Der letzte Beitrag....Die letzten Bilder...Die letzten Stunden....Wir packen Taschen und Kisten, morgen geht es auf das Schiff, das uns nach Hause traegt.
Samstag, 30. Juli 2011
NEWS-Ticker: Port Elizabeth – Victoria Bay – Oudshoorn – Warmwaterberg – Cape Agulhas – Hermanus – Kapstadt – Schneck und Besatzung wohlauf
Die kleinen bunten Ferienhäuser nehmen sich winzig aus zwischen den schroffen Bergen und den tobenden Wellen. Der Wind schüttelt den Schneck heftig durch und immer wieder erwischt uns ein Schauer quer treibender dünner Wasserschnüre. Ich nehme an, es handelt sich um Regen.
Wir sind nicht mehr weit von Kapstadt entfernt ( irgendwo bei Bettys Bay) und die Temperaturen bestimmt nicht weit vom Gefrierpunkt. Selbst im Auto halten wir es nur in zwei Schichten Fleece aus, und keinen von uns drängt es dazu den Wagen zu verlassen. Stimmungsaufhellend wirken allenfalls die Straßenschilder, die abwechselnd vor Schildkröten, Pavianen und Wanderern warnen. Dann ein neues Schild: Zur Pinguinkolonie hier links abbiegen. Der Schneck legt sich überrascht in die Kurve während wir alle aufgeregt drauflosschnattern. Auf dem Parkplatz angekommen schauen wir erst mal entmutigt durch die salzverklebte Windschutzscheibe: Bestimmt 200 Meter bis zum Kassenhäuschen und dann noch mal so weit bis zu den Watschelvögeln, die wir mit dem Fernglas so gerade eben erkennen können (wie gesagt, die Scheibe ist nicht besonders klar). Na, wenigstens passen Pinguine zum Wetter. Also hüllen wir uns in noch mehr Textil und steigen mit den Kameras bewaffnet aus – Guido und Fabian geben sich mit einer zusätzlichen Jacke zufrieden, wir Mädels bringen es jetzt auf fünf Schichten Kleidung. Keine zehn Schritte von Auto entfernt beschließt Fabian, dass er doch noch einen Extraapullover möchte, und so lehnen wir uns ein bisschen in den eisigen Wind während wir auf ihn warten. Am Kassenhäuschen hängen Thermometer und Wetterbericht: Es ist windig, regnerisch und sehr kalt. steht da geschrieben. Und dann starren wir sehr beschämt auf die Temperaturangabe: 15 Grad Celsius. Wir sind total verweichlicht.
Netterweise hört der Regen auf, als wir uns den Pinguinen nähern. Zunächst sehen wir nur auf der Wasserseite des Holzstegs, über den die Besucher geführt werden, einige Frackträger stehen und knipsen wild drauflos. Dann schärft sich der Blick: Auf der anderen Seite des Steges, zwischen Heidepflanzen und Gestrüpp stehen auch einige Tier. Ein wenig versteckt sind sie meist, neben im Gewirr der Vegetation verborgenen Mulden und Höhlen, vor Ritzen zwischen Felsen und vor – flauschigen Jungtieren. Jedes Muttertier scheint zwei oder drei Küken zu versorgen, wobei viele der kleinen schon fast so groß sind wie sie selbst. Pinguine sind erstaunliche Wesen, so ungeschickt sie an Land wirken mögen, im Wasser sind sie uns weit überlegen. Diese kleinen südafrikanischen Pinguine tauchen bis zu 20 km/h schnell, 130m tief und 5 Minuten lang. Sie sind ausgezeichnete Jäger und das müssen sie auch sein, denn jeder von ihnen frisst 560g Fisch am Tag. Ihr größter Feind ist der Mensch. Das Infoblatt bittet darum, verölte Pinguine sofort zu melden, damit ihnen geholfen werden kann.
Kurz vor Kapstadt reißt die schwere Wolkendecke auf und die Sonne kommt heraus. Nur der Wind lässt nicht mit sich reden und als wir am Kap der guten Hoffnung aussteigen wehen die Kinder beinahe davon. Wir sind tatsächlich angekommen. Nach ziemlich genau einem Jahr und mehr als 31000 Kilometern stehen wir mit dem Schneck viel zu plötzlich am Ziel unserer Träume. Die Reise hat uns alle verändert, sie war eine äußere wie eine innere Reise und so ist ihr Ende auch ein Neubeginn für jeden von uns. Aber ganz zu Ende ist sie noch nicht: Wir bleiben noch ein paar Tage in Kapstadt bevor wir an Bord des Schiffes gehen, dass uns nach Hause bringt. Für diesmal. Denn Afrika verlässt man nicht für immer und niemals ganz, man trägt es im Herzen mit sich.
Die kleinen bunten Ferienhäuser nehmen sich winzig aus zwischen den schroffen Bergen und den tobenden Wellen. Der Wind schüttelt den Schneck heftig durch und immer wieder erwischt uns ein Schauer quer treibender dünner Wasserschnüre. Ich nehme an, es handelt sich um Regen.
Wir sind nicht mehr weit von Kapstadt entfernt ( irgendwo bei Bettys Bay) und die Temperaturen bestimmt nicht weit vom Gefrierpunkt. Selbst im Auto halten wir es nur in zwei Schichten Fleece aus, und keinen von uns drängt es dazu den Wagen zu verlassen. Stimmungsaufhellend wirken allenfalls die Straßenschilder, die abwechselnd vor Schildkröten, Pavianen und Wanderern warnen. Dann ein neues Schild: Zur Pinguinkolonie hier links abbiegen. Der Schneck legt sich überrascht in die Kurve während wir alle aufgeregt drauflosschnattern. Auf dem Parkplatz angekommen schauen wir erst mal entmutigt durch die salzverklebte Windschutzscheibe: Bestimmt 200 Meter bis zum Kassenhäuschen und dann noch mal so weit bis zu den Watschelvögeln, die wir mit dem Fernglas so gerade eben erkennen können (wie gesagt, die Scheibe ist nicht besonders klar). Na, wenigstens passen Pinguine zum Wetter. Also hüllen wir uns in noch mehr Textil und steigen mit den Kameras bewaffnet aus – Guido und Fabian geben sich mit einer zusätzlichen Jacke zufrieden, wir Mädels bringen es jetzt auf fünf Schichten Kleidung. Keine zehn Schritte von Auto entfernt beschließt Fabian, dass er doch noch einen Extraapullover möchte, und so lehnen wir uns ein bisschen in den eisigen Wind während wir auf ihn warten. Am Kassenhäuschen hängen Thermometer und Wetterbericht: Es ist windig, regnerisch und sehr kalt. steht da geschrieben. Und dann starren wir sehr beschämt auf die Temperaturangabe: 15 Grad Celsius. Wir sind total verweichlicht.
Netterweise hört der Regen auf, als wir uns den Pinguinen nähern. Zunächst sehen wir nur auf der Wasserseite des Holzstegs, über den die Besucher geführt werden, einige Frackträger stehen und knipsen wild drauflos. Dann schärft sich der Blick: Auf der anderen Seite des Steges, zwischen Heidepflanzen und Gestrüpp stehen auch einige Tier. Ein wenig versteckt sind sie meist, neben im Gewirr der Vegetation verborgenen Mulden und Höhlen, vor Ritzen zwischen Felsen und vor – flauschigen Jungtieren. Jedes Muttertier scheint zwei oder drei Küken zu versorgen, wobei viele der kleinen schon fast so groß sind wie sie selbst. Pinguine sind erstaunliche Wesen, so ungeschickt sie an Land wirken mögen, im Wasser sind sie uns weit überlegen. Diese kleinen südafrikanischen Pinguine tauchen bis zu 20 km/h schnell, 130m tief und 5 Minuten lang. Sie sind ausgezeichnete Jäger und das müssen sie auch sein, denn jeder von ihnen frisst 560g Fisch am Tag. Ihr größter Feind ist der Mensch. Das Infoblatt bittet darum, verölte Pinguine sofort zu melden, damit ihnen geholfen werden kann.
Kurz vor Kapstadt reißt die schwere Wolkendecke auf und die Sonne kommt heraus. Nur der Wind lässt nicht mit sich reden und als wir am Kap der guten Hoffnung aussteigen wehen die Kinder beinahe davon. Wir sind tatsächlich angekommen. Nach ziemlich genau einem Jahr und mehr als 31000 Kilometern stehen wir mit dem Schneck viel zu plötzlich am Ziel unserer Träume. Die Reise hat uns alle verändert, sie war eine äußere wie eine innere Reise und so ist ihr Ende auch ein Neubeginn für jeden von uns. Aber ganz zu Ende ist sie noch nicht: Wir bleiben noch ein paar Tage in Kapstadt bevor wir an Bord des Schiffes gehen, dass uns nach Hause bringt. Für diesmal. Denn Afrika verlässt man nicht für immer und niemals ganz, man trägt es im Herzen mit sich.
Samstag, 16. Juli 2011
NEWS-Ticker: Port Shepstone - Port St.Johns – Umtata - Port Alfred – Schneck und Besatzung wohlauf
Lili spurtet los und stürzt sich voller Begeisterung in den weichen Sand. Guck mal hier! Hektisch beginnt sie etwas freizulegen was mich zunächst an eine zerknitterte Plastiktüte denken lässt. Aber in der nächsten Sekunde weicht meine Verwunderung Erstaunen. Lili hält sehr vorsichtig eine wundervolle Nautilusmuschel hoch, die größer ist als meine Hand und vollständig intakt. Zart und transparent leuchtet die plissierte Hülle in der Sonne auf als ich sie für ein Foto zurechtlege. Der seltene Fund ruft noch tagelang Bewunderung in Port Alfred hervor und stürzt uns in verschiedene logistische Probleme: Wie verpackt man den hauchdünnen Schatz am besten und darf Lili ihn überhaupt nach Deutschland einführen oder ist das schon ein Verstoß gegen das Artenschutzabkommen? Letzteres scheint laut allgemeiner Meinung kein Problem zu sein, eine ausreichende Verpackung aufzutreiben allerdings schon eher. Laut Lili bedeutet ausreichend so etwas wie eine hausgroße Wattekugel, die auf einem Luftkissen schwebend über das Meer gelangt. Wir bemühen uns zur Zeit noch um einen Kompromiss.
Unsere Strandtage bei Port Alfred sind lichtdurchflutet und heiter, ein starker Kontrast zur dürren Hoffnungslosigkeit der Transkei, die wir vorher durchquert haben. Das ehemalige homeland (im Grunde eine Reservation für die Xhosa) ist eine endlose Abfolge karger Hügel voller ärmlicher Häuser, oft genug ohne Wasserversorgung und beinah immer mit zu wenig Land um eine Familie zu ernähren. Die Xhosa scheinen uns resigniert, die wenigsten Familien versuchen dem Boden etwas abzuringen, Maisfelder sind noch am häufigsten, Gemüsegärten die Ausnahme, alle Bäume längst abgeholzt und das Vieh unbewacht. Kirchen und Schulen sind in der Transkei ein vergleichsweise seltener Anblick und die glänzenden Yachten auf den Anhängern die wir so häufig sehen gehören Menschen, für die die Fernstraße durch die Transkei nur eine bequeme Abkürzung auf dem Weg in die Ferien bedeutet.
An der Küste dominieren kleine und mittlere Ferienorte mit prachtvoller Vegetation, Geschäften für Anglerbedarf und Bademoden und exklusiven Ferienhäusern in Hochsicherheitstrakten. Es ist Nebensaison, die meisten Häuser stehen leer ebenso wie die weiten Strände und so ist kein Frühaufsteher über die wunderschöne Nautilusmuschel gestolpert, die die Winterwellen auf den Sand geworfen haben.
Lili spurtet los und stürzt sich voller Begeisterung in den weichen Sand. Guck mal hier! Hektisch beginnt sie etwas freizulegen was mich zunächst an eine zerknitterte Plastiktüte denken lässt. Aber in der nächsten Sekunde weicht meine Verwunderung Erstaunen. Lili hält sehr vorsichtig eine wundervolle Nautilusmuschel hoch, die größer ist als meine Hand und vollständig intakt. Zart und transparent leuchtet die plissierte Hülle in der Sonne auf als ich sie für ein Foto zurechtlege. Der seltene Fund ruft noch tagelang Bewunderung in Port Alfred hervor und stürzt uns in verschiedene logistische Probleme: Wie verpackt man den hauchdünnen Schatz am besten und darf Lili ihn überhaupt nach Deutschland einführen oder ist das schon ein Verstoß gegen das Artenschutzabkommen? Letzteres scheint laut allgemeiner Meinung kein Problem zu sein, eine ausreichende Verpackung aufzutreiben allerdings schon eher. Laut Lili bedeutet ausreichend so etwas wie eine hausgroße Wattekugel, die auf einem Luftkissen schwebend über das Meer gelangt. Wir bemühen uns zur Zeit noch um einen Kompromiss.
Unsere Strandtage bei Port Alfred sind lichtdurchflutet und heiter, ein starker Kontrast zur dürren Hoffnungslosigkeit der Transkei, die wir vorher durchquert haben. Das ehemalige homeland (im Grunde eine Reservation für die Xhosa) ist eine endlose Abfolge karger Hügel voller ärmlicher Häuser, oft genug ohne Wasserversorgung und beinah immer mit zu wenig Land um eine Familie zu ernähren. Die Xhosa scheinen uns resigniert, die wenigsten Familien versuchen dem Boden etwas abzuringen, Maisfelder sind noch am häufigsten, Gemüsegärten die Ausnahme, alle Bäume längst abgeholzt und das Vieh unbewacht. Kirchen und Schulen sind in der Transkei ein vergleichsweise seltener Anblick und die glänzenden Yachten auf den Anhängern die wir so häufig sehen gehören Menschen, für die die Fernstraße durch die Transkei nur eine bequeme Abkürzung auf dem Weg in die Ferien bedeutet.
An der Küste dominieren kleine und mittlere Ferienorte mit prachtvoller Vegetation, Geschäften für Anglerbedarf und Bademoden und exklusiven Ferienhäusern in Hochsicherheitstrakten. Es ist Nebensaison, die meisten Häuser stehen leer ebenso wie die weiten Strände und so ist kein Frühaufsteher über die wunderschöne Nautilusmuschel gestolpert, die die Winterwellen auf den Sand geworfen haben.
Donnerstag, 7. Juli 2011
Nochmals Hallo aus Durban!
Es ist endlich geglückt: Die Bilder aus dem Krügerpark sind im Netz. Wer also gerne Giraffen und Nashörner bewundern möchte, muss zum Krügerbeitrag runterscrollen - es lohnt sich!
LG aus dem kalten Südafrika
Tanja
P.S. Und weil das alles so gut geklappt hat sind jetzt auch die letzten Namibia Bilder online. Dafür muss man natürlich noch etwas weiter nach unten scrollen ;-)
Es ist endlich geglückt: Die Bilder aus dem Krügerpark sind im Netz. Wer also gerne Giraffen und Nashörner bewundern möchte, muss zum Krügerbeitrag runterscrollen - es lohnt sich!
LG aus dem kalten Südafrika
Tanja
P.S. Und weil das alles so gut geklappt hat sind jetzt auch die letzten Namibia Bilder online. Dafür muss man natürlich noch etwas weiter nach unten scrollen ;-)
Mittwoch, 6. Juli 2011
NEWS-Ticker: Grenze nach Südafrika – Jozini -Kosi Bay – Durban - Schneck und Besatzung wohlauf
Die Ausreise aus Swasiland verläuft so, dass man am liebsten für immer da bliebe: Ein freundlicher Mensch winkt uns in das richtige Büro, wo man unter Scherzchen und viel Gelächter unsere Pässe fraglos abstempelt. Jede Menge Fragen hat dagegen die nette Frau daeben, die mir einen zweiseitigen Fragebogen vorlegt: Wie hat es uns gefallen? Wo genau haben wir übernachtet? Wieviel Geld haben wir für Extras ausgegeben? Und werden wir Swasiland als Reiseziel weiterempfehlen?
Das werden wir ganz bestimmt tun. Hätten wir das nicht schon vorher gewußt wäre es uns kurz nach der Wiedereinreise nach Südafrika klar geworden. Vor der Grenze blitzsaubere Straßen und Höfe, ein paar einfache aber praktische Gebäude als Grenzposten und lauter freundliche Gesichter – hinter der Grenze ist die Landschaft eine Müllkippe, die Grenzstation ein monumentaler Prachtbau und die Grenzerin ist zu faul von ihrem Stuhl aufzustehen. Sie will uns mit dem Schneck durch ein nur gut zwei Meter hohes Tor lotsen – zum Glück ist ein Vorgesetzter in der Nähe und winkt ihr aufzustehen und beiseite zu rücken, damit wir die Busdurchfahrt nutzen können. Der Kontrast könnte größer nicht sein. Swasiland gehört gewiß zu den ärmsten Ländern der Welt, aber beinah jeder scheint bemüht das beste aus der Situation zu machen. Die ebenfalls ländliche Gegend im Osten Südafrikas durch die wir auf dem Weg zur Küste jetzt fahren strahlt eine Aura der Vernachlässigung und Hoffnungslosigkeit aus.
Unser Ziel für heute ist Kosi Bay an der Grenze zu Mozambique, wo eine Flußmündung sich mit dem Indischen Ozean zu einer einzigartigen Landschaft vereinigt. Danach wollen wir eine Einladung nach Durban annehmen.
Die Ausreise aus Swasiland verläuft so, dass man am liebsten für immer da bliebe: Ein freundlicher Mensch winkt uns in das richtige Büro, wo man unter Scherzchen und viel Gelächter unsere Pässe fraglos abstempelt. Jede Menge Fragen hat dagegen die nette Frau daeben, die mir einen zweiseitigen Fragebogen vorlegt: Wie hat es uns gefallen? Wo genau haben wir übernachtet? Wieviel Geld haben wir für Extras ausgegeben? Und werden wir Swasiland als Reiseziel weiterempfehlen?
Das werden wir ganz bestimmt tun. Hätten wir das nicht schon vorher gewußt wäre es uns kurz nach der Wiedereinreise nach Südafrika klar geworden. Vor der Grenze blitzsaubere Straßen und Höfe, ein paar einfache aber praktische Gebäude als Grenzposten und lauter freundliche Gesichter – hinter der Grenze ist die Landschaft eine Müllkippe, die Grenzstation ein monumentaler Prachtbau und die Grenzerin ist zu faul von ihrem Stuhl aufzustehen. Sie will uns mit dem Schneck durch ein nur gut zwei Meter hohes Tor lotsen – zum Glück ist ein Vorgesetzter in der Nähe und winkt ihr aufzustehen und beiseite zu rücken, damit wir die Busdurchfahrt nutzen können. Der Kontrast könnte größer nicht sein. Swasiland gehört gewiß zu den ärmsten Ländern der Welt, aber beinah jeder scheint bemüht das beste aus der Situation zu machen. Die ebenfalls ländliche Gegend im Osten Südafrikas durch die wir auf dem Weg zur Küste jetzt fahren strahlt eine Aura der Vernachlässigung und Hoffnungslosigkeit aus.
Unser Ziel für heute ist Kosi Bay an der Grenze zu Mozambique, wo eine Flußmündung sich mit dem Indischen Ozean zu einer einzigartigen Landschaft vereinigt. Danach wollen wir eine Einladung nach Durban annehmen.
NEWS-Ticker: Ngywena – Mbabane – Ezulwini – Big Bend – Nisela Nature Reserve – Schneck und Besatzung wohlauf
Es ist unerträglich heiß in der großen Halle die außer von den großen Fenstern an der Südwand auch vom Feuer der drei Öfen erhellt wird. Der Blick vom Balkon auf lauter dunkle Gestalten in roten Overalls, die routiniert Metallrohre und glühende amorphe Masse handhaben beschwört Gedanken an Folterkeller und Vorhöllen herauf, aber wir stehen nicht am Rande des Fegefeuers sonders blicken in die Glasbläserei von Ngywena hinab. Hier wird ausschließlich Altglas verwendet – eingeschmolzen und zu neuer Schönheit erweckt. Aus Marmeladengläsern werden Elefanten und Katzen, aus Colaflaschen entstehen Weingläser und Schachfiguren und in den Regalen und Vitrinen des Ausstellungsraumes entdecken wir sogar metallveredelte Schmuckstücke und Bierseidel aus Glas mit Henkeln aus Zinn. Im hinteren Bereich der Halle wird geschliffen, poliert und verpackt, denn die Erzeugnisse werden in alle Welt exportiert und als Fair Trade Produkte in Galerien und Eine-Welt-Läden verkauft. Ein leiser Seufzer entfährt uns nur beim Studium der ausgehängten Firmengeschichte: Ende der 70er von schwedischen Glasbläsern als Entwicklungshilfeprojekt begonnen wurde die Glasbläserei Mitte der 80er Jahre an die Swazis übergeben. Nur drei Jahre später war die Produktion zum Erliegen gekommen. Erst als ein Galerist aus Südafrika sich zu wundern begann warum keine Glaselefanten mehr lieferbar waren ging es wieder bergauf: Er reiste nach Ngywena, fand die Produktionsstätte verwaist, die meisten Geräte defekt und die Arbeiter bis auf drei nicht mehr vor. Mit diesen drei Leuten und einer Menge Enthusiasmus begann er von vorn und heute arbeiten 70 Menschen hier und es sollen noch weitere hinzukommen.
Es gibt einige Betriebe mit ähnlichen Geschichten in Swaziland. Handwebereien und Schaukelpferde (Schaukelzebras, Schaukelelefanten, Schaukel...) oder Sisalflechtarbeiten. Letztere entstehen in einem groß angelegten Frauenprojekt: Fast 900 Frauen in Swaziland sind mit dem Anbau, dem Verspinnen, dem Färben und schließlich dem Flechten von Korbarbeiten beschäftigt und auch diese Produkte haben sich als Exportschlager für Geschenkboutiquen in aller Welt erwiesen. Wer die Läden der Initiative betritt steht in einer wahren Explosion an Farben und kreativen Mustern, zwischen Körben, Dosen, Blumen, Uhren und Schmuck – alles aus Sisal. Alles wird in schön gestalteten Geschäften zu fairen Festpreisen präsentiert und der Stolz der Angestellten auf ihre Arbeit leuchtet einem überall entgegen.
Wir werden in Ngywena noch von einem anderen, viel kleineren Laden magisch angezogen: Afrikanische Versuchungen verheißt das Schild über der Tür, und das ist nicht zu viel versprochen. Hier werden Köstlichkeiten aus Schokolade hergestellt, nach belgischen Rezepten mit afrikanischem Touch: Trüffel mit Amarula, Pralinen mit Kaffee- oder Erdnußbutterfüllung, dicke Stücke köstlichen Toffees.... Die kleine Tüte, die wir erstehen schafft es nicht mal bis zum Parkplatz. Die Versuchung ist zu groß und wir geben auf dem halben Weg nach und lassen uns in der Sonne auf einer Bank nieder.
Es ist unerträglich heiß in der großen Halle die außer von den großen Fenstern an der Südwand auch vom Feuer der drei Öfen erhellt wird. Der Blick vom Balkon auf lauter dunkle Gestalten in roten Overalls, die routiniert Metallrohre und glühende amorphe Masse handhaben beschwört Gedanken an Folterkeller und Vorhöllen herauf, aber wir stehen nicht am Rande des Fegefeuers sonders blicken in die Glasbläserei von Ngywena hinab. Hier wird ausschließlich Altglas verwendet – eingeschmolzen und zu neuer Schönheit erweckt. Aus Marmeladengläsern werden Elefanten und Katzen, aus Colaflaschen entstehen Weingläser und Schachfiguren und in den Regalen und Vitrinen des Ausstellungsraumes entdecken wir sogar metallveredelte Schmuckstücke und Bierseidel aus Glas mit Henkeln aus Zinn. Im hinteren Bereich der Halle wird geschliffen, poliert und verpackt, denn die Erzeugnisse werden in alle Welt exportiert und als Fair Trade Produkte in Galerien und Eine-Welt-Läden verkauft. Ein leiser Seufzer entfährt uns nur beim Studium der ausgehängten Firmengeschichte: Ende der 70er von schwedischen Glasbläsern als Entwicklungshilfeprojekt begonnen wurde die Glasbläserei Mitte der 80er Jahre an die Swazis übergeben. Nur drei Jahre später war die Produktion zum Erliegen gekommen. Erst als ein Galerist aus Südafrika sich zu wundern begann warum keine Glaselefanten mehr lieferbar waren ging es wieder bergauf: Er reiste nach Ngywena, fand die Produktionsstätte verwaist, die meisten Geräte defekt und die Arbeiter bis auf drei nicht mehr vor. Mit diesen drei Leuten und einer Menge Enthusiasmus begann er von vorn und heute arbeiten 70 Menschen hier und es sollen noch weitere hinzukommen.
Es gibt einige Betriebe mit ähnlichen Geschichten in Swaziland. Handwebereien und Schaukelpferde (Schaukelzebras, Schaukelelefanten, Schaukel...) oder Sisalflechtarbeiten. Letztere entstehen in einem groß angelegten Frauenprojekt: Fast 900 Frauen in Swaziland sind mit dem Anbau, dem Verspinnen, dem Färben und schließlich dem Flechten von Korbarbeiten beschäftigt und auch diese Produkte haben sich als Exportschlager für Geschenkboutiquen in aller Welt erwiesen. Wer die Läden der Initiative betritt steht in einer wahren Explosion an Farben und kreativen Mustern, zwischen Körben, Dosen, Blumen, Uhren und Schmuck – alles aus Sisal. Alles wird in schön gestalteten Geschäften zu fairen Festpreisen präsentiert und der Stolz der Angestellten auf ihre Arbeit leuchtet einem überall entgegen.
Wir werden in Ngywena noch von einem anderen, viel kleineren Laden magisch angezogen: Afrikanische Versuchungen verheißt das Schild über der Tür, und das ist nicht zu viel versprochen. Hier werden Köstlichkeiten aus Schokolade hergestellt, nach belgischen Rezepten mit afrikanischem Touch: Trüffel mit Amarula, Pralinen mit Kaffee- oder Erdnußbutterfüllung, dicke Stücke köstlichen Toffees.... Die kleine Tüte, die wir erstehen schafft es nicht mal bis zum Parkplatz. Die Versuchung ist zu groß und wir geben auf dem halben Weg nach und lassen uns in der Sonne auf einer Bank nieder.
NEWS-Ticker: Komatipoort – Grenzübertritt nach Swaziland – Hlange Nationalpark – Piggs Peak – Malolotja Nature Reserve – Schneck und Besatzung wohlauf
Nein! Der Schneck stellt sich fast auf die Nase als Guido auf die Bremse tritt und schlingert dann nach links. Entsetzt schaue ich auf den mittelgroßen Dinosaurier vor dem rechten Vorderreifen, aber der erwartete Aufprall bleibt aus - wir haben ihn zum Glück nicht erwischt. Aus dem Augenwinkel sehe ich den glücklichen Waran noch im rechten Straßengraben verschwinden und ich bilde mir ein, dass der Fahrer des Kleinwagens auf der Gegenfahrbahn sich den Schweiß von der Stirn wischt. Einen so gewaltigen Waran haben wir noch nie gesehen – der Prachtkerl war gewiss zwei Meter lang und über 40 Kilo schwer.
Ansonsten ist die Grenze zwischen Südafrika und Swaziland wenig aufregend. So freundlich und flott hat man uns noch nie abgefertigt. Die Landschaft bleibt hier im Nordosten des kleinen Landes zunächst flach und wird von Zuckerrohrfeldern und Zuckerfabriken dominiert. Dazwischen liegen Plantagen voller reifer Orangen und Bananen. Süßer Melassegeruch liegt in der Luft, denn die Zuckerrohrfelder werden hier vor der Ernte abgeflemmt, um die schmalen grünen Blätter loszuwerden. Das Rohr kann dann mit der Axt dicht über dem Boden abgeschlagen werden, ohne dass sich die Arbeiter durch die rasiermesserscharfen Blattkanten ihren Weg bahnen müssen, wie wir es in Uganda und anderswo gesehen haben.
Swaziland ist eine der letzten echten Monarchien und wir begegnen immer wieder großformatigen Fotos des Königs und seiner Mutter, der zweitmächtigsten Person im Land. Eine Königin ist nirgendwo abgebildet was vielleicht an zu viel Auswahl liegt – denn in Swaziland ist Polygamie noch sehr populär und der König hat laut Reiseführer derzeit zehn Ehefrauen. So viele Frauen werden sich nur wenige Swazis leisten können, aber die Bauart der Höfe (egal ob Rundhütten mit Strohdach oder moderne Beton – Wellblech-Schachteln) spiegelt noch die traditionelle Lebensweise: Ein großes Haus für den Mann, ein kleines für jede Frau und eines – an der bevorzugten Stelle, neben dem Pferch für das Vieh – für die Mutter des Mannes. Die als sehr religiös geltenden Swazis scheinen Polygamie und Katholizismus gut miteinander vereinen zu können. Wie die Kirche das zusammenbringt konnten wir allerdings noch nicht herausfinden.
Unser erstes Ziel ist der kleine Hlange Royal Nationalpark, der uns zwar nach dem berühmten Krüger eher wie ein europäischer Safaripark vorkommt (Großwild und Löwen sind durch Zäune getrennt) aber die Ruhe und der Frieden an den Wasserlöchern schlagen uns in Bann. Nur wenige Touristen kommen hierher, und so sind wir lange allein mit Antilopen und Zebras, Krokodilen und Warzenschweinen, Nashörnern und Marabus und lernen zum Beispiel, dass Marabus gerne Zebras ärgern und Gnus das Trinken mit militärischer Präzision organisieren um schnell fertig zu werden. Ein Warzenschweineber interessiert sich offensichtlich für die regungslos am Ufer liegenden Krokodile und die bildschönen Nyalaantilopen vergesellschaften sich mit den viel größeren Kudus.
Wir verlassen den Park nur ungern, aber so langsam läuft uns die Zeit weg und wir wollen noch mehr von Swaziland sehen. Vor der Fahrt in das westliche Hochland steht aber ein Einkauf und wir steuern den nächsten Supermarkt an. Wir sind die Stars vor dem kleinen Einkaufszentrum und überall wird gerufen, gepfiffen und gewunken was das Zeug hält. Der Supermarkt ist so aufgeräumt und sauber wie die Straßen draußen und so sind Fabi und ich mit Brot, Fleisch und Gemüse schnell an der Kasse, wo Fabian gleich ganz gentlemanlike alles in Tüten packen will. Das ist nun eigentlich Aufgabe der Kassierin und unter viel Gelächter einigen sich die beiden auf Arbeitsteilung : Fabi die Würstchen und sie das Brot. Ich kann mit südafrikanischen Rand bezahlen und bekomme Emalangeni heraus: lauter blütenförmige Gebilde mit Elefanten, Blumen und königlichen Portraits . Guido und Lili kommen uns aus dem Obstlädchen an der Ecke entgegen. Sie haben Orangen für 10 Cent das Stück bekommen und Avocados gekauft. Die Verkäuferin hat Guidos Fähigkeiten als Hausmann allerdings angezweifelt und ihm die Avocados lieber selber ausgesucht, damit er zu Hause keinen Ärger bekommt: Zwei extradicke Exemplare, eine vollreif für heute und eine für morgen. Und eine dritte hat sie Lili geschenkt. Wir sind von der freundlichen Atmosphäre völlig begeistert und fahren gut gelaunt weiter Richtung Westen. Es ist uns bis jetzt völlig schleierhaft, warum die meisten weißen Südafrikaner einen großen Bogen um das kleine freundliche Land in ihrer Mitte machen.
In den nächsten Stunden überwindet der Schneck ein paar hundert Höhenmeter und bringt uns über Phophonyane, wo wir durch tropische Vegetation laufen und Piggs Peak nach Malolotje. Das Naturschutzgebiet in 1500m Höhe lädt zum Wandern ein. In völliger Einsamkeit klettern wir die Hügel hinauf und herunter, an Wasserfällen, Felsbrocken und sprudelnden Quellen vorbei. Blessböcke grasen in der Weite, Raubvögel keisen nur wenige Meter über uns, Paviane erklimmen die steilen Felswände, Sunbirds und Kahlköpfige Ibisvögel bringen Farbe ins Spiel und am Abend hören wir die pfeifenden Rufe der Erdwölfe hinter dem Truck.
Nein! Der Schneck stellt sich fast auf die Nase als Guido auf die Bremse tritt und schlingert dann nach links. Entsetzt schaue ich auf den mittelgroßen Dinosaurier vor dem rechten Vorderreifen, aber der erwartete Aufprall bleibt aus - wir haben ihn zum Glück nicht erwischt. Aus dem Augenwinkel sehe ich den glücklichen Waran noch im rechten Straßengraben verschwinden und ich bilde mir ein, dass der Fahrer des Kleinwagens auf der Gegenfahrbahn sich den Schweiß von der Stirn wischt. Einen so gewaltigen Waran haben wir noch nie gesehen – der Prachtkerl war gewiss zwei Meter lang und über 40 Kilo schwer.
Ansonsten ist die Grenze zwischen Südafrika und Swaziland wenig aufregend. So freundlich und flott hat man uns noch nie abgefertigt. Die Landschaft bleibt hier im Nordosten des kleinen Landes zunächst flach und wird von Zuckerrohrfeldern und Zuckerfabriken dominiert. Dazwischen liegen Plantagen voller reifer Orangen und Bananen. Süßer Melassegeruch liegt in der Luft, denn die Zuckerrohrfelder werden hier vor der Ernte abgeflemmt, um die schmalen grünen Blätter loszuwerden. Das Rohr kann dann mit der Axt dicht über dem Boden abgeschlagen werden, ohne dass sich die Arbeiter durch die rasiermesserscharfen Blattkanten ihren Weg bahnen müssen, wie wir es in Uganda und anderswo gesehen haben.
Swaziland ist eine der letzten echten Monarchien und wir begegnen immer wieder großformatigen Fotos des Königs und seiner Mutter, der zweitmächtigsten Person im Land. Eine Königin ist nirgendwo abgebildet was vielleicht an zu viel Auswahl liegt – denn in Swaziland ist Polygamie noch sehr populär und der König hat laut Reiseführer derzeit zehn Ehefrauen. So viele Frauen werden sich nur wenige Swazis leisten können, aber die Bauart der Höfe (egal ob Rundhütten mit Strohdach oder moderne Beton – Wellblech-Schachteln) spiegelt noch die traditionelle Lebensweise: Ein großes Haus für den Mann, ein kleines für jede Frau und eines – an der bevorzugten Stelle, neben dem Pferch für das Vieh – für die Mutter des Mannes. Die als sehr religiös geltenden Swazis scheinen Polygamie und Katholizismus gut miteinander vereinen zu können. Wie die Kirche das zusammenbringt konnten wir allerdings noch nicht herausfinden.
Unser erstes Ziel ist der kleine Hlange Royal Nationalpark, der uns zwar nach dem berühmten Krüger eher wie ein europäischer Safaripark vorkommt (Großwild und Löwen sind durch Zäune getrennt) aber die Ruhe und der Frieden an den Wasserlöchern schlagen uns in Bann. Nur wenige Touristen kommen hierher, und so sind wir lange allein mit Antilopen und Zebras, Krokodilen und Warzenschweinen, Nashörnern und Marabus und lernen zum Beispiel, dass Marabus gerne Zebras ärgern und Gnus das Trinken mit militärischer Präzision organisieren um schnell fertig zu werden. Ein Warzenschweineber interessiert sich offensichtlich für die regungslos am Ufer liegenden Krokodile und die bildschönen Nyalaantilopen vergesellschaften sich mit den viel größeren Kudus.
Wir verlassen den Park nur ungern, aber so langsam läuft uns die Zeit weg und wir wollen noch mehr von Swaziland sehen. Vor der Fahrt in das westliche Hochland steht aber ein Einkauf und wir steuern den nächsten Supermarkt an. Wir sind die Stars vor dem kleinen Einkaufszentrum und überall wird gerufen, gepfiffen und gewunken was das Zeug hält. Der Supermarkt ist so aufgeräumt und sauber wie die Straßen draußen und so sind Fabi und ich mit Brot, Fleisch und Gemüse schnell an der Kasse, wo Fabian gleich ganz gentlemanlike alles in Tüten packen will. Das ist nun eigentlich Aufgabe der Kassierin und unter viel Gelächter einigen sich die beiden auf Arbeitsteilung : Fabi die Würstchen und sie das Brot. Ich kann mit südafrikanischen Rand bezahlen und bekomme Emalangeni heraus: lauter blütenförmige Gebilde mit Elefanten, Blumen und königlichen Portraits . Guido und Lili kommen uns aus dem Obstlädchen an der Ecke entgegen. Sie haben Orangen für 10 Cent das Stück bekommen und Avocados gekauft. Die Verkäuferin hat Guidos Fähigkeiten als Hausmann allerdings angezweifelt und ihm die Avocados lieber selber ausgesucht, damit er zu Hause keinen Ärger bekommt: Zwei extradicke Exemplare, eine vollreif für heute und eine für morgen. Und eine dritte hat sie Lili geschenkt. Wir sind von der freundlichen Atmosphäre völlig begeistert und fahren gut gelaunt weiter Richtung Westen. Es ist uns bis jetzt völlig schleierhaft, warum die meisten weißen Südafrikaner einen großen Bogen um das kleine freundliche Land in ihrer Mitte machen.
In den nächsten Stunden überwindet der Schneck ein paar hundert Höhenmeter und bringt uns über Phophonyane, wo wir durch tropische Vegetation laufen und Piggs Peak nach Malolotje. Das Naturschutzgebiet in 1500m Höhe lädt zum Wandern ein. In völliger Einsamkeit klettern wir die Hügel hinauf und herunter, an Wasserfällen, Felsbrocken und sprudelnden Quellen vorbei. Blessböcke grasen in der Weite, Raubvögel keisen nur wenige Meter über uns, Paviane erklimmen die steilen Felswände, Sunbirds und Kahlköpfige Ibisvögel bringen Farbe ins Spiel und am Abend hören wir die pfeifenden Rufe der Erdwölfe hinter dem Truck.
Samstag, 25. Juni 2011
Es ist kalt und dunkel und viel zu frueh. Die ganz Ehrgeizigen fahren bereits an der offenen Tuer des Schnecks vorbei, aber wir wollen zuerst fruehstuecken bevor wir den Campingplatz verlassen und in den Park fahren – uns ist das Licht noch viel zu spaerlich. Wer faehrt schon gern im Halbdunkel gegen einen Elefanten. Und ausserdem schlafen die Loewen bestimmt noch (eigentlich scheinen sie nie etwas anderes zu tun). Eiin dumpfer Aufprall laesst uns die Broetchen vergessen: Die schwere Muelltonne vor dem Chalet gegenueber ist umgefallen und etwas bewegt sich davor oder darin. Ein Campingplatzhund? Wohl kaum im Kruegernationalpark. Bestimmt Paviane. In diesem Moment entscheidet sich die Sonne den Schritt ueber den Horizont zu wagen und ich gebe Alarm: Lili! Meine Kamera!! Ein Honigdachs!!! – Was?Wie? Fuer einen kurzen Moment herrscht Verwirrung, aber wir sind ein eingespieltes Team. Nur Sekunden spaeter pirschen wir uns an die Muelltonne heran. Honigdachse sind schwarz und silber, haben 3,5 cm lange Krallen an den Vorderfuessen und zaehlen zu den aggressivsten Tieren Afrikas. Ein ausgewachsener Honigdachs hat keinen natuerlichen Feind: Die huebschen Tiere beissen, kratzen und verspruehen eine stinkende Fluessigkeit aus den Analdruesen und sie haben den Ruf gezielt auf die Weichteile des Kontrahenten loszugehen. Wen wunderts, dass sogar Hyaenen dankend abwinken. Wir kommen erstaunlich nah heran, bevor uns ein tiefes Knurren zwei Schritte zurueckweichen laesst, dann fluechtet der Pluenderer. Wir haben gerade das naechste Broetchen geschmiert als ich ihn zurueckkommen sehe: Er hat seine Frau mitgebracht und zeigt ihr liebevoll unsere Muelltonne, die voller guter Dinge wie Kotlettknochen und Papayaschalen ist. Natuerlich koennen wir es nicht lassen und begeben uns erneut auf die Fotopirsch, und diesmal duerfen wir knipsen was die Karte hergibt. Nicht mal den Blitz (es ist immer noch Zwielicht) nehmen die beiden jetzt uebel, und wir kehren stolz zum Truck zurueck. Ein Honigdachs stand noch ganz oben auf der Wunschliste – und nun gleich zwei!
Waehrend wir den kalt gewordenen Tee austrinken bekommen wir ein neues Schauspiel geboten. Zwei Campingplatzmitarbeiter stehen verwirrt vor den umgekippten Muelltonnen (die Dachse waren gruendlich und haben keine ausgelassen) und dem verstreuten Muell. Nach laengerer Beratung und viel Kopfkratzen erbarmt sich Lili und laeuft hinueber um die frechen Dachse anzuzeigen. Die beiden wirken erleichtert, schultern ihre Besen – und gehen wieder. Das Raetsel ist geloest, warum sollte man den Muell wegrauemen?
Wir fahren los und streifen einen weiteren Tag durch den Park. Giraffen gehoeren zu unseren besonderen Lieblingen und Guido laesst den Schneck immer auf Samtpfoten heranrollen, um die grazilen Schoenen nicht zu verschrecken. Heute aber bleibt eine auf der Strasse stehen und ruehrt sich ueberhaupt nicht von Fleck. Hinter ihr steht ein weisser Gelaendewagen, der gern an ihr vorbei moechte: Der Fahrer hupt vorsichtig, er klatscht in die Haende, er winkt, er laesst den Motor aufheulen – nichts. Sie ist offenbar tief in Gedanken versunken und schaut ihn nicht einmal an. Guido laesst schliesslich den Motor des Trucks wieder an und faehrt gaaanz vorsichtig auf das Tier zu, das locker ueber die Fahrerkabine hinwegschauen kann. Endlich kommt sie in Bewegung und verlaesst wuerdevoll die Fahrbahn. Der dankbare Fahrer des Gelaendewagens – er stand seit einer Viertelstunde da – revanchiert sich mit einem Tipp: Biegt da hinten links ab und dann auf der rechten Seite liegt ein Loewe im tiefen Gras. Manchmal hebt er den Kopf. Wir finden die Stelle problemlos, aber den Loewen sehen wir nicht. Das ist das Problem mit den Raubtieren – sie sind da, aber sehr schwer zu finden. Es braucht eine gehoerige Portion Glueck einen Loewen aktiv und womoeglich noch aus der Naehe zu sehen. Wir diskutieren gerade, wie lange wir den vielleicht schon leeren Schlafplatz beobachten wollen, da erhebt sich der Koenig der Tiere majestaetisch aus dem Gras, schaut verschlafen zu uns herueber, dreht sich wie ein Hund einmal um sich selbst und laesst sich wieder fallen. Mehr ist fuer die naechsten Stunden nicht zu erwarten und so fahren wir weiter.
Auf einer Nebenstrecke begegnen wir erneut Giraffen. Der Bulle ist auffaellig um eine seiner Kuehe bemueht und wir warten ganz gespannt. Immer wieder laesst sie ihn stehen und geht ein paar Schritte und immer wieder wird er von seinen Pflichten als Wachhabender abgelenkt, aber nach geraumer Zeit hat er sie schliesslich ueberredet und kommt zum Zug. Das sieht ja furchtbar muehsam aus, bemerkt der Mann am Steuer mitleidig und von der Rueckbank kommt ein Das war schon alles? Das Kind hat Recht, aber in der Wildnis koennen zwei Sekunden Unachtsamkeit ueber Leben und Tod entscheiden. Da kommt das Vergnuegen wohl nicht an erster oder zweiter Stelle.
Jede Menge Spass hat dafuer das kleine Flusspferd, dass im Sabie in den Stromschnellen plantscht. Die Warzenschweine im Schlammbad scheinen sich zumindest sehr wohl zu fuehlen (auch diese laufen heute nicht weg, es scheint der Tag der ungewoehnlichen Begegnungen zu sein) und der kleine Pavian auf dem Ruecken seiner Mutter scheint ebenfalls aeusserst zufrieden. Um ihn besser beobachten zu koennen draengen wir uns alle an den linken Fenstern des Schnecks, da hoere ich von der Rueckbank einen Schreckensruf. Ein Affe im Schneck! Waehrend wir die Paviane links beobachtet haben, hat sich die Meerkatze (richtiger auf Englisch: Vervet Monkey, oder umgangssprachlich: Blue ball monkey) durch das rechte hintere Fenster eingeschlichen und stiehlt in Blitzgeschwindigkeit eine Papiertuete, mit der sie sich in den naechsten Baum fluechtet. Zum Glueck war die Tuete leer, sonst haetten wir uns noch Vorwuerfe gemacht, die Tiere gefuettert zu haben. Bettelnde Tiere werden frueher oder spaeter abgeschossen, damit sie nicht zu einer Bedrohung fuer die Besucher werden. Besonders betrifft das die Paviane, deren beeindruckendes Gebiss einen Schaeferhund blass vor Neid werden laesst. Was die Parkverwaltung allerdings gegen die bettelnden Perlhuehner unternehmen will ist mir schleierhaft – an einem vielbesuchten Aussichtspunkt versucht eine Gang von fuenf der Helmeted Guineafowls ebenfalls den Schneck zu entern. Bis jetzt duerften die fuenf ein Einzelfall sein, aber Huehner sind lernfaehig – diese hatten glasklar erkannt, dass wir tatsaechlich gerade Lunchpause machten. Kein anderes Auto wurde belaestigt.
Waehrend wir den kalt gewordenen Tee austrinken bekommen wir ein neues Schauspiel geboten. Zwei Campingplatzmitarbeiter stehen verwirrt vor den umgekippten Muelltonnen (die Dachse waren gruendlich und haben keine ausgelassen) und dem verstreuten Muell. Nach laengerer Beratung und viel Kopfkratzen erbarmt sich Lili und laeuft hinueber um die frechen Dachse anzuzeigen. Die beiden wirken erleichtert, schultern ihre Besen – und gehen wieder. Das Raetsel ist geloest, warum sollte man den Muell wegrauemen?
Wir fahren los und streifen einen weiteren Tag durch den Park. Giraffen gehoeren zu unseren besonderen Lieblingen und Guido laesst den Schneck immer auf Samtpfoten heranrollen, um die grazilen Schoenen nicht zu verschrecken. Heute aber bleibt eine auf der Strasse stehen und ruehrt sich ueberhaupt nicht von Fleck. Hinter ihr steht ein weisser Gelaendewagen, der gern an ihr vorbei moechte: Der Fahrer hupt vorsichtig, er klatscht in die Haende, er winkt, er laesst den Motor aufheulen – nichts. Sie ist offenbar tief in Gedanken versunken und schaut ihn nicht einmal an. Guido laesst schliesslich den Motor des Trucks wieder an und faehrt gaaanz vorsichtig auf das Tier zu, das locker ueber die Fahrerkabine hinwegschauen kann. Endlich kommt sie in Bewegung und verlaesst wuerdevoll die Fahrbahn. Der dankbare Fahrer des Gelaendewagens – er stand seit einer Viertelstunde da – revanchiert sich mit einem Tipp: Biegt da hinten links ab und dann auf der rechten Seite liegt ein Loewe im tiefen Gras. Manchmal hebt er den Kopf. Wir finden die Stelle problemlos, aber den Loewen sehen wir nicht. Das ist das Problem mit den Raubtieren – sie sind da, aber sehr schwer zu finden. Es braucht eine gehoerige Portion Glueck einen Loewen aktiv und womoeglich noch aus der Naehe zu sehen. Wir diskutieren gerade, wie lange wir den vielleicht schon leeren Schlafplatz beobachten wollen, da erhebt sich der Koenig der Tiere majestaetisch aus dem Gras, schaut verschlafen zu uns herueber, dreht sich wie ein Hund einmal um sich selbst und laesst sich wieder fallen. Mehr ist fuer die naechsten Stunden nicht zu erwarten und so fahren wir weiter.
Auf einer Nebenstrecke begegnen wir erneut Giraffen. Der Bulle ist auffaellig um eine seiner Kuehe bemueht und wir warten ganz gespannt. Immer wieder laesst sie ihn stehen und geht ein paar Schritte und immer wieder wird er von seinen Pflichten als Wachhabender abgelenkt, aber nach geraumer Zeit hat er sie schliesslich ueberredet und kommt zum Zug. Das sieht ja furchtbar muehsam aus, bemerkt der Mann am Steuer mitleidig und von der Rueckbank kommt ein Das war schon alles? Das Kind hat Recht, aber in der Wildnis koennen zwei Sekunden Unachtsamkeit ueber Leben und Tod entscheiden. Da kommt das Vergnuegen wohl nicht an erster oder zweiter Stelle.
Jede Menge Spass hat dafuer das kleine Flusspferd, dass im Sabie in den Stromschnellen plantscht. Die Warzenschweine im Schlammbad scheinen sich zumindest sehr wohl zu fuehlen (auch diese laufen heute nicht weg, es scheint der Tag der ungewoehnlichen Begegnungen zu sein) und der kleine Pavian auf dem Ruecken seiner Mutter scheint ebenfalls aeusserst zufrieden. Um ihn besser beobachten zu koennen draengen wir uns alle an den linken Fenstern des Schnecks, da hoere ich von der Rueckbank einen Schreckensruf. Ein Affe im Schneck! Waehrend wir die Paviane links beobachtet haben, hat sich die Meerkatze (richtiger auf Englisch: Vervet Monkey, oder umgangssprachlich: Blue ball monkey) durch das rechte hintere Fenster eingeschlichen und stiehlt in Blitzgeschwindigkeit eine Papiertuete, mit der sie sich in den naechsten Baum fluechtet. Zum Glueck war die Tuete leer, sonst haetten wir uns noch Vorwuerfe gemacht, die Tiere gefuettert zu haben. Bettelnde Tiere werden frueher oder spaeter abgeschossen, damit sie nicht zu einer Bedrohung fuer die Besucher werden. Besonders betrifft das die Paviane, deren beeindruckendes Gebiss einen Schaeferhund blass vor Neid werden laesst. Was die Parkverwaltung allerdings gegen die bettelnden Perlhuehner unternehmen will ist mir schleierhaft – an einem vielbesuchten Aussichtspunkt versucht eine Gang von fuenf der Helmeted Guineafowls ebenfalls den Schneck zu entern. Bis jetzt duerften die fuenf ein Einzelfall sein, aber Huehner sind lernfaehig – diese hatten glasklar erkannt, dass wir tatsaechlich gerade Lunchpause machten. Kein anderes Auto wurde belaestigt.
Montag, 20. Juni 2011
So, fuer alle die mich schon vermisst haben: Ich habe noch einen Namibiabeitrag eingestellt, die Zusammenfassung Namibia und den ersten Suedafrikabeitrag. Die letzten Namibiafotos fallen leider der schwachen Internetverbindung zum Opfer - aber vielleicht kann ich die demnaechst noch nachreichen....
Viel Spass und liebe Gruesse an alle Leser!
Viel Spass und liebe Gruesse an alle Leser!
NEWS-Ticker: Einreise nach Süd-Afrika bei Nakop - Upington - Vryburg – Pretoria – Blyde River Canyon – Kruegerpark – Schneck und Besatzung wohlauf
Wenn man ein Fachgeschäft für Rasenmäherersatzteile sieht, dann weiß man dass man in der Zivilisation angekommen ist. Während Guido noch seine Entdeckung bestaunt betrachte ich stirnrunzelnd die übrigen Geschäfte, die das Einkaufzentrum von Upington bilden. Soviel Auswahl hatten wir bisher nur in den größten Städten auf unserer Reise, aber Upington ist eine sehr kleine Kleinstadt in der Mitte von Nirgendwo. Der Besuch des Supermarktes ist eine Offenbarung was das Angebot angeht und lässt von Gemüse bis Labello keine Wünsche offen. So viel Auswahl sind wir gar nicht mehr gewöhnt und brauchen entsprechend lange für den Einkauf. Leider müssen wir uns mit dem Grenzübertritt wohl wieder vom Vollkornbrot verabschieden – was sich hier Roggenbrot nennt ist weicher als Toast und teurer als Steaks und die sind auch nicht mehr wirklich günstig. Dafür gibt es frisches Obst und Gemüse in Hülle und Fülle und sogar küchenfertig vorbereitet im Kühlregal.
Die Vielfalt wird durch die Eintönigkeit der Strecke Richtung Osten wieder aufgehoben. Wir bewegen uns am südlichen Kalaharirand entlang und ohne die neuerliche Reifenpanne wäre uns wohl langweilig geworden. Die Rückkehr in die Zivilisation bemerkt Guido am nächsten Morgen gleich noch einmal: Die Werkstatt hat den passenden Schlauch vorrätig, die Jungs wissen den Reifen von der Felge zu bekommen und nach etwas über einer Stunde sind wir wieder unterwegs – was für ein Unterschied zu dem Erlebnis in Zimbabwe!
Das schönste am Straßenrand sind die Wohnsiedlungen an den Strommasten. Sie sind oft kugelrund und liegen oben auf den Sicherungen auf, manchmal aber auch birnenförmige Ballungsgebiete, die den halben Mast bedecken. Der Soziale Webervogel ist ein unscheinbarer, kleiner, brauner Vogel mit großem Talent für erstaunliche Bauprojekte. Die Gebilde aus Gras können so groß werden, dass sie nach Regenfällen durch ihr Gewicht Bäume oder Strommasten zum Umstürzen bringen. Webervögel mögen es gesellig, also sind ihre Nester dicht an dicht gepackt, wobei die Einfluglöcher alle unten liegen und die Oberseite der Nester so glatt und ordentlich wirkt, dass sie wohl als Vorbild für die Strohdächer auf den typischen afrikanischen Rundhütten dienten. Rundhütten gibt es hier allerdings keine mehr – dafür Ansammlungen hässlicher Wellblechbehausungen, die sicher keine Verbesserung an Wohnqualität mit sich gebracht haben. Aber auch die Webervögel leben nicht im Paradies: Handspannengroße Falken sitzen oben auf den Nestern und warten auf unvorsichtige Jungvögel, die in diesen Tagen flügge werden und bei ihren ersten Ausflug gleich um ihr Leben fürchten müssen.
Um unser Leben fuerchten wir zwar nicht, aber etwas mulmig wird uns bei den Schauergeschichten am Abendbrottisch von Chris und Magda schon. Wir haben die beiden im Chobe fluechtig kennengelernt und sind prompt in ihr Haus nach Pretoria eingeladen worden. Das Haus der beiden ist eine moderne Trutzburg mit Stacheldrahtzaeunen, Bewegungsmeldern und drei scharfen Hunden. Schlagen die Ridgebacks nachts an muss jemand einen Kontrollgang machen mit einem Scheinwerfer der ein ganzes Stadion erhellen kann – und einer Schusswaffe. Einen Wachmann hat Chris, der sein Geld mit Zahnprothesen verdient, nicht denn die Gegend gilt als relativ sicher. Zum Glueck sind sich alle am Tisch einig, dass der Schneck uns die ultimative Sicherheit bietet: Er ist viel zu alt, gross und auffaellig um Ziel von Ueberfaellen zu sein. Nur Buschcampen sollen wir bitte auf keinen Fall. Merkwuerdig, dass ausgerechnet Suedafrika den Ruf als sicheres Urlaubsparadies geniesst – kein anderes Land bisher zwang uns eine so verklemmte Einstellung auf. Andererseits ist es sicher nicht gefaehrlicher als eine Reise durch Sueditalien. Chris und Magda gehen noch mit uns shoppen, denn beinah alle unsere Kleider sind abgetragen oder passen nicht mehr, und sie helfen uns mit der Buchung der Campingplaetze fuer das Drakensberge Escarpment und den Kruegernationalpark. Dann heisst es Abschied nehmen – aber vielleicht sehen wir uns bald in Deutschland, denn die beiden wollen jetzt unbedingt unserem Beispiel folgen und von Afrika nach Europa fahren.
Wenn man ein Fachgeschäft für Rasenmäherersatzteile sieht, dann weiß man dass man in der Zivilisation angekommen ist. Während Guido noch seine Entdeckung bestaunt betrachte ich stirnrunzelnd die übrigen Geschäfte, die das Einkaufzentrum von Upington bilden. Soviel Auswahl hatten wir bisher nur in den größten Städten auf unserer Reise, aber Upington ist eine sehr kleine Kleinstadt in der Mitte von Nirgendwo. Der Besuch des Supermarktes ist eine Offenbarung was das Angebot angeht und lässt von Gemüse bis Labello keine Wünsche offen. So viel Auswahl sind wir gar nicht mehr gewöhnt und brauchen entsprechend lange für den Einkauf. Leider müssen wir uns mit dem Grenzübertritt wohl wieder vom Vollkornbrot verabschieden – was sich hier Roggenbrot nennt ist weicher als Toast und teurer als Steaks und die sind auch nicht mehr wirklich günstig. Dafür gibt es frisches Obst und Gemüse in Hülle und Fülle und sogar küchenfertig vorbereitet im Kühlregal.
Die Vielfalt wird durch die Eintönigkeit der Strecke Richtung Osten wieder aufgehoben. Wir bewegen uns am südlichen Kalaharirand entlang und ohne die neuerliche Reifenpanne wäre uns wohl langweilig geworden. Die Rückkehr in die Zivilisation bemerkt Guido am nächsten Morgen gleich noch einmal: Die Werkstatt hat den passenden Schlauch vorrätig, die Jungs wissen den Reifen von der Felge zu bekommen und nach etwas über einer Stunde sind wir wieder unterwegs – was für ein Unterschied zu dem Erlebnis in Zimbabwe!
Das schönste am Straßenrand sind die Wohnsiedlungen an den Strommasten. Sie sind oft kugelrund und liegen oben auf den Sicherungen auf, manchmal aber auch birnenförmige Ballungsgebiete, die den halben Mast bedecken. Der Soziale Webervogel ist ein unscheinbarer, kleiner, brauner Vogel mit großem Talent für erstaunliche Bauprojekte. Die Gebilde aus Gras können so groß werden, dass sie nach Regenfällen durch ihr Gewicht Bäume oder Strommasten zum Umstürzen bringen. Webervögel mögen es gesellig, also sind ihre Nester dicht an dicht gepackt, wobei die Einfluglöcher alle unten liegen und die Oberseite der Nester so glatt und ordentlich wirkt, dass sie wohl als Vorbild für die Strohdächer auf den typischen afrikanischen Rundhütten dienten. Rundhütten gibt es hier allerdings keine mehr – dafür Ansammlungen hässlicher Wellblechbehausungen, die sicher keine Verbesserung an Wohnqualität mit sich gebracht haben. Aber auch die Webervögel leben nicht im Paradies: Handspannengroße Falken sitzen oben auf den Nestern und warten auf unvorsichtige Jungvögel, die in diesen Tagen flügge werden und bei ihren ersten Ausflug gleich um ihr Leben fürchten müssen.
Um unser Leben fuerchten wir zwar nicht, aber etwas mulmig wird uns bei den Schauergeschichten am Abendbrottisch von Chris und Magda schon. Wir haben die beiden im Chobe fluechtig kennengelernt und sind prompt in ihr Haus nach Pretoria eingeladen worden. Das Haus der beiden ist eine moderne Trutzburg mit Stacheldrahtzaeunen, Bewegungsmeldern und drei scharfen Hunden. Schlagen die Ridgebacks nachts an muss jemand einen Kontrollgang machen mit einem Scheinwerfer der ein ganzes Stadion erhellen kann – und einer Schusswaffe. Einen Wachmann hat Chris, der sein Geld mit Zahnprothesen verdient, nicht denn die Gegend gilt als relativ sicher. Zum Glueck sind sich alle am Tisch einig, dass der Schneck uns die ultimative Sicherheit bietet: Er ist viel zu alt, gross und auffaellig um Ziel von Ueberfaellen zu sein. Nur Buschcampen sollen wir bitte auf keinen Fall. Merkwuerdig, dass ausgerechnet Suedafrika den Ruf als sicheres Urlaubsparadies geniesst – kein anderes Land bisher zwang uns eine so verklemmte Einstellung auf. Andererseits ist es sicher nicht gefaehrlicher als eine Reise durch Sueditalien. Chris und Magda gehen noch mit uns shoppen, denn beinah alle unsere Kleider sind abgetragen oder passen nicht mehr, und sie helfen uns mit der Buchung der Campingplaetze fuer das Drakensberge Escarpment und den Kruegernationalpark. Dann heisst es Abschied nehmen – aber vielleicht sehen wir uns bald in Deutschland, denn die beiden wollen jetzt unbedingt unserem Beispiel folgen und von Afrika nach Europa fahren.
Zusammenfassung Namibia
Land: Namibia besteht zum größten Teil aus horizontaler und vertikaler Ödnis, darüber kann auch das lindgrüne Gras nach den Regenfällen nicht hinwegtäuschen. Halbwüste und Wüste haben ebenso wie die raue Atlantikküste ihren Charme, aber wer im Urlaub gerne Grün sieht ist hier falsch. Zwischen den landschaftlichen Höhepunkten liegen oft sehr lange und mitunter langweilige Fahrstrecken. Da das Land so dünn besiedelt ist sind kaum Menschen zu Fuß unterwegs und oft fährt man an endlosen Zäunen entlang. Die Straßen allerdings sind – obwohl meist ungeteert – sehr gut, so dass längere Tagesetappen problemlos möglich sind. Die touristische Infrastruktur ist sehr gut, das Land gilt als sicher und die Landessprache ist zwar Englisch aber Deutsch wird vielerorts zumindest verstanden zumal es dem Afrikaans sehr ähnlich ist. Kein Wunder, dass die meisten Touristen denen man begegnet deutschsprachige Europäer über 50 sind ;-).
Leute: Schwarz und Weiß scheinen in Parallelwelten zu leben, deren Berührung ängstlich vermieden wird. Der Besuch lokaler Märkte oder Restaurants ist nicht zu empfehlen und auch sonst wird man von der schwarzen Bevölkerung bestenfalls freundlich distanziert betrachtet – oder einfach ignoriert. Man bewegt sich zwangsläufig unter den (sehr gastfreundlichen) Weißen, die nur 7% Anteil an der Gesamtbevölkerung haben, aber 85% des Bruttoinlandsproduktes erwirtschaften. Das ist bequem, aber auf die Dauer etwas einseitig. Die Himba im Norden und die farbenprächtigen Kleider der Herero waren seltene, aber faszinierende Einblicke in die andere Welt. Die Museumsdörfer der einzelnen Stämme haben wir nicht besucht, sie erinnerten uns ein wenig zu sehr an Disney – wer allerdings zum ersten Mal in Afrika ist findet sie sicher interessant gemacht.
Tiere: Namibia glänzt nicht nur mit dem Etosha-Nationalpark und zahllosen (oft privaten) Schutzgebieten, man sieht auch immer wieder Wildtiere außerhalb der Parks. Neben zahllosen Springböcken, Straußen und Oryxantilopen tummeln sich auch Giraffen und Elefanten gelegentlich auf oder neben der Fahrbahn. Auch von freilebenden Raubkatzen haben wir gehört. Uns werden vor allem die Seelöwen bei Cape Cross im Gedächtnis bleiben, die Ginsterkatze nachts im Camp und die scheuen Strauße, die wir nie von vorne fotografiert bekamen.
Highlights: Löwen im Etosha, Elenantilopenkoteletts bei Adri und Hanel, die Himba, Kakteen und zahme Erdmännchen am Brandberg, Seelöwen am Cape Cross, Fish River Canyon, Rosenquarzmine bei Grünau
Land: Namibia besteht zum größten Teil aus horizontaler und vertikaler Ödnis, darüber kann auch das lindgrüne Gras nach den Regenfällen nicht hinwegtäuschen. Halbwüste und Wüste haben ebenso wie die raue Atlantikküste ihren Charme, aber wer im Urlaub gerne Grün sieht ist hier falsch. Zwischen den landschaftlichen Höhepunkten liegen oft sehr lange und mitunter langweilige Fahrstrecken. Da das Land so dünn besiedelt ist sind kaum Menschen zu Fuß unterwegs und oft fährt man an endlosen Zäunen entlang. Die Straßen allerdings sind – obwohl meist ungeteert – sehr gut, so dass längere Tagesetappen problemlos möglich sind. Die touristische Infrastruktur ist sehr gut, das Land gilt als sicher und die Landessprache ist zwar Englisch aber Deutsch wird vielerorts zumindest verstanden zumal es dem Afrikaans sehr ähnlich ist. Kein Wunder, dass die meisten Touristen denen man begegnet deutschsprachige Europäer über 50 sind ;-).
Leute: Schwarz und Weiß scheinen in Parallelwelten zu leben, deren Berührung ängstlich vermieden wird. Der Besuch lokaler Märkte oder Restaurants ist nicht zu empfehlen und auch sonst wird man von der schwarzen Bevölkerung bestenfalls freundlich distanziert betrachtet – oder einfach ignoriert. Man bewegt sich zwangsläufig unter den (sehr gastfreundlichen) Weißen, die nur 7% Anteil an der Gesamtbevölkerung haben, aber 85% des Bruttoinlandsproduktes erwirtschaften. Das ist bequem, aber auf die Dauer etwas einseitig. Die Himba im Norden und die farbenprächtigen Kleider der Herero waren seltene, aber faszinierende Einblicke in die andere Welt. Die Museumsdörfer der einzelnen Stämme haben wir nicht besucht, sie erinnerten uns ein wenig zu sehr an Disney – wer allerdings zum ersten Mal in Afrika ist findet sie sicher interessant gemacht.
Tiere: Namibia glänzt nicht nur mit dem Etosha-Nationalpark und zahllosen (oft privaten) Schutzgebieten, man sieht auch immer wieder Wildtiere außerhalb der Parks. Neben zahllosen Springböcken, Straußen und Oryxantilopen tummeln sich auch Giraffen und Elefanten gelegentlich auf oder neben der Fahrbahn. Auch von freilebenden Raubkatzen haben wir gehört. Uns werden vor allem die Seelöwen bei Cape Cross im Gedächtnis bleiben, die Ginsterkatze nachts im Camp und die scheuen Strauße, die wir nie von vorne fotografiert bekamen.
Highlights: Löwen im Etosha, Elenantilopenkoteletts bei Adri und Hanel, die Himba, Kakteen und zahme Erdmännchen am Brandberg, Seelöwen am Cape Cross, Fish River Canyon, Rosenquarzmine bei Grünau
NEWS-Ticker: Namib Naukluft – Namibrand – Aus – Fish River Canyon – Grünau – Schneck und Besatzung wohlauf
Namibia ist bunt nach dem Jahrhundertregen der letzten Wochen und die Fahrt entlang der Namibwüste gerät zu einer ungewöhnlichen Erfahrung. Wo nur oranger Sand sich gegen den blauen Himmel abheben sollte bedeckt zartes Grün die weiten Ebenen und den größten Teil der Dünen, und den blaugrauen Himmel zieren Regenbogen. Fette Oryxantilopen und glücklich grasende Rinder am Straßenrand sind deutliches Zeichen, dass auch diese Wüste lebt – sobald sie Wasser hat. Die Piste von Windhoek bis Aus zieht sich entlang der Namib, windet sich gelegentlich durch sanfte Hügel und einsame Farmen. Immer wieder sehen wir Strauße, Springböcke und Oryx und zweimal spielen Schakale gleich neben der Schotterstraße, aber wir öffnen nur selten die Fenster zum Fotografieren, denn es ist lausig kalt und windig in dieser Gegend. Der geplante Besuch der Geisterstadt bei Lüderitz fällt ebenso aus wie das abendliche Grillen – die Fahrt durch das Diamantensperrgebiet zur Küste scheint in diesem Wetter wenig attraktiv und wir wenden uns lieber gen Südosten, der Sonne auf der Spur.
Die Sonne holt uns am Fish River Canyon ein. Die 160km lange Schlucht öffnet sich abrupt in der Ebene, die in voller Blüte steht. Die Farben sind glasklar und schwerelos: Die im Morgenlicht sandsteinfarbenen Felsformationen liegen zwischen Himmelsblau und Bergwiesen: Purpurfarbene Sukkulenten, stacheliges Zitronengelb und transparentes Lavendelblau und dazwischen die ockerfarben blühenden Köcherbäume mit ihren weißlichen Stämmen. Die Pflanzen sind perfekt an die lebensfeindliche Umgebung angepasst. Wir finden viele wasserspeichernde Arten, Wolfsmilchgewächse, dornenbewehrte Früchte und Zweige und beinah blattlose Gräser. Alles zielt nur darauf ab in den wenigen wasserreichen Wochen Blüte und Samenbildung rechtzeitig abzuschließen. Es eilt – in wenigen Wochen liegt hier eine Geröllwüste unter gleißender Sonne.
Nur wenige Kilometer weiter sehen wir rosa. Die Rosenquarzmine auf der 15000 Hektar großen Farm von Dolf und Kinna bei Grünau liegt still unter dem blauen Himmel. In dem weißlichen Gestein sind überall Flecken und Taschen in allen Rosaschattierungen zu erkennen und der Boden ist bedeckt von kleinen und kleinsten Bruchstücken. Lilian und Fabi dürfen sich die Taschen füllen und wir alle halten immer wieder begeistert ein besonders schönes Stück in das gleißende Licht. Das ist reine Schönheit, die uns gerade in der rohen Form beeindruckt. Da werden nicht nur die Kinder zu Steinesammlern.
Namibia ist bunt nach dem Jahrhundertregen der letzten Wochen und die Fahrt entlang der Namibwüste gerät zu einer ungewöhnlichen Erfahrung. Wo nur oranger Sand sich gegen den blauen Himmel abheben sollte bedeckt zartes Grün die weiten Ebenen und den größten Teil der Dünen, und den blaugrauen Himmel zieren Regenbogen. Fette Oryxantilopen und glücklich grasende Rinder am Straßenrand sind deutliches Zeichen, dass auch diese Wüste lebt – sobald sie Wasser hat. Die Piste von Windhoek bis Aus zieht sich entlang der Namib, windet sich gelegentlich durch sanfte Hügel und einsame Farmen. Immer wieder sehen wir Strauße, Springböcke und Oryx und zweimal spielen Schakale gleich neben der Schotterstraße, aber wir öffnen nur selten die Fenster zum Fotografieren, denn es ist lausig kalt und windig in dieser Gegend. Der geplante Besuch der Geisterstadt bei Lüderitz fällt ebenso aus wie das abendliche Grillen – die Fahrt durch das Diamantensperrgebiet zur Küste scheint in diesem Wetter wenig attraktiv und wir wenden uns lieber gen Südosten, der Sonne auf der Spur.
Die Sonne holt uns am Fish River Canyon ein. Die 160km lange Schlucht öffnet sich abrupt in der Ebene, die in voller Blüte steht. Die Farben sind glasklar und schwerelos: Die im Morgenlicht sandsteinfarbenen Felsformationen liegen zwischen Himmelsblau und Bergwiesen: Purpurfarbene Sukkulenten, stacheliges Zitronengelb und transparentes Lavendelblau und dazwischen die ockerfarben blühenden Köcherbäume mit ihren weißlichen Stämmen. Die Pflanzen sind perfekt an die lebensfeindliche Umgebung angepasst. Wir finden viele wasserspeichernde Arten, Wolfsmilchgewächse, dornenbewehrte Früchte und Zweige und beinah blattlose Gräser. Alles zielt nur darauf ab in den wenigen wasserreichen Wochen Blüte und Samenbildung rechtzeitig abzuschließen. Es eilt – in wenigen Wochen liegt hier eine Geröllwüste unter gleißender Sonne.
Nur wenige Kilometer weiter sehen wir rosa. Die Rosenquarzmine auf der 15000 Hektar großen Farm von Dolf und Kinna bei Grünau liegt still unter dem blauen Himmel. In dem weißlichen Gestein sind überall Flecken und Taschen in allen Rosaschattierungen zu erkennen und der Boden ist bedeckt von kleinen und kleinsten Bruchstücken. Lilian und Fabi dürfen sich die Taschen füllen und wir alle halten immer wieder begeistert ein besonders schönes Stück in das gleißende Licht. Das ist reine Schönheit, die uns gerade in der rohen Form beeindruckt. Da werden nicht nur die Kinder zu Steinesammlern.
Sonntag, 5. Juni 2011
News-Ticker: Twyfelfontein – Brandberg – Cape Cross - Swakopmund – Walvis Bay – Namib Naukluft – Windhoek – Schneck und Besatzung wohlauf
Es ist unglaublich heiß und unglaublich ruhig. Die gravierten Felsen, auf denen sich Giraffen, Oryx und ein Schamane in Löwengestalt tummeln wirken wie ein Backofen in der staubigen Umgebung. Dennoch klettern wir unserem Führer Charles eifrig hinterher um auch ganz bestimmt nichts zu verpassen. Wieder mal ein Weltkulturerbe, das die San uns aus grauer Vorzeit hinterlassen haben – aber welch ein Unterschied zu den vernachlässigten oder gar vergessenen Stätten in Tansania. Sorgfältig angelegte Pfade und Aussichtsplattformen bringen uns überall bequem hin, und unser Führer erklärt kompetent und interessant. Zur Freude der Kids spricht Charles sogar ein wenig nordisch gefärbtes Deutsch und spielt Wer findet zuerst den Elefanten? mit uns. Keine Frage - die Kinder sind immer schneller als wir.
Zurück am Truck entdecken wir mehrere hübsche, weißgeflügelte Stare, die die großen Außenspiegel des Schnecks besetzt halten – clevere Kerlchen, die gelernt haben, dass Touristen nach der Besichtigung nicht nur die Wasserflaschen aus dem Auto holen. Einer frißt mir gar aus der Hand und wir lassen die Bande nur ungern zurück um zur nächsten Attraktion bei Twyfelfontein zu fahren. Der versteinerte Wald (Steine, die tatsächlich vor Jahrmillionen einmal Holz waren und auch noch so aussehen), der verbrannte Berg (nein, nicht wirklich, er sieht nur so aus), Orgelpfeifen aus Basalt und lumpig aussehende uralte Welwitschiapflanzen warten auf uns.
Nach dem anstrengenden Besichtigungsprogramm gönnen wir uns am Fuße des Brandbergs zwei Tage Erholung bevor wir in die deutsche Kolonialgeschichte eintauchen und nach Swakopmund weiterfahren. In Swakop wohnen die meisten deutschstämmigen Namibier und pflegen eine Kultur wie sie deutscher nicht sein könnte: dunkles Brot, Bier, Eisbein und ein blitzsauberes Städtchen mit Karnevalsverein, deutscher Zeitung, deutscher Schule usw. – es ist wie Deutschland aus dem Bilderbuch mit ein paar exotischen Zugaben wie Zebrasteaks und Oryxbraten auf der Speisekarte und Schuhgeschäfte, die Schuhe aus Kudu- oder Robbenleder führen.
Robben. Ohrenrobben, um genau zu sein. Wir haben ungezählte Fotos von vielleicht hunderttausend oder mehr Seelöwen gemacht, wir haben Seelöwen gehört (die Jungtiere machen Määäh wie ein Lamm!), gerochen (nicht zu empfehlen, aber nicht zu vermeiden bei so vielen Tieren) und gestreichelt und sind bezaubert von ihrem Charme und ihrer Klugheit. Mitgenommen haben wir allerdings keinen – der hätte neben dem Eselfohlen, dem Zebra und dem Babyelefanten keinen Platz mehr gefunden, die Erdmännchen erschreckt und zu viel Wasser verbracht. Im Ernst: Es ist ganz gut, dass man sich als Eltern auf die Zollbehörden berufen kann, wenn es gilt tierische Mitfahrer abzulehnen.
Der Weg nach Windhoek führt uns wieder in die Einsamkeit, durch den Namib Naukluft Park und weiter über den Gemsbockpass, den der Schneck gewohnt zügig erklommen hat und nun frieren wir in Windhoek, denn es wird zumindest nachts eisig kalt.
Es ist unglaublich heiß und unglaublich ruhig. Die gravierten Felsen, auf denen sich Giraffen, Oryx und ein Schamane in Löwengestalt tummeln wirken wie ein Backofen in der staubigen Umgebung. Dennoch klettern wir unserem Führer Charles eifrig hinterher um auch ganz bestimmt nichts zu verpassen. Wieder mal ein Weltkulturerbe, das die San uns aus grauer Vorzeit hinterlassen haben – aber welch ein Unterschied zu den vernachlässigten oder gar vergessenen Stätten in Tansania. Sorgfältig angelegte Pfade und Aussichtsplattformen bringen uns überall bequem hin, und unser Führer erklärt kompetent und interessant. Zur Freude der Kids spricht Charles sogar ein wenig nordisch gefärbtes Deutsch und spielt Wer findet zuerst den Elefanten? mit uns. Keine Frage - die Kinder sind immer schneller als wir.
Zurück am Truck entdecken wir mehrere hübsche, weißgeflügelte Stare, die die großen Außenspiegel des Schnecks besetzt halten – clevere Kerlchen, die gelernt haben, dass Touristen nach der Besichtigung nicht nur die Wasserflaschen aus dem Auto holen. Einer frißt mir gar aus der Hand und wir lassen die Bande nur ungern zurück um zur nächsten Attraktion bei Twyfelfontein zu fahren. Der versteinerte Wald (Steine, die tatsächlich vor Jahrmillionen einmal Holz waren und auch noch so aussehen), der verbrannte Berg (nein, nicht wirklich, er sieht nur so aus), Orgelpfeifen aus Basalt und lumpig aussehende uralte Welwitschiapflanzen warten auf uns.
Nach dem anstrengenden Besichtigungsprogramm gönnen wir uns am Fuße des Brandbergs zwei Tage Erholung bevor wir in die deutsche Kolonialgeschichte eintauchen und nach Swakopmund weiterfahren. In Swakop wohnen die meisten deutschstämmigen Namibier und pflegen eine Kultur wie sie deutscher nicht sein könnte: dunkles Brot, Bier, Eisbein und ein blitzsauberes Städtchen mit Karnevalsverein, deutscher Zeitung, deutscher Schule usw. – es ist wie Deutschland aus dem Bilderbuch mit ein paar exotischen Zugaben wie Zebrasteaks und Oryxbraten auf der Speisekarte und Schuhgeschäfte, die Schuhe aus Kudu- oder Robbenleder führen.
Robben. Ohrenrobben, um genau zu sein. Wir haben ungezählte Fotos von vielleicht hunderttausend oder mehr Seelöwen gemacht, wir haben Seelöwen gehört (die Jungtiere machen Määäh wie ein Lamm!), gerochen (nicht zu empfehlen, aber nicht zu vermeiden bei so vielen Tieren) und gestreichelt und sind bezaubert von ihrem Charme und ihrer Klugheit. Mitgenommen haben wir allerdings keinen – der hätte neben dem Eselfohlen, dem Zebra und dem Babyelefanten keinen Platz mehr gefunden, die Erdmännchen erschreckt und zu viel Wasser verbracht. Im Ernst: Es ist ganz gut, dass man sich als Eltern auf die Zollbehörden berufen kann, wenn es gilt tierische Mitfahrer abzulehnen.
Der Weg nach Windhoek führt uns wieder in die Einsamkeit, durch den Namib Naukluft Park und weiter über den Gemsbockpass, den der Schneck gewohnt zügig erklommen hat und nun frieren wir in Windhoek, denn es wird zumindest nachts eisig kalt.
Dienstag, 31. Mai 2011
NEWS-Ticker: Opuwo – Epupa – Opuwo - Sesfontain – Schneck und Besatzung wohlauf
Die Szene ist eine von denen, die man nie vergisst: Unter dem leuchtenden Take-away-Schild neben der Supermarktkasse stehen drei Frauen vor der appetitlichen Auslage und schauen auf italienische Nudelgerichte, englische Pasteten und südafrikanische Würstchen. Die linke ist eine schlanke Person in Minirock und leuchtend gelber Daunenjacke, die aus irgendeiner Altkleidersammlung ihren Weg nach Opuwo im Kaokoveld gefunden haben muss. Die Kapuze mit dem Besatz aus Kunstfell hat sie trotz der Hitze über den Kopf gezogen. Ganz rechts steht eine Herero: Groß, dick und majestätisch mit ondulierten Locken unter der bunten Haube mit den typischen „Hörnern“ vorn und in einem wallenden blaukarierten, lurexdurchsetzten Gewand - mit Rüschenschürze versteht sich, die zur Tracht aus wilhelminischer Zeit nun mal dazu gehört wie die merkwürdige Kopfbedeckung. Angeregt schwatzt sie mit der Frau in der Mitte: Die bildschöne junge Himbafrau wirkt neben ihr merkwürdig monochrom, denn sie hat sich von Kopf bis Fuß mit einem Gemisch aus Butter und Ocker eingerieben. Selbst die Haare, die mit Hilfe von Lehm zu dicken Strängen gebändigt sind haben diese Farbe und auch der Kopfschmuck, der die Form kleiner Kuhhörner imitiert. Sie trägt einen Lendenschurz aus Leder – und sonst nichts. Die Himba verehren die Erde, aus der alles Leben kommt und ihre Kühe, und ihre Frauen sind sehr stolz auf ihre Schönheit, die mit vielen Perlenketten und metallenen Fußreifen zusätzlich betont werden muss. Fabians irritierte Frage als er die ersten Himbafrauen in der Stadt mit ihren Einkäufen sieht: Wie kommen die denn in den Supermarkt, wenn sie nackt sind? beschäftigt die Bewohner von Opuwa und Umland nicht.
Opuwa bedeutet im Herero-Dialekt Das Ende und der Name trifft es irgendwie. Es ist der letzte Vorposten der Zivilisation bevor man ins Himbaland weiterfährt – Richtung angolanische Grenze wo die Epupa-Wasserfälle locken. Die Ansiedlung hat den Charme einer Grenzstadt, sie ist staubig, hässlich, voller Bettler und Baracken und wir bleiben trotz des interessanten Menschengemischs nicht lange. Die staubige aber sehr gute Piste führt uns einmal mehr ins leere Land – ganz Namibia hat nur wenig mehr als zwei Millionen Einwohner, und in diesem riesigen, größtenteils unerschlossenen Gebiet im Nordwesten leben nur ein paar Tausend.
Die Himba sind Halbnomaden, ihre Hütten sind winzig und sehen meist sehr provisorisch aus und man muss Glück haben überhaupt ein paar von ihnen zu entdecken. Wir haben einiges über sie gelesen, aber eines überrascht uns doch: Wir hätten sie nicht für begeisterte Reiter gehalten. Aber viele der jungen Männer mit den kahlrasierten Schläfen und dem nach hinten abstehenden Flechtenzopf sind tatsächlich zu Pferde unterwegs – auf ordentlich aufgezäumten, kleinen, zähen und sehr temperamentvollen Tieren. Wer kein Pferd hat reitet Esel und wer zu Fuß unterwegs ist lässt sich wenigstens von einem Hund begleiten. Während die Frauen fast ausnahmslos traditionell unbekleidet sind, tragen die tiefschwarzen Männer zwischen Haarzopf und buntem Rock gern ein modernes T-Shirt.
Owen ist noch einen Schritt weiter gegangen. Unser Führer an den Epupafällen trägt die Haare eher ungebändigt, trägt ein schmuddeliges weißes T-Shirt mit der Aufschrift Haltet Epupa sauber, bunte Boxershorts die er gaaanz tief gezogen hat, Wollsocken und Stoffturnschuhe. Vermutlich ist er seinen Eltern ein Graus, aber wir haben unsere Freude an dem hellen Kerl. Das sind Eure Kinder? – Ja. – Wieso sieht das Mädchen dann so anders aus? Intelligent und direkt – da bekommt er gerne eine Aufklärung in Sachen Adoption. Das Prinzip kennt er durchaus, ist aber die nächsten Minuten zunächst recht still. Ja und wenn Ihr sterbt, was passiert dann mit den Kindern? Wir brauchen ein bisschen bis er versteht, dass Lili und Fabi durch die Adoption mit zum Familienklan gehören. Dass ist Owen sehr wichtig. Er selbst hat zwölf Brüder und Schwestern, die aber wohl nicht alle von derselben Mutter bzw. vom selben Vater sein müssen – sie gehören eben zum Klan und da scheint recht egal zu sein wer mit wem… Aber vielleicht haben wir ihn da auch nicht ganz richtig verstanden.
Die Fälle sind wunderbar und viel schöner als wir dachten. Das Wasser fällt an vielen Stellen auf unterschiedlichste Weise in die Schlucht, deren palmenbestandene andere Seite schon zu Angola gehört. Angola steht diesmal leider nicht auf unserer Reiseliste, obwohl wir inzwischen verschiedentlich gehört haben dass es wunderschön sein soll. Allerdings müsse man Portugiesisch können – da wird es wohl noch ein wenig auf uns warten müssen.
Wir fahren noch am gleichen Tag wieder zurück Richtung Opuwo und campen wie schon auf der Hinfahrt wild im Busch. Aus der Ferne wirken Ebenen und Hügel undurchdringlich bewaldet, aber hier wächst kein Baum, höchstens mal ein Bäumchen. Die vorherrschende Vegetation besteht aus den Mopanebüschen mit ihren bizarren Blättern und Gras. Das Land ist so riesig, so still und einsam – man könnte meinen allein auf der Welt zu sein.
Die Szene ist eine von denen, die man nie vergisst: Unter dem leuchtenden Take-away-Schild neben der Supermarktkasse stehen drei Frauen vor der appetitlichen Auslage und schauen auf italienische Nudelgerichte, englische Pasteten und südafrikanische Würstchen. Die linke ist eine schlanke Person in Minirock und leuchtend gelber Daunenjacke, die aus irgendeiner Altkleidersammlung ihren Weg nach Opuwo im Kaokoveld gefunden haben muss. Die Kapuze mit dem Besatz aus Kunstfell hat sie trotz der Hitze über den Kopf gezogen. Ganz rechts steht eine Herero: Groß, dick und majestätisch mit ondulierten Locken unter der bunten Haube mit den typischen „Hörnern“ vorn und in einem wallenden blaukarierten, lurexdurchsetzten Gewand - mit Rüschenschürze versteht sich, die zur Tracht aus wilhelminischer Zeit nun mal dazu gehört wie die merkwürdige Kopfbedeckung. Angeregt schwatzt sie mit der Frau in der Mitte: Die bildschöne junge Himbafrau wirkt neben ihr merkwürdig monochrom, denn sie hat sich von Kopf bis Fuß mit einem Gemisch aus Butter und Ocker eingerieben. Selbst die Haare, die mit Hilfe von Lehm zu dicken Strängen gebändigt sind haben diese Farbe und auch der Kopfschmuck, der die Form kleiner Kuhhörner imitiert. Sie trägt einen Lendenschurz aus Leder – und sonst nichts. Die Himba verehren die Erde, aus der alles Leben kommt und ihre Kühe, und ihre Frauen sind sehr stolz auf ihre Schönheit, die mit vielen Perlenketten und metallenen Fußreifen zusätzlich betont werden muss. Fabians irritierte Frage als er die ersten Himbafrauen in der Stadt mit ihren Einkäufen sieht: Wie kommen die denn in den Supermarkt, wenn sie nackt sind? beschäftigt die Bewohner von Opuwa und Umland nicht.
Opuwa bedeutet im Herero-Dialekt Das Ende und der Name trifft es irgendwie. Es ist der letzte Vorposten der Zivilisation bevor man ins Himbaland weiterfährt – Richtung angolanische Grenze wo die Epupa-Wasserfälle locken. Die Ansiedlung hat den Charme einer Grenzstadt, sie ist staubig, hässlich, voller Bettler und Baracken und wir bleiben trotz des interessanten Menschengemischs nicht lange. Die staubige aber sehr gute Piste führt uns einmal mehr ins leere Land – ganz Namibia hat nur wenig mehr als zwei Millionen Einwohner, und in diesem riesigen, größtenteils unerschlossenen Gebiet im Nordwesten leben nur ein paar Tausend.
Die Himba sind Halbnomaden, ihre Hütten sind winzig und sehen meist sehr provisorisch aus und man muss Glück haben überhaupt ein paar von ihnen zu entdecken. Wir haben einiges über sie gelesen, aber eines überrascht uns doch: Wir hätten sie nicht für begeisterte Reiter gehalten. Aber viele der jungen Männer mit den kahlrasierten Schläfen und dem nach hinten abstehenden Flechtenzopf sind tatsächlich zu Pferde unterwegs – auf ordentlich aufgezäumten, kleinen, zähen und sehr temperamentvollen Tieren. Wer kein Pferd hat reitet Esel und wer zu Fuß unterwegs ist lässt sich wenigstens von einem Hund begleiten. Während die Frauen fast ausnahmslos traditionell unbekleidet sind, tragen die tiefschwarzen Männer zwischen Haarzopf und buntem Rock gern ein modernes T-Shirt.
Owen ist noch einen Schritt weiter gegangen. Unser Führer an den Epupafällen trägt die Haare eher ungebändigt, trägt ein schmuddeliges weißes T-Shirt mit der Aufschrift Haltet Epupa sauber, bunte Boxershorts die er gaaanz tief gezogen hat, Wollsocken und Stoffturnschuhe. Vermutlich ist er seinen Eltern ein Graus, aber wir haben unsere Freude an dem hellen Kerl. Das sind Eure Kinder? – Ja. – Wieso sieht das Mädchen dann so anders aus? Intelligent und direkt – da bekommt er gerne eine Aufklärung in Sachen Adoption. Das Prinzip kennt er durchaus, ist aber die nächsten Minuten zunächst recht still. Ja und wenn Ihr sterbt, was passiert dann mit den Kindern? Wir brauchen ein bisschen bis er versteht, dass Lili und Fabi durch die Adoption mit zum Familienklan gehören. Dass ist Owen sehr wichtig. Er selbst hat zwölf Brüder und Schwestern, die aber wohl nicht alle von derselben Mutter bzw. vom selben Vater sein müssen – sie gehören eben zum Klan und da scheint recht egal zu sein wer mit wem… Aber vielleicht haben wir ihn da auch nicht ganz richtig verstanden.
Die Fälle sind wunderbar und viel schöner als wir dachten. Das Wasser fällt an vielen Stellen auf unterschiedlichste Weise in die Schlucht, deren palmenbestandene andere Seite schon zu Angola gehört. Angola steht diesmal leider nicht auf unserer Reiseliste, obwohl wir inzwischen verschiedentlich gehört haben dass es wunderschön sein soll. Allerdings müsse man Portugiesisch können – da wird es wohl noch ein wenig auf uns warten müssen.
Wir fahren noch am gleichen Tag wieder zurück Richtung Opuwo und campen wie schon auf der Hinfahrt wild im Busch. Aus der Ferne wirken Ebenen und Hügel undurchdringlich bewaldet, aber hier wächst kein Baum, höchstens mal ein Bäumchen. Die vorherrschende Vegetation besteht aus den Mopanebüschen mit ihren bizarren Blättern und Gras. Das Land ist so riesig, so still und einsam – man könnte meinen allein auf der Welt zu sein.
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