Mittwoch, 6. Juli 2011

NEWS-Ticker: Ngywena – Mbabane – Ezulwini – Big Bend – Nisela Nature Reserve – Schneck und Besatzung wohlauf


Es ist unerträglich heiß in der großen Halle die außer von den großen Fenstern an der Südwand auch vom Feuer der drei Öfen erhellt wird. Der Blick vom Balkon auf lauter dunkle Gestalten in roten Overalls, die routiniert Metallrohre und glühende amorphe Masse handhaben beschwört Gedanken an Folterkeller und Vorhöllen herauf, aber wir stehen nicht am Rande des Fegefeuers sonders blicken in die Glasbläserei von Ngywena hinab. Hier wird ausschließlich Altglas verwendet – eingeschmolzen und zu neuer Schönheit erweckt. Aus Marmeladengläsern werden Elefanten und Katzen, aus Colaflaschen entstehen Weingläser und Schachfiguren und in den Regalen und Vitrinen des Ausstellungsraumes entdecken wir sogar metallveredelte Schmuckstücke und Bierseidel aus Glas mit Henkeln aus Zinn. Im hinteren Bereich der Halle wird geschliffen, poliert und verpackt, denn die Erzeugnisse werden in alle Welt exportiert und als Fair Trade Produkte in Galerien und Eine-Welt-Läden verkauft. Ein leiser Seufzer entfährt uns nur beim Studium der ausgehängten Firmengeschichte: Ende der 70er von schwedischen Glasbläsern als Entwicklungshilfeprojekt begonnen wurde die Glasbläserei Mitte der 80er Jahre an die Swazis übergeben. Nur drei Jahre später war die Produktion zum Erliegen gekommen. Erst als ein Galerist aus Südafrika sich zu wundern begann warum keine Glaselefanten mehr lieferbar waren ging es wieder bergauf: Er reiste nach Ngywena, fand die Produktionsstätte verwaist, die meisten Geräte defekt und die Arbeiter bis auf drei nicht mehr vor. Mit diesen drei Leuten und einer Menge Enthusiasmus begann er von vorn und heute arbeiten 70 Menschen hier und es sollen noch weitere hinzukommen.

Es gibt einige Betriebe mit ähnlichen Geschichten in Swaziland. Handwebereien und Schaukelpferde (Schaukelzebras, Schaukelelefanten, Schaukel...) oder Sisalflechtarbeiten. Letztere entstehen in einem groß angelegten Frauenprojekt: Fast 900 Frauen in Swaziland sind mit dem Anbau, dem Verspinnen, dem Färben und schließlich dem Flechten von Korbarbeiten beschäftigt und auch diese Produkte haben sich als Exportschlager für Geschenkboutiquen in aller Welt erwiesen. Wer die Läden der Initiative betritt steht in einer wahren Explosion an Farben und kreativen Mustern, zwischen Körben, Dosen, Blumen, Uhren und Schmuck – alles aus Sisal. Alles wird in schön gestalteten Geschäften zu fairen Festpreisen präsentiert und der Stolz der Angestellten auf ihre Arbeit leuchtet einem überall entgegen.

Wir werden in Ngywena noch von einem anderen, viel kleineren Laden magisch angezogen: Afrikanische Versuchungen verheißt das Schild über der Tür, und das ist nicht zu viel versprochen. Hier werden Köstlichkeiten aus Schokolade hergestellt, nach belgischen Rezepten mit afrikanischem Touch: Trüffel mit Amarula, Pralinen mit Kaffee- oder Erdnußbutterfüllung, dicke Stücke köstlichen Toffees.... Die kleine Tüte, die wir erstehen schafft es nicht mal bis zum Parkplatz. Die Versuchung ist zu groß und wir geben auf dem halben Weg nach und lassen uns in der Sonne auf einer Bank nieder.

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