Samstag, 27. November 2010

Hallo vom indischen Ozean!

Wer jetzt an weisse von Kokospalmen gesaeumte Sandstraende vor tiefblauem Wasser denkt hat genau das Bild vor Augen, das wir seit einigen Tagen vor Augen haben, wenn wir vor dem Schneck in der Haengematte liegen :-))))).

Tanja war fleissig und hat mir drei Beitraege und einige Keniabilder mitgegeben, um sie in dem sonst internettechnisch duenn besiedelten Kenia einzustellen. Also viel Spass bei der Lektuere und HAKUNA MATATA aus Kenia

Guido & die Schneckbesatzug
Eigenheim Naehe Marsabit

                                                           Samburu-Frauen

                                                                Gerenuk (Giraffengazelle)

                                                              Netzgiraffe

                                                                  Oryx-Antilope

                                                                 gut, dass das Fenster zu ist....

                                                   am Lake Elmentaita

                                                               Hell's Gate

                                                                Einstieg zum Abstieg
                                                        
                                                         irgendwo im Nirgendwo

                                                                 kaum noch Schnee am Kilimandjaro

                                                     Einkaufen klappt schon prima....

Mango Man (so nennt er sich selbst)
Der Mann mit der Harpune kommt immer gegen Mittag. Heute hat er einige Red Snapper, einen veritablen Oktopus, zwei Green Mullet (oder wie schreibt man das?), einen Lemon Fish und einen leuchtend roten Fisch, dessen Suahelinamen wir unaussprechlich finden im Angebot. Dann packt er ein Stoffbündel aus: Vorsicht! sagt er, als die große Languste ihre Fühler ausstreckt. Ihr Körper ist fast schwarz mit unzähligen winzigen bunten Punkten, so dass sie beinah wie ein funkelnder Sternenhimmel aussieht. Leider haben wir keinen Topf, der groß genug wäre – und so verhandelt Guido über zwei große Fische für den Grill. Wir schwelgen seit Tagen in gegrilltem Fisch und einer reichen Auswahl an exotischen Früchten, die die einheimischen Händler in Bastkörben auf ihren Fahrrädern transportieren. Nur der Mann mit der Harpune hat keinen Bastkorb, sondern trägt seinen Fang an Grashalmen in der rechten und die Waffe malerisch in der linken Hand.


Wer jetzt noch nicht neidisch genug ist: Wir sind praktisch allein auf dem Campingplatz am Tiwi Beach, nur gelegentlich lässt sich ein dauerhaft bekifftes Schweizer Pärchen neben uns nieder (the good Malawi stuff wird hier ebenfalls angeboten) und Palmen, türkisblaues Meer und weißer Strand würden gut in die Barcadiwerbung passen. Der Mann, der uns das Feuerholz und die Holzkohle bringt beschwert sich über die ungewöhnliche Hitze für November, aber wir sind bei ca. 30 Grad im Schatten äußerst glücklich. Die Kids üben das Erklimmen der Kokospalmen und sind stundenlang im extrem flachen Wasser unterwegs, wo sie keiner Aufsicht bedürfen oder sammeln Muscheln und Schneckenhäuser.

Wir werden noch ein paar Tage hier bleiben, bevor wir uns Richtung Tanzania aufmachen, um unsere Partnerkirchengemeinde dort aufzusuchen und die Gotteskiste, wie Guido sie nennt, abzuliefern.
NEWS-Ticker: von Nairobi durch den West-Tsavo zum Indischen Ozean – Schneck und Besatzung wohlauf


Der Ranger hängt seine Waffe an einen Nagel in der Wand des kleinen Unterstandes und greift nach einem langen dünnen Stock, um uns und die paar anderen Touristen an diesem Picknick-Platz vor dem Angriff der Affen zu bewahren. Die hübschen Meerkatzen, die hier wegen der leuchtend türkisblauen Hoden der Männchen ganz unwissenschaftlich blue-ball-monkeys heißen, sind zwar nur wenig gefährlich für uns, umso mehr aber für unseren Lunch. Eine Tomate haben wir schon eingebüßt und angesichts der unglaublichen Dreistigkeit der Affenbande schlägt nicht mal meine Tierliebe Alarm als der Stock in ihre Richtung fliegt und tatsächlich einen Affen trifft, der laut kreischend im Blätterdach über uns verschwindet. Seine Freunde und Verwandten schreckt das nur wenig ab – sie sitzen auf der Lauer, beobachten genau und warten auf einen günstigen Moment. Als eine interessiert die noch leicht schaukelnde Waffe betrachtet hüpft das kleine grüne Männchen in meinem Hinterkopf verschreckt auf und ab: Ist die gesichert?? Nicht dass die Waffe gleich zur Affenschaukel wird… Guidos Blick ist in die gleiche Richtung gewandert, seine Gedanken aber offenbar in eine andere: Wie alt ist diese Waffe? – Die ist von 1945! Von den Briten… ein wirklich gutes Gewehr! Das bleibt zu hoffen angesichts der Tatsache, dass die Wilderer von heute mit dem Hubschrauber einfliegen und über modernste Technologie verfügen. Die hübsche Kollegin unseres tapferen Ritters trägt ein etwas aktuelleres Modell über der Schulter, aber in einem Land, in dem selbst Viehhirten Kalaschnikows spazieren tragen, macht ein G-3 keinen großen Eindruck auf uns. Vielleicht sollen die beiden auch eher die Touristen vor den wilden Tieren des Tsavos beschützen als die wilden Tiere vor den Wilderern, aber es sind praktisch keine wilden Tiere da. Der Tsavo prangt zwar teilweise mit schöner Landschaft, aber von den berühmten mähnenlosen Löwen (ja, ja, die menschenfressende Sorte, aus dem Film Der Geist und die Dunkelheit) und den roten Elefanten (ich bin nicht betrunken, der Boden in dieser Gegend ist rötlich, und die Elefanten pudern sich damit ein) ist nichts zu sehen. Möglicherweise spielen sie irgendwo zusammen Skat oder Scrabble. Die Giraffen haben sie jedenfalls nicht dazu eingeladen, die sind überall und wegen ihrer Grazie von uns einstimmig zum Tier des Jahres gewählt worden. Vielleicht sitzen die Löwen und Leoparden aber auch nur im dichten Busch und lachen verschmitzt über unser Bemühen sie zu finden. Wir bleiben jedenfalls erfolglos was die Großkatzen angeht – allerdings entdecken wir noch einen Serval und mehrere Schabrackenschakale als wir am nächsten Morgen zur zweiten Runde starten.

Wir schaffen es unabsichtlich die Nacht im Park kostenlos zu verbringen, weil wir zu spät dran sind und das Tor zum Campingplatz bereits verschlossen und verwaist ist. So bleiben wir einfach vor dem Tor stehen und sparen zu unserer Freude 80 (in Worten: achtzig!) US-Dollar, die wir für das Privileg der Benutzung fragwürdiger sanitärer Anlagen für eine Nacht hätten zusätzlich zum Eintrittspreis zahlen müssen, denn im Park ist wildes Campen verständlicherweise verboten. Und dabei ist der Tsavo nur ein Park der zweiten Preiskategorie.

Das Preisniveau in Kenia – und besonders das der Touristenattraktionen - verleidet uns etwas den Spass. Bei vielen Gelegenheiten fühlen wir uns einfach geneppt oder zumindest gemolken. Ein Südafrikaner, den wir in Nairobi getroffen haben sagte uns über Tansania, das noch deutlich teurer sein soll: Es ist so schade. Man sagt automatisch dauernd aber…. Eine unglaubliche Erfahrung, aber… Ein fantastisches Erlebnis, aber… Dabei kommt das eingenommene Geld ja nicht den Nationalparks zu Gute – sonst wären die Ranger wohl anders bewaffnet, und auch nicht der Bevölkerung, die teilweise nicht mal über Zugang zu sauberem Trinkwasser verfügt, sondern den Herren von der Regierung, die in Nairobi und sonstwo in teuren Autos chauffiert werden und sich Küchen von Poggenpohl leisten.

Die Fahrt vom Tsavo bis Tiwi Beach hat Mensch und Material noch einmal viel abverlangt. Die völlig ruinierte Teerstrasse bis Voi (nicht dass man von dem Teer noch viel hätte erkennen können) hat zu einen ungeplanten Erholungstag auf einer hübschen Lodge geführt, an dem Guido wenig Erholung und mehr Überholung des Schneck betrieben hat, die Kids aber begeistert den Pool unsicher machten. Für die Weiterfahrt zur Küste haben wir dann bewußt einen Umweg über die Dörfer genommen. Zum einen um den Großraum Mombasa zu umgehen, zum anderen um Landschaft und Menschen des ländlichen Kenias noch einmal so richtig zu genießen.

Kenia ist ein Land harter Gegensätze, aber auch großer Vielfalt. Zwischen den Menschen, die in Nairobi ihre Häuser mit Stacheldraht, Hunden und Wachmannschaften umgeben und denen, die auf dem Land mit einem Ochsenpaar das Feld pflügen liegen Welten, ebenso zwischen der rauen heißen Schönheit der Savanne und dem kühlen üppigen Bewuchs des Mount Kenia oder dem Kitschpostkartenidyll des Indischen Ozeans.

Über letzterem sehen wir heute Abend den Vollmond riesig und rötlich aufgehen. Als Abschluss unseres Aufenthalts in Kenia haben wir uns für ein paradiesisches Fleckchen mit Palmen und weißem Sandstrand entschieden, an dem man im warmen Wasser schwimmen und schnorcheln kann und die Seele baumeln lassen. Die Kinder hoffen auf Kokosnüsse und wir alle auf frischen Fisch vom Lagerfeuer.
Die berühmte Schneekappe des Kilimanjaro ist dem Klimawandel zum Opfer gefallen, aber ein heftiger Regenguss am gestrigen Abend hat die majestätischen Gipfel mit dünnem Eis bedeckt und für klare Sicht gesorgt. Als wir in unserem Buschcamp im Morgengrauen aufwachen sind die beiden höchsten Spitzen des Massivs klar zu sehen und wir stehen ein paar Minuten später mit dampfenden Teebechern und unseren Kameras staunend vor dem unglaublichen Anblick – zum Amusement der lokalen Bevölkerung, die sich um diese Zeit aufmacht um auf den Feldern am Fuß des Berges zu arbeiten oder in der nahegelegenen Kleinstadt nach einem Job für den Tag zu fragen. Wir werden ungeniert ausgefragt Wo kommt ihr her? Habt ihr in dem Auto geschlafen? Sind das eure Kinder? Wo wollt ihr hin? und müssen viele Hände schütteln. Moses und Asuf möchten auf ihren Mopeds fotografiert werden und es stört sie gar nicht, dass sie das Bild nur auf dem kleinen Kameradisplay zu sehen bekommen – die Versicherung, dass wir es zu Hause unseren Freunden zeigen werden genügt ihnen vollkommen. Die Frauen stehen kichernd um die Kinder herum, die das Aufsehen, dass sie erregen inzwischen gewöhnt sind.


Den Tag zuvor waren wir es, die neugierige Blicke geworfen haben, denn die Gegend ist Massailand und überall entlang der Straße konnten wir in die mit Dornenwällen geschützten runden Höfe schauen und die traditionell gewandeten Menschen bestaunen. Die Massai sind sehr stolz auf ihre Traditionen und ähnlich wie die Samburu im Norden eine echte Augenweide: Große schlanke Menschen in stolzer Haltung mit auffälligem Perlenschmuck und in bunte oder rötliche Tücher gehüllt schreiten gelassen durch den Busch oder winken uns freundlich zu. Kenias Regierung, die sich überwiegend aus dem Stamm der Kikuju rekrutiert hat ihnen kürzlich Land zurückgeben müssen und so profitiert der Stamm jetzt direkt von den Einnahmen aus dem Amboseli-Nationalpark und den umliegenden Lodges. Eine Entwicklung die hoffentlich nicht zu noch mehr Vieh in dieser bereits überweideten Gegend führt, denn auch die Massai halten Rinder als Statussymbol und Wertanlage. Am Abend jedenfalls verloren die meisten Massai viel vor ihrer Würde als der Wolkenbruch sie ebenso wie uns überraschte und dann einen herrlichen Regenbogen über der Landschaft entstehen ließ: Hektisch strebte jeder auf die Hütten zu und duckte sich rasch unter den niedrigen Eingang während wir kaum weniger hektisch die Wassereinbrüche in der Fahrerkabine des Schneck bekämpften. Der Schneck ist eben ein Schönwetterfahrzeug und sintflutartige Regenfälle sind nicht sein Ding. Zum Glück ist der Koffer – unser Schneckenhaus – wasserdicht. An der Küste soll das Wetter besser sein… in den letzten Tagen hat es fast täglich einmal geregnet, wenn auch nur selten so heftig, und die Temperaturen schätzen wir auf höchstens 25 Grad Celsius. Ein bißchen wärmer und trockener dürfte es ruhig sein!

Mittwoch, 17. November 2010

Die Felsen sind mit einer leuchtend grünen Schicht überzogen, über die das Wasser circa vier Meter tief in einem Spalt in den Felsen verschwindet und sich dort mit dem Bach vereinigt. Hot shower verkündet Francis fröhlich und ergänzt Kommt runter! Der Pfad da oben taugt nur für Paviane. Der Weg ist hier! Francis ist ungefähr zwölf und hat sich zu unserem Führer für die Wanderung durch die Hell's Gate Schlucht im gleichnamigen Nationalpark ernannt. Wanderung trifft es aber nicht ganz - es ist eher eine Kletterpartie durch das zur Zeit fast trockene und nur sehr schmale Flußbett, das von hohen Wänden eingerahmt ist. Als das Rift Valley entstand begannen die Wassermassen einen tausende Jahre dauernden Prozess der Auswaschung, dessen  Höhepunkt (oder eigentlich tiefsten Punkt) wir nun vor uns haben. Der Spalt im Boden ist an dieser Stelle nur 1,50 m breit und das heiße Wasser der Quelle einige Meter weiter oben spritzt heftig. Die Kinder und wir zögern etwas - aber der Weg zurück ist ganz bestimmt nicht einfacher. Schon an einigen Stellen sind wir Felsen hinabgerutscht und haben uns von Francis Anweisungen leiten und von Guido auffangen lassen. Der sogenannte Wanderweg durch die Schlucht ist eine Einbahnstraße. Also reicht Guido mir den Rucksack und begibt sich von Francis gecoacht in den Spalt. Rechts festhalten und jetzt links - nein weiter unten - den Fuss hierhin, dann dort... Es geht besser als erwartet und Guido dreht sich dicht am Felsen und noch außerhalb der Spritzwasserzone um und hilft uns herunter. Ein kurzer Sprint durch die nicht ganz so heiße Dusche und weiter gehts.
Die Höllentorschlucht hat dem Nationalpark den Namen gegeben, aber wir sind auch sonst von dem kleinen Park begeistert: Es gibt hier so viele Warzenschweine wie nirgendwo sonst, es ist überall erlaubt aus dem Auto auszusteigen und es gelingt uns tatsächlich zu Fuß auf vielleicht 15m an einen Giraffenbullen heranzukommen, der uns sehr neugierig und fast zehn Minuten lang aus seiner luftigen Höhe betrachtet. Als wir etwas später eine Büffelherde entdecken sind wir allerdings weniger mutig und bleiben lieber im Schneck. Es kommen in Afrika mehr Menschen durch Büffel ums Leben als durch Raubkatzen oder Hippos...
Am nächsten Tag sind wir nach Nairobi weitergefahren um dem Schneck eine gründliche Inspektion und Pflege zukommen zu lassen und erleben die andere Seite Kenias: Slums in den Außenbezirken, von Stacheldraht umgebene Villenviertel, luxuriöse Einkaufszentren - wieder eine Hauptstadt, die uns nicht zusagt.
Auf unserer bisherigen Hitliste der Hauptstädte (Wenn wir in einer der besuchten Hauptstädte leben müßten - welche würden wir wählen?)  kommt Nairobi für uns an dritter Stelle nach Khartoum und Kairo und vor Addis Abbeba.

Montag, 15. November 2010

Hallo aus Nairobi :-)
Habt Ihr einen Kaffee und Kekse parat?
Ich habe den letzten Äthiopienbeitrag eingestellt, dazu Fotos und die Zusammenfassung Äthiopien und die ersten drei (recht kurzen) Kenia-Beiträge. Es gibt also einiges zu lesen und Ihr müßt weit zurückscrollen und vielleicht sogar blättern... Wenn es mich morgen packt schreibe ich nämlich noch einen Beitrag und stelle die ersten Kenia-Fotos ein. Wenn das keine Drohung ist...
LG
Tanja
NEWS-Ticker: Laikipia-Plateau – Nakuru – Lake Elmentaita – Lake Naivasha – Schneck und Besatzung wohlauf


Im Licht der Taschenlampe schälen sich zwei rundliche Formen aus dem Grau. Die beiden halbstarken Flusspferde haben den Lake Naivasha zum nächtlichen Grasen verlassen und stehen jetzt zwischen meterhohem Papyrus und dem Elektrozaun des Campingplatzes. Irgendwie sehen sie aus als müßten sie Happy Hippo und Hubba Bubba heißen, wie sie sich auf ihren kurzen Beinen langsam und lautlos über das Gras bewegen.

Vor einer Stunde ging es weniger lautlos zu, als die Alttiere noch im flachen Wasser zwischen Booten und Seerosen stehend sich mit lauten Rufen und Grunzlauten verständigten. Jetzt platscht es vernehmlich im Papyrus, einige Gänse schimpfen in ihrem Schlaf gestört vor sich hin und ein riesiges Hippo bricht durch die dichte Vegetation. Kurz darauf hören wir nur noch ein leises Schnaufen und das regelmäßige rupf-rupf eines glücklich grasenden Hippos. Unsere Augen tun sich schwer im schwachen Mondlicht etwas zu erkennen, obwohl das Tier kaum fünf Meter von uns entfernt ist, also kommt wieder die Taschenlampe zum Einsatz. Das macht den Großvater aller Flusspferde aber nervös, und mit einer raschen Wendung und etwas Anlauf springt er aus vollem Lauf ins wieder ins Wasser. Ein gewaltiger Platsch ist zu hören, als würde Obelix den See leeren, dann ist er spurlos verschwunden.

Das nächtliche Erlebnis ist der Höhepunkt unseres Zwischenstopps am Lake Naivasha, aber nicht das einzige beeindruckende Erlebnis an diesem Frischwassersee im Rift Valley: Noch vor der Dämmerung, als wir mit unserem Tee gemütlich vor dem Schneck saßen schwebten an die dreißig Marabus auf dem Platz ein und untersuchten die Mülltonnen auf Eßbares. Wir kennen Hunde, Krähen und Paviane, die Mülltonnen plündern – Marabus sind wir auf diese Art noch nie begegnet. Die großen greisenhaft wirkenden Vögel, die sich mit würdevollem Staksen vorwärtsbewegen haben mit den offenen, flachen Fässern leichtes Spiel, und lassen sich zur Freude der Kinder aus nächster Nähe beobachten. Jetzt, im ersten Licht des Morgens, rückt die Mülltonnenkontrolle soeben erneut an…
NEWS-Ticker: Fahrt über Isiolo zum Mount Kenya – Wanderung in 2500m Höhe bei wechselhaftem Wetter – Nashörner am Wegesrand – Thomas Falls


Der zweithöchste Berg Kenias hüllt sich in dichte Wolken, so dass alles über dem Hochplateau auf dem wir uns befinden verborgen bleibt. Nur früh am Morgen sieht man den schneebedeckten Gipfel vor blauem Himmel aufragen.

Wir haben zwei Nächte auf der Timau River Lodge in 2500m Höhe verbracht und eine schöne Wanderung zu einer Forellenfarm unternommen. Die Kids durften die Forellen füttern und bestanden beim anschließenden Verzehr darauf, dass sie ihr Essen selbst gefüttert hätten. Überall in den Gärten blühen Agapanthus und Anthurien und viele uns unbekannte Pflanzen, und die hohen Bleistiftzedern duften in der feuchten Luft ganz herrlich.

Der Besitzer der Lodge, einer der vielen indischstämmigen Kenianer, hat uns mit vielen Tipps und guten Wünschen auf die Weiterreise geschickt und so nehmen wir eine Abkürzung, die weder auf der Karte noch im GPS verzeichnet ist und fahren fast 25 km entlang des Zauns einer großen Wildfarm. Und tatsächlich: Neben Wasserbüffeln, Oryxantilopen, Impalas, Warzenschweinen und Kronenkranichen grasen Nashörner keine 100m von uns entfernt. Guido klettert für ein optimales Bestimmungsfoto auf das Dach des Schnecks und dann steht es fest: Spitzmaulnashörner. Wir sind alle ganz verzaubert wie ruhig und friedlich diese grauen Riesen wirken. Eines schaut lange und gründlich unseren Schneck an – Nashörner sind kurzsichtig. Was mag es über das rote Ungetüm hinter dem Elektrozaun denken?

Am Spätnachmittag erreichen wir auf einer fürchterlich schlechten Straße die Wasserfälle bei Nyahururu, die auch als Thomas Falls bekannt sind. Über 70m tief stürzt hier der Fluß in eine Schlucht, in die wir über unzählige Stufen hinunterklettern. Die Vegetation erinnert in ihrer Üppigkeit an einen Regenwald – ein starker Kontrast zu den riesigen Stoppelfeldern und trockenen Weiden des Laikipiaplateaus über das wir heute gefahren sind. Wir schaffen es gerade noch vor Einbruch der Dunkelheit wieder nach oben und setzen uns bei Kerzenschein zum Abendessen. Gemüse, nörgelt Fabian angesichts des Weißkohls und nimmt dann doch einen Nachschlag - klettern macht eben hungrig. Morgen werden wir sicher alle über Muskelkater klagen!
NEWS-Ticker: Grenze nach Kenia überquert – Piste Moyale-Marsabit gemeistert – erste Elefanten, Giraffen, Warzenschweine usw. in Samburu – Schneck wieder instandgesetzt – Besatzung wohlauf


Jambo! Wir sind in Kenia!

Soviel vorweg: Alles was an Schreckensgeschichten über die Piste von der Grenzstadt Moyale nach Marsabit im Umlauf ist entspricht der Wahrheit – abgesehen davon, dass die Strasse (die keine ist, sie verdient nicht mal den Titel einer Piste) auch auf den nächsten hundert Kilometern nicht besser wird. Es läßt sich eigentlich gar nicht beschreiben: teils schlimmstes Wellblech, teils einfach nur eine Aneinanderreihung von tiefen Löchern, teils Buckelpiste aus mal spitzen und mal runden Steinen, dann wieder alles zusammen.. Der Schneck hat sich prompt über die schlechte Behandlung beschwert: In Marsabit mußten wir die Kofferbrücke erneut schweißen lassen und Guido hat Lecks bzw. losgerüttelte Teile an Dieselfiltern und Bremsleitung (zum Druckluftbehälter) repariert. Wir gehen jede Wette ein, dass die große Zahl an Autowerkstätten in Marsabit kein Zufall ist.

Die weitere Strecke bis Archers Post war nur zur Hälfte genau so katastrophal – die zweite Hälfte ist frisch geteert! Gleich heute Morgen wollten wir dann im ersten Tageslicht in den Samburu Nationalpark aufbrechen – da war der rechte Hinterreifen platt. Wohl ein letzter Gruss von der materialmordenden Piste. Die Jungs vom örtlichen Reifendienst haben die zwei Löcher im Schlauch aber rasch gefunden und geflickt, und für umgerechnet 6 Euro mußte Guido nicht mal selber Hand anlegen.

Gegen 11 Uhr waren wir dann doch noch im Park und da stehen wir jetzt: Kenia, wie man es sich vorstellt. Ein Lagerfeuer im Busch als Abschluß eines Tages voller Höhepunkte: Elefantenherde direkt neben dem Schneck, Netzgiraffen mit anmutig schräg gelegtem Kopf, rennende Warzenschweine, riesige Zebraherden vor grandioser Landschaft, Meerkatzen auf dem Außenspiegel….. Morgen gehen wir weiter auf die (Foto-)Pirsch und suchen nach Löwen und Geparden.
Zusammenfassung Äthiopien


Land: Das Dach Afrikas ist ein Land landschaftlicher Höhepunkte, die sich beinah pausenlos aneinanderreihen. Wer Berglandschaften mag muss (Nord-)Äthiopien gesehen haben, wo sich hinter jeder Kurve neue spektakuläre Aussichten bieten. Auch die Seen im Rift Valley sind wunderschön: Lake Langano, Lake Shala, Lake Abiata, Lake Chamo, Lake Abaya… Oktober und November sind die perfekte Reisezeit, weil alles grün ist und so bietet sich das Land eigentlich als Reiseziel für die Herbstferien an. Man kann Rundreisen mit Reiseleitung buchen oder einfach ab Addis mit einem gemieteten Landrover selber fahren, zu den wichtigsten Städten gibt es ab Addis auch Flugverbindungen.

Leute: Die Äthiopier sind sicherlich gewöhnungsbedürftiger als viele andere Afrikaner, aber im Allgemeinen sehr freundlich. Da es eher wenig Touristen gibt sind Weiße „zum Anfassen“ wie wir vielerorts noch eine Sensation und weiße Kinder ganz besonders. Die mangelnde Distanz der Äthiopier kann nerven: Kaum aus dem Auto ausgestiegen ist man umringt und selbst im Auto wird man bei jedem Stopp angesprochen und genau beobachtet. Allerdings erlebt man das auch in einigen anderen afrikanischen Ländern. Das schrille you-you-you und farandschi, farandschi (hier ist jeder Weiße noch ein „Franke“) der Kinder begleitet einen die ganze Zeit.

Äthiopien ist ein Land der Bettler und Steineschmeißer? Wir sind keinerlei Fremdenfeindlichkeit begegnet und Steine hat man auch nicht nach uns geworfen. Es würde uns nicht wundern, wenn es ab und zu vorkäme, denn in Äthiopien schmeißen Kinder mit Steinen nach dem Vieh um es zu lenken und die Erwachsenen mit Steinen nach Kindern, um sie zu erziehen. Ein Stein , den man schon in der Hand hält ist schnell auch mal hinter einem komischen Auto hergeworfen… Aber es scheint wohl eher die Ausnahme zu sein. Im Reiseführer wurde davor gewarnt nach Chencha rein zu fahren, weil man dort von den Kindern massiv beworfen werde – wir sind hingefahren und über den Markt geschlendert und sind nur Freundlichkeit begegnet.

Ein Land der Bettler ist Äthiopien zweifellos. Geprägt von Jahrzehnten fehlgeleiteter Entwicklungshilfe, die jede Eigeninitiative oder Weiterentwicklung im Keim erstickt hat sowie von einer Kultur in der jeder, der etwas braucht, zunächst einen anderen darum bittet ehe er es selbst besorgt, betteln Äthiopier gewohnheitsmäßig, ständig und alle. Eine Ablehnung etwas zu geben wird aber fast nie übel genommen – schließlich ist man kein Verwandter, der verpflichtet wäre alles zu teilen.

Äthiopien ist auf jeden Fall ein Land der Kinder, von denen es (Entschuldigung!) viel zu viele gibt. Zur Zeit bewirtschaftet eine Familie (vom Selbstverständnis her ist jeder Äthiopier Bauer und in der Realität stützen sich bestimmt 95% der Bevölkerung auf den Eigenanbau) ca. einen Hektar Land. Da Land auf alle Kinder zu gleichen Teilen weitervererbt wird ist dies die letzte Generation, die überhaupt noch eine Chance hat von ihrem Land zu leben. Oder hätte – wenn sie denn bereit wäre statt Teff ein ertragreicheres Getreide anzubauen und ihr Vieh zu essen.

Highlights: Berglandschaft, Kirchen von Lalibela, Palast in Gonder, Dorze, Nechisar Nationalpark und Umgebung

Tiere: Die Vogelwelt ist unglaublich vielfältig und absolut faszinierend. Die Nationalparks haben nur noch sehr wenig Großwild zu bieten – das meiste wurde während der Hungersnöte aufgegessen, aber Zebras, Gazellen, Krokodile und Flusspferde haben wir gesehen. Streunende Hunde und Katzen gibt es nicht – die Tiere gehören alle jemandem – und sind in unterschiedlichem Pflegezustand. Das Gleiche gilt für Nutztiere. In Äthiopien besteht die paradoxe Situation, dass eine Unmenge Großtiere (Rinder, Ziegen, Esel, Schafe und in einigen Gegenden auch Kamele) gehalten werden – aber nicht zur Ernährung sondern als Statussymbol. In der Trockenzeit verhungert das Vieh elend und die Besitzer sehen traurig zu, sind aber nicht bereit vor der Dürre zu schlachten und zu konservieren um sich selbst damit während der schlechten Zeit zu ernähren, denn das Vieh gehört zur Familie. Warum auch – die Hilfsorganisationen (allen voran US Aid) verteilen ja ganzjährig Getreidesäcke, die man während der fetten Monate an das Vieh verfüttert (weil Weizen nicht schmeckt und das Vieh sich ja vermehren soll) und während der mageren Monate notgedrungen selber ißt. Natürlich führt die übermäßige Viehhaltung zu vermehrter Bodenerosion und damit zu noch weniger Ertragsflächen.

Resümee: Wir würden gerne wiederkommen! Wenn sich unsere Ohren vom you-you-you erholt haben……









Die letzten Bilder aus Äthiopien... Felsenkirchen in Lalibela, zwei Schnappschüsse und Eindrücke aus dem Omo Valley
Das Omo-Valley im Südwesten Äthiopiens soll eines der letzten Refugien für Stämme sein, die nur wenig Kontakt zu unserer sogenannten Zivilisation haben oder haben wollen. Natürlich wollen und können wir nicht in deren immer kleiner werdende Gebiete vorstoßen, aber die Randgebiete haben sich dem Tourismus geöffnet und wir waren gespannt, ob die Asi, Hamer, Mursi, Banna und die anderen Stämme der Region ihre Lebensweise aufgeben und nur noch als Touristenattraktion vorführen, oder ob sich in den Dörfern und auf den Märkten noch viel Ursprüngliches entdecken läßt. Soviel vorweg: Es war eine eher gemischte Erfahrung.


Wir sind zunächst von Konso nach Key Afer gefahren und hatten eine drei- bis viertägige Rundtour geplant. In Konso wird Guido in der Touristeninformation von angeblichen Führern massiv bedrängt, obwohl wir definitiv keinen Führer mitnehmen wollen und die Situation eskaliert als zwei der Aufdringlichen eine Prügelei beginnen. Guido flüchtet regelrecht aus dem Gebäude. Später überholt uns jemand auf dem Moped und bringt uns die nötige Genehmigung für die Einfahrt ins das Gebiet hinterher.

Auf der Strecke fällt uns einiges an Perlenschmuck auf; viele der Menschen tragen leuchtend grüne Anhänger an einem Band auf der Stirn und vermehrt sahen wir Männer in kurzem Lendenschurz oder längerem Rock. Einige der halbwüchsigen Jungen, die das Vieh hüten, tragen nichts anderes als Lendenschurz und etwas Schmuck zu ihrem Hirtenstab. Diese Stöcke, ohne die hier kein Mann zu sehen ist, haben eine merkwürdige Form: oben wie eine Eins und unten wie ein Ypsilon. Sie taugen als Hirtenstöcke und zum Daraufstützen bei längeren Wartezeiten, aber auch zum Abstützen großer Lasten und sind eigentlich, wie wir später erfahren haben, Zeremonienstäbe ohne die kein Ritual stattfinden kann. In Key Afer kommen wir am Markttag an und engagieren einen Begleiter, ohne den ein Besuch nicht möglich ist. Zu den wöchentlichen Markttagen kommen nicht nur die hier ansässigen Hamer und Banna, sondern auch viele Touristen. Für die Einheimischen lohnt sich das in mehrfacher Hinsicht: Für ein Foto einer Person in Stammestracht bezahlt man zwei Birr, also zehn Cent, und die Souvenirs an den Marktständen verkaufen sich gut. Die Gebühr von 150 Birr für den Begleiter geht an eine Vereinigung, die von den Stämmen selbst gegründet wurde und den Tourismus im Gebiet fördern will. Neben den professionellen Fotomodellen sind aber auch viele Menschen aus den Dörfern gekommen, die in ihrer Alltagskleidung, die eine wilde Mischung aus moderner Kleidung und Stammestracht ist, zum Teil recht malerisch aussehen. Wir sind guter Dinge als wir am nächsten Morgen nach Jinka aufbrechen, wo das Gebiet der Hamer an das der Mursi grenzt und am übernächsten Tag ebenfalls ein Markt stattfindet.

Vorher gibt es allerdings noch Streit mit einem der örtlichen Hotelbesitzer, der sich beschwert, dass wir nicht in seinem Hof für die Nacht geparkt haben, obwohl wir dort zuerst gefragt hatten. Wir weigern uns natürlich ihm den „Verdienstausfall“ zu bezahlen und er zieht schließlich ab, nicht ohne uns im Vorbeigehen voller Wut die Verkabelung der hinteren Positionsleuchten herauszureißen. Nachdem wir auf dem Weg nach Jinka noch eine unangenehme Situation erleben, als ein liegengebliebener LKW die Straße versperrt und die Stimmung der Wartenden recht aggressiv wird beschließen wir vorsichtiger zu sein und evt. die Tour zu verkürzen oder abzubrechen. So viel Gewaltbereitschaft haben wir noch nirgendwo auf unserer Tour erlebt, aber viele der hier lebenden Stämme sind noch regelmäßig kriegsführend mit ihren jeweiligen Nachbarn und ein kämpferisches Auftreten mag in der Stammesgemeinschaft als Tugend aufgefaßt werden.

In Jinka hoffen wir einige Mursi zu sehen, deren Frauen auffällige Lippenteller tragen und deren Gebiet weiter westlich angeblich schlecht zugänglich ist. Es gibt in der Nähe von Jinka aber ein Mursidorf, das man besuchen kann.

Da wir schon früh ankommen gehen wir in das hervorragend gestaltete Museum, das Alltagsgegenstände vieler Stämme zeigt und vergleichend über die Kulturen berichtet. Die Kinder sind fasziniert von den Berichten und Filmen über rituelle Auspeitschungen, Initiationsriten, Schmucknarben und Stockkampfwettbewerben. Jene Menschen, von denen hier berichtet wird, sind die gleichen die uns auf der Straße begegnen und die unsere Kinder so begeistert ansehen und oft auch anfassen oder zu umarmen versuchen. Vor allem Fabian wird von Kindern und Erwachsenen ständig betätschelt oder gar geküßt was ihm gar nicht gefällt. Besser findet er schon, dass die Männer ihm alle die Hand geben, als sei er ein Erwachsener, auch wenn sie das nur scherzhaft tun. Lilian dagegen sonnt sich ein bißchen in der allgemeinen Bewunderung: So wie sie möchte hier jede Frau und jedes Mädchen aussehen – ein bißchen heller und sooo schönes Haar. Für Umarmungen ist sie schon zu groß, eher fragt man uns wann sie heiratsfähig sei.

Am Abend treffen wir eine deutsche Reisegruppe im Hotelrestaurant, die bei ihrem Besuch im Mursidorf so sehr bedrängt wurden Fotos zu machen (eine Preisliste wurde gleich aufgezählt), dass sie die Kameras im Auto ließen und sich dann in einem Halbkreis von Kalaschnikows fanden und aufgefordert wurden, die Kameras zu holen und zu fotografieren (und zu bezahlen natürlich). Der Reiseführer konnte die Situation rasch entspannen, aber für uns ist damit klar, dass wir am nächsten Tag nach dem Markt die gleiche Strecke zurückfahren, die wir gekommen sind.

Der Markt selbst entpuppt sich als Enttäuschung, die Polizei hat sich ausgerechnet diesen Tag ausgesucht um illegale Marktfrauen zu vertreiben und da hier die meisten illegal, d.h. ohne eine Gebühr zu zahlen, verkaufen wollen packen die meisten erst gar nicht aus. Wir werden von einigen Mursi regelrecht angerempelt, die fotografiert werden möchten, aber auf diese Art lassen wir uns nicht ein – Bilder des Stammes kann sich jeder im Internet oder einem Kulturreiseführer anschauen…. Wir verlassen Jinka noch mittags und fahren zurück bis Konso, von wo wir nach einer unruhigen Nacht in einem sehr lauten Hotelhof bis zur kenianischen Grenze bei Moyale weiterfahren.