Zusammenfassung Ruanda
Land: Das kleine Land, das sich zwischen den Kongo, Uganda, Burundi und Tansania quetscht nennt sich selbst das Land der tausend Hügel – und unterschlägt dabei sicherlich hunderte. Außer einem schmalen Streifen im Nordosten gibt es keine ebene Fläche. Terrassierte grüne Hügel vor blauem Himmel und dazu der unvergleichliche Anblick des spiegelnden Kivusees mit hohen Bergen als Kulisse machen Ruanda zu einem lieblichen Anblick, der uns unvergessen bleiben wird. Dazu kommen hübsche kleine und größere Ortschaften, eine angenehme eher beschauliche Hauptstadt, entzückende Hotels und Pensionen an jeder Ecke, überall bunte Blumenbeete und weitgehend gute Straßen. Man könnte fast sagen, Ruanda sei nicht sehr afrikanisch – und tatsächlich: Wer die volle Packung Afrika will, wer Chaos, Müll und Abenteuer sucht, der ist in der Schweiz Afrikas falsch. Auch wir fanden manches unafrikanisch, aber das Land teilt sich auf unserer wo-man-sich-vorstellen-könnte-zu-leben-Liste bislang den ersten Platz mit Tansania.
Leute: Ruander sind neugierig und super freundlich, höflich, fleißig und bemüht ihren Job ordentlich zu tun. Und sie sind unglaublich sauber – das ganze kleine Land glänzt und blinkt nur so. Es gibt sogar eine Müllabfuhr und ein Verbot von Plastiktüten! An der Grenze sah ich folgendes Plakat:
Werte: 1. Tempo und Respekt vor der Zeit – ein Land in Eile. 2. Kundendienstmentalität – ständig zu verbessern. 3. Qualität der Ausführung – hoher Standard, Bestreben nach Perfektion, Effizienz. 3. Vollständigkeit – Wir bringen zu Ende was wir anfangen. 4. Selbstbewusstsein – Nationalstolz.
Tabus: 1. Status und Ego. 2. Verpassen von Fristen. 3. Angst vor Konflikten (künstliche Harmonie). 4. Mangel an Frust (Unverletzlichkeit).
Der Wiederaufbau seit 1994 wird von vielen vielen Hilfsorganisationen betrieben, aber dennoch ist bisher kein Abhängigkeitssyndrom zu bemerken. Wenn Ruanda sein Bevölkerungswachstum stoppen könnte wäre es geradezu ein Musterländle – so aber hängt das Damoklesschwert der Hungersnot bereits über der nächsten Generation. Wichtigstes Projekt derzeit ist die Nutzung der kleinen Sümpfe zwischen den Hügeln durch Reisanbau, aber ohne konsequente Familienpolitik ist das nur ein Zeitgewinn. Allerdings will die Regierung künftig Familien mit nicht mehr als drei Kindern finanziell fördern.
Tiere: Die Vogelwelt ist fantastisch. Unser Lieblingstier war der Sunbird – ein schillernder kleiner Vogel, der gern in den buntesten Blüten sitzt und in großer Zahl vorkommt. Auch verschiedene Affenarten konnten wir beobachten. Wer es sich leisten kann und keine Kinder unter 15 Jahren dabei hat kann auch Schimpansen oder Gorillas sehen.
Haus- bzw. Nutztiere gibt es in Ruanda nicht viele. Da auf fast jedem Quadratmeter Feldfrüchte angebaut werden halten nur noch wenige Leute Rinder, und dann nur in kleinsten Stückzahlen. Auch Ziegen sind nicht so zahlreich wie sonst in Afrika. Der Stellenwert der Tiere ist entsprechend hoch und sie wirken gut gepflegt und behütet – die meisten sind leinenführig wie Hunde. Hier und da sieht man Schweine und natürlich gehören ein paar Hühner und am See auch Enten zum Haus. Katzen gibt es kaum und Hunde selten und eher als Statussymbol – was zeigt wie sehr sich die Kultur der Ruander durch die Notwendigkeit des Ackerbaus gewandelt hat. Denn auf alten Fotos sieht man neben den stolzen Stammeskriegern stets eine Jagdhundmeute: große, schlappohrige, gescheckte Tiere, die entfernt an Windhunde erinnern und Halsbänder mit Glocken daran trugen.
Highlights: Kivusee bei Gisenji, Regenwald im Nyungwenationalpark, ethnografisches Museum in Huye/Butare, das das Afrika vor der Kolonialzeit erlebbar macht, filigrane Korbflechterarbeiten von unglaublicher Präzision
Resümee: Afrika für Anfänger mit wenig wilden Tieren aber hohem Entspannungsfaktor
Samstag, 19. Februar 2011
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