NEWS-Ticker: Nyanga Nationalpark – Mutare – Bvumba Hills – Lake Kyle – Schneck und Besatzung wohlauf
Das weiche hohe Gras liegt gelb unter dem weiten blauen Himmel. Hier und da ein dunkelgrüner Baum, ein paar weiße Wölkchen, ein runder Fels – wenn man die Augen gegen die Sonne halb zukneift meint man sie durch die Ebene ziehen zu sehen: Die ersten weißen Siedler waren von der Weite der malariafreien Hochebenen sicher ebenso fasziniert wie wir. Aber Afrikas ehemalige Kornkammer liegt heute melancholisch da, überall stoßen wir auf halbverfallene Farmen und brachliegende oder nur schlampig bestellte Felder. Viele Lodges und Campingplätze existieren nicht mehr oder wirken marode. Die weißen Besitzer sind meist schon enteignet oder stehen kurz davor, so dass nichts mehr investiert oder auch nur ausgebessert wird. Modrige Räume, ungepflegte Wege, überall schlägt uns Resignation und Bitterkeit entgegen. Die Kluft zwischen Schwarz und Weiß bedrückt uns und immer wieder kommt die Frage auf, wie es mit dem Land weitergehen wird.
Die Sonne verlässt uns als der Schneck das Hochland im Osten erklimmt. Im mystischen Nebel, unter tropfenden Bäumen erhaschen wir dennoch einige schöne Ausblicke. In die verwunschene Umgebung passt die kleine Ausstellung der lokalen Bildhauer gut hinein: Auf provisorischen Regalen und Baumstümpfen zeigt sich ihre ganze Kunstfertigkeit: Tiere und Menschen werden meist eher abstrakt dargestellt, teils roh behauen teils fein poliert aber immer voller Ausdruck und Kraft. Zimbabwe ist ein Land der Künstler, neben den wunderbaren Arbeiten in Stein sehen wir auch kunstvoll geflochtene Matten aus Baobabrinde, detailverliebte Spielzeugtrecker aus Holz, herrlich bestickte Decken und anderes am Straßenrand. Immer wieder fallen uns Strohdächer auf, die mit einer sorgfältig beschnittenen Extralage dekoriert sind: geschwungene Muster, Gesichter und Werbeschriftzüge. Die Kreativität der Shona ist enorm.
Die Reise führt uns über Mutare – eine hübsche Großstadt voller prächtiger Alleen, die zur Zeit in orangerot und gelb blühen und voller verführerisch duftender Bäckereien und Metzgereien, die wissen was ein Steak ist. Wir gönnen uns ein paar Cremetörtchen und finden endlich jemanden, der uns die Gasflasche auffüllen kann, dann fahren wir weiter Richtung Süden.
Die Landschaft wird trockener und felsiger. Aber diese Felsen sehen aus, als hätten die Götter Säcke voller Bauklötze über dem Land ausgeschüttet. Teils zu Hügeln aufgehäuft, teils verstreut in der Landschaft, mal turmartig eine Burg vorgaukelnd mal riesig rund wie der Rücken eines gewaltigen Tieres machen sie das Land zu einem Garten der Fantasie. Die kleinen Rundhütten und einstöckigen Geschäftshäuser im in Afrika so beliebten Wildweststil machen das Spielzeugland komplett. Nur fährt keine Modelleisenbahn vorbei – die Eisenbahn hat den Betrieb auf den meisten Strecken eingestellt.
Heute Abend sind wir am Lake Kyle (Lake Mutirikwe heißt er jetzt, aber wer nicht Shona spricht kann sich das kaum merken) und stehen einsam über der spiegelnden Wasserfläche. Völlig ruhig liegt er da, kein Wind kräuselt ihn, kein Boot zieht eine Bahn. Als die Sterne aufgegangen sind hören wir Buschbabies und Grillen zu, bis das Lagerfeuer zusammensinkt.
Donnerstag, 5. Mai 2011
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