Wieder einmal ist Zeit fuer eine schoene Tasse (ugandischen) Kaffee...
Ich habe zwei Blogeintraege, jede Menge Fotos und die Zusammenfassung Uganda eingestellt.
Viel Spass damit!
Tanja
Samstag, 29. Januar 2011
Zusammenfassung Uganda
Land: Uganda hat keine Küste und ist dennoch ein Land des Wassers. Wer Freude hat an schöner, üppig grüner Landschaft voller breiter Ströme, Wasserläufe, Sümpfe und Tümpel, voller dramatischer Wasserfälle und verträumter Kraterseen, der ist hier richtig. Uganda bietet beeindruckende Gebirge und immer wieder neue Ansichten für Wanderer, Bergsteiger oder Spazierfahrer – es wird nie langweilig. Allerdings ist auch das Wetter eher etwas nass: Die Trockenzeiten sind kurz und auch dann kann es einmal einen Schauer geben. Uns war eher selten zu heiß und nachts kann es empfindlich kalt werden. Die Straßen sind in weitgehend gutem bis sehr gutem Zustand und die touristische Infrastruktur ist (außer im Norden) überall gut. Ob die Sicherheitslage nach den Wahlen am 18.2. allerdings immer noch so gut wie jetzt ist weiß hier niemand und ob die neue (oder alte) Regierung mit dem Ausverkauf der wundervollen Landschaft und Tierwelt zugunsten Energiegewinnung und Ölförderung weitermacht oder das Ruder noch rechtzeitig herumreißt auch nicht. Wer Uganda erleben will sollte sich vielleicht beeilen: Ein deutscher Geophysiker hat uns eine Karte gezeigt, die alle wichtigen Nationalparks als Öllagerstätten auswies. Der traurige Witz ist, dass die Natur einem Polit-Programm ohne echten wirtschaftlichen Nutzen zum Opfer fallen könnte, denn weder ist das gefundene Öl von guter Qualität noch hat Uganda selbst die technologischen Möglichkeiten es zu fördern.
Leute: Die Ugander sind (gemessen an deutscher Unterkühltheit) freundlich. Im Vergleich mit ihren afrikanischen Nachbarn schneiden sie nicht ganz so gut ab, ihnen fehlt nach langer trauriger Geschichte die Leichtigkeit und der Humor, die die Tansanier zum Beispiel so auszeichnen. Dafür sind sie deutlich effektiver: In Uganda ist es durchaus möglich ein Essen im Restaurant unter einer Stunde Wartezeit zu bekommen und Zusagen werden öfter eingehalten. Hier sind viele Hotels und Campingplätze in einheimischer Hand und durchaus ordentlich geführt, was in Kenia oder Tansania kaum vorkommt.
Wenn Ugander feiern , dann gehören die Trommeln und traditionellen Gesänge auf jeden Fall noch dazu und es ist schön zu sehen, dass auch die Jugendlichen oft zum üben treffen.
Tiere: Die meisten Touristen besuchen Uganda um die Gorillas zu sehen und vielleicht noch ein Schimpansentrekking zu machen. Beides blieb uns verwehrt, weil Kinder unter 15 Jahren nicht teilnehmen dürfen und die Gorillas auch unser Budget gesprengt hätten. Alle, die wir nach ihrer Gorillabegegnung trafen sprachen einhellig von einer einmaligen Erfahrung, die den hohen Preis absolut wert ist.
Die Tiere, die für uns Uganda ausmachten waren die Flußpferde (Hippos), die Vögel und die Affen (Colobus, Meerkatzen, Rotschwanzaffen, Paviane….) denen man überall begegnen kann und die einfach Spaß machen. Bei den Farmtieren fallen die wunderschönen Rinder mit den riesigen Hörnern auf – und die Tatsache, dass Ugander oft Schweine halten, die natürlich alle frei herumlaufen. Hunde und Katzen sind geliebte Haustiere und so lange etwas Eßbares im Haus ist werden sie mitversorgt, wenn auch vielleicht nur mit Kochbananen.
Highlights: Sipi Falls, Regenwald, Tiere am Nil bei den Murchinson Falls, Lake Nkuruba und die Landschaft von dort bis zum Lake Bunyoni
NEWS-Ticker: Lake Edward – Ishaka - Kabale -Lake Bunyoni – Schneck und Besatzung wohlauf
Wir haben schon Fotos von vielen Tieren gemacht, die vor oder hinter dem Schneck die Straße überqueren, und jedes weitere crossing feuert unser diesbezügliches Jagdfieber weiter an. Ein völlig aufgeregtes Mama, Mama haben wir schon ein Perlhuhn-Crossing? hinter meinem linken Ohr oder ein Papa, ich glaube, also ich könnte mich irren, aber ich glaube da vorne steht was auf der Straße! während sich meine bezaubernde Tochter nach vorne auf die Kühltruhe lehnt um besser sehen zu können bin ich gewohnt – aber diesmal sind wir alle ganz still und halten den Atem an. Wir haben den Schneck an der Straße geparkt und sind hier im Niemandsland zwischen Katwe, einem der wenigen überlebenden Dörfer nach den schweren Epidemien der 50er Jahre, und dem Queen Elizabeth National Park ausgestiegen. Zum schilfbestandenen Ufer des Lake Edward sind es hier nur wenige Meter und wir haben die Nilpferde grunzen gehört und ihre glänzenden wie Steine aus dem Wasser ragenden Rücken gesehen. Nur ein paar Meter haben wir zwischen den kandelaberförmigen Euphorbien und dem dürren staubigen Buschwerk zurückgelegt als wir das Schnauben links von uns hören. Hippos, Mama das war ein Hippo, gleich da neben uns, ganz nah, ein Hippo!! – Hmmh, sei leise jetzt! Drei von vier Afrikareisenden machen die Kameras schussbereit und halten den Atem an. Nummer vier ist ein bißchen blaß geworden (schließlich sagt Mama immer wieder wie gefährlich so ein Nilpferd sein kann) und flüstert: Aber nicht zwischen das Wasser und das Hippo geraten! Fabian hat die wichtigste Regel für solche Fälle schön memoriert und vorsichtig schlagen wir einen Bogen zurück um einen etwas größeren Strauch und da sehen wir sie: Keine 8 Meter vor uns stehen zwei Nilpferde in der blassen Morgensonne. Mama, die gehen bestimmt über die Straße, das gibt bestimmt ein Hippocrossing, das haben wir noch nicht, wieso sind die überhaupt tagsüber so weit vom Wasser weg, ich mein was machen die denn hier… - Shhhh!!!!!!!!! Noch ein atemraubender Moment als das größere der Tiere, das Lili gerade in die Augen gucken kann, uns kurz androht – dann weichen die beiden um ein paar Meter aus und gehen tatsächlich über die Straße. Wenn irgendjemand weiß wem wir das preisverdächtige Beweisfoto mit Seltenheitswert verkaufen können – immer her damit!
Salz, Staub und das grelle senkrechte Licht lassen den See und weite Teile des ihn umgebenden Parks der Wirklichkeit entrückt erscheinen und erst als der Schneck erneut den Rand des großen Grabenbruchs erklommen hat tauchen wir wieder ein ins pralle, bunte ugandische Leben. Während Uganda sonst mit Wasserfarben bezaubert erscheinen die grünen Hügel hier um Ishaka wie in Öl gemalt: In riesige Falten gelegt sind sie beraubt von allem Wald pure Form. Überweidung ist in dieser Gegend ein Problem, denn die hier ansässigen Stämme betreiben intensive Milchviehhaltung ohne einen Gedanken an Nachhaltigkeit zu verschwenden. In zwanzig Jahren werden hier die Erosion und der Hunger herrschen wenn nicht bald mit Aufforstung begonnen wird. Die Senken zwischen den Hügeln, an deren unterem Rand die unvermeidlichen Kochbananen wachsen, bestehen aus papyrusbestandenem Sumpf, und wieder einmal wundern wir uns, dass hier niemand eine Verwendung für die in Ägypten ausgestorbene Pflanze gefunden hat (oder die Sümpfe trockengelegt). Vielleicht ist die Tatsache, dass in Uganda erst seit zehn Jahren Frieden und Sicherheit herrschen die Ursache dafür dass die Ugander noch weniger als andere Schwarzafrikaner auf die Zukunft vertrauen. Immerhin können wir später in Kabale einen fantastischen Käse kaufen und zusammen mit einem richtigen Brot (Weißbrot natürlich, aber zumindest kein Toast mit Vanillearoma) und einigen Tomaten, die Lili für uns am Straßenrand ersteht ergibt das ein herrliches Picknick.
Das Milchvieh weicht Teeplantagen und diese schließlich den wunderbar terrassierten Hügeln rings um den Lake Bunyoni, auf denen Zwiebeln, Kohl und Tomaten neben Kochbananen und Ananas wachsen. Der See ist mit ca. 1000m sehr tief, lädt zum Schwimmen ein und liegt in wirklich malerischer Umgebung, so dass wir hier noch einmal in Uganda dem Spiel des Lichts auf dem Wasser zusehen und dem Klang der Trommeln lauschen wollen.
NEWS-Ticker: über Hoima und Fort Portal zu den Kraterseen – Lake Nkuruba und Lake Nyambykere – Kasese - Lake Edward
Mama, ist das schön hier, und gar kein Schilf. Ob es hier wohl Bilha… Bilhassiose gibt? Ich mein ich seh kein Schilf dann ist es doch ungefährlich, oder? Dann können wir hier schwimmen gehen? – Hmmmh, Bilharziose heißt das. Ich sehe auch kein Schilf auch wenn die Ufer stark bewachsen sind. Und es ist ein Kratersee, das heißt ja wohl felsige Ufer ohne Schlamm…mal sehen… ja hier gehen die Felsen gerade und tief runter. Das Wasser ist ja nicht sehr klar, aber ich würde sagen …. – Mama, Mama, guck mal all die kleinen Fische, können wir dann morgen die Schnorchelbrillen nehmen? – Meine Güte, das sind ja wirklich jede Menge Fische! Und guck mal da, da sind auch… wie heißen die noch… wie heißen die noch… BLUTEGEL! – WAS?? – Ja, da und da und da! Äääh, ich glaube das mit dem schwimmen gehen hat sich gerade erledigt!
Die Kinder haben die Enttäuschung zum Glück schnell überwunden. Da Blutegel sich nur in sehr sauberem Wasser wohlfühlen können wir hier aber wenigstens unsere Trinkwasservorräte auffüllen. In den letzten Tagen haben wir überall nur rotbraunes Wasser zweifelhafter Qualität vorgefunden, so dass die Kanister fast leer sind. Zwar könnten wir theoretisch mit den Keramikfiltern das Wasser auf Trinkwasserqualität bringen, aber die Filter haben eine so niedrige Durchflußgeschwindigkeit, dass wir bis jetzt immer darauf verzichtet und stattdessen das Wasser nur mit Micropur aufbereitet haben.
Der Lake Nkuruba ist ein kleiner Kratersee inmitten üppiger Vegetation und der Schneck parkt malerisch am Kraterrand. Von dort aus verschwimmt die die dunstige Luft spiegelnde Wasseroberfläche vor den Augen, so dass die Grenze zwischen Luft und Wasser kaum sichtbar ist. Am Abend beginnt ein lautes Froschkonzert, das uns durch den größten Teil der Nacht begleitet. Hornschnäbel und Turakos flattern zwischen den Ästen und immer wieder zeigen stärkere Bewegungen im Blättergewirr die Anwesenheit von Affen an. Gegen Mittag fotografieren wir wild begeistert einige schwarz-weiße Colobusaffen, die nur wenige Meter neben dem Schneck in den Bäumen sitzen und sehen fast zu spät, dass sich eine große Horde Meerkatzen auf der anderen Seite intensiv für unser Auto, die Wäsche auf der Leine und alle herumliegenden Kleinteile interessiert. Die Colobusaffen machen es sich gemütlich und schauen grinsend zu, wie wir hektisch alle Fenster und Türen am Schneck schließen und die Wäsche verteidigen. Später geben uns die überwiegend jungen Meerkatzen noch eine Vorstellung in Sachen Spiel, Sprungtechnik und Balgerei, dass die Speicherkarten unserer Kameras im Nu voll sind. Als sie abziehen beginnt das Jungtier der eher passiv gebliebenen Colobusgruppe seine erwachsenen Artgenossen zum Spiel aufzufordern und Lili versucht nun ihrerseits sich als Affe im Baum auszugeben um eine Reaktion der Affen zu provozieren. Affenbaby und Lili haben zwar nur mäßigen Erfolg, aber wir müssen doch über die Parallelen zwischen Affen und Kindern schmunzeln.
Ugandas Farben sind Wasserfarben habe ich irgendwo gelesen. Am See der Frösche – dem in der Mittagssonne smaragdgrün schimmernden Lake Nyambykere – wird klar wie das gemeint war: Das andere Ufer ist kaum hundert Meter weit entfernt, und doch wirkt es in der leicht dunstigen Luft so zart wie ein Aquarell. Während der winterlichen Trockenzeit ist der Dunst, der die Landschaft oft kulissenhaft zweidimensional erscheinen läßt, allgegenwärtig. Dabei ist es außer in den sumpfigen Niederungen keineswegs schwül, sondern heiß in der Mittagszeit und angenehm kühl in der Nacht.
Für die Weiterfahrt Richtung Kasese entscheiden wir uns für eine Piste durch die Dörfer und fahren dann weiter durch riesige Baumwollplantagen und Maispflanzungen auf denen Männer in neongelber Sträflingskleidung arbeiten. Immer wieder erscheint im Osten die Silhouette des Ruwenzorigebirges, das mit fast 5000m in die Wolken hineinragt. Dass wir es tagsüber überhaupt zu sehen bekommen ist schon erstaunlich – es ist für gewöhnlich so gut in Dunst und Nebel verborgen, dass mehrere große Afrikaexpeditionen buchstäblich daran vorbeigelaufen sind.
Kasese entpuppt sich als vermüllte und wenig einladende Stadt in der die Nähe zum Kongo und die noch frische Vergangenheit als Rebellennest sich in deutlich erhöhter Militärpräsenz und Natostacheldraht auf den Mauern der besseren Häuser ausdrücken. Wir biegen hinter dem Besucherzentrum des Queen Elizabeth Nationalparks auf eine Wellblechpiste ab, die uns begleitet von Elefanten, Wasserböcken anderen Antilopen zum Lake Edward bringt. Nun sitzen wir hier in der wieder einmal fantastisch sternklaren Nacht und lauschen dem Schnauben und Rupfen der grasenden Hippos, die sich erstaunlich leise nur wenige Meter neben uns durch die Dunkelheit bewegen.
Sonntag, 16. Januar 2011
NEWS-Ticker: über Soroti und Lyra durch den Norden Ugandas Richtung Westen – Regenwald und Nilfälle im Murchinson Falls Nationalpark – Lake Albert - Masindi - Schneck und Besatzung wohlauf
Der Norden Ugandas wird in einigen Reiseführern noch als unsicher beschrieben. Tatsächlich hat die Regierung Musevenis hier noch vor fünf Jahren mit Rebellen zu kämpfen gehabt, und die Stämme in dieser Gegend gelten als regierungskritisch. Inzwischen gibt es sowohl laut Auswärtigem Amt als auch nach Auskunft der Ugander keine Bedenken mehr die Gegend zu bereisen. Der Norden ist insgesamt trockener und ärmer als der Rest des Landes, obwohl wir auch hier immer wieder auf große Sümpfe stoßen. Vor allem Baumwolle wird hier angebaut – in Lyra gibt es eine große Spinnerei – und die Kinder halten fasziniert die weichen weißen Bällchen in der Hand. Die ist aber dünn! Bestimmt schwierig zu verspinnen… wundert sich Lili, die mich schon Schafwolle hat verspinnen gesehen und Fabian staunt, wie weiß Baumwolle ist und dass man daraus schwarze T-Shirts herstellen kann. Außer Baumwolle sehen wir sehr viel Zuckerrohr auf den Feldern stehen, neben der üblichen Mischung von Bananen, Mais und Cassava zur Selbstversorgung. Zum ersten Mal in Afrika sehen wir Schweine und bekommen im Restaurant schüchtern Schweinefleisch angeboten.
In Masindi biegen wir in eines der letzten Regenwaldreservate Ostafrikas ab. Wer glaubt zu wissen was ein Wald ist wird hier eines Besseren belehrt. Das Grün ist in allen Etagen unglaublich dicht und verschlungen und es dringt nur an wenigen Stellen Sonne bis ins Unterholz. Der Blick nach oben zeigt Baumriesen, die scheinbar endlos in den Himmel ragen: vierhundert Jahre alte Mahagonibäume, glattrindige Hartholzbäume mit riesigen Brettwurzeln, die den Schimpansen als Trommeln dienen und schlankere Gummibäume bilden die Pfeiler für alle Arten von Schling- und Kletterpflanzen. Immer wieder weist uns Ibrahim auf eine parasitäre Schlingpflanze hin, die nach einigen Jahrzehnten Wachstum selbst einen Baumriesen erdrücken kann: Die Früchte werden von Schimpansen und anderen Affen gern gefressen, so dass manchmal Samen auf einem Baum liegenbleiben. Von dort treibt die Pflanze aus und wächst zunächst Richtung Erdboden – manchmal dreißig oder vierzig Meter – bis sie dort verwurzelt und nun neue starke Triebe bildet, die den Wirtsbaum umschlingend wieder nach oben wachsen. In einigen Fällen ist die Umschlingung so stark und dicht, dass von Stamm des Wirtsbaumes nichts mehr zu sehen ist, dieser stirbt schließlich ab während der Parasit inzwischen selbst baumartigen Charakter angenommen hat. Gelegentlich hören wir einen der großen Hornschnäbel schreien oder sehen Affen durchs Blätterdach huschen, aber in der dichten Vegetation sind die Tiere gut getarnt. Dafür sehen wir abends vor dem Truck Tausende von Glühwürmchen uns umschwärmen und als die Kinder endlich schlafen gegangen sind huscht eine Manguste vorbei.
Die Weiterfahrt führt uns zu einem alten Bekannten: dem Nil. Wir nehmen das Boot stromauf zu den Murchinsonfällen und fahren drei Stunden lang durch eine Landschaft, die an einen Garten Eden erinnert. Der breite Strom, die Wälder am Ufer, kleine Felsenklippen und sandige Ufer bieten Tausenden von Tieren Lebensraum. Wir sehen mehr Nilpferde als wir zählen können und viele von ihnen stehen zu unserer Freude sogar am Ufer und grasen – immer wachsam und bereit in mehr oder weniger anmutigem Trab ins Wasser zu rennen. Elefanten stehen dort, Krokodile sonnen sich oder schwimmen neben dem Boot her, Wasserböcke und Warzenschweine säumen in großer Zahl die Ufer. An den Felsenklippen können wir Eisvögel bei der Jagd beobachten und sehen die bunten Bienenfresser und majestätischen Fischadler in den Zweigen sitzen.
Der verschlungene Lauf des Nils begleitet uns noch weiter auf der Reise, denn wir verlassen den Nationalpark in der Nähe des Lake Albert. Die Häuser hier sind kleiner und wirken gedrungener durch die großen, losen Strohdächer. Einmal sehen wir ein paar Männer mit Musikinstrumenten in verschiedenen Größen, die einer Lyra nicht unähnlich sind und steigen spontan aus um zuzuhören. Auf der rechten Seite den im Dunst verschwimmenden See mit seinen Fischerdörfern, die aus der Ferne wie eine Ansammlung von Strohhaufen wirken und aus der Nähe intensiven Fischgeruch verströmen und auf der rechten Seite die Abbruchkante des Rift Valley , die der Schneck schließlich auch brav erklimmt, schlagen wir den Bogen zurück nach Masindi.
NEWS-Ticker: Grenze nach Uganda überquert – Wildlife Education Center in Entebbe besucht – Sylvester in Kampala – Bujagali Falls -- zurück über Jinja und weiter über Mbala – Sipi Falls -- Schneck braucht neuen Schuh -- Besatzung wohlauf
Es ist wirklich erstaunlich, wie viele Hammerköpfe es auf Ugandas Strassen gibt, und damit meine ich nicht die durchweg durchgeknallten Verkehrsteilnehmer sondern die etwa möwengroßen braunen Vögel mit der merkwürdigen Ausbuchtung am Hinterkopf. Offensichtlich sind sie der Meinung, dass die Straße (gleich ob Teer oder Schlammpiste) ihnen gehört und fliegen nur zögerlich und unter Protest auf. Ansonsten werden Ugandas Strassen vor allem von Mopeds bevölkert – es ist wirklich erstaunlich wie viele Menschen auf ein solches Kleinmotorrad passen. Wer sich kein Moped und auch keine Fahrt mit einem Mopedtaxi leisten kann fährt Fahrrad (Schwerlastfahrräder annociert der ugandische Hersteller sie optimistisch) oder Dalla-Dalla (Minibustaxi). Bei letzterem kann es allerdings schon mal passieren, dass man draußen dranhängt.
Uganda hat uns eher kühl, regnerisch und unfreundlich empfangen und erst nach einigen Tagen wird uns und werden wir ein wenig warm mit dem Land im Herzen Afrikas. Wir sind über Jinja zu den Bujagali Wasserfällen (eher Stromschnellen) gefahren und der Schneck steht nun etwa zehn Meter über dem Victorianil, der später zum Weißen Nil wird, mit wunderschönem Blick auf den hier schon breiten, aber noch ganz jungen Strom und den Beginn der Stromschnellen. Am Nachmittag wird das Wasser zu einem dunklen Spiegel aus Metall, auf dem die weißen Schlieren und Strudel unaufhörlich neue geheimnisvolle Muster bilden und später, als die Sonne dramatisch schön darüber versinkt scheint der Fluss trügerisch ruhig und nur das laute Rauschen verrät, welche Kraft in den Wassermassen verborgen ist. Am anderen Morgen und mit der Sonne im Rücken bietet sich ein ganz anderer Anblick: blau das Wasser mit strahlend weißen Schaumkronen, die eifrig gegen die Strömungen und über all die Klippen und Steine springen – dahinter sattgrün der Wald. Wir folgen einem Fußpfad durch die benachbarten Campinganlagen und sehen eine Menge bunter Menschen, meist mit Helm, Schwimmweste und Paddel bewaffnet durcheinanderlaufen. Überall stehen die großen Überlandreisemobile, Kayaks, Raftingflöße und anderes Equipment herum, denn hier ist das Zentrum des ugandischen Raftingtourismus – wer auf Nervenkitzel steht kann Stromschnellen mit den verschiedensten Wasserfahrzeugen erfahren oder gleich Bungeejumping ausprobieren und wer genug Wasser für den Tag geschluckt hat, der findet vielleicht Gefallen an einer Quadbiketour durchs Gelände. Der Pfad endet an den Bujagalifällen selbst, in die Idi Amin gern seine politischen Gegner werfen ließ. Heute bezahlen Touristen aus aller Welt viel Geld dafür, mit der richtigen Ausrüstung hineingeworfen zu werden. Der Fluß umspült hier mehrere kleine Inseln und Klippen, so daß das Wasser nicht in einem großen Sturz fällt, sondern von allen Seiten gleichzeitig kommend auf verschiedenste Weise seinen Weg findet. Es gurgelt und schäumt, es strudelt und rauscht, und an einigen Stellen scheint es ganz ruhig und gläsern in einer Abbruchkante nach unten zu fließen. Wir stehen lange hier und genießen den Anblick, uns wohl bewußt, dass wir zu den letzten Glücklichen gehören, die die Bugajalifalls erleben können, denn flußabwärts ist ein Damm beinah fertiggestellt worden, der Ende des Monats anfangen soll das Wasser aufzustauen - und dann wird dieses Naturereignis einfach verschwinden. Welchen Einfluss das auf die Landschaft, die reiche Tier- und Vogelwelt am Fluss und auf die vom Tourismus so abhängige Bevölkerung in der Gegend haben wird vermögen wir uns nicht vorzustellen und versuchen es auch zu vermeiden.
Der ugandischen Frau fehlt es im Allgemeinen an der Eleganz der Tansanierinnen, die ich für die Französinnen Afrikas halte, aber dafür ist die ugandische Tracht etwas ganz Besonderes. Leider kleiden sich die meisten jüngeren Frauen hier inzwischen in westliche Kleidung, aber die auffälligen bunten Kleider sind doch noch überall zu bestaunen. Weit geschnittenes Oberteil kombiniert mit eckigem Ausschnitt und spitz nach oben zeigenden Puffärmeln, die bis über den Ellenbogen reichen und dazu ein langer und recht weiter Rock sind bei der üblichen Farb- und Musterwahl schon auffallend genug, aber ausgehfein ist frau erst mit dem passenden Gürtel. Dabei handelt es sich um einen gut 20 cm breiten Stoffstreifen der doppelt um die Hüften und unter dem meist schwangeren Bauch hindurchgeführt und dort zu einer großen Schleife gebunden wird. Der Gürtel sollte möglichst in einer Kontrastfarbe zum übrigen Outfit stehen und darf gern auch aus glänzendem Material sein, so dass der Eindruck einer Bonbonverpackung entsteht. Ein Kopfputz dazu ist möglich aber nicht zwingend erforderlich, was vermutlich daran liegt, dass frau ihr Geld hier eher zum Friseur als zum Schneider trägt. Die Frisuren sind weit fantasievoller als in den Nachbarländern, mal modern geglättet und kurz asymmetrisch geschnitten mal im Stil der 40er Jahre des letzten Jahrhunderts, dann wieder afrikanisch geflochten aber mit farbigen Strähnen … In jedem kleinen Nest bewirbt ein sogenannter Schönheitssalon (eine Bretterbude so schäbig wie die anderen) die neuesten Haarteile und Perücken. Da kleinen Mädchen auch hier die Haare meist sehr kurz- oder ganz abgeschoren werden bricht mit Einsetzen der Pubertät der Wettkampf aus, mit den meisten (längsten) Haaren zu punkten. Tatsächlich haben wir viele junge Mädchen entdeckt deren Zöpfchen aus Kordeln bestanden, die an die noch viel zu kurzen Haare geknotet wurden. Wer sich den Salonbesuch nicht leisten kann bleibt meist beim Beinahe-Kahlkopf und wickelt wenn es darauf ankommt eben einen Schal darum. Da ich Menschen nur unauffällig fotografieren mag, gibt es noch keine richtig guten Bilder zu den Kleidern, ich bleibe aber dran.
Der Schneck hat sich auf einem der wenigen schlechten Straßenabschnitte Ugandas das Profil des rechten hinteren Reifens auf einer Fläche von vielleicht 25 mal 35 cm abrasiert, was die Reifenklinik in Jinja wie hier üblich mit einem inwändigen Pflaster versorgt hat. Ob das Pflaster nicht gehalten hat, oder ob es das Stück schlechter Straße kurz vor Mbale war – jedenfalls hatten wir dort unsere erste richtige Reifenpanne (wäre schön, wenn es auch die letzte wäre, sagt mein Mann gerade). Der Reifen war rasch gewechselt, ist aber komplett zerstört, so dass wir in den nächsten Tagen auf die Suche nach einem neuen Reservereifen gehen müssen.
Wer sich angesichts des News-tickers gefragt hat, inwieweit sich die Sipi-Wasserfälle von den Bujagali-Fällen unterscheiden: Es gibt praktisch keine Ähnlichkeiten, außer dass es sich in beiden Fällen um große Wassermassen in Bewegung handelt. Wir haben den heutigen Tag mit einer wunderschönen geführten Wanderung verbracht und in einer üppig grünen Berglandschaft drei fast 60m hohe wenn auch schmale Wasserfälle aus allen Perspektiven (ja, einen auch von hinten) bestaunt und fotografiert und sind dabei ordentlich nass geworden. Auch diese Fälle, die selbst jetzt in der Trockenzeit mit beeindruckendem Donnern mal wie schwerer Stoff mal als zarter Schleier herabstürzen, wird es nicht mehr lange in dieser Form geben. Oberhalb der Fälle hat man begonnen Pipelines zu verlegen, um Sipi mit Trinkwasser zu versorgen. Die Wassermenge der Sipifalls, deren Foto überall in Uganda hängt, wird dadurch halbiert werden.
Jetzt sitzen wir auf dem Campingplatz unmittelbar am Rand einer Klippe und mit Blick auf den größten der Fälle und bereiten uns auf den großen Muskelkater vor, denn Wandern heißt hier auf schmalsten, oft rutschigen Pfaden steil bergauf- oder bergab klettern. Morgen wollen wir noch eine zweite Wanderung bis zum Rand des Waldes, der zum Mount Elgon Nationalpark gehört machen.
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