NEWS-Ticker: Jebel Barkal - zwei Tage Fahrt durch die Wüste – Pyramiden von Meroe - Ankunft in Khartoum – Beifahrertür wieder gängig
Der Morgen in Karima beginnt früh, denn wir wollen vor der Hitze den heiligen Berg Jebel Barka besuchen. Dort stehen einige kleinere Pyramiden sowie die Reste eines Amuntempels. Alle Kulturen, die hier gesiedelt haben waren sich einig, dass der Berg ein Kraftort und daher heilig sei und zu unserer eigenen Überraschung können wir das an diesem Morgen gut nachvollziehen. Irgendetwas strahlt er aus, der einzeln stehende Felsbrocken über dem die Geier und Falken ihre Kreise ziehen.
Von Karima nach Atbara an einem Tag und von Atbara nach Khartoum am nächsten – wir sind so viele Kilometer durch entsetzlich heiße Wüste gefahren dass wir fürs erste genug davon haben. Bei fast 50 Grad haben die verschiedensten Wüstenformen gesehen, sind von Sandhosen knapp verfehlt worden, haben Beduinen mit ihren riesigen Herden sich an Wasserlöchern sammeln gesehen und Kilometer gezählt.
Irgendwo am ersten Tag auf der hitzeflimmernden Strasse: Ein einsamer Esel taumelt uns entgegen. Die Stute ist noch gar nicht alt, aber völlig abgemagert und ausgetrocknet. Um den linken Vorderfuß trägt sie noch ein Stück Strick – sie ist also kein Wildtier. Ihre Augen eitrig und sie sieht kaum etwas, aber als Guido ganz langsam an ihr vorbeiziehen will drängt sie sich in den Schatten des Schnecks. Das gibt den Ausschlag: Eine Stunde später ist sie getränkt und mit Brot und Datteln gefüttert, von dem einschneidenden Stück Strick befreit und steht 300m weiter in einem Verschlag, den irgendein gütiger Gott vielleicht von einem Beduinen hat errichten lassen. Darin finden wir Hinweise, dass der Verschlag regelmäßig genutzt wird und hoffen, dass dies die Rettung für das Eselmädchen ist, die bestimmt kein schlechtes Tier ist und entweder weggelaufen ist oder das Pech hatte an den einzigen Sudanesen zu geraten, der seinen Esel schlecht behandelt. Das sanfte Langohr geht mir noch lange nicht aus dem Kopf, aber mehr können wir nicht für sie tun. Doch – Guido steigt ein paar Kilometer weiter noch einmal aus und zeigt einem Beduinen ein Foto und weist ihm die Richtung. Der Mann ist misstrauisch und beinahe scheu, aber als wir weiterfahren sehe ich im Außenspiegel, dass er mit seinen vielleicht 30 Schafen und seinem gepflegten Esel die richtige Richtung einschlägt.
Der Höhepunkt des zweiten Tages sind die Pyramiden von Meroe. Zweifellos unscheinbarer als ihre ägyptischen Schwestern und in traurigem Zustand, die Reliefs wenig künstlerisch und die meisten Spitzen fehlen aber dafür haben den Ort für uns allein und durften die Nacht vor dem Haupteingang campen.
Nach all der Einsamkeit erschlägt uns Khartoum fast, aber trotz Verkehrschaos finden wir den Campingplatz am Nil sofort. Der ist zwar schmutzig und laut, aber ein großer Teil unserer Fährgesellschaft aus Ägypten trifft sich hier wieder und mit fünf Männern, einem LKW-Spanngurt und einem Wagenheber wird meine Tür wieder gerichtet. Das Trittbrett ist zwar unrettbar verloren, aber Guido verspricht einen Ersatz zu basteln. Ihm geht es auch auf die Nerven, dass ich nicht mal eben aussteigen kann….
Montag, 27. September 2010
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