NEWS-Ticker: Singida – Babati – Kolo – Dodoma – Besatzung wohlauf, Schneck freut sich auf Verbesserung des Dachgepäckträgers (Schweißarbeiten sind für Montag angesetzt)
Wir verlassen die gastlichen Padres in Igunga bei bedecktem Himmel und leichtem Regen und fahren weiter Richtung Osten, allerdings nicht auf dem direkten Weg denn wir wollen uns noch die Felszeichnungen bei Kolo und Kondoa ansehen.
In der weiten Ebene sind die niedrigen, mit Grassoden gedeckten Häuser kaum zu erkennen. Sie stehen meist eingefasst von lebenden Zäunen inmitten großer Maisfelder und gewaltiger Affenbrotbäume und sind ungefähr 12 Ziegelreihen hoch. Die meisten Dächer auf diesem Kontinent bestehen ja leider aus Wellblech, aber hier sind die unterschiedlich traditionell gedeckten Dächer noch in der Überzahl. Als sich die ersten Hügel erheben sehen wir die runden Dornenwälle mit den strohgedeckten Rundhütten wieder, die auf Verwandte der Massai schließen lassen. Während dieser Stamm weiter nördlich seine Kultur touristisch vermarktet sehen wir hier nur selten Hals- oder Armreifen bei den Frauen, und die charakteristischen roten oder karierten Decken werden über Jeans und Gummistiefel getragen. Hier gibt es mehr Vieh als Mais und mehr Dornakazien als Affenbrotbäume. Vor einer Hütte eine hübsche typische Familienszene: Ein alter Mann sitzt auf einer Bank, etwa zehn Kinder spielen auf dem Hof, der Vater läuft gestikulierend und Reden haltend im Kreis und die Mutter – hackt Holz.
Das Wetter hindert uns am Vorwärtskommen. Längst haben wir die gute Teerstrasse verlassen und rutschen vorsichtig auf dem schlammigen Boden. Eigentlich handelt es sich gar nicht um eine Strasse sondern um die Ausweichspur einer Baustelle zum Bau einer neuen Teerstrasse – 120 km lang. Überall sind LKWs liegengeblieben und im Schlamm versunken aber der Schneck kämpft sich ohne Probleme an ihnen vorbei. Als er den Kamm der Hügel vor Babati erklimmt hört der Regen auf und fast sofort bildet sich dichter Nebel. Die Sicht sinkt stellenweise unter zwanzig Meter und es wird still im Auto: Fabian starrt auf sein aus Papier gebasteltes Navigationsgerät und ist in seiner Welt, Lili versinkt in der anderen Ecke der Rückbank in einem warmen Fleecepulli und ihrem Agatha Christie Krimi und Guido und ich starren angestrengt in die Waschküche, die uns umgibt. Die Szenerie ist gespenstisch und wie immer im Nebel fällt mir Rilkes Gedicht ein Einsam ist es im Nebel zu wandern.
Erst als wir wieder einmal den Rand des Grabenbruchs erreichen kämpft sich die Sonne durch den Dunst und der Nebel hebt sich. Üppige Vegetation umgibt uns plötzlich, Palmen überragen das Blättergewirr und bunte Blumen säumen die jetzt schmale Piste, auf die wir abgebogen sind.
Die Vielfalt und die Weite Tansanias haben uns wieder einmal gepackt. Die relaxte Mentalität (pole pole – immer mit der Ruhe sagt man hier) und der friedfertige Umgang der Stämme miteinander sind etwas Besonderes. Diese Leute sind einfach, aber es gibt hier wahre Brüderlichkeit, hat Pater Max von der katholischen Mission in Igunga gesagt und auch wenn das nicht ganz so allgemeingültig sein kann – er hat das wunderschön gesagt.
Wir erreichen Kolo am frühen Nachmittag. Die Felszeichnungen, die man in dieser Gegend an mehr als 180 Stellen gefunden hat sind zwischen 600 und 6000 Jahren alt, meist von unbekannter Herkunft und gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe. Ein vergessenes Erbe so scheint es, denn als wir nach einer Übernachtung am Fluss einen Führer ins Auto nehmen, um einige davon zu besichtigen stellt sich rasch heraus, dass die Zufahrtswege vielleicht noch für ein Motorrad befahrbar sind, aber die meisten definitiv nicht für uns. Zugewucherte Sandpisten mit schlimm ausgewaschenen Stellen – hier hat sich seit mehr als einem Jahr keiner mehr um die Instandhaltung gekümmert. Die Einträge im Gästebuch sind entsprechend spärlich und als wir den Schneck schließlich abstellen um den letzten Kilometer zu Fuß zurückzulegen müssen wir uns durch dichtes Gestrüpp kämpfen – die Wege im Regenwald waren bequemer.
Wir verbringen eine weitere Nacht am Fluss und fahren dann über die A104 weiter Richtung Dodoma, der Hauptstadt Tansanias (Das Parlament tagt hier, ansonsten gibt es außer ein paar großen Kirchen und Universitäten nichts was auf eine Hauptstadt hinweisen würde. Botschaften, Kultureinrichtungen, Büros usw. sind alle in Dar es Ssalam) . Die Strasse ist unglaublich schlecht und so brauchen wir zwei Tage für die 140 Kilometer – und der Dachgepäckträger bricht erneut, diesmal an drei Stellen. Als wir Dodoma erreichen und bei den fliegenden Missionaren der MAF Unterschlupf und eine Werkstatt finden zeigt sich wieder einmal wie klein die Welt ist. Ihr kommt aus Kreis Herford? Ich auch! begrüßt uns Manuela, Missionarin aus Bünde, und lädt uns erst mal zum Essen ein.
Samstag, 19. Februar 2011
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