Wir haben Ägypten verlassen. Was ist an Eindrücken geblieben?
Das Land: Ägypten ewige Trockenheit hat uns manchmal erschöpft, wir sind – und das wußten wir – keine Wüstenfans. Die Wüste ist schön, beeindruckend und in all ihren Formen sogar vielfältig und dennoch – wir waren immer wieder heilfroh die Augen am funkelnd blauen Nil und dem üppig grünen Fruchtland ausruhen lassen zu können. Selbst die Küste des Roten Meeres ist uns zu dürr und langweilig, wegen des völligen Fehlens von Vegetation im Hinterland. Das Niltal allerdings hat uns unglaublich gut gefallen. Aus dieser Einstellung heraus resultierte auch die Entscheidung nicht mehr in die berühmte weiße Wüste, zurück ans Rote Meer oder nach Abu Simbel zu fahren, sondern die Wartezeit auf die Sudanfähre in Assuan zu verbringen. Auch soll man ja in jedem Land etwas übriglassen, das man bei einem späterem Besuch anschauen kann.
Ägypten ist landschaftlich also ein Land sehr harter Kontraste, es gibt keine Übergänge zwischen den Landschaftsformen – soviel der Assuanstaudamm auch zerstört haben mag, dies haben auch kontrolliertere Bewässerung und moderne Kunstdünger nicht verändert. Im alten Ägypten sind die Pflanzen und Tiere andere gewesen, die Landschaft aber ist dieselbe geblieben.
Die Begegnung mit der pharaonischen Kultur war beeindruckender als wir es uns erträumt hatten, und wir alle hatten großen Erwartungen gehegt. Erst wenn man selber zwischen den jahrtausendealten Tempeln, Pyramiden und Gräbern steht kann ihre Vergangenheit atmen und bekommt den rechten Respekt vor diesen grandiosen Baumeistern und Handwerkern. Ihre tiefe Spiritualität, in der sie ihr ganzes Leben verbrachten ist nicht verloren gegangen.
Unsere Highlights: die Pyramiden bei Dashur, die Tempel von Dendera und Edfu, der Tempel von Luxor bei Nacht, der Nil (immer wieder – eine Fahrt mit einer Feluke ist ein Muß), die Totentempel von Ramses II und Hatschepsut, das westliche Nilufer mit seinem ruhigen bäuerlichen Leben, die nubischen Dörfer, Schnorcheln im Roten Meer.
Die Menschen: Die selbstlose, harmlose Freundlichkeit der Menschen – sieht man von den weltweit auftretenden Touristenneppern einmal ab - ist überwältigend und wird von uns mißtrauischen Europäern oft mißverstanden. Der nette Mann auf dem Autobahnparkplatz, dessen Tomatenlaster eine Panne hatte, hatte seine liebe Mühe uns Tomaten zu schenken – dank der Sprachbarriere glaubten wir nämlich an einen besonders aufdringlichen Verkäufer. Ähnliches ist uns immer wieder passiert, wenn wir auch natürlich dazu gelernt haben. Die Großzügigkeit wurde sicherlich vom Ramadan und seinen Vorschriften ins teilweise Übertriebene gesteigert, aber sie erscheint uns doch charakteristisch. Eine Gegengabe wird übrigens nicht erwartet und ist auch nicht erwünscht. Überall wurde uns zugewunken – oft aus großer Entfernung, und überall hörten Welcome! Wenn wir insgesamt zehn unfreundliche oder auch nur distanzierte Ägypter getroffen haben ist das hoch geschätzt – wie gesagt: Abzüglich der Nepper, Schlepper und Bauernfänger die im Touristengeschäft arbeiten und die wirklich lästig fallen können. Allerdings lassen sich auch diese meist durch ein freundliches Nein, danke abweisen. Dass man dieses dreimal sagen muß ist einfach arabische Mentalität: Eine Einladung ist nur ernstgemeint, wenn sie dreimal wiederholt wird und eine Ablehnung wird nur dann als solche verstanden. Viele haben versucht mit uns ins Gespräch zu kommen und Guidos arabische Bruchstücke wurden hoch geschätzt, wer auch nur einige Worte konnte hat sie an uns ausprobiert.
Die Kinderfreundlichkeit der Ägypter ist unglaublich und unbeschreiblich und macht Ägypten zum perfekten Urlaubsland für Familien. Dass die meisten Touristen keine Kinder haben oder sie nicht dabei haben versteht hier niemand.
Einkaufen bedeutet Feilschen und wer es dem Verkäufer verweigert oder zu kurz gestaltet beleidigt ihn. Da mir selbst das Handeln sehr schwer fällt habe ich immer Guido vorgeschickt. Um Lebensmittel wird nicht oder fast nicht gefeilscht, das ist hier nicht anders als in anderen afrikanischen Ländern.
Tiere: Wer jeden Strassenhund und jede streunende Katze einsammeln und mitnehmen muß sollte Ägypten meiden. Beide Arten gelten als wenig geachtete Abfallvernichter – und in einem Land, dass im Müll versinkt erledigen sie wichtige Arbeit – und werden von der Bevölkerung weitgehend ignoriert. Esel, Kamele und Pferde sind wie Kühe, Schafe und Ziegen landwirtschaftliche Nutztiere und obendrein Arbeitstiere und den meisten geht es recht gut in einem Land mit einer Tradition, in dem Tiere keinen hohen Stellenwert haben. Pferde bilden besonders bei den Kaleschenfahrern manchmal eine unrühmliche Ausnahme und natürlich sieht man auch manchen überlasteten Esel mit Druckstellen von der Deichsel. Insgesamt sind diese Tiere ihren Besitzern aber etwas wert, da sie ihren Lebensunterhalt damit bestreiten. Dass ich das Leid mancher dieser Tiere schlecht aushalten kann ist wohl jedem klar, der mich nur ein bißchen kennt, aber insgesamt war es nicht so schlimm wie ich befürchtet hatte.
Gefährliche Tiere haben wir nicht gesehen. Als typische Vertreter der Fauna würden wir Wüstenfüchse und den Wiedehopf nennen.
Wir möchten jeden ermutigen Urlaub in diesem faszinierenden Land zu machen – und sich dabei ruhig auch auf Nebenstrassen und in die Dörfer und Kleinstädte zu wagen. Ägypten ist ein Land mit bisher sehr wenig Individualtourismus, ist aber offen genug für jeden, der es wirklich kennenlernen will. Man hat uns auch immer wieder versichert, wie sicher es hier ist. Das Schlimmste vor dem wir gewarnt wurden waren Taschendiebe und Kleinbetrüger – und die gibt es in jedem touristisch interessantem Ort der Welt.
Montag, 27. September 2010
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