Ein fliegender Pelikan erinnert aus der Nähe betrachtet an eine riesige Quietscheente und klingt wie ein Hubschrauber mit Startschwierigkeiten. Stimmt aber die Thermik , dann zeigen diese schweren Tiere was ein gekonnter Gleitflug ist: Beinah 150 Pelikane schrauben sich in einer engen Spirale, die von der glitzernden Wasseroberfläche bis in die Wolken zu reichen scheint immer höher und lassen sich dann langsam wieder abwärts tragen.
Die Straße vom Lake Langano nach Arba Minch ist in einem furchtbaren Zustand, aber die mehr als zehnstündige Tortur (für 300 km) hat sich gelohnt: Von der Terrasse des heruntergekommenen Bekele Mola Hotels – und auch von einigen Fenstern des Schneck – bietet sich ein grandioser Ausblick auf einen Teil des Großen Grabenbruchs: Zwei Seen werden hier nur durch eine schmale Hügelkette, die die Einheimischen Gottesbrücke nennen, voneinander getrennt. Den Chamosee und seine Ufer haben wir gestern per Boot und zu Fuß erkundet. In einer flachen, schilfgesäumten Bucht hat uns der Bootsführer den Crocodile Market gezeigt: Auf Baumstämmen ruhen riesige Krokodile und halten ihr Verdauungsschläfchen während unzählige Marabus und Gelbschnabelstörche dazwischen herumwaten und die Fischreste aus dem Wasser fischen. Offenbar frühstücken die Reptilien hier auch. Die Pelikane verfolgen eine andere Taktik: In militärischer Präzision schwimmen sie in kleinen Gruppen von 5 bis 10 Tieren eng beieinander, um dann auf ein geheimes Zeichen hin völlig synchron die Schnäbel tief ins Wasser zu tauchen. Dabei heben sie gleichzeitig etwas die Flügel und den Pöter, was sie so komisch wirken läßt wie die Entchen im Kinderlied. Es ist schwer zu entscheiden, ob es sich um eine Parade oder eher um die Choreographie für ein Ballett handelt, aber wir schauen lange fasziniert zu: Eins, zwei, drei und runter, eins, zwei, drei und runter…. Kurz darauf sehen wir tatsächlich die ersten Hippos.
Am anderen Ufer des Sees handelt unser Führer einem Fischer zwei große Tilapias ab, die später einen köstlichen Lunch abgeben werden, dann geht es zu Fuß einen Pfad hinauf bis auf die grasbewachsene Ebene auf der wir mehrere Zebraherden entdecken. Die lustig gestreiften Burchell Zebras sind nicht besonders scheu und lassen uns auf ca. 30m heran bis sie uns ausweichen. Insgesamt sehen wir ungefähr hundert von ihnen, darunter einige noch ganz kleine Fohlen. Der scharfe Wildgeruch hängt noch lange in der Luft als sie an uns vorbei zum See gezogen sind.
Am späten Abend holt uns der Regen wieder ein. Arba Minch hat sich bisher als ziemlich nass erwiesen – dass die Regenzeit seit Wochen vorbei ist hat das Wetter hier noch nicht gehört, denn es regnet nachts heftig. Wir hoffen nur, dass das ein lokal begrenztes Ereignis ist, sonst könnten sich die Straßen weiter südlich als für uns unpassierbar erweisen.
Am naechsten Morgen haben wir Dorze besucht, der dortige Stamm ist beruehmt fuer seine bienenkorbfoermigen Haeuser und seine Webarbeiten. Die Strasse hinauf in die Berge ist unbefestigt aber um Laengen besser als die Katastrophe zwischen Shashemene und Arba Minch, die wir vor ein paar Tagen hinter uns gebracht haben. Trotzdem benimmt sich der Schneck komisch. Beim abendlichen Check steht fest: Einen Stossdaempfer hat es erwischt und die Verbindung von Kabine und Unterteil schwaechelt an einer Stelle. Also noch ein oder zwei Tage Arba Minch, damit Guido Zeit fuer die Reparatur hat... Uns beruhigt nur, dass alle Reisenden und Einheimischen sagen, schlimmer als die 300km vor Arba Minch (da werden wir uns die Probleme geholt haben) sei keine andere Strasse ...
Mittwoch, 27. Oktober 2010
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