Montag, 20. Juni 2011

NEWS-Ticker: Einreise nach Süd-Afrika bei Nakop - Upington - Vryburg – Pretoria – Blyde River Canyon – Kruegerpark – Schneck und Besatzung wohlauf


Wenn man ein Fachgeschäft für Rasenmäherersatzteile sieht, dann weiß man dass man in der Zivilisation angekommen ist. Während Guido noch seine Entdeckung bestaunt betrachte ich stirnrunzelnd die übrigen Geschäfte, die das Einkaufzentrum von Upington bilden. Soviel Auswahl hatten wir bisher nur in den größten Städten auf unserer Reise, aber Upington ist eine sehr kleine Kleinstadt in der Mitte von Nirgendwo. Der Besuch des Supermarktes ist eine Offenbarung was das Angebot angeht und lässt von Gemüse bis Labello keine Wünsche offen. So viel Auswahl sind wir gar nicht mehr gewöhnt und brauchen entsprechend lange für den Einkauf. Leider müssen wir uns mit dem Grenzübertritt wohl wieder vom Vollkornbrot verabschieden – was sich hier Roggenbrot nennt ist weicher als Toast und teurer als Steaks und die sind auch nicht mehr wirklich günstig. Dafür gibt es frisches Obst und Gemüse in Hülle und Fülle und sogar küchenfertig vorbereitet im Kühlregal.

Die Vielfalt wird durch die Eintönigkeit der Strecke Richtung Osten wieder aufgehoben. Wir bewegen uns am südlichen Kalaharirand entlang und ohne die neuerliche Reifenpanne wäre uns wohl langweilig geworden. Die Rückkehr in die Zivilisation bemerkt Guido am nächsten Morgen gleich noch einmal: Die Werkstatt hat den passenden Schlauch vorrätig, die Jungs wissen den Reifen von der Felge zu bekommen und nach etwas über einer Stunde sind wir wieder unterwegs – was für ein Unterschied zu dem Erlebnis in Zimbabwe!

Das schönste am Straßenrand sind die Wohnsiedlungen an den Strommasten. Sie sind oft kugelrund und liegen oben auf den Sicherungen auf, manchmal aber auch birnenförmige Ballungsgebiete, die den halben Mast bedecken. Der Soziale Webervogel ist ein unscheinbarer, kleiner, brauner Vogel mit großem Talent für erstaunliche Bauprojekte. Die Gebilde aus Gras können so groß werden, dass sie nach Regenfällen durch ihr Gewicht Bäume oder Strommasten zum Umstürzen bringen. Webervögel mögen es gesellig, also sind ihre Nester dicht an dicht gepackt, wobei die Einfluglöcher alle unten liegen und die Oberseite der Nester so glatt und ordentlich wirkt, dass sie wohl als Vorbild für die Strohdächer auf den typischen afrikanischen Rundhütten dienten. Rundhütten gibt es hier allerdings keine mehr – dafür Ansammlungen hässlicher Wellblechbehausungen, die sicher keine Verbesserung an Wohnqualität mit sich gebracht haben. Aber auch die Webervögel leben nicht im Paradies: Handspannengroße Falken sitzen oben auf den Nestern und warten auf unvorsichtige Jungvögel, die in diesen Tagen flügge werden und bei ihren ersten Ausflug gleich um ihr Leben fürchten müssen.

Um unser Leben fuerchten wir zwar nicht, aber etwas mulmig wird uns bei den Schauergeschichten am Abendbrottisch von Chris und Magda schon. Wir haben die beiden im Chobe fluechtig kennengelernt und sind prompt in ihr Haus nach Pretoria eingeladen worden. Das Haus der beiden ist eine moderne Trutzburg mit Stacheldrahtzaeunen, Bewegungsmeldern und drei scharfen Hunden. Schlagen die Ridgebacks nachts an muss jemand einen Kontrollgang machen mit einem Scheinwerfer der ein ganzes Stadion erhellen kann – und einer Schusswaffe. Einen Wachmann hat Chris, der sein Geld mit Zahnprothesen verdient, nicht denn die Gegend gilt als relativ sicher. Zum Glueck sind sich alle am Tisch einig, dass der Schneck uns die ultimative Sicherheit bietet: Er ist viel zu alt, gross und auffaellig um Ziel von Ueberfaellen zu sein. Nur Buschcampen sollen wir bitte auf keinen Fall. Merkwuerdig, dass ausgerechnet Suedafrika den Ruf als sicheres Urlaubsparadies geniesst – kein anderes Land bisher zwang uns eine so verklemmte Einstellung auf. Andererseits ist es sicher nicht gefaehrlicher als eine Reise durch Sueditalien. Chris und Magda gehen noch mit uns shoppen, denn beinah alle unsere Kleider sind abgetragen oder passen nicht mehr, und sie helfen uns mit der Buchung der Campingplaetze fuer das Drakensberge Escarpment und den Kruegernationalpark. Dann heisst es Abschied nehmen – aber vielleicht sehen wir uns bald in Deutschland, denn die beiden wollen jetzt unbedingt unserem Beispiel folgen und von Afrika nach Europa fahren.

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