Die berühmte Schneekappe des Kilimanjaro ist dem Klimawandel zum Opfer gefallen, aber ein heftiger Regenguss am gestrigen Abend hat die majestätischen Gipfel mit dünnem Eis bedeckt und für klare Sicht gesorgt. Als wir in unserem Buschcamp im Morgengrauen aufwachen sind die beiden höchsten Spitzen des Massivs klar zu sehen und wir stehen ein paar Minuten später mit dampfenden Teebechern und unseren Kameras staunend vor dem unglaublichen Anblick – zum Amusement der lokalen Bevölkerung, die sich um diese Zeit aufmacht um auf den Feldern am Fuß des Berges zu arbeiten oder in der nahegelegenen Kleinstadt nach einem Job für den Tag zu fragen. Wir werden ungeniert ausgefragt Wo kommt ihr her? Habt ihr in dem Auto geschlafen? Sind das eure Kinder? Wo wollt ihr hin? und müssen viele Hände schütteln. Moses und Asuf möchten auf ihren Mopeds fotografiert werden und es stört sie gar nicht, dass sie das Bild nur auf dem kleinen Kameradisplay zu sehen bekommen – die Versicherung, dass wir es zu Hause unseren Freunden zeigen werden genügt ihnen vollkommen. Die Frauen stehen kichernd um die Kinder herum, die das Aufsehen, dass sie erregen inzwischen gewöhnt sind.
Den Tag zuvor waren wir es, die neugierige Blicke geworfen haben, denn die Gegend ist Massailand und überall entlang der Straße konnten wir in die mit Dornenwällen geschützten runden Höfe schauen und die traditionell gewandeten Menschen bestaunen. Die Massai sind sehr stolz auf ihre Traditionen und ähnlich wie die Samburu im Norden eine echte Augenweide: Große schlanke Menschen in stolzer Haltung mit auffälligem Perlenschmuck und in bunte oder rötliche Tücher gehüllt schreiten gelassen durch den Busch oder winken uns freundlich zu. Kenias Regierung, die sich überwiegend aus dem Stamm der Kikuju rekrutiert hat ihnen kürzlich Land zurückgeben müssen und so profitiert der Stamm jetzt direkt von den Einnahmen aus dem Amboseli-Nationalpark und den umliegenden Lodges. Eine Entwicklung die hoffentlich nicht zu noch mehr Vieh in dieser bereits überweideten Gegend führt, denn auch die Massai halten Rinder als Statussymbol und Wertanlage. Am Abend jedenfalls verloren die meisten Massai viel vor ihrer Würde als der Wolkenbruch sie ebenso wie uns überraschte und dann einen herrlichen Regenbogen über der Landschaft entstehen ließ: Hektisch strebte jeder auf die Hütten zu und duckte sich rasch unter den niedrigen Eingang während wir kaum weniger hektisch die Wassereinbrüche in der Fahrerkabine des Schneck bekämpften. Der Schneck ist eben ein Schönwetterfahrzeug und sintflutartige Regenfälle sind nicht sein Ding. Zum Glück ist der Koffer – unser Schneckenhaus – wasserdicht. An der Küste soll das Wetter besser sein… in den letzten Tagen hat es fast täglich einmal geregnet, wenn auch nur selten so heftig, und die Temperaturen schätzen wir auf höchstens 25 Grad Celsius. Ein bißchen wärmer und trockener dürfte es ruhig sein!
Samstag, 27. November 2010
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