Montag, 27. September 2010

NEWSTICKER: Ankunft im Sudan – nervige und teure Einreise – erster guter Eindruck von Land und Leuten – Besatzung wohlauf – Schneck hat erste Delle und Lichtmaschine des Koffers schwächelt


Der erste Morgen im Sudan bringt die allerersten Wolken unserer Reise mit sich. Wie leichte graue Schleier ziehen sie und verbergen immer wieder die Sonne. Wadi Halfa empfängt uns schwülheiß aber freundlich – welch ein Unterschied zum lauten Ägypten.

Die Sudanesen sind kein einheitlicher Volksstamm – in diesem riesigen Land, siebenmal größer als die Bundesrepublik, leben über hundert verschiedene Ethnien mit jeweils eigener Sprache und Kultur – und Wadi Halfa bietet einen nur kleinen Ausschnitt daraus. Trotz des Trubels auf engem Raum in dem kleinen Dorf, das nur von der einmal wöchentlich eintreffenden Fähre aus Ägypten lebt fühlen wir uns auf Anhieb wohl und willkommen. Unser erster Anlaufpunkt ist eine Kaffeebude, die vielleicht zum typischsten gehört, was der Sudan zu bieten hat. Die Besitzerin mit dem glänzend tiefschwarzen Gesicht in ihren malvenfarbenen Gewändern facht das kleine Feuer zu ihrer Rechten an, worauf zwei Kannen kochendes Wasser bereitstehen und Kaffeebohnen in einem kleinen Stieltopf rösten, den sie regelmäßig schüttelt. Zu ihrer Linken zwei Eimer mit Spülwasser und saubere Tücher und vor ihr eine kleine Holzkiste mit einer Batterie von Einmachgläsern, in denen sie die Zutaten zu ihrer Alchimistenküche aufbewahrt: Ingwer und Zimt, Nelken und Koriander zum aromatisieren des Kaffees und Schwarz- und Pfefferminztee. Die Pfefferminzblätter werden von ihrer sehr schönen und äußerst selbstbewussten Tochter im Mörser zerstoßen. Gelegentlich hält sie inne und nimmt den Schleier den sie nur lose um den Kopf geschlungen hat ab und wickelt ihn neu – nicht ohne ihrem Verehrer auf der anderer Straßenseite damit zuzuwinken.

Der Ponton mit dem Schneck kommt überraschend schon am Mittwoch mittag an und wir sind zurück auf der Strasse. Die Nacht verbringen wir in der Wüste und gleich nach Sonnenaufgang machen wir uns auf den Weg. Wir verlassen die gute Teerstrasse und fahren am Nil entlang durch malerische Dörfer, die wahrscheinlich schon vor hunderten von Jahren so ausgesehen haben. Überall winken uns Menschen zu, die Frauen, die um diese Zeit das Brot für den Tag backen halten uns an um uns nach dem Woher und Wohin zu fragen. Je weiter wir nach Süden kommen desto mehr hat zwar die moderne Zeit mit elektrischem Strom, Satellitenschüssel und Plastikmüll in die Dörfer Einzug gehalten aber die Bewohner bleiben unverändert freundlich.

Nervig ist nur, dass Guido beim Runterfahren von der Fähre angeeckt ist und sich meine Tür nicht mehr öffnen läßt. Der Schaden ist aber eigentlich gering und läßt sich bestimmt leicht wieder beheben. Auch die Kühltruhe läuft nicht wie sie sollte, weil die neue gebrauchte Lichtmaschine nicht richtig lädt. Michael und Hubert – zwei motorradfahrende Elektriker, die wir auf der Fähre getroffen haben – geben aber Entwarnung. Wahrscheinlich nur die Kohlen verklemmt von zu viel Sand. Mal sehen ob sich ihr Gefummel bewährt, ansonsten gibt es eben irgendwo mal eine neue Lichtmaschine, die sollte hier nicht viel kosten.

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