Sonntag, 16. Januar 2011


NEWS-Ticker: über Soroti und Lyra durch den Norden Ugandas Richtung Westen – Regenwald und Nilfälle im Murchinson Falls Nationalpark – Lake Albert - Masindi  - Schneck und Besatzung wohlauf

Der Norden Ugandas wird in einigen Reiseführern noch als unsicher beschrieben. Tatsächlich hat die Regierung Musevenis hier noch vor fünf Jahren mit Rebellen zu kämpfen gehabt, und die Stämme in dieser Gegend gelten als regierungskritisch. Inzwischen gibt es sowohl laut Auswärtigem Amt als auch nach Auskunft der Ugander keine Bedenken mehr die Gegend zu bereisen. Der Norden ist insgesamt trockener und ärmer als der Rest des Landes, obwohl wir auch hier immer wieder auf große Sümpfe stoßen. Vor allem Baumwolle wird hier angebaut – in Lyra gibt es eine große Spinnerei – und die Kinder halten fasziniert die weichen weißen Bällchen in der Hand. Die ist aber dünn! Bestimmt schwierig zu verspinnen…  wundert sich Lili, die mich schon Schafwolle hat verspinnen gesehen und Fabian staunt, wie weiß Baumwolle ist und dass man daraus schwarze T-Shirts herstellen kann. Außer Baumwolle sehen wir sehr viel Zuckerrohr auf den Feldern stehen, neben der üblichen Mischung von Bananen, Mais und Cassava zur Selbstversorgung. Zum ersten Mal in Afrika sehen wir Schweine und bekommen im Restaurant schüchtern Schweinefleisch angeboten.
In Masindi  biegen wir in eines der letzten Regenwaldreservate Ostafrikas ab. Wer glaubt zu wissen was ein Wald ist wird hier eines Besseren belehrt. Das Grün ist in allen Etagen unglaublich dicht und verschlungen und es dringt nur an wenigen Stellen Sonne bis ins Unterholz. Der Blick nach oben zeigt Baumriesen, die scheinbar endlos in den Himmel ragen: vierhundert Jahre alte Mahagonibäume, glattrindige Hartholzbäume mit riesigen Brettwurzeln, die den Schimpansen als Trommeln dienen und schlankere Gummibäume bilden die Pfeiler für alle Arten von Schling- und Kletterpflanzen. Immer wieder weist uns Ibrahim auf eine parasitäre Schlingpflanze hin, die nach einigen Jahrzehnten Wachstum selbst einen Baumriesen erdrücken kann: Die Früchte werden von Schimpansen und anderen Affen gern gefressen, so dass manchmal Samen auf einem Baum liegenbleiben. Von dort treibt die Pflanze aus und wächst zunächst Richtung Erdboden – manchmal dreißig oder vierzig Meter – bis sie dort verwurzelt und nun neue starke Triebe bildet, die den Wirtsbaum umschlingend wieder nach oben wachsen. In einigen Fällen ist die Umschlingung so stark  und dicht, dass von Stamm des Wirtsbaumes nichts mehr zu sehen ist, dieser stirbt schließlich ab während der Parasit inzwischen selbst baumartigen Charakter angenommen hat. Gelegentlich hören wir einen der großen Hornschnäbel schreien oder sehen Affen durchs Blätterdach huschen, aber in der dichten Vegetation sind die Tiere gut getarnt. Dafür sehen wir abends vor dem Truck Tausende von Glühwürmchen uns umschwärmen und als die Kinder endlich schlafen gegangen sind huscht eine Manguste vorbei.
Die Weiterfahrt führt uns zu einem alten Bekannten: dem Nil. Wir nehmen das Boot stromauf zu den Murchinsonfällen und fahren drei Stunden lang durch eine Landschaft, die an einen Garten Eden erinnert. Der breite Strom, die Wälder am Ufer, kleine Felsenklippen und sandige Ufer bieten Tausenden von Tieren Lebensraum. Wir sehen mehr Nilpferde als wir zählen können und viele von ihnen stehen zu unserer Freude sogar am Ufer und grasen – immer wachsam und bereit in mehr oder weniger anmutigem Trab ins Wasser zu rennen. Elefanten stehen dort, Krokodile sonnen sich oder schwimmen neben dem Boot her, Wasserböcke und Warzenschweine säumen in großer Zahl die Ufer. An den Felsenklippen können wir Eisvögel bei der Jagd beobachten und sehen die bunten Bienenfresser und majestätischen Fischadler in den Zweigen sitzen.
Der verschlungene Lauf des Nils begleitet uns noch weiter auf der Reise, denn wir verlassen den Nationalpark in der Nähe des Lake Albert.  Die Häuser hier sind kleiner und wirken gedrungener durch die großen, losen Strohdächer. Einmal sehen wir ein paar Männer mit Musikinstrumenten in verschiedenen Größen, die einer Lyra nicht unähnlich sind und steigen spontan aus um zuzuhören. Auf der rechten Seite den im Dunst verschwimmenden See mit seinen Fischerdörfern, die aus der Ferne wie eine Ansammlung von Strohhaufen wirken und aus der Nähe intensiven Fischgeruch verströmen und auf der rechten Seite die Abbruchkante des Rift Valley , die der Schneck schließlich auch brav erklimmt, schlagen wir den Bogen zurück nach Masindi.

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