Zusammenfassung Äthiopien
Land: Das Dach Afrikas ist ein Land landschaftlicher Höhepunkte, die sich beinah pausenlos aneinanderreihen. Wer Berglandschaften mag muss (Nord-)Äthiopien gesehen haben, wo sich hinter jeder Kurve neue spektakuläre Aussichten bieten. Auch die Seen im Rift Valley sind wunderschön: Lake Langano, Lake Shala, Lake Abiata, Lake Chamo, Lake Abaya… Oktober und November sind die perfekte Reisezeit, weil alles grün ist und so bietet sich das Land eigentlich als Reiseziel für die Herbstferien an. Man kann Rundreisen mit Reiseleitung buchen oder einfach ab Addis mit einem gemieteten Landrover selber fahren, zu den wichtigsten Städten gibt es ab Addis auch Flugverbindungen.
Leute: Die Äthiopier sind sicherlich gewöhnungsbedürftiger als viele andere Afrikaner, aber im Allgemeinen sehr freundlich. Da es eher wenig Touristen gibt sind Weiße „zum Anfassen“ wie wir vielerorts noch eine Sensation und weiße Kinder ganz besonders. Die mangelnde Distanz der Äthiopier kann nerven: Kaum aus dem Auto ausgestiegen ist man umringt und selbst im Auto wird man bei jedem Stopp angesprochen und genau beobachtet. Allerdings erlebt man das auch in einigen anderen afrikanischen Ländern. Das schrille you-you-you und farandschi, farandschi (hier ist jeder Weiße noch ein „Franke“) der Kinder begleitet einen die ganze Zeit.
Äthiopien ist ein Land der Bettler und Steineschmeißer? Wir sind keinerlei Fremdenfeindlichkeit begegnet und Steine hat man auch nicht nach uns geworfen. Es würde uns nicht wundern, wenn es ab und zu vorkäme, denn in Äthiopien schmeißen Kinder mit Steinen nach dem Vieh um es zu lenken und die Erwachsenen mit Steinen nach Kindern, um sie zu erziehen. Ein Stein , den man schon in der Hand hält ist schnell auch mal hinter einem komischen Auto hergeworfen… Aber es scheint wohl eher die Ausnahme zu sein. Im Reiseführer wurde davor gewarnt nach Chencha rein zu fahren, weil man dort von den Kindern massiv beworfen werde – wir sind hingefahren und über den Markt geschlendert und sind nur Freundlichkeit begegnet.
Ein Land der Bettler ist Äthiopien zweifellos. Geprägt von Jahrzehnten fehlgeleiteter Entwicklungshilfe, die jede Eigeninitiative oder Weiterentwicklung im Keim erstickt hat sowie von einer Kultur in der jeder, der etwas braucht, zunächst einen anderen darum bittet ehe er es selbst besorgt, betteln Äthiopier gewohnheitsmäßig, ständig und alle. Eine Ablehnung etwas zu geben wird aber fast nie übel genommen – schließlich ist man kein Verwandter, der verpflichtet wäre alles zu teilen.
Äthiopien ist auf jeden Fall ein Land der Kinder, von denen es (Entschuldigung!) viel zu viele gibt. Zur Zeit bewirtschaftet eine Familie (vom Selbstverständnis her ist jeder Äthiopier Bauer und in der Realität stützen sich bestimmt 95% der Bevölkerung auf den Eigenanbau) ca. einen Hektar Land. Da Land auf alle Kinder zu gleichen Teilen weitervererbt wird ist dies die letzte Generation, die überhaupt noch eine Chance hat von ihrem Land zu leben. Oder hätte – wenn sie denn bereit wäre statt Teff ein ertragreicheres Getreide anzubauen und ihr Vieh zu essen.
Highlights: Berglandschaft, Kirchen von Lalibela, Palast in Gonder, Dorze, Nechisar Nationalpark und Umgebung
Tiere: Die Vogelwelt ist unglaublich vielfältig und absolut faszinierend. Die Nationalparks haben nur noch sehr wenig Großwild zu bieten – das meiste wurde während der Hungersnöte aufgegessen, aber Zebras, Gazellen, Krokodile und Flusspferde haben wir gesehen. Streunende Hunde und Katzen gibt es nicht – die Tiere gehören alle jemandem – und sind in unterschiedlichem Pflegezustand. Das Gleiche gilt für Nutztiere. In Äthiopien besteht die paradoxe Situation, dass eine Unmenge Großtiere (Rinder, Ziegen, Esel, Schafe und in einigen Gegenden auch Kamele) gehalten werden – aber nicht zur Ernährung sondern als Statussymbol. In der Trockenzeit verhungert das Vieh elend und die Besitzer sehen traurig zu, sind aber nicht bereit vor der Dürre zu schlachten und zu konservieren um sich selbst damit während der schlechten Zeit zu ernähren, denn das Vieh gehört zur Familie. Warum auch – die Hilfsorganisationen (allen voran US Aid) verteilen ja ganzjährig Getreidesäcke, die man während der fetten Monate an das Vieh verfüttert (weil Weizen nicht schmeckt und das Vieh sich ja vermehren soll) und während der mageren Monate notgedrungen selber ißt. Natürlich führt die übermäßige Viehhaltung zu vermehrter Bodenerosion und damit zu noch weniger Ertragsflächen.
Resümee: Wir würden gerne wiederkommen! Wenn sich unsere Ohren vom you-you-you erholt haben……
Montag, 15. November 2010
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen