Die Ansammlung von Brettern, Wellblech, Bananenblättern und Tuchfetzen, die waghalsig über dem Abgrund balancieren und sich Aussichtspunkt, Picknickplatz, Bar und Hütte nennen, würde bei deutschen Amtspersonen augenblicklich zu Herzrasen und Atemnot führen. Uns aber gefällt der Campingplatz mit Aussicht und Frühstücksplatz vor der dramatischen Bergkulisse außerordentlich gut, und zumindest der Schneck steht auf sicherem Boden.
Von hier aus starten wir eine kleine Wanderung durch den noch von Wolken durchzogenen üppigen Wald, zur vorbildlich geführten Milchfarm, einigen Dörfern und weiteren grandiosen Ausblicken. Joseph, unser Führer, fischt Chamäleons für uns aus den Zweigen, zeigt Kaffeesträucher und –bohnen und erklärt deren Weiterverarbeitung und beinah jede weitere Pflanze am Wegesrand. In einem Dorf können wir einen aus Zuckerrohr gewonnenen Saft und daraus hergestelltes „Bier“ probieren und finden beides überraschend sauer. Die größte Attraktion aber sind wir selbst – einige Dorfkinder haben bisher kaum Weiße gesehen und sind entsprechend aufgeregt. Ihre Mütter kichern und bieten uns niedliche schokoladenfarbige Babys im Tausch gegen unsere Kinder an, was uns für einen Moment beinah in Versuchung führt und aus jedem Haus und von jedem Feld schallen die Jambo! Rufe.
Wir haben uns schwer in die Usambaraberge und ihre freundliche Bevölkerung verliebt, daran kann auch der kräftige nachmittägliche Regenschauer nichts ändern. Die Landschaft ist eine gelungene Mischung aus atemberaubender Natur und lieblich anzuschauendem, ordentlich bewirtschaftetem Farmland. Hier wachsen Möhren und Kartoffeln, Tomaten und Ananas, Kohl und Paprika, Auberginen, Bohnen und Mais unter Mango- und Avocadobäumen, zwischen Bananenstauden und Kaffeesträuchern. Viele Felder sind terrassenförmig an steile und steilste Berghänge geklebt, andere liegen wie eine Patchworkdecke im Tal, dazwischen liegen kleine Wasserfälle und Bewässerungskanäle und die Straßen winden sich durch einen Marktflecken nach dem anderen. Menschen und Tiere machen einen zufriedenen, gepflegten Eindruck und so chaotisch afrikanisch die etwas größeren Orte auch wirken mögen – sie alle sind unglaublich sauber. Die Arbeit der Bauern hier ist sicher hart, aber offensichtlich lohnender als anderswo in Tansania und das Fehlen von Hilfsorganisationen und deren zweifelhaften Projekten fällt angenehm auf – es wird nur wenig und nur von Kindern gebettelt. Stattdessen helfen die größeren Farmen, einige von ihnen in kirchlicher Hand, und der sanfte Tourismus in Form von Arbeitsplätzen und Schulen auf nachhaltigere Art und Weise.
Zum Mittagessen kehren wir im Center Restaurant in Lushoto ein und nach einigen Verständigungsproblemen – hier spricht längst nicht jeder Englisch – haben wir eine Art Bauernomlette aus mit Eiern überbackenen Pommes vor uns und je einen Spieß mit drei winzigen Fleischstückchen vom Grill. Die Tischdecke ist aus Plastik und großflächig mit Werbung für das beliebte Kilimandjaro-Bier bedruckt und in der Ecke an der Bar sitzen ein paar Männer fasziniert vor dem Fernseher, der einen alten Science Fiction Film in Kisuahelisynchronisation bringt. Uns fasziniert viel mehr die Frau mit der großen Schüssel voll Geschirr auf dem Kopf, die auf dem Weg zur Spüle und zurück durch zwei niedrige Türen muss und jedes Mal elegant ein wenig in die Knie geht, ohne dass die Schüssel auch nur schwankt. Das Essen hat uns übrigens wunderbar geschmeckt.
Montag, 13. Dezember 2010
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