NEWS-Ticker: Lake Edward – Ishaka - Kabale -Lake Bunyoni – Schneck und Besatzung wohlauf
Wir haben schon Fotos von vielen Tieren gemacht, die vor oder hinter dem Schneck die Straße überqueren, und jedes weitere crossing feuert unser diesbezügliches Jagdfieber weiter an. Ein völlig aufgeregtes Mama, Mama haben wir schon ein Perlhuhn-Crossing? hinter meinem linken Ohr oder ein Papa, ich glaube, also ich könnte mich irren, aber ich glaube da vorne steht was auf der Straße! während sich meine bezaubernde Tochter nach vorne auf die Kühltruhe lehnt um besser sehen zu können bin ich gewohnt – aber diesmal sind wir alle ganz still und halten den Atem an. Wir haben den Schneck an der Straße geparkt und sind hier im Niemandsland zwischen Katwe, einem der wenigen überlebenden Dörfer nach den schweren Epidemien der 50er Jahre, und dem Queen Elizabeth National Park ausgestiegen. Zum schilfbestandenen Ufer des Lake Edward sind es hier nur wenige Meter und wir haben die Nilpferde grunzen gehört und ihre glänzenden wie Steine aus dem Wasser ragenden Rücken gesehen. Nur ein paar Meter haben wir zwischen den kandelaberförmigen Euphorbien und dem dürren staubigen Buschwerk zurückgelegt als wir das Schnauben links von uns hören. Hippos, Mama das war ein Hippo, gleich da neben uns, ganz nah, ein Hippo!! – Hmmh, sei leise jetzt! Drei von vier Afrikareisenden machen die Kameras schussbereit und halten den Atem an. Nummer vier ist ein bißchen blaß geworden (schließlich sagt Mama immer wieder wie gefährlich so ein Nilpferd sein kann) und flüstert: Aber nicht zwischen das Wasser und das Hippo geraten! Fabian hat die wichtigste Regel für solche Fälle schön memoriert und vorsichtig schlagen wir einen Bogen zurück um einen etwas größeren Strauch und da sehen wir sie: Keine 8 Meter vor uns stehen zwei Nilpferde in der blassen Morgensonne. Mama, die gehen bestimmt über die Straße, das gibt bestimmt ein Hippocrossing, das haben wir noch nicht, wieso sind die überhaupt tagsüber so weit vom Wasser weg, ich mein was machen die denn hier… - Shhhh!!!!!!!!! Noch ein atemraubender Moment als das größere der Tiere, das Lili gerade in die Augen gucken kann, uns kurz androht – dann weichen die beiden um ein paar Meter aus und gehen tatsächlich über die Straße. Wenn irgendjemand weiß wem wir das preisverdächtige Beweisfoto mit Seltenheitswert verkaufen können – immer her damit!
Salz, Staub und das grelle senkrechte Licht lassen den See und weite Teile des ihn umgebenden Parks der Wirklichkeit entrückt erscheinen und erst als der Schneck erneut den Rand des großen Grabenbruchs erklommen hat tauchen wir wieder ein ins pralle, bunte ugandische Leben. Während Uganda sonst mit Wasserfarben bezaubert erscheinen die grünen Hügel hier um Ishaka wie in Öl gemalt: In riesige Falten gelegt sind sie beraubt von allem Wald pure Form. Überweidung ist in dieser Gegend ein Problem, denn die hier ansässigen Stämme betreiben intensive Milchviehhaltung ohne einen Gedanken an Nachhaltigkeit zu verschwenden. In zwanzig Jahren werden hier die Erosion und der Hunger herrschen wenn nicht bald mit Aufforstung begonnen wird. Die Senken zwischen den Hügeln, an deren unterem Rand die unvermeidlichen Kochbananen wachsen, bestehen aus papyrusbestandenem Sumpf, und wieder einmal wundern wir uns, dass hier niemand eine Verwendung für die in Ägypten ausgestorbene Pflanze gefunden hat (oder die Sümpfe trockengelegt). Vielleicht ist die Tatsache, dass in Uganda erst seit zehn Jahren Frieden und Sicherheit herrschen die Ursache dafür dass die Ugander noch weniger als andere Schwarzafrikaner auf die Zukunft vertrauen. Immerhin können wir später in Kabale einen fantastischen Käse kaufen und zusammen mit einem richtigen Brot (Weißbrot natürlich, aber zumindest kein Toast mit Vanillearoma) und einigen Tomaten, die Lili für uns am Straßenrand ersteht ergibt das ein herrliches Picknick.
Das Milchvieh weicht Teeplantagen und diese schließlich den wunderbar terrassierten Hügeln rings um den Lake Bunyoni, auf denen Zwiebeln, Kohl und Tomaten neben Kochbananen und Ananas wachsen. Der See ist mit ca. 1000m sehr tief, lädt zum Schwimmen ein und liegt in wirklich malerischer Umgebung, so dass wir hier noch einmal in Uganda dem Spiel des Lichts auf dem Wasser zusehen und dem Klang der Trommeln lauschen wollen.
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