Mittwoch, 6. Juli 2011

NEWS-Ticker: Komatipoort – Grenzübertritt nach Swaziland – Hlange Nationalpark – Piggs Peak – Malolotja Nature Reserve – Schneck und Besatzung wohlauf


Nein! Der Schneck stellt sich fast auf die Nase als Guido auf die Bremse tritt und schlingert dann nach links. Entsetzt schaue ich auf den mittelgroßen Dinosaurier vor dem rechten Vorderreifen, aber der erwartete Aufprall bleibt aus - wir haben ihn zum Glück nicht erwischt. Aus dem Augenwinkel sehe ich den glücklichen Waran noch im rechten Straßengraben verschwinden und ich bilde mir ein, dass der Fahrer des Kleinwagens auf der Gegenfahrbahn sich den Schweiß von der Stirn wischt. Einen so gewaltigen Waran haben wir noch nie gesehen – der Prachtkerl war gewiss zwei Meter lang und über 40 Kilo schwer.

Ansonsten ist die Grenze zwischen Südafrika und Swaziland wenig aufregend. So freundlich und flott hat man uns noch nie abgefertigt. Die Landschaft bleibt hier im Nordosten des kleinen Landes zunächst flach und wird von Zuckerrohrfeldern und Zuckerfabriken dominiert. Dazwischen liegen Plantagen voller reifer Orangen und Bananen. Süßer Melassegeruch liegt in der Luft, denn die Zuckerrohrfelder werden hier vor der Ernte abgeflemmt, um die schmalen grünen Blätter loszuwerden. Das Rohr kann dann mit der Axt dicht über dem Boden abgeschlagen werden, ohne dass sich die Arbeiter durch die rasiermesserscharfen Blattkanten ihren Weg bahnen müssen, wie wir es in Uganda und anderswo gesehen haben.

Swaziland ist eine der letzten echten Monarchien und wir begegnen immer wieder großformatigen Fotos des Königs und seiner Mutter, der zweitmächtigsten Person im Land. Eine Königin ist nirgendwo abgebildet was vielleicht an zu viel Auswahl liegt – denn in Swaziland ist Polygamie noch sehr populär und der König hat laut Reiseführer derzeit zehn Ehefrauen. So viele Frauen werden sich nur wenige Swazis leisten können, aber die Bauart der Höfe (egal ob Rundhütten mit Strohdach oder moderne Beton – Wellblech-Schachteln) spiegelt noch die traditionelle Lebensweise: Ein großes Haus für den Mann, ein kleines für jede Frau und eines – an der bevorzugten Stelle, neben dem Pferch für das Vieh – für die Mutter des Mannes. Die als sehr religiös geltenden Swazis scheinen Polygamie und Katholizismus gut miteinander vereinen zu können. Wie die Kirche das zusammenbringt konnten wir allerdings noch nicht herausfinden.

Unser erstes Ziel ist der kleine Hlange Royal Nationalpark, der uns zwar nach dem berühmten Krüger eher wie ein europäischer Safaripark vorkommt (Großwild und Löwen sind durch Zäune getrennt) aber die Ruhe und der Frieden an den Wasserlöchern schlagen uns in Bann. Nur wenige Touristen kommen hierher, und so sind wir lange allein mit Antilopen und Zebras, Krokodilen und Warzenschweinen, Nashörnern und Marabus und lernen zum Beispiel, dass Marabus gerne Zebras ärgern und Gnus das Trinken mit militärischer Präzision organisieren um schnell fertig zu werden. Ein Warzenschweineber interessiert sich offensichtlich für die regungslos am Ufer liegenden Krokodile und die bildschönen Nyalaantilopen vergesellschaften sich mit den viel größeren Kudus.

Wir verlassen den Park nur ungern, aber so langsam läuft uns die Zeit weg und wir wollen noch mehr von Swaziland sehen. Vor der Fahrt in das westliche Hochland steht aber ein Einkauf und wir steuern den nächsten Supermarkt an. Wir sind die Stars vor dem kleinen Einkaufszentrum und überall wird gerufen, gepfiffen und gewunken was das Zeug hält. Der Supermarkt ist so aufgeräumt und sauber wie die Straßen draußen und so sind Fabi und ich mit Brot, Fleisch und Gemüse schnell an der Kasse, wo Fabian gleich ganz gentlemanlike alles in Tüten packen will. Das ist nun eigentlich Aufgabe der Kassierin und unter viel Gelächter einigen sich die beiden auf Arbeitsteilung : Fabi die Würstchen und sie das Brot. Ich kann mit südafrikanischen Rand bezahlen und bekomme Emalangeni heraus: lauter blütenförmige Gebilde mit Elefanten, Blumen und königlichen Portraits . Guido und Lili kommen uns aus dem Obstlädchen an der Ecke entgegen. Sie haben Orangen für 10 Cent das Stück bekommen und Avocados gekauft. Die Verkäuferin hat Guidos Fähigkeiten als Hausmann allerdings angezweifelt und ihm die Avocados lieber selber ausgesucht, damit er zu Hause keinen Ärger bekommt: Zwei extradicke Exemplare, eine vollreif für heute und eine für morgen. Und eine dritte hat sie Lili geschenkt. Wir sind von der freundlichen Atmosphäre völlig begeistert und fahren gut gelaunt weiter Richtung Westen. Es ist uns bis jetzt völlig schleierhaft, warum die meisten weißen Südafrikaner einen großen Bogen um das kleine freundliche Land in ihrer Mitte machen.

In den nächsten Stunden überwindet der Schneck ein paar hundert Höhenmeter und bringt uns über Phophonyane, wo wir durch tropische Vegetation laufen und Piggs Peak nach Malolotje. Das Naturschutzgebiet in 1500m Höhe lädt zum Wandern ein. In völliger Einsamkeit klettern wir die Hügel hinauf und herunter, an Wasserfällen, Felsbrocken und sprudelnden Quellen vorbei. Blessböcke grasen in der Weite, Raubvögel keisen nur wenige Meter über uns, Paviane erklimmen die steilen Felswände, Sunbirds und Kahlköpfige Ibisvögel bringen Farbe ins Spiel und am Abend hören wir die pfeifenden Rufe der Erdwölfe hinter dem Truck.

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