste Ort ist. Immer wieder schauen wir bewundernd auf den leuchtend blauen Nil, gesaeumt von Palmen und Sandduenen und lachen ueber das allgegenwaertige Eselsgeschrei. Fuer die naechsten Tage ist noch genug zu besichtigen uebrig und ansonsten haben die Kinder eben endlich mal geregelten Unterricht.
Leider ist das Internet-Cafe hier so bescheiden, dass ich keine Bilder hochgeladen kriege (nicht einmal meinen vorbereiteten Text kann ich nutzen) und ich weiss auch nicht, wann ich wieder Zugang habe...... koennte ein paar Wochen dauern.
Wenn die Sonne hinter dem Haus in der Wueste aufgeht ist es so als knipse jemand gleichzeitig Licht und Heizung an. Die kuehlen Blau-und Grautoene veraendern sich ploetzlich und das klare tuerkisblau des Anstrichs tritt vor dem warmen gelben Sand der Duenen deutlich hervor.
Die Nubier, die hier leben wurden vor Jahren beim Bau des Assuanstaudamms aus ihren Haeusern vertrieben und haben ueber dem Nil neue Doerfer in die sandigen Haenge gebaut. Nubische Haeuser sind irgendwie knubbelig, mit wenig rechten Winkeln, bunt bemalt, mit Kuppeln ueber Kueche und Bad mit einem Loch als Abzug in der Decke und beschatteten Hoefen in denen sich die Gluthitze einigermassen aushalten laesst.
Wir sind zum zweitenmal in diesem schoenen nubischen Camp in Assuan und sitzen wohl auch erstmal noch hier fest, da die Faehre in den Sudan erst am 20. wieder geht - inshallah (so Gott will).
Natuerlich versuchen wir die Zeit so gut es geht zu nutzen. So haben wir in den letzten Tagen eine Rundtour gemacht, die uns ueber den Doppeltempel in Kom Ombo ueber eine einsame Bergstrasse zu den Mangroven am tuerkisblauen Roten Meer und zurueck am Horustempel in Edfu vorbei wieder nach Assuan gefuehrt hat. Unser Versuch dabei ueber die Strasse nach Port Sudan auszureisen ist leider fehlgeschlagen. Angeblich ist das zwar moeglich, man braucht dafuer aber eine Sondergenehmigung des Gouverneurs. Und da hier in den naechtsten vier Tagen das Ende des Ramadans gefeiert wird und danach die Ferienzeit beginnt konnten wir das nicht organisieren.
Also warten wir auf die Faehre. Wo fuer Assuan nicht der schlechteste Ort ist. Immer wieder schauen wir bewundernd auf den leuchtend blauen Nil, gesaeumt von Palmen und Sandduenen und lachen ueber das allgegenwaertige Eselsgeschrei. Fuer die naechsten Tage ist noch genug zu besichtigen uebrig und ansonsten haben die Kinder eben endlich mal geregelten Unterricht.
Leider ist das Internet-Cafe hier so bescheiden, dass ich keine Bilder hochgeladen kriege (nicht einmal meinen vorbereiteten Text kann ich nutzen) und ich weiss auch nicht, wann ich wieder Zugang habe...... koennte ein paar Wochen dauern.
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