Samstag, 19. Februar 2011

Hallo :-) Hier kommt ein buntes Sammelsurium von Bildern aus Tansania. Davor findet Ihr zwei neue blog-Einträge (Ruanda/Tansania und Tansania) und dazwischen die Zusammenfassung Ruanda. Viel Spass damit!














NEWS-Ticker: Singida – Babati – Kolo – Dodoma – Besatzung wohlauf, Schneck freut sich auf Verbesserung des Dachgepäckträgers (Schweißarbeiten sind für Montag angesetzt)


Wir verlassen die gastlichen Padres in Igunga bei bedecktem Himmel und leichtem Regen und fahren weiter Richtung Osten, allerdings nicht auf dem direkten Weg denn wir wollen uns noch die Felszeichnungen bei Kolo und Kondoa ansehen.

In der weiten Ebene sind die niedrigen, mit Grassoden gedeckten Häuser kaum zu erkennen. Sie stehen meist eingefasst von lebenden Zäunen inmitten großer Maisfelder und gewaltiger Affenbrotbäume und sind ungefähr 12 Ziegelreihen hoch. Die meisten Dächer auf diesem Kontinent bestehen ja leider aus Wellblech, aber hier sind die unterschiedlich traditionell gedeckten Dächer noch in der Überzahl. Als sich die ersten Hügel erheben sehen wir die runden Dornenwälle mit den strohgedeckten Rundhütten wieder, die auf Verwandte der Massai schließen lassen. Während dieser Stamm weiter nördlich seine Kultur touristisch vermarktet sehen wir hier nur selten Hals- oder Armreifen bei den Frauen, und die charakteristischen roten oder karierten Decken werden über Jeans und Gummistiefel getragen. Hier gibt es mehr Vieh als Mais und mehr Dornakazien als Affenbrotbäume. Vor einer Hütte eine hübsche typische Familienszene: Ein alter Mann sitzt auf einer Bank, etwa zehn Kinder spielen auf dem Hof, der Vater läuft gestikulierend und Reden haltend im Kreis und die Mutter – hackt Holz.

Das Wetter hindert uns am Vorwärtskommen. Längst haben wir die gute Teerstrasse verlassen und rutschen vorsichtig auf dem schlammigen Boden. Eigentlich handelt es sich gar nicht um eine Strasse sondern um die Ausweichspur einer Baustelle zum Bau einer neuen Teerstrasse – 120 km lang. Überall sind LKWs liegengeblieben und im Schlamm versunken aber der Schneck kämpft sich ohne Probleme an ihnen vorbei. Als er den Kamm der Hügel vor Babati erklimmt hört der Regen auf und fast sofort bildet sich dichter Nebel. Die Sicht sinkt stellenweise unter zwanzig Meter und es wird still im Auto: Fabian starrt auf sein aus Papier gebasteltes Navigationsgerät und ist in seiner Welt, Lili versinkt in der anderen Ecke der Rückbank in einem warmen Fleecepulli und ihrem Agatha Christie Krimi und Guido und ich starren angestrengt in die Waschküche, die uns umgibt. Die Szenerie ist gespenstisch und wie immer im Nebel fällt mir Rilkes Gedicht ein Einsam ist es im Nebel zu wandern.

Erst als wir wieder einmal den Rand des Grabenbruchs erreichen kämpft sich die Sonne durch den Dunst und der Nebel hebt sich. Üppige Vegetation umgibt uns plötzlich, Palmen überragen das Blättergewirr und bunte Blumen säumen die jetzt schmale Piste, auf die wir abgebogen sind.

Die Vielfalt und die Weite Tansanias haben uns wieder einmal gepackt. Die relaxte Mentalität (pole pole – immer mit der Ruhe sagt man hier) und der friedfertige Umgang der Stämme miteinander sind etwas Besonderes. Diese Leute sind einfach, aber es gibt hier wahre Brüderlichkeit, hat Pater Max von der katholischen Mission in Igunga gesagt und auch wenn das nicht ganz so allgemeingültig sein kann – er hat das wunderschön gesagt.

Wir erreichen Kolo am frühen Nachmittag. Die Felszeichnungen, die man in dieser Gegend an mehr als 180 Stellen gefunden hat sind zwischen 600 und 6000 Jahren alt, meist von unbekannter Herkunft und gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe. Ein vergessenes Erbe so scheint es, denn als wir nach einer Übernachtung am Fluss einen Führer ins Auto nehmen, um einige davon zu besichtigen stellt sich rasch heraus, dass die Zufahrtswege vielleicht noch für ein Motorrad befahrbar sind, aber die meisten definitiv nicht für uns. Zugewucherte Sandpisten mit schlimm ausgewaschenen Stellen – hier hat sich seit mehr als einem Jahr keiner mehr um die Instandhaltung gekümmert. Die Einträge im Gästebuch sind entsprechend spärlich und als wir den Schneck schließlich abstellen um den letzten Kilometer zu Fuß zurückzulegen müssen wir uns durch dichtes Gestrüpp kämpfen – die Wege im Regenwald waren bequemer.

Wir verbringen eine weitere Nacht am Fluss und fahren dann über die A104 weiter Richtung Dodoma, der Hauptstadt Tansanias (Das Parlament tagt hier, ansonsten gibt es außer ein paar großen Kirchen und Universitäten nichts was auf eine Hauptstadt hinweisen würde. Botschaften, Kultureinrichtungen, Büros usw. sind alle in Dar es Ssalam) . Die Strasse ist unglaublich schlecht und so brauchen wir zwei Tage für die 140 Kilometer – und der Dachgepäckträger bricht erneut, diesmal an drei Stellen. Als wir Dodoma erreichen und bei den fliegenden Missionaren der MAF Unterschlupf und eine Werkstatt finden zeigt sich wieder einmal wie klein die Welt ist. Ihr kommt aus Kreis Herford? Ich auch! begrüßt uns Manuela, Missionarin aus Bünde, und lädt uns erst mal zum Essen ein.
Zusammenfassung Ruanda


Land: Das kleine Land, das sich zwischen den Kongo, Uganda, Burundi und Tansania quetscht nennt sich selbst das Land der tausend Hügel – und unterschlägt dabei sicherlich hunderte. Außer einem schmalen Streifen im Nordosten gibt es keine ebene Fläche. Terrassierte grüne Hügel vor blauem Himmel und dazu der unvergleichliche Anblick des spiegelnden Kivusees mit hohen Bergen als Kulisse machen Ruanda zu einem lieblichen Anblick, der uns unvergessen bleiben wird. Dazu kommen hübsche kleine und größere Ortschaften, eine angenehme eher beschauliche Hauptstadt, entzückende Hotels und Pensionen an jeder Ecke, überall bunte Blumenbeete und weitgehend gute Straßen. Man könnte fast sagen, Ruanda sei nicht sehr afrikanisch – und tatsächlich: Wer die volle Packung Afrika will, wer Chaos, Müll und Abenteuer sucht, der ist in der Schweiz Afrikas falsch. Auch wir fanden manches unafrikanisch, aber das Land teilt sich auf unserer wo-man-sich-vorstellen-könnte-zu-leben-Liste bislang den ersten Platz mit Tansania.

Leute: Ruander sind neugierig und super freundlich, höflich, fleißig und bemüht ihren Job ordentlich zu tun. Und sie sind unglaublich sauber – das ganze kleine Land glänzt und blinkt nur so. Es gibt sogar eine Müllabfuhr und ein Verbot von Plastiktüten! An der Grenze sah ich folgendes Plakat:

Werte: 1. Tempo und Respekt vor der Zeit – ein Land in Eile. 2. Kundendienstmentalität – ständig zu verbessern. 3. Qualität der Ausführung – hoher Standard, Bestreben nach Perfektion, Effizienz. 3. Vollständigkeit – Wir bringen zu Ende was wir anfangen. 4. Selbstbewusstsein – Nationalstolz.

Tabus: 1. Status und Ego. 2. Verpassen von Fristen. 3. Angst vor Konflikten (künstliche Harmonie). 4. Mangel an Frust (Unverletzlichkeit).

Der Wiederaufbau seit 1994 wird von vielen vielen Hilfsorganisationen betrieben, aber dennoch ist bisher kein Abhängigkeitssyndrom zu bemerken. Wenn Ruanda sein Bevölkerungswachstum stoppen könnte wäre es geradezu ein Musterländle – so aber hängt das Damoklesschwert der Hungersnot bereits über der nächsten Generation. Wichtigstes Projekt derzeit ist die Nutzung der kleinen Sümpfe zwischen den Hügeln durch Reisanbau, aber ohne konsequente Familienpolitik ist das nur ein Zeitgewinn. Allerdings will die Regierung künftig Familien mit nicht mehr als drei Kindern finanziell fördern.

Tiere: Die Vogelwelt ist fantastisch. Unser Lieblingstier war der Sunbird – ein schillernder kleiner Vogel, der gern in den buntesten Blüten sitzt und in großer Zahl vorkommt. Auch verschiedene Affenarten konnten wir beobachten. Wer es sich leisten kann und keine Kinder unter 15 Jahren dabei hat kann auch Schimpansen oder Gorillas sehen.

Haus- bzw. Nutztiere gibt es in Ruanda nicht viele. Da auf fast jedem Quadratmeter Feldfrüchte angebaut werden halten nur noch wenige Leute Rinder, und dann nur in kleinsten Stückzahlen. Auch Ziegen sind nicht so zahlreich wie sonst in Afrika. Der Stellenwert der Tiere ist entsprechend hoch und sie wirken gut gepflegt und behütet – die meisten sind leinenführig wie Hunde. Hier und da sieht man Schweine und natürlich gehören ein paar Hühner und am See auch Enten zum Haus. Katzen gibt es kaum und Hunde selten und eher als Statussymbol – was zeigt wie sehr sich die Kultur der Ruander durch die Notwendigkeit des Ackerbaus gewandelt hat. Denn auf alten Fotos sieht man neben den stolzen Stammeskriegern stets eine Jagdhundmeute: große, schlappohrige, gescheckte Tiere, die entfernt an Windhunde erinnern und Halsbänder mit Glocken daran trugen.

Highlights: Kivusee bei Gisenji, Regenwald im Nyungwenationalpark, ethnografisches Museum in Huye/Butare, das das Afrika vor der Kolonialzeit erlebbar macht, filigrane Korbflechterarbeiten von unglaublicher Präzision

Resümee: Afrika für Anfänger mit wenig wilden Tieren aber hohem Entspannungsfaktor
NEWS-Ticker: über Huye (früher:Butare) mit Besuch des ethnographischen Museums – Kigali (Besuch des Genozidmuseums und einer Gedenkstätte) – Grenze nach Tansania bei Rusoma überquert – Igunga


Die von gelb blühenden Bäumen gesäumte Straße wirkt friedlich und aufgeräumt wie alles in Ruanda und der Abzweig zur Kirche ist gut ausgeschildert. In der kleinen, nicht asphaltierten Seitenstraße liegt das Grauen. Die moderne katholische Kirche ist heute Massengrab und Gedenkstätte für die 5000 Opfer des Genozids, die 1994 in der Kirche in die sie sich geflüchtet hatten bestialisch ermordet wurden. Auf den Kirchenbänken, vor dem Altar und auf dem Boden hat man die Kleidung der Opfer aufgestapelt und der Geruch nach altem Blut hängt in der Luft. Die Decke ist voller Einschusslöcher und die Fenster sind zerstört. Hinter der Kirche im Garten liegen die begehbaren Massengräber unter Betonplatten – die Überreste von jeweils fünf bis zehn Menschen ruhen in den sorgfältig markierten Särgen auf Regalen , auf anderen hat man die Knochen der nicht identifizierten ausgelegt. Viele, meist eingeschlagene, Kinderschädel sind dabei.

Überall im Land gibt es solche Stätten in ehemaligen Kirchen und Schulen und die katholische Kirche spart nicht am violetten Stoff, der über Zäune, Altäre und Särge hängt. Das mag ein Ausdruck von Schuldgefühl sein, denn vielerorts waren es die Priester, die die Schutzsuchenden einließen und dann den Mördern die Tür öffneten. In einem Fall erging sogar die Empfehlung doch einfach die Kirche mit dem Bulldozer einzureißen – was auch prompt umgesetzt wurde.

Wir haben den Vormittag im Genozidmuseum in Kigali verbracht und sind immer noch sprachlos. Was in unseren Medien 1994 als spontan aufgeflammter Bürgerkrieg zwischen den rivalisierenden Stämmen der Hutu und der Tutsi verkauft wurde war kaltblütig geplanter Völkermord an einer Volksgruppe, die erst von den Kolonialherren künstlich als solche stilisiert wurde (vor der Ankunft der Deutschen und Belgier verstanden sich die Stämme als ein Volk mit gemeinsamer Kultur und Sprache). Wer im Museum die Bilder von Schädelvermessungen und Abstammungsnachweisen sieht, wer liest dass es schon seit 1990 wiederholt zu Massakern an den Tutsi gekommen ist und dass junge Milizionäre der Hutu im Stil der Hitlerjugend auf den Tag X gedrillt wurden der kann die Parallelen zum Nationalsozialismus nicht übersehen. Die internationale Gleichgültigkeit hat über einer Million Menschen das Leben gekostet, die verfolgt, gefoltert und getötet wurden. Fast eine weitere Million wurde zu Flüchtlingen. Das Museum weist auf Parallelen in aller Welt hin und versteht sich vor allem als ein Ort des Lernens und der Warnung.

Die Grenzüberquerung zurück nach Tansania führt uns noch einmal einen deutlichen Unterschied zwischen beiden Ländern vor Augen: Während die ruandische Seite in Rekordzeit freundlich und korrekt arbeitet erpresst der Beamte der tansanischen Seite von Guido zusätzliche hundert Dollar. Unser Schneck sei kein privates Fahrzeug. Guido gibt nach fast drei Stunden Diskussionen in der Hitze auf und zahlt zähneknirschend.

Die Landschaft wird rasch flacher. Der Nordwesten Tansanias ist ärmer und unterscheidet sich stark vom tourismusgeprägten Norden und Osten. Seit Monaten haben wir keine Eselskarren und Ochsengespanne mehr gesehen. Mageres Vieh grast auf trockengefallenen Reisfeldern und als wir die katholische Missionsstation in Igunga erreichen bestätigt man dort unsere Befürchtungen: Seit Jahren regnet es immer weniger und dieses Jahr ist die Regenzeit überhaupt noch nicht eingetroffen. Bleibt der Regen noch eine weitere Woche aus, so ist die Maisernte verloren, die die Grundernährung sichert.

Am Morgen zeigt uns der belgische Volontär die Schule der Mission, die gerade erweitert wird: Neunhundert Mädchen lernen und leben hier in Klassen zu fünfzig Kindern und scheinbar endlosen Schlafsälen mit Etagenbetten. Nur zweimal im Jahr fahren sie in den Ferien nach Hause, eine Regelung auf die der federführende Pater großen Wert legt. Die Enge ist drangvoll: Es gibt nirgendwo eine Möglichkeit die Tür zu schließen – auch nicht vor den einfachen Toiletten oder Duschen, viele Mädchen sitzen zu zweit an einem Einzeltisch und jeder Quadratmeter Rasen zwischen den Gebäuden ist heute am Samstag mit Wäschestücken belegt. Fünf Köchinnen sorgen auf großen Holzkohlefeuern für drei warme Mahlzeiten am Tag: Morgens gibt es einen wässrigen Haferbrei, der aus der Tasse getrunken wird, mittags und abends Reis mit Bohnen, zweimal in der Woche steht Fleisch auf dem Speiseplan. Vitamine sucht man hier vergebens. Der Schulgarten, den die Schülerinnen bestellen sollen ist viel zu klein und die Wasserversorgung unregelmäßig und qualitativ fragwürdig. Dafür bezahlen die Eltern pro Jahr 340 Euro Schulgeld, was im Landesvergleich sehr günstig ist und den Mädchen soll demnächst ein kleiner Computerraum eingerichtet werden, was den Leiter der Kreisschulbehörde veranlasste seine Tochter ebenfalls hier her zu schicken. Fabian, der nach einem Streit mit uns neulich meinte, er wolle in Afrika bleiben ist recht kleinlaut geworden.

Soeben beginnt es zu regnen.

Sonntag, 6. Februar 2011

Lothlorien oder Fangorn?











Samstag, 5. Februar 2011

Der Morgennebel hängt noch in den Tälern und zwischen den Bäumen des Regenwaldes. Und der Blick auf die unwirkliche Szenerie kann bei uns eingefleischten Herr-der-Ringe-Fans nur eine Assoziation auslösen: Lothlorien – das Herz des Elbentums auf Erden.


So erhaben der Anblick auch sein mag – eine Stunde später, als wir mittendrin stehen, kommt Guido und mir eher ein anderer von Tolkien erdachter Wald in den Sinn: Fangorn – dieser Wald ist alt. Sehr alt. Moose und Flechten umgeben uns und die Baumriesen, Baumfarne wie aus den Dinosaurierbüchern der Kinder, bizarre Riesenlobelien überragen uns meterhoch, ein Gewirr von Lianen versperrt uns Sicht und Weg und kleine leuchtende Blumen und Pilze in allen Größen und Farben säumen den schmalen und glitschigen Pfad. Längst sind wir alle froh über die schön geschnitzten Wanderstäbe, die Daniel, unser Führer durch den Dschungel ausgeteilt hat.

Der Nyungwe Nationalpark im Südwesten Ruandas ist ein tatsächlich uralter Bergregenwald, dessen Faszination wir alle erliegen. Daniel, zunächst höchst skeptisch ob des Durchhaltevermögens unserer Kinder ist inzwischen von ihnen begeistert: Ihr seid gute Wanderer! Also die Amerikaner, die brauchen für diesen Weg 10 Stunden und alle 10 Minuten fragen sie nach einer Pause und hier brechen sie dann immer zusammen und wollen nur noch schlafen. Daniel verlängert für uns die Route zwei mal und kombiniert mehrere Rundwege. Am Ende führt er uns vormittags vier und nachmittags noch einmal zwei Stunden durch den Urwald und wird nicht müde auf jede Kleinigkeit hinzuweisen: Da ist der Fußabdruck einer Goldkatze. Diese Pflanze nennen wir auch Affenbecher. Die da gibt gutes Toilettenpapier ab – ganz weich und riecht auch gut. Und die Blätter dieses Baumes… Lili und Fabian werden scheinbar auch nicht müde bergauf und bergab zu klettern und gegen 16 Uhr, als Lili zurück am Schneck angelangt noch einen Gegner für ein Wettrennen sucht, fragt der inzwischen doch leicht abgekämpfte Biologe Womit füttern Sie die?

Wenig später fahren wir mit hunderten von Eindrücken und mindestens ebenso vielen Fotos die Schlaglochpiste zurück. Im Schein der Abendsonne überquert eine große Gruppe L’Hoest-Affen die Straße und Lilian entdeckt im Geäst noch einige der großen, bunten Turacovögel.
Das war ein perfekter Tag. Fabian fallen schon beim Abendessen die Augen zu.

Freitag, 4. Februar 2011

Ich versuche mal ein paar bunte Bilder aus Ruanda einzustellen...







NEWS-Ticker: Kisoro – Einreise nach Ruanda - Gisenji am Lake Kivu – über Gitarama durch 1000 Hügel nach Kibuye (wieder am Lake Kivu) – Schneck und Besatzung wohlauf


Wenn es fliegende Edelsteine gibt, dann gibt es sie in Ruanda. Die kleinen Vögel mit dem bunt schillernden Gefieder sind Nektartrinker und schwirren hektisch von einer exotischen Blüte zur nächsten. Ein paar Meter weiter trocknen einige trottelige Kormorane ihr Gefieder in der Sonne - die kleinen Wellen des Kivusees plätschern leise an den Stein auf dem sie sitzen - und eine leuchtend blau-gelbe Echse huscht ins Unterholz. Die Fischer in ihren merkwürdigen Booten, die jeweils zu dritt durch gewagte Holzkonstruktionen verbunden sind und deren Lichter nachts auf dem See leuchten, sind längst zurück und an der kleinen Anlegestelle des Ortes werden Trommeln und Gesänge leiser.

Der große See an der Grenze zum Kongo liegt heute strahlend blau unter der Sonne und wir haben nach den schweren Gewittern gestern einen extra Tag in diesem Paradiesgarten angehängt um die Farbenpracht zu genießen. Die Strecke von der ugandischen Grenze bis nach Gisenji am Kivu war kurvig und oft steil, gesäumt von terrassierten Hügeln und einem Dorf nach dem anderen. Ruanda gilt als das am dichtesten bevölkerte Land Afrikas und unser erster Eindruck bestätigt das, denn ähnlich wie in Äthiopien bleibt hier kein Quadratmeter Boden unbestellt und auf der Straße schlängelt sich ein nicht abreißender Strom von Menschen. Die meisten sind Fußgänger, es gibt einige Fahrräder und nur wenige Autos und Motorräder, die alle recht brav auf der rechten Seite der Straße fahren was ich sehr erholsam finde nach drei Ländern mit Linksverkehr. Erstaunlicherweise besteht für Motorradfahrer offensichtlich eine Helmpflicht und dank der vielen Kontrollen der Verkehrspolizei wird diese auch strikt befolgt.

Ruanda spricht neben den Stammessprachen vor allem Französisch. Erst vor relativ kurzer Zeit hat die Regierung beschlossen Englisch zur Staatssprache zu machen, um besseren Anschluss an die übrigen ostafrikanischen Länder zu bekommen, und so sehen wir zwar einige englische Aufschriften, aber die Verständigung wird trotz vorhandener Französischkenntnisse unsererseits zum Kauderwelsch mit viel Unterstützung durch die Hände. Die nette Frau mit dem Korb voller Ananas versteht kaum Französisch und überhaupt kein Englisch und es braucht die Hilfe von drei Passanten um vier kleine Ananas zu erstehen, aber dann sucht sie mir wie gewünscht solche von unterschiedlicher Reife heraus und strahlt über die verdienten 1000 Ruandischen Francs (ca. 1,25 Euro). Bestimmt hat sie ein gutes Geschäft gemacht, aber da ich die Preise noch nicht kenne kann und will ich sie nicht herunterhandeln. Überhaupt liegt mir das Feilschen nicht und ich überlasse das inzwischen gerne Lili, die das Einkaufen von Obst und Gemüse am Straßenrand perfekt beherrscht.

Ein Spaziergang bringt uns an der großen Brauerei vorbei, deren kleine Schiffe voller roter Bierkästen wir schon auf dem See beobachtet haben. Hier wird das ruandische Primus-Bier gebraut, aber auch Heineken und Guiness und natürlich Coca Cola und Fanta.
Es gibt übrigens überraschend wenig Coca Cola Werbung in Ruanda – im übrigen Afrika ist uns bisher kaum ein Dorf ohne den bekannten Schriftzug begegnet und häufig genug sind ganze Häuser mit roter Farbe und Logo zu riesigen Werbetafeln mutiert. Die Nachbarhäuser strahlen meist in blau, pink oder orange als Werbetafeln für Mobilfunkanbieter, Düngemittel oder anderes, so dass es schwer fällt sich zwischen Lächeln ob so viel Mut zur Farbe und dem Griff zur schützenden Sonnenbrille zu entscheiden. Die Ruander scheinen die natürliche Lehmfarbe oder ein warmes gelb vorzuziehen und zumindest hier in der Westprovinz sehen wir kaum Werbung an den Hauswänden, eigentlich nur an kleineren Hotels und Restaurants. Dafür leuchten Blumenbeete und Rabatten überall vor den Häusern mit den bunten Kleidern und Tüchern der Frauen um die Wette, die statt bunter Plastikschüsseln wunderschöne geflochtene Körbe in allen Größen auf dem Kopf tragen.

Nach allem was wir heute auf der Fahrt über die Hügel gesehen haben verdienen die Frauen einen Preis für die unglaublichsten Kopflasten. Kaum zu glauben mit welcher Leichtigkeit riesige Körbe voller Ananas (30 bis 40 mittelgroße Früchte), Auberginen oder Tomaten sie balancieren – notfalls kann frau auf den großen Korb noch einen kleinen stellen, um noch mehr Gemüse oder Obst zum acht oder zehn Kilometer entfernten Markt zu tragen.

Die in der überwältigenden Landschaft verteilten Häuser machen einen soliden Eindruck, ganz gleich ob sie aus Holz und Lehm oder aus Ziegeln errichtet sind, ob mit Dachziegeln (wir haben seit Ägypten keine mehr gesehen glaube ich!) oder Wellblech gedeckt und die Straßen sind auffallend sauber. Ruanda erinnert hier an ein Musterländle, alles scheint seine Ordnung zu haben und so überrascht es kaum, dass die Ziegen und Schafe an der Leine artig bei Fuß gehen können.