Die Felsen sind mit einer leuchtend grünen Schicht überzogen, über die das Wasser circa vier Meter tief in einem Spalt in den Felsen verschwindet und sich dort mit dem Bach vereinigt. Hot shower verkündet Francis fröhlich und ergänzt Kommt runter! Der Pfad da oben taugt nur für Paviane. Der Weg ist hier! Francis ist ungefähr zwölf und hat sich zu unserem Führer für die Wanderung durch die Hell's Gate Schlucht im gleichnamigen Nationalpark ernannt. Wanderung trifft es aber nicht ganz - es ist eher eine Kletterpartie durch das zur Zeit fast trockene und nur sehr schmale Flußbett, das von hohen Wänden eingerahmt ist. Als das Rift Valley entstand begannen die Wassermassen einen tausende Jahre dauernden Prozess der Auswaschung, dessen Höhepunkt (oder eigentlich tiefsten Punkt) wir nun vor uns haben. Der Spalt im Boden ist an dieser Stelle nur 1,50 m breit und das heiße Wasser der Quelle einige Meter weiter oben spritzt heftig. Die Kinder und wir zögern etwas - aber der Weg zurück ist ganz bestimmt nicht einfacher. Schon an einigen Stellen sind wir Felsen hinabgerutscht und haben uns von Francis Anweisungen leiten und von Guido auffangen lassen. Der sogenannte Wanderweg durch die Schlucht ist eine Einbahnstraße. Also reicht Guido mir den Rucksack und begibt sich von Francis gecoacht in den Spalt. Rechts festhalten und jetzt links - nein weiter unten - den Fuss hierhin, dann dort... Es geht besser als erwartet und Guido dreht sich dicht am Felsen und noch außerhalb der Spritzwasserzone um und hilft uns herunter. Ein kurzer Sprint durch die nicht ganz so heiße Dusche und weiter gehts.
Die Höllentorschlucht hat dem Nationalpark den Namen gegeben, aber wir sind auch sonst von dem kleinen Park begeistert: Es gibt hier so viele Warzenschweine wie nirgendwo sonst, es ist überall erlaubt aus dem Auto auszusteigen und es gelingt uns tatsächlich zu Fuß auf vielleicht 15m an einen Giraffenbullen heranzukommen, der uns sehr neugierig und fast zehn Minuten lang aus seiner luftigen Höhe betrachtet. Als wir etwas später eine Büffelherde entdecken sind wir allerdings weniger mutig und bleiben lieber im Schneck. Es kommen in Afrika mehr Menschen durch Büffel ums Leben als durch Raubkatzen oder Hippos...
Am nächsten Tag sind wir nach Nairobi weitergefahren um dem Schneck eine gründliche Inspektion und Pflege zukommen zu lassen und erleben die andere Seite Kenias: Slums in den Außenbezirken, von Stacheldraht umgebene Villenviertel, luxuriöse Einkaufszentren - wieder eine Hauptstadt, die uns nicht zusagt.
Auf unserer bisherigen Hitliste der Hauptstädte (Wenn wir in einer der besuchten Hauptstädte leben müßten - welche würden wir wählen?) kommt Nairobi für uns an dritter Stelle nach Khartoum und Kairo und vor Addis Abbeba.
Mittwoch, 17. November 2010
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