Sonntag, 24. Oktober 2010

NEWS-Ticker : Felsenkirchen von Lalibela – Übernachtung in Woldyia – Fahrt bis Debre Sina – Schneck und Besatzung wohlauf (na ja…leichtes Schwächeln bei der Besatzung: den Mädels läuft die Nase, die Jungs hatten einen Tag lang Magenprobleme, die Höhenunterschiede von oft 1000m die wir täglich sogar mehrmals überwinden schlauchen ganz schön)


Wer die Felsenkirchen von Lalibela besuchen will braucht eine gute Taschenlampe, rutschsicheres Schuhwerk und einen guten Führer. Ein Bauarbeiterhelm wäre vielleicht auch nicht schlecht, denn während Stufen und Eingänge für Riesen gemacht zu sein scheinen, sind die Verbindungsgänge offensichtlich für Zwerge geplant.

Vor ca. 800 Jahren lebte ein Junge namens Lalibela. Eines Tages ließ sich ein ganzer Bienenschwarm auf ihm nieder ohne dass er auch nur einen einzigen Stich abbekommen hätte, was seinem Volk ein Zeichen war ihn zum König auszurufen. Lalibela war nicht nur ein guter, sondern auch ein besonders gläubiger König, der sogar nach Jerusalem pilgerte. Nach seiner Rückkehr erschien ihm Gott im Traum und hieß ihn in Abessinien Kirchen in den Fels schlagen zu lassen um ein zweites Jerusalem zu bauen. Seine Anweisungen waren sehr präzise und Lalibela machte sich ans Werk. Tausende gläubige Menschen schufen in nur 50 Jahren ein Wunder, das heute ein Weltkulturerbe ist: Sie gruben sich von oben mit Hammer und Meißel in den Fels und schachteten zunächst den Freiraum um die 11 Kirchen herum aus – dabei sorgsam bereits Tür-und Fensteröffnungen ausarbeitend. Unten arbeiteten sie sich in den massiven Felsblock vor und höhlten ihn aus, dabei Säulen und Querschiffe, Reliefs und Verzierungen schaffend. Zum Schluß malten sie die Kirchen aus und ließen Verbindungsgänge, Kapellen und Taufbecken zwischen ihnen entstehen. Die Planung und Hingabe, die all das erfordert haben muß läßt sich kaum ermessen: Sie schufen Regenrinnen, Abläufe und Sammelbecken für das Regenwasser, dabei die ganze Zeit von oben nach unten arbeitend. Und sie folgten einer strengen Symbolik, die die Grundsätze ihres Glaubens und die Anordnung der heiligen Stätten Jerusalems in Stein meißelte.Ihre Liebe zu Gott war großzügig und tolerant: In den Kirchen finden sich 20 verschiedene Kreuzformen – alle damals bestehenden christlichen Kirchen wurden symbolisch integriert.

Die Architektur hat sich uns dennoch besser erschlossen als der äthiopisch orthodoxe Glaube an sich. Die in jeder Kirche murmelnden Priester, die Frömmigkeit der vor Ikonen knienden Menschen , die Gesänge und Trommelschläge die durch den Berg hallen schaffen zwar eine ganz eigene und sehr berührende Atmosphäre, aber um wirklich Verständnis zu erlangen hätten wir uns besser vorbereiten müssen.

Der Ort Lalibela selbst ist von Hilfsorganisationen mit ihren Projekten überflutet und hat seine Ursprünglichkeit und seinen Charme leider eingebüßt. Auch scheinen die meisten Projekte uns zu pauschal: Zwar sind Schulen gebaut worden, aber mangels Arbeitsplätzen entsteht keine Hoffnung unter den Jugendlichen. Immer noch werden Getreidesäcke en masse verteilt, aber das schafft keine Eigeninitiative und hilft nicht mit dem Tourismus umzugehen und ihn zu nutzen. Hier fehlen Kleinprojekte und vielleicht Kleinkredite, die zur Selbständigkeit verhelfen. Wir sind trotzdem drei Nächte geblieben, denn die internationale Atmosphäre und die schöne Gartenterasse des Seven Olive Hotels haben es uns angetan. Hier kann man wunderbar ausspannen und die Glanzstare und Webervögel am Futterhäuschen beobachten.

Die Weiterreise führt uns zunächst bis Woldyia, wo wir mangels Campingplatz wie so oft in Äthiopien ein Hotel mit schönem Innenhof ansteuern: Hallo, wir möchten in ihrem Hof campen und die Duschen benutzen. – Sie müssen Deutsche sein. -- ??? – Alle Deutschen wollen im Hof campen und die Duschen benutzen.

Den ganzen nächsten Tag verbringen wir wieder auf der Straße – der Weg nach Addis Abeba ist lang und windet sich durch die Berge, dabei unglaubliche Höhenunterschiede überwindend. Fährt man morgens noch über eine karge Hochebene und sieht Menschen in bunten Strickmützen und dicken Parkas auf kräftigen und bunt aufgezäumten Ponys so ist man vielleicht eine Stunde später in einer fruchtbaren Flussaue mit Schwärmen von Marabus oder bestaunt Transportkamele, Meerkatzen, Papaya- und Mangobäume neben kleinen Wasserfällen am Wegesrand.

In der letzten Stunde vor dem Einbruch der Dunkelheit ist der Schneck von 1200m wieder auf 2700m hoch geklettert und wir haben ein ruhiges Plätzchen kurz vor dem Mussolinitunnel gefunden. Zwar fährt ab und zu ein Auto vorbei aber wir sind in der in Äthiopien seltenen und glücklichen Situation dass wir nicht von Neugierigen umlagert werden, weil das nächste Haus zu weit entfernt ist.

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