Samstag, 16. Juli 2011

NEWS-Ticker: Port Shepstone - Port St.Johns – Umtata - Port Alfred – Schneck und Besatzung wohlauf


Lili spurtet los und stürzt sich voller Begeisterung in den weichen Sand. Guck mal hier! Hektisch beginnt sie etwas freizulegen was mich zunächst an eine zerknitterte Plastiktüte denken lässt. Aber in der nächsten Sekunde weicht meine Verwunderung Erstaunen. Lili hält sehr vorsichtig eine wundervolle Nautilusmuschel hoch, die größer ist als meine Hand und vollständig intakt. Zart und transparent leuchtet die plissierte Hülle in der Sonne auf als ich sie für ein Foto zurechtlege. Der seltene Fund ruft noch tagelang Bewunderung in Port Alfred hervor und stürzt uns in verschiedene logistische Probleme: Wie verpackt man den hauchdünnen Schatz am besten und darf Lili ihn überhaupt nach Deutschland einführen oder ist das schon ein Verstoß gegen das Artenschutzabkommen? Letzteres scheint laut allgemeiner Meinung kein Problem zu sein, eine ausreichende Verpackung aufzutreiben allerdings schon eher. Laut Lili bedeutet ausreichend so etwas wie eine hausgroße Wattekugel, die auf einem Luftkissen schwebend über das Meer gelangt. Wir bemühen uns zur Zeit noch um einen Kompromiss.

Unsere Strandtage bei Port Alfred sind lichtdurchflutet und heiter, ein starker Kontrast zur dürren Hoffnungslosigkeit der Transkei, die wir vorher durchquert haben. Das ehemalige homeland (im Grunde eine Reservation für die Xhosa) ist eine endlose Abfolge karger Hügel voller ärmlicher Häuser, oft genug ohne Wasserversorgung und beinah immer mit zu wenig Land um eine Familie zu ernähren. Die Xhosa scheinen uns resigniert, die wenigsten Familien versuchen dem Boden etwas abzuringen, Maisfelder sind noch am häufigsten, Gemüsegärten die Ausnahme, alle Bäume längst abgeholzt und das Vieh unbewacht. Kirchen und Schulen sind in der Transkei ein vergleichsweise seltener Anblick und die glänzenden Yachten auf den Anhängern die wir so häufig sehen gehören Menschen, für die die Fernstraße durch die Transkei nur eine bequeme Abkürzung auf dem Weg in die Ferien bedeutet.

An der Küste dominieren kleine und mittlere Ferienorte mit prachtvoller Vegetation, Geschäften für Anglerbedarf und Bademoden und exklusiven Ferienhäusern in Hochsicherheitstrakten. Es ist Nebensaison, die meisten Häuser stehen leer ebenso wie die weiten Strände und so ist kein Frühaufsteher über die wunderschöne Nautilusmuschel gestolpert, die die Winterwellen auf den Sand geworfen haben.

1 Kommentar:

  1. ...das Perlboot (Nautilus) unterliegt strengem Artenschutz in allen Teilen. Es fallen sogar auch "Bruchstücke" darunter.
    Erwischt Euch der deutsche Zoll, wird es beschlagnahmt und die Geldstrafe ist empfindlich hoch. Auch Ausfuhrgenehmigungen eines anderen Staates helfen da nicht unbedingt, da die Einfuhr in Deutschland verboten ist.
    Leider wurden und werden immernoch vielfach Perlboote gefischt,getötet und dann an ahnungslose Touris als "Souvenir" verscherbelt, natürlich mit treuherzigem Augenaufschlag als "Fundstück".. Oder Bruchstücke in Schmuck verarbeitet.
    Das gefährdet leider extrem den Bestand, daher der strenge Schutz. Nichtwissen schützt nicht vor Strafe!
    Also lieber etwas vorsichtig sein....
    Liebe Grüsse
    Kostas

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