NEWS-Ticker: Kisoro – Einreise nach Ruanda - Gisenji am Lake Kivu – über Gitarama durch 1000 Hügel nach Kibuye (wieder am Lake Kivu) – Schneck und Besatzung wohlauf
Wenn es fliegende Edelsteine gibt, dann gibt es sie in Ruanda. Die kleinen Vögel mit dem bunt schillernden Gefieder sind Nektartrinker und schwirren hektisch von einer exotischen Blüte zur nächsten. Ein paar Meter weiter trocknen einige trottelige Kormorane ihr Gefieder in der Sonne - die kleinen Wellen des Kivusees plätschern leise an den Stein auf dem sie sitzen - und eine leuchtend blau-gelbe Echse huscht ins Unterholz. Die Fischer in ihren merkwürdigen Booten, die jeweils zu dritt durch gewagte Holzkonstruktionen verbunden sind und deren Lichter nachts auf dem See leuchten, sind längst zurück und an der kleinen Anlegestelle des Ortes werden Trommeln und Gesänge leiser.
Der große See an der Grenze zum Kongo liegt heute strahlend blau unter der Sonne und wir haben nach den schweren Gewittern gestern einen extra Tag in diesem Paradiesgarten angehängt um die Farbenpracht zu genießen. Die Strecke von der ugandischen Grenze bis nach Gisenji am Kivu war kurvig und oft steil, gesäumt von terrassierten Hügeln und einem Dorf nach dem anderen. Ruanda gilt als das am dichtesten bevölkerte Land Afrikas und unser erster Eindruck bestätigt das, denn ähnlich wie in Äthiopien bleibt hier kein Quadratmeter Boden unbestellt und auf der Straße schlängelt sich ein nicht abreißender Strom von Menschen. Die meisten sind Fußgänger, es gibt einige Fahrräder und nur wenige Autos und Motorräder, die alle recht brav auf der rechten Seite der Straße fahren was ich sehr erholsam finde nach drei Ländern mit Linksverkehr. Erstaunlicherweise besteht für Motorradfahrer offensichtlich eine Helmpflicht und dank der vielen Kontrollen der Verkehrspolizei wird diese auch strikt befolgt.
Ruanda spricht neben den Stammessprachen vor allem Französisch. Erst vor relativ kurzer Zeit hat die Regierung beschlossen Englisch zur Staatssprache zu machen, um besseren Anschluss an die übrigen ostafrikanischen Länder zu bekommen, und so sehen wir zwar einige englische Aufschriften, aber die Verständigung wird trotz vorhandener Französischkenntnisse unsererseits zum Kauderwelsch mit viel Unterstützung durch die Hände. Die nette Frau mit dem Korb voller Ananas versteht kaum Französisch und überhaupt kein Englisch und es braucht die Hilfe von drei Passanten um vier kleine Ananas zu erstehen, aber dann sucht sie mir wie gewünscht solche von unterschiedlicher Reife heraus und strahlt über die verdienten 1000 Ruandischen Francs (ca. 1,25 Euro). Bestimmt hat sie ein gutes Geschäft gemacht, aber da ich die Preise noch nicht kenne kann und will ich sie nicht herunterhandeln. Überhaupt liegt mir das Feilschen nicht und ich überlasse das inzwischen gerne Lili, die das Einkaufen von Obst und Gemüse am Straßenrand perfekt beherrscht.
Ein Spaziergang bringt uns an der großen Brauerei vorbei, deren kleine Schiffe voller roter Bierkästen wir schon auf dem See beobachtet haben. Hier wird das ruandische Primus-Bier gebraut, aber auch Heineken und Guiness und natürlich Coca Cola und Fanta.
Es gibt übrigens überraschend wenig Coca Cola Werbung in Ruanda – im übrigen Afrika ist uns bisher kaum ein Dorf ohne den bekannten Schriftzug begegnet und häufig genug sind ganze Häuser mit roter Farbe und Logo zu riesigen Werbetafeln mutiert. Die Nachbarhäuser strahlen meist in blau, pink oder orange als Werbetafeln für Mobilfunkanbieter, Düngemittel oder anderes, so dass es schwer fällt sich zwischen Lächeln ob so viel Mut zur Farbe und dem Griff zur schützenden Sonnenbrille zu entscheiden. Die Ruander scheinen die natürliche Lehmfarbe oder ein warmes gelb vorzuziehen und zumindest hier in der Westprovinz sehen wir kaum Werbung an den Hauswänden, eigentlich nur an kleineren Hotels und Restaurants. Dafür leuchten Blumenbeete und Rabatten überall vor den Häusern mit den bunten Kleidern und Tüchern der Frauen um die Wette, die statt bunter Plastikschüsseln wunderschöne geflochtene Körbe in allen Größen auf dem Kopf tragen.
Nach allem was wir heute auf der Fahrt über die Hügel gesehen haben verdienen die Frauen einen Preis für die unglaublichsten Kopflasten. Kaum zu glauben mit welcher Leichtigkeit riesige Körbe voller Ananas (30 bis 40 mittelgroße Früchte), Auberginen oder Tomaten sie balancieren – notfalls kann frau auf den großen Korb noch einen kleinen stellen, um noch mehr Gemüse oder Obst zum acht oder zehn Kilometer entfernten Markt zu tragen.
Die in der überwältigenden Landschaft verteilten Häuser machen einen soliden Eindruck, ganz gleich ob sie aus Holz und Lehm oder aus Ziegeln errichtet sind, ob mit Dachziegeln (wir haben seit Ägypten keine mehr gesehen glaube ich!) oder Wellblech gedeckt und die Straßen sind auffallend sauber. Ruanda erinnert hier an ein Musterländle, alles scheint seine Ordnung zu haben und so überrascht es kaum, dass die Ziegen und Schafe an der Leine artig bei Fuß gehen können.
Freitag, 4. Februar 2011
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