NEWS-Ticker: über Hoima und Fort Portal zu den Kraterseen – Lake Nkuruba und Lake Nyambykere – Kasese - Lake Edward
Mama, ist das schön hier, und gar kein Schilf. Ob es hier wohl Bilha… Bilhassiose gibt? Ich mein ich seh kein Schilf dann ist es doch ungefährlich, oder? Dann können wir hier schwimmen gehen? – Hmmmh, Bilharziose heißt das. Ich sehe auch kein Schilf auch wenn die Ufer stark bewachsen sind. Und es ist ein Kratersee, das heißt ja wohl felsige Ufer ohne Schlamm…mal sehen… ja hier gehen die Felsen gerade und tief runter. Das Wasser ist ja nicht sehr klar, aber ich würde sagen …. – Mama, Mama, guck mal all die kleinen Fische, können wir dann morgen die Schnorchelbrillen nehmen? – Meine Güte, das sind ja wirklich jede Menge Fische! Und guck mal da, da sind auch… wie heißen die noch… wie heißen die noch… BLUTEGEL! – WAS?? – Ja, da und da und da! Äääh, ich glaube das mit dem schwimmen gehen hat sich gerade erledigt!
Die Kinder haben die Enttäuschung zum Glück schnell überwunden. Da Blutegel sich nur in sehr sauberem Wasser wohlfühlen können wir hier aber wenigstens unsere Trinkwasservorräte auffüllen. In den letzten Tagen haben wir überall nur rotbraunes Wasser zweifelhafter Qualität vorgefunden, so dass die Kanister fast leer sind. Zwar könnten wir theoretisch mit den Keramikfiltern das Wasser auf Trinkwasserqualität bringen, aber die Filter haben eine so niedrige Durchflußgeschwindigkeit, dass wir bis jetzt immer darauf verzichtet und stattdessen das Wasser nur mit Micropur aufbereitet haben.
Der Lake Nkuruba ist ein kleiner Kratersee inmitten üppiger Vegetation und der Schneck parkt malerisch am Kraterrand. Von dort aus verschwimmt die die dunstige Luft spiegelnde Wasseroberfläche vor den Augen, so dass die Grenze zwischen Luft und Wasser kaum sichtbar ist. Am Abend beginnt ein lautes Froschkonzert, das uns durch den größten Teil der Nacht begleitet. Hornschnäbel und Turakos flattern zwischen den Ästen und immer wieder zeigen stärkere Bewegungen im Blättergewirr die Anwesenheit von Affen an. Gegen Mittag fotografieren wir wild begeistert einige schwarz-weiße Colobusaffen, die nur wenige Meter neben dem Schneck in den Bäumen sitzen und sehen fast zu spät, dass sich eine große Horde Meerkatzen auf der anderen Seite intensiv für unser Auto, die Wäsche auf der Leine und alle herumliegenden Kleinteile interessiert. Die Colobusaffen machen es sich gemütlich und schauen grinsend zu, wie wir hektisch alle Fenster und Türen am Schneck schließen und die Wäsche verteidigen. Später geben uns die überwiegend jungen Meerkatzen noch eine Vorstellung in Sachen Spiel, Sprungtechnik und Balgerei, dass die Speicherkarten unserer Kameras im Nu voll sind. Als sie abziehen beginnt das Jungtier der eher passiv gebliebenen Colobusgruppe seine erwachsenen Artgenossen zum Spiel aufzufordern und Lili versucht nun ihrerseits sich als Affe im Baum auszugeben um eine Reaktion der Affen zu provozieren. Affenbaby und Lili haben zwar nur mäßigen Erfolg, aber wir müssen doch über die Parallelen zwischen Affen und Kindern schmunzeln.
Ugandas Farben sind Wasserfarben habe ich irgendwo gelesen. Am See der Frösche – dem in der Mittagssonne smaragdgrün schimmernden Lake Nyambykere – wird klar wie das gemeint war: Das andere Ufer ist kaum hundert Meter weit entfernt, und doch wirkt es in der leicht dunstigen Luft so zart wie ein Aquarell. Während der winterlichen Trockenzeit ist der Dunst, der die Landschaft oft kulissenhaft zweidimensional erscheinen läßt, allgegenwärtig. Dabei ist es außer in den sumpfigen Niederungen keineswegs schwül, sondern heiß in der Mittagszeit und angenehm kühl in der Nacht.
Für die Weiterfahrt Richtung Kasese entscheiden wir uns für eine Piste durch die Dörfer und fahren dann weiter durch riesige Baumwollplantagen und Maispflanzungen auf denen Männer in neongelber Sträflingskleidung arbeiten. Immer wieder erscheint im Osten die Silhouette des Ruwenzorigebirges, das mit fast 5000m in die Wolken hineinragt. Dass wir es tagsüber überhaupt zu sehen bekommen ist schon erstaunlich – es ist für gewöhnlich so gut in Dunst und Nebel verborgen, dass mehrere große Afrikaexpeditionen buchstäblich daran vorbeigelaufen sind.
Kasese entpuppt sich als vermüllte und wenig einladende Stadt in der die Nähe zum Kongo und die noch frische Vergangenheit als Rebellennest sich in deutlich erhöhter Militärpräsenz und Natostacheldraht auf den Mauern der besseren Häuser ausdrücken. Wir biegen hinter dem Besucherzentrum des Queen Elizabeth Nationalparks auf eine Wellblechpiste ab, die uns begleitet von Elefanten, Wasserböcken anderen Antilopen zum Lake Edward bringt. Nun sitzen wir hier in der wieder einmal fantastisch sternklaren Nacht und lauschen dem Schnauben und Rupfen der grasenden Hippos, die sich erstaunlich leise nur wenige Meter neben uns durch die Dunkelheit bewegen.
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