Sonntag, 16. Januar 2011


NEWS-Ticker: Grenze nach Uganda überquert – Wildlife Education Center in Entebbe besucht – Sylvester in Kampala –  Bujagali Falls  -- zurück über Jinja und weiter über Mbala – Sipi Falls  --  Schneck braucht neuen Schuh -- Besatzung wohlauf

Es ist wirklich erstaunlich, wie viele Hammerköpfe es auf Ugandas Strassen gibt, und damit meine ich nicht die durchweg durchgeknallten Verkehrsteilnehmer sondern die etwa möwengroßen braunen Vögel mit der merkwürdigen Ausbuchtung am Hinterkopf. Offensichtlich sind sie der Meinung, dass die Straße (gleich ob Teer oder Schlammpiste) ihnen gehört und fliegen nur zögerlich und unter Protest auf. Ansonsten werden Ugandas Strassen vor allem von Mopeds bevölkert – es ist wirklich erstaunlich wie viele Menschen auf ein solches Kleinmotorrad passen. Wer sich kein Moped und auch keine Fahrt mit einem Mopedtaxi leisten kann fährt Fahrrad (Schwerlastfahrräder annociert der ugandische Hersteller sie optimistisch) oder Dalla-Dalla (Minibustaxi). Bei letzterem kann es allerdings schon mal passieren, dass man draußen dranhängt.
Uganda hat uns eher kühl, regnerisch und unfreundlich empfangen und erst nach einigen Tagen wird uns und werden wir ein wenig warm mit dem Land im Herzen Afrikas. Wir sind über Jinja zu den Bujagali Wasserfällen (eher Stromschnellen) gefahren und der Schneck steht nun etwa zehn Meter über dem Victorianil, der später zum Weißen Nil wird, mit wunderschönem Blick auf den hier schon breiten, aber noch ganz jungen Strom und den Beginn der Stromschnellen. Am Nachmittag wird das Wasser zu einem dunklen Spiegel aus Metall, auf dem die weißen Schlieren und Strudel unaufhörlich neue geheimnisvolle Muster bilden und später, als die Sonne dramatisch schön darüber versinkt  scheint der Fluss trügerisch ruhig und nur das laute Rauschen verrät, welche Kraft in den Wassermassen verborgen ist. Am anderen Morgen und mit der Sonne im Rücken bietet sich ein ganz anderer Anblick: blau das Wasser mit strahlend weißen Schaumkronen, die eifrig gegen die Strömungen und über all die Klippen und Steine springen – dahinter sattgrün der Wald. Wir folgen einem Fußpfad durch die benachbarten Campinganlagen und sehen eine Menge bunter Menschen, meist mit Helm, Schwimmweste und Paddel bewaffnet durcheinanderlaufen. Überall stehen die großen Überlandreisemobile, Kayaks, Raftingflöße und anderes Equipment herum, denn hier ist das Zentrum des ugandischen Raftingtourismus – wer auf Nervenkitzel steht kann Stromschnellen mit den verschiedensten Wasserfahrzeugen erfahren oder gleich Bungeejumping ausprobieren und wer genug Wasser für den Tag geschluckt hat, der findet vielleicht Gefallen an einer Quadbiketour durchs Gelände. Der Pfad endet an den Bujagalifällen selbst, in die Idi Amin gern seine politischen Gegner werfen ließ. Heute bezahlen Touristen aus aller Welt viel Geld dafür, mit der richtigen Ausrüstung hineingeworfen zu werden. Der Fluß umspült hier mehrere kleine Inseln und Klippen, so daß das Wasser nicht in einem großen Sturz fällt, sondern von allen Seiten gleichzeitig kommend auf verschiedenste Weise seinen Weg findet. Es gurgelt und schäumt, es strudelt und rauscht, und an einigen Stellen scheint es ganz ruhig und gläsern in einer Abbruchkante nach unten zu fließen. Wir stehen lange hier und genießen den Anblick, uns wohl bewußt, dass wir zu den letzten Glücklichen gehören, die die Bugajalifalls erleben können, denn flußabwärts ist ein Damm beinah fertiggestellt worden, der Ende des Monats anfangen soll das Wasser aufzustauen - und dann wird dieses Naturereignis einfach verschwinden. Welchen Einfluss das auf die Landschaft, die reiche Tier- und Vogelwelt am Fluss und auf die vom Tourismus so abhängige Bevölkerung in der Gegend haben wird vermögen wir uns nicht vorzustellen und versuchen es auch zu vermeiden.
Der ugandischen Frau fehlt es im Allgemeinen an der Eleganz der Tansanierinnen, die ich für die Französinnen Afrikas halte, aber dafür ist die ugandische Tracht etwas ganz Besonderes. Leider kleiden sich die meisten jüngeren Frauen hier inzwischen in westliche Kleidung, aber die auffälligen bunten Kleider sind doch noch überall zu bestaunen. Weit geschnittenes Oberteil kombiniert mit eckigem Ausschnitt und spitz nach oben zeigenden Puffärmeln, die bis über den Ellenbogen reichen und dazu ein langer und recht weiter Rock sind bei der üblichen Farb- und Musterwahl schon auffallend genug, aber ausgehfein ist frau erst mit dem passenden Gürtel. Dabei handelt es sich um einen gut 20 cm breiten Stoffstreifen der doppelt um die Hüften und unter dem meist schwangeren Bauch hindurchgeführt und dort zu einer großen Schleife gebunden wird. Der Gürtel sollte möglichst in einer Kontrastfarbe zum übrigen Outfit stehen und darf gern auch aus glänzendem Material sein, so dass der Eindruck einer Bonbonverpackung entsteht. Ein Kopfputz dazu ist möglich aber nicht zwingend erforderlich, was vermutlich daran liegt, dass frau ihr Geld hier eher zum Friseur als zum Schneider trägt. Die Frisuren sind weit fantasievoller als in den Nachbarländern, mal modern geglättet und kurz asymmetrisch geschnitten mal im Stil der 40er Jahre des letzten Jahrhunderts, dann wieder afrikanisch geflochten aber mit farbigen Strähnen … In jedem kleinen Nest bewirbt ein sogenannter Schönheitssalon (eine Bretterbude so schäbig wie die anderen) die neuesten Haarteile und Perücken. Da kleinen Mädchen auch hier die Haare meist sehr kurz- oder ganz abgeschoren werden bricht mit Einsetzen der Pubertät der Wettkampf aus, mit den meisten (längsten) Haaren zu punkten. Tatsächlich haben wir viele junge Mädchen entdeckt deren Zöpfchen aus Kordeln bestanden, die an die noch viel zu kurzen Haare geknotet wurden.  Wer sich den Salonbesuch nicht leisten kann bleibt meist beim Beinahe-Kahlkopf und wickelt wenn es darauf ankommt eben einen Schal darum. Da ich Menschen nur unauffällig  fotografieren mag, gibt es noch keine richtig guten Bilder zu den Kleidern, ich bleibe aber dran.
Der Schneck hat sich auf einem der wenigen schlechten Straßenabschnitte Ugandas das Profil des rechten hinteren Reifens auf einer Fläche von vielleicht 25 mal 35 cm abrasiert, was die Reifenklinik in Jinja wie hier üblich mit einem inwändigen Pflaster versorgt hat. Ob das Pflaster nicht gehalten hat, oder ob es das Stück schlechter Straße kurz vor Mbale war – jedenfalls hatten wir dort unsere erste richtige Reifenpanne (wäre schön, wenn es auch die letzte wäre, sagt mein Mann gerade). Der Reifen war rasch gewechselt, ist aber komplett zerstört, so dass wir in den nächsten Tagen auf die Suche nach einem neuen Reservereifen gehen müssen.
Wer sich angesichts des News-tickers gefragt hat, inwieweit sich die Sipi-Wasserfälle von den Bujagali-Fällen unterscheiden: Es gibt praktisch keine Ähnlichkeiten, außer dass es sich in beiden Fällen um große Wassermassen in Bewegung handelt. Wir haben den heutigen Tag mit einer wunderschönen geführten Wanderung verbracht und in einer üppig grünen Berglandschaft drei fast 60m hohe wenn auch schmale Wasserfälle aus allen Perspektiven (ja, einen auch von hinten) bestaunt und fotografiert und sind dabei ordentlich nass geworden. Auch diese Fälle, die selbst jetzt in der Trockenzeit mit beeindruckendem Donnern mal wie schwerer Stoff mal als zarter Schleier herabstürzen, wird es nicht mehr lange in dieser Form geben. Oberhalb der Fälle hat man begonnen Pipelines zu verlegen, um Sipi mit Trinkwasser zu versorgen. Die Wassermenge der Sipifalls, deren Foto überall in Uganda hängt, wird dadurch halbiert werden.
Jetzt sitzen wir auf dem Campingplatz unmittelbar am Rand einer Klippe und mit Blick auf den größten der Fälle und bereiten uns auf den großen Muskelkater vor, denn Wandern heißt hier auf schmalsten, oft rutschigen Pfaden steil bergauf- oder bergab klettern. Morgen wollen wir noch eine zweite Wanderung bis zum Rand des Waldes, der zum Mount Elgon Nationalpark gehört machen.

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