Donnerstag, 19. Mai 2011

NEWS-Ticker: Rundu – Grootfontein – Tsumeb - Etosha – Kamanjab – Schneck und Besatzung wohlauf


Der Caprivistreifen zieht sich wie ein Streifen Kaugummi. Die Landschaft ist unglaublich platt, öde und … Da stand ein Fahrradfahrer am Rand. – Ja, und? (Fahrradfahrer sind ja nicht so wirklich ungewöhnlich, und die Beifahrerin denkt dass es vielleicht doch ein wenig übertrieben sei jetzt Fahrradfahrer zu zählen.) – Ich glaube, der hatte eine Panne oder so. - ? Sah es schlimm aus? - Das war ein Weißer. - ?!?!? Dann halt doch mal an!! Daniel ist Schweizer, arbeitet als Informatiker in Rundu und seine Fahrradtour hat ein jähes Ende genommen als sein Begleiter schwer gestürzt ist. Wir laden die beiden samt den Rädern in den Truck und fahren auf den nächsten 60 km etwas schneller, denn der Verletzte ist unter der dunklen Hautfarbe verdächtig blass. Im Hospital in Rundu kümmert man sich erstaunlich schnell um die Platzwunden, aber zum Weiterfahren wird es dann doch zu spät und wir verbringen die Nacht in Namibias weitgehend unbekannter, aber zweitgrößter Stadt (70000 Einwohner).

Am nächsten Morgen geht es weiter nach Grootfontein und zum Hoba Meteoriten. Es muss einen ganz schönen Knall gegeben haben vor 80000 Jahren, als der große Brocken, der fast nur aus Eisen besteht, auf die Erde krachte. Die Kinder sind allerdings zunächst von dem Anblick verwirrt: Ich dachte die sind viel größer! – Nun ja sie sind unglaublich schwer aber zum Glück nicht so groß. Dieser hier soll der größte auf der Welt sein. – Aber in den Sachbücher sind die immer rund und mit Löchern! Tja, Sachbüchern für Kinder ist offenbar ebenso wenig zu trauen wie Hollywoodfilmen, denn der Meteorit ist tatsächlich ziemlich eckig. Und nur 3 bis 4 Meter lang bzw. breit und etwa einen Meter hoch. Ich glaube, ich lese keine Sachbücher mehr! So war das nun auch wieder nicht gemeint.

Viel beweglicher als der Eisenklotz ist der kleine Giraffenbulle. Seine Mama sieht fürchterlich genervt aus, aber wir amüsieren uns köstlich über seine übermütigen Sprünge und Scheinangriffe, die die große Herde Springböcke zum Glück völlig kalt lassen. Es scheint ein Wunder, dass er sich nicht die schlaksigen Beine verknotet, aber er ist erstaunlich wendig und wird nicht müde. Unsere Kinder dagegen sind nach zwei Tagen Etosha Nationalpark völlig geschafft, denn Safari bedeutet: Sehr früh Aufstehen. Aber das Highlight des Tages kommt unerwartet als wir 8 km hinter dem Parkausgang in die Zufahrt einer Gästefarm einbiegen. Sie wollen wohl campen? – Äh, ja, genau – wo… - Na, dann parken Sie am besten erst mal hier und steigen aus, ich will gerade die Geparden füttern. Das muss man uns nicht zweimal sagen und mit der untergehenden Sonne im Hintergrund knipst Guido begeistert drauflos, als die drei Raubkatzen ihr Fleisch gereicht bekommen. Wie oft hat man schon die Chance eine Nahaufnahme von Gepardennasen und –zähnen zu machen? Da wir alle völlig geschafft sind bleibt die Küche im Schneck heute kalt und wir lassen uns zum Abendessen im gemütlichen Jagdzimmer nieder. Der ausgestopfte Kopf der Elenantilope an der Wand ist so riesig, dass wir alle andächtig stehen bleiben. Sooo groß sehen die aus des Schnecks luftiger Höhe gar nicht aus. Und da sieht man auch nicht, wie gut sie schmecken. Der Tisch biegt sich unter dem, was man in Namibia unter einem ordentlichen Essen versteht: Ein Berg riesiger Elenantilopenkoteletts, Gemüse dass in Sahne und Käse nur so schwimmt, genug Pommes Frites für eine Fußballmannschaft und Salat (mit Käse versteht sich). Als wir stolz das wie wir glauben vorletzte Kotelett mit etwas Windhoek-Lagerbier hinunterspülen legt unser wunderbarer Gastgeber schon wieder nach. Stunden später, nach echtem Kaffee und langen Gesprächen über Gott und die Welt kugeln wir im Licht des Vollmonds Richtung Truck – nicht ohne uns zum Frühstück angemeldet zu haben.

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