Samstag, 5. Februar 2011

Der Morgennebel hängt noch in den Tälern und zwischen den Bäumen des Regenwaldes. Und der Blick auf die unwirkliche Szenerie kann bei uns eingefleischten Herr-der-Ringe-Fans nur eine Assoziation auslösen: Lothlorien – das Herz des Elbentums auf Erden.


So erhaben der Anblick auch sein mag – eine Stunde später, als wir mittendrin stehen, kommt Guido und mir eher ein anderer von Tolkien erdachter Wald in den Sinn: Fangorn – dieser Wald ist alt. Sehr alt. Moose und Flechten umgeben uns und die Baumriesen, Baumfarne wie aus den Dinosaurierbüchern der Kinder, bizarre Riesenlobelien überragen uns meterhoch, ein Gewirr von Lianen versperrt uns Sicht und Weg und kleine leuchtende Blumen und Pilze in allen Größen und Farben säumen den schmalen und glitschigen Pfad. Längst sind wir alle froh über die schön geschnitzten Wanderstäbe, die Daniel, unser Führer durch den Dschungel ausgeteilt hat.

Der Nyungwe Nationalpark im Südwesten Ruandas ist ein tatsächlich uralter Bergregenwald, dessen Faszination wir alle erliegen. Daniel, zunächst höchst skeptisch ob des Durchhaltevermögens unserer Kinder ist inzwischen von ihnen begeistert: Ihr seid gute Wanderer! Also die Amerikaner, die brauchen für diesen Weg 10 Stunden und alle 10 Minuten fragen sie nach einer Pause und hier brechen sie dann immer zusammen und wollen nur noch schlafen. Daniel verlängert für uns die Route zwei mal und kombiniert mehrere Rundwege. Am Ende führt er uns vormittags vier und nachmittags noch einmal zwei Stunden durch den Urwald und wird nicht müde auf jede Kleinigkeit hinzuweisen: Da ist der Fußabdruck einer Goldkatze. Diese Pflanze nennen wir auch Affenbecher. Die da gibt gutes Toilettenpapier ab – ganz weich und riecht auch gut. Und die Blätter dieses Baumes… Lili und Fabian werden scheinbar auch nicht müde bergauf und bergab zu klettern und gegen 16 Uhr, als Lili zurück am Schneck angelangt noch einen Gegner für ein Wettrennen sucht, fragt der inzwischen doch leicht abgekämpfte Biologe Womit füttern Sie die?

Wenig später fahren wir mit hunderten von Eindrücken und mindestens ebenso vielen Fotos die Schlaglochpiste zurück. Im Schein der Abendsonne überquert eine große Gruppe L’Hoest-Affen die Straße und Lilian entdeckt im Geäst noch einige der großen, bunten Turacovögel.
Das war ein perfekter Tag. Fabian fallen schon beim Abendessen die Augen zu.

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