NEWS-Ticker: Port Elizabeth – Victoria Bay – Oudshoorn – Warmwaterberg – Cape Agulhas – Hermanus – Kapstadt – Schneck und Besatzung wohlauf
Die kleinen bunten Ferienhäuser nehmen sich winzig aus zwischen den schroffen Bergen und den tobenden Wellen. Der Wind schüttelt den Schneck heftig durch und immer wieder erwischt uns ein Schauer quer treibender dünner Wasserschnüre. Ich nehme an, es handelt sich um Regen.
Wir sind nicht mehr weit von Kapstadt entfernt ( irgendwo bei Bettys Bay) und die Temperaturen bestimmt nicht weit vom Gefrierpunkt. Selbst im Auto halten wir es nur in zwei Schichten Fleece aus, und keinen von uns drängt es dazu den Wagen zu verlassen. Stimmungsaufhellend wirken allenfalls die Straßenschilder, die abwechselnd vor Schildkröten, Pavianen und Wanderern warnen. Dann ein neues Schild: Zur Pinguinkolonie hier links abbiegen. Der Schneck legt sich überrascht in die Kurve während wir alle aufgeregt drauflosschnattern. Auf dem Parkplatz angekommen schauen wir erst mal entmutigt durch die salzverklebte Windschutzscheibe: Bestimmt 200 Meter bis zum Kassenhäuschen und dann noch mal so weit bis zu den Watschelvögeln, die wir mit dem Fernglas so gerade eben erkennen können (wie gesagt, die Scheibe ist nicht besonders klar). Na, wenigstens passen Pinguine zum Wetter. Also hüllen wir uns in noch mehr Textil und steigen mit den Kameras bewaffnet aus – Guido und Fabian geben sich mit einer zusätzlichen Jacke zufrieden, wir Mädels bringen es jetzt auf fünf Schichten Kleidung. Keine zehn Schritte von Auto entfernt beschließt Fabian, dass er doch noch einen Extraapullover möchte, und so lehnen wir uns ein bisschen in den eisigen Wind während wir auf ihn warten. Am Kassenhäuschen hängen Thermometer und Wetterbericht: Es ist windig, regnerisch und sehr kalt. steht da geschrieben. Und dann starren wir sehr beschämt auf die Temperaturangabe: 15 Grad Celsius. Wir sind total verweichlicht.
Netterweise hört der Regen auf, als wir uns den Pinguinen nähern. Zunächst sehen wir nur auf der Wasserseite des Holzstegs, über den die Besucher geführt werden, einige Frackträger stehen und knipsen wild drauflos. Dann schärft sich der Blick: Auf der anderen Seite des Steges, zwischen Heidepflanzen und Gestrüpp stehen auch einige Tier. Ein wenig versteckt sind sie meist, neben im Gewirr der Vegetation verborgenen Mulden und Höhlen, vor Ritzen zwischen Felsen und vor – flauschigen Jungtieren. Jedes Muttertier scheint zwei oder drei Küken zu versorgen, wobei viele der kleinen schon fast so groß sind wie sie selbst. Pinguine sind erstaunliche Wesen, so ungeschickt sie an Land wirken mögen, im Wasser sind sie uns weit überlegen. Diese kleinen südafrikanischen Pinguine tauchen bis zu 20 km/h schnell, 130m tief und 5 Minuten lang. Sie sind ausgezeichnete Jäger und das müssen sie auch sein, denn jeder von ihnen frisst 560g Fisch am Tag. Ihr größter Feind ist der Mensch. Das Infoblatt bittet darum, verölte Pinguine sofort zu melden, damit ihnen geholfen werden kann.
Kurz vor Kapstadt reißt die schwere Wolkendecke auf und die Sonne kommt heraus. Nur der Wind lässt nicht mit sich reden und als wir am Kap der guten Hoffnung aussteigen wehen die Kinder beinahe davon. Wir sind tatsächlich angekommen. Nach ziemlich genau einem Jahr und mehr als 31000 Kilometern stehen wir mit dem Schneck viel zu plötzlich am Ziel unserer Träume. Die Reise hat uns alle verändert, sie war eine äußere wie eine innere Reise und so ist ihr Ende auch ein Neubeginn für jeden von uns. Aber ganz zu Ende ist sie noch nicht: Wir bleiben noch ein paar Tage in Kapstadt bevor wir an Bord des Schiffes gehen, dass uns nach Hause bringt. Für diesmal. Denn Afrika verlässt man nicht für immer und niemals ganz, man trägt es im Herzen mit sich.
Samstag, 30. Juli 2011
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