Dienstag, 31. Mai 2011

NEWS-Ticker: Opuwo – Epupa – Opuwo - Sesfontain – Schneck und Besatzung wohlauf


Die Szene ist eine von denen, die man nie vergisst: Unter dem leuchtenden Take-away-Schild neben der Supermarktkasse stehen drei Frauen vor der appetitlichen Auslage und schauen auf italienische Nudelgerichte, englische Pasteten und südafrikanische Würstchen. Die linke ist eine schlanke Person in Minirock und leuchtend gelber Daunenjacke, die aus irgendeiner Altkleidersammlung ihren Weg nach Opuwo im Kaokoveld gefunden haben muss. Die Kapuze mit dem Besatz aus Kunstfell hat sie trotz der Hitze über den Kopf gezogen. Ganz rechts steht eine Herero: Groß, dick und majestätisch mit ondulierten Locken unter der bunten Haube mit den typischen „Hörnern“ vorn und in einem wallenden blaukarierten, lurexdurchsetzten Gewand - mit Rüschenschürze versteht sich, die zur Tracht aus wilhelminischer Zeit nun mal dazu gehört wie die merkwürdige Kopfbedeckung. Angeregt schwatzt sie mit der Frau in der Mitte: Die bildschöne junge Himbafrau wirkt neben ihr merkwürdig monochrom, denn sie hat sich von Kopf bis Fuß mit einem Gemisch aus Butter und Ocker eingerieben. Selbst die Haare, die mit Hilfe von Lehm zu dicken Strängen gebändigt sind haben diese Farbe und auch der Kopfschmuck, der die Form kleiner Kuhhörner imitiert. Sie trägt einen Lendenschurz aus Leder – und sonst nichts. Die Himba verehren die Erde, aus der alles Leben kommt und ihre Kühe, und ihre Frauen sind sehr stolz auf ihre Schönheit, die mit vielen Perlenketten und metallenen Fußreifen zusätzlich betont werden muss. Fabians irritierte Frage als er die ersten Himbafrauen in der Stadt mit ihren Einkäufen sieht: Wie kommen die denn in den Supermarkt, wenn sie nackt sind? beschäftigt die Bewohner von Opuwa und Umland nicht.

Opuwa bedeutet im Herero-Dialekt Das Ende und der Name trifft es irgendwie. Es ist der letzte Vorposten der Zivilisation bevor man ins Himbaland weiterfährt – Richtung angolanische Grenze wo die Epupa-Wasserfälle locken. Die Ansiedlung hat den Charme einer Grenzstadt, sie ist staubig, hässlich, voller Bettler und Baracken und wir bleiben trotz des interessanten Menschengemischs nicht lange. Die staubige aber sehr gute Piste führt uns einmal mehr ins leere Land – ganz Namibia hat nur wenig mehr als zwei Millionen Einwohner, und in diesem riesigen, größtenteils unerschlossenen Gebiet im Nordwesten leben nur ein paar Tausend.

Die Himba sind Halbnomaden, ihre Hütten sind winzig und sehen meist sehr provisorisch aus und man muss Glück haben überhaupt ein paar von ihnen zu entdecken. Wir haben einiges über sie gelesen, aber eines überrascht uns doch: Wir hätten sie nicht für begeisterte Reiter gehalten. Aber viele der jungen Männer mit den kahlrasierten Schläfen und dem nach hinten abstehenden Flechtenzopf sind tatsächlich zu Pferde unterwegs – auf ordentlich aufgezäumten, kleinen, zähen und sehr temperamentvollen Tieren. Wer kein Pferd hat reitet Esel und wer zu Fuß unterwegs ist lässt sich wenigstens von einem Hund begleiten. Während die Frauen fast ausnahmslos traditionell unbekleidet sind, tragen die tiefschwarzen Männer zwischen Haarzopf und buntem Rock gern ein modernes T-Shirt.

Owen ist noch einen Schritt weiter gegangen. Unser Führer an den Epupafällen trägt die Haare eher ungebändigt, trägt ein schmuddeliges weißes T-Shirt mit der Aufschrift Haltet Epupa sauber, bunte Boxershorts die er gaaanz tief gezogen hat, Wollsocken und Stoffturnschuhe. Vermutlich ist er seinen Eltern ein Graus, aber wir haben unsere Freude an dem hellen Kerl. Das sind Eure Kinder? – Ja. – Wieso sieht das Mädchen dann so anders aus? Intelligent und direkt – da bekommt er gerne eine Aufklärung in Sachen Adoption. Das Prinzip kennt er durchaus, ist aber die nächsten Minuten zunächst recht still. Ja und wenn Ihr sterbt, was passiert dann mit den Kindern? Wir brauchen ein bisschen bis er versteht, dass Lili und Fabi durch die Adoption mit zum Familienklan gehören. Dass ist Owen sehr wichtig. Er selbst hat zwölf Brüder und Schwestern, die aber wohl nicht alle von derselben Mutter bzw. vom selben Vater sein müssen – sie gehören eben zum Klan und da scheint recht egal zu sein wer mit wem… Aber vielleicht haben wir ihn da auch nicht ganz richtig verstanden.

Die Fälle sind wunderbar und viel schöner als wir dachten. Das Wasser fällt an vielen Stellen auf unterschiedlichste Weise in die Schlucht, deren palmenbestandene andere Seite schon zu Angola gehört. Angola steht diesmal leider nicht auf unserer Reiseliste, obwohl wir inzwischen verschiedentlich gehört haben dass es wunderschön sein soll. Allerdings müsse man Portugiesisch können – da wird es wohl noch ein wenig auf uns warten müssen.

Wir fahren noch am gleichen Tag wieder zurück Richtung Opuwo und campen wie schon auf der Hinfahrt wild im Busch. Aus der Ferne wirken Ebenen und Hügel undurchdringlich bewaldet, aber hier wächst kein Baum, höchstens mal ein Bäumchen. Die vorherrschende Vegetation besteht aus den Mopanebüschen mit ihren bizarren Blättern und Gras. Das Land ist so riesig, so still und einsam – man könnte meinen allein auf der Welt zu sein.

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