Sonntag, 24. Oktober 2010

NEWS-Ticker: Addis Abeba schnellstmöglich abgehakt – Lake Langano – Schneck hat Verdauungsstörung, Besatzung wohlauf


Addis liegt hinter uns und wir sind froh darüber. Die 3-Millionenstadt entzieht sich eigentlich jeder Beschreibung – ich will es dennoch versuchen.

Wir sind – wie wohl jeder Overlander – in Wim’s Holland House untergekommen. Wim hat nicht nur ein großes Herz für Reisende, sein Haus verfügt auch über eine hervorragende Küche, eine warme Dusche und einen bewachten Parkplatz und ist somit eine Oase der Entspannung. Abends trifft sich hier die High Society von Addis zum Bier und praktisch jeder in der Stadt lebende Ausländer schaut regelmäßig rein.

Als wir verkünden in die Stadt gehen zu wollen, um ein Buchgeschäft, einen Supermarkt und ein Internetcafe zu finden schütteln alle entsetzt den Kopf. Man geht nicht – man fährt oder besser: läßt sich fahren und bewegt sich auf keinen Fall zu Fuß durch die Straßen voller Bettler, Obdachloser, Taschendiebe und verkrüppelter Kriegsveteranen. Wir schütteln innerlich den Kopf, schlimmer als Kairo kann es doch nicht sein, oder? Am nächsten Tag mit einem von Wim organsierten Taxi unterwegs finden wir die Reaktion nicht mehr übertrieben. Auf dem Mittelstreifen der breiten Straße vor dem Supermarkt (also dem besten Tante-Emma-Laden der Stadt) liegen Dutzende von Menschen und gerade raubt einer seinen Nachbarn aus. Die zwei Meter Bürgersteig vom Taxi zum Buchgeschäft zu überwinden heißt drei Bettler abzuwehren. Als wir den Taxifahrer auf dem Rückweg 500m vor Wim entlassen weil wir noch in ein Cafe wollen (ein normales Cafe – das Internetcafe bot eine so langsame Verbindung dass wir entnervt aufgegeben haben und den blog nicht aktualisieren konnten) müssen wir auf dem Bürgersteig buchstäblich über liegende Menschen drüber steigen. Wir sehen einige Leprakranke, viele Beinamputierte und schlimme Gangräne, die zu Amputationen oder zum Tode führen werden und es fällt schwer nichts zu geben oder zu versuchen zu helfen, aber jede Hilfe würde unweigerlich dazu führen sofort von Dutzenden anderer bedrängt zu werden, die Hilfe mindestens genauso nötig hätten.

Während die Hilfsorganisationen auf dem Land Weizen sackweise verteilen (selbst jetzt während der Erntesaison, was nun wirklich überhaupt keinen Sinn macht) fehlt in Addis jedes Erbarmen mit der offensichtlichen humanitären Katastrophe.

Die Zustände bringen uns dazu noch einmal unsere Reiseroute für die nächsten Wochen zu überdenken, denn um über das Omo Valley auszureisen und dann in Kenia am Turkanasee langzufahren müßten wir (wir sind am Freitag abend in Addis eingetroffen) fast eine Woche verweilen um den notwendigen Papierkrieg zu bewältigen. Das kommt einfach nicht in Frage und wir beschließen doch den Grenzübergang Moyale anzusteuern und dann durch die nordkenianische Wüste nach Isolo weiterzufahren.

Und so sitzen wir heute am Montag schon am Lake Langano, auf einem wirklich paradiesischen Campingplatz und genießen das wärmere Wetter der Tiefebene. In dem sulfathaltigen See gibt es weder Bilharzien noch Krokodile so dass wir gefahrlos schwimmen gehen können, und der Ort ist absolut ruhig und abgelegen. Das gibt Guido auch die Möglichkeit am Schneck zu basteln, denn ca. 100km hinter Addis ist der Auspuff 40cm hinter dem Krümmer gebrochen. Wir waren nicht wirklich überrascht, früher oder später war damit zu rechnen und wenn wir irgendwo eine Möglichkeit haben (spätestens in Nairobi) sollte das auch richtig repariert werden, aber es stellt kein großes Problem dar.

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