Mama setzt sich hierhin und die Beine nach vorne! So, jetzt zeige ich. Die ältere Frau, die für mich beiseite rutscht wirkt ein bißchen verunsichert, also lächle ich erst mal ein Jambo und halte ihr die Hand hin, auf die sie lächelnd klatscht. Jambo grinst sie und beobachtet wie ich Daos Erklärung folge. Die Strohmatten, die in dieser Gegend jedes Hausdach von der kleinsten Hütte bis zum 4-Sterne-Hotel decken werden von den Frauen in Shiraz und in ähnlichen Dörfern hergestellt. Die herabgefallenen Blätter der Kokospalme werden eingesammelt und die schmalen Blattstreifen von den Rippen mit einem großen Messer, ähnlich einer Machete, abgeschnitten. Über einen dünnen geraden Stock gefalzt und an diesem mit einem Sisalstengel verknotet ergibt sich ein Rechteck von ca. 80 mal 60 cm. Diese Matten werden zu zehn Stück gebündelt und zu 50 Shilling das Bündel (0,50 Euro) an die Hotels verkauft, deren große Dächer häufig der Erneuerung bedürfen, und dort dachziegelartig übereinandergelegt und an den Dachsparren festgebunden werden. So entstehen relativ regendichte luftige Dächer, die sich leicht ausbessern oder erneuern lassen. Wenn sie noch sechs Jahre gelernt hat kann sie wiederkommen und hier mitarbeiten. lacht unser deutschsprachiger Führer und die Frauen kichern vor sich hin. Meine Knoten sitzen zwar an den richtigen Stellen, sehen aber bei weitem nicht gleichmäßig genug aus. Außerdem habe ich vergessen auf die richtige Länge der Matte zu achten.
Wir sind durch Zufall in diesem Dorf gelandet, indem man uns so gastfreundlich aufgenommen hat. Gegen Mittag standen wir, vom Navigationsgerät geleitet, in einer traumhaft schönen Bucht in Shimoni. Leider hat sich der Campingplatz inzwischen zur Luxuslodge gemausert, in der laut Werbung auch Gott Urlaub macht, und wir wurden mit unserem Schneck weggeschickt. Kurz darauf wollten wir klüger als das Navi sein und bogen eine Straße zu früh zum nächsten angegebenen Campingplatz ab und standen plötzlich am Ende der Straße in Shiraz, einem 800-Seelen-Dorf ohne Elektrizität, aber mit einer eigenen Moschee, dessen Dorfoberhaupt uns sofort seine Gastfreundschaft anbot. Nach einigem einleitendem Palaver, Tee, Toast und grünen Kokosnüssen wurden wir zur Dorfbesichtigung gebeten und bekamen nicht nur die Herstellung der Dachmatten sondern auch die der Sisalmatten für Fußböden und Betten, sowie die von Coconut Liquor gezeigt. Um den im Koran eigentlich verbotenen, aber offensichtlich begehrten Stoff zu gewinnen, wird der Stiel an dem die Kokosnüsse hängen abgeschnitten (das ist botanisch bestimmt total falsch erklärt, aber vielleicht versteht es trotzdem jemand) und eine Flasche darunter gebunden. Ist die Plastikflasche voll muß sie im hier herrschenden Klima nur ein paar Tage vor sich hin gären, und die illegale und gut versteckte Kneipe unter der Kokospalme kann öffnen. Natürlich wurden wir zur Probe des „Weines“ gebeten, damit sich auch eine ordentliche Ausrede für den Genuss finden ließe und so stießen wir auf die deutsch-kenianische Freundschaft an und probierten neugierig das weißlich trübe Produkt. Guidos höfliches Lächeln gefror ein bißchen und er murmelte etwas wie Das brauche ich kein zweites Mal! , aber ich fand das Erlebnis gar nicht mal so schlimm – oder anders ausgedrückt: Ich habe schon schlimmere Dinge probiert. Irgendwie etwas süß-sauer mit einer ganz leichten Kokosnote, ein bißchen dickflüssig und mit locker 20% - also mit Orangensaft auf Eis hätte mir das ganz gut geschmeckt.
Außer von den Strohmatten lebt das Dorf von einem benachbarten Hotel (mit open-air-Whirlpool auf dem Aussichtsdach). Leider ist die Anlage seit einem halben Jahr wegen Besitzerwechsels geschlossen und so fehlen die Einnahmen der 25 bis 30 Leute, die das Hotel normalerweise beschäftigt.
Im lokalen Supermarkt, einem kleinen Kiosk, haben wir noch acht frittierte Fische fürs Abendbrot gekauft und uns dann zu einer neuen Runde der neugierigen Fragen auf beiden Seiten wieder vor den Truck gesetzt, während Lili und Fabian mit einer Horde Dorfkinder unterwegs waren.
Jetzt sitzen wir drinnen, Fabian schläft schon und Lili beinahe. Das Skandieren der Mädchen des Dorfes, die Lili wieder nach draußen locken wollten hat auch aufgehört und morgen werden wir, sofern man uns hier gehen lässt, die Grenze nach Tansania überqueren.
Samstag, 4. Dezember 2010
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