NEWS-Ticker: Lupane - Hwange – Victoriafälle – Schneck und Besatzung wohlauf
Guido hätte sich das Nachziehen der Radmuttern sparen können, denn der in Bulawayo gestopfte Strumpf (äh – Schlauch) ist schon vor Lupane wieder platt. Also verbringen wir einen halben Tag in Lupane, einer entsetzlich armen Kleinstadt am Rande der Welt, wo der Besitzer der Werkstatt noch selber arbeitet und weiß was er tut. Ein Schweißgerät hat er auch, und so wird die Schweißstelle am Auspuff (die aus Äthiopien) gleich noch überarbeitet, denn seit gestern ist der Schneck wieder ganz schön laut.
Mit dem leiser gewordenen Schneck machen wir uns Richtung Hwange auf. In den Nationalpark lassen sie unseren Dicken nicht, aber Tiere lesen keine Schilder und so sehen wir in der Nähe des Parks Paviane, Impalas, Zebras, Kudus, Giraffen und sogar Elefanten. Habt Ihr das gesehen? Klar, haben wir das Schild gesehen. In keinem unserer Reiseführer erwähnt aber unbedingt einen Besuch wert ist das Zentrum zum Schutz der Wildhunde. Wildhunde sind keine verwilderten Hunde sondern wunderschöne, wie angemalt aussehende Raubtiere, die leider stark vom Aussterben bedroht sind. Das Zentrum pflegt verletzte Tiere gesund, zieht verwaiste Welpen auf, stellt neue Rudel zusammen und wildert sie aus und informiert Bevölkerung und Touristen über das faszinierende Sozialverhalten der scheuen Hundeartigen.
Wer möchte mal eins halten? Ich möchte. Und meine Kinder möchten beide auch. Die kleinen Krokodile auf der Farm in Victoria Falls sind fünf Monate alt und ganz weich – bis auf die Zähne, vor denen man sich schon in Acht nehmen muss. Wofür werden die eigentlich gehalten, Mama? – Na für Fleisch und Handtaschen. – Handtaschen??? – Ja, und Gürtel und Schuhe und Portemonnaies. Die Häute sind sehr wertvoll. Und das Fleisch ist ja auch lecker, nicht wahr? – Hmmmh, ja stimmt! Ein paar Meter weiter sind die etwas größeren Tiere untergebracht. Alle zwei Tage wird Hackfleisch mit Vitaminpaste gefüttert und das Wasser im Schwimmbereich gewechselt, erfahren wir. Das Wasser wird erwärmt erklärt unser Führer, während wir in der prallen Sonne schwitzen dann wachsen die Tiere schneller. Die Krokos in den Zuchtbecken sind schon riesengroß und kommen auf seinen Pfiff rasch herbeigeschwommen. Kein Wunder: an einer Angel schwenkt er einen dicken Streifen Elefantenfleisch über dem Wasser und ein paar Sekunden später wuchtet sich das erste Tier senkrecht nach oben und klappt die tödlichen Kiefer zusammen. Nach einer Stunde Führung haben wir einen ganz neuen Respekt vor Krokodilen gewonnen – vor liebevollen Krokodilmüttern, die ihre Kleinen im Maul zum Wasser tragen und vor stundenlang unsichtbar unter der Wasseroberfläche liegenden Killern, die auf ahnungslose Opfer lauern. Krokodile sind weder gut noch böse, sie sind einfach extrem.
Extrem sind auch die Viktoriafälle. Auf jeden Fall werden wir extrem nass. Ansonsten fehlen mir leider die richtigen Adjektive um den Anblick zu beschreiben. Es ist Hochwasserzeit und der Sprühnebel über und vor den Fällen ist so dicht dass wir manchmal die Wasserfälle nicht sehen können und ergießt sich über uns als hätte jemand eimerweise Wasser aus dem strahlend blauen Himmel gekippt. Wer den Sturz des Sambezi in die Schlucht nicht gesehen hat, weiß nicht was das Wort Wasserfall bedeutet. Die donnernd herabstürzenden Wassermassen sind so gewaltig dass man ihr Gewicht zu sehen meint und versteht was fallen bedeutet - und der Sprühnebel steigt wohl über 300m hoch auf. Die Fälle sind schön und wild, furchterregend und ungezähmt und erzählen von einer Zeit, in der der Mensch noch nicht vorkam. Sie sind zu Recht ein Symbol Afrikas.
Sonntag, 8. Mai 2011
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