Zusammenfassung Malawi
Land: Malawi ist klein und vor allem durch den großen See geprägt, dennoch tut man dem Land Unrecht wenn man es nur auf ihn reduziert. Tatsächlich findet man auf engstem Raum viele verschiedene Landschaftsformen und kann sich jeden Tag neu überraschen lassen. Zwei Hochplateaus laden zum Wandern ein: Das Nyika Plateau mit seinen von Antilopen und Zebras bewohnten freien Flächen und das bewaldete Zomba Plateau mit heimatlich anmutendem Kiefernduft. Südlich des Malawisees locken die Flußauen des Shire und das Buschland weiterer Wildreservate sowie der Mount Mulanje inmitten von Teeplantagen. Selbst das Seeufer ist je nach Abschnitt ganz verschieden: Die Steilküste bei Nkhata Bay mit ihren romantischen Fischerdörfern läßt sich nicht mit den Sandstränden von Chinteche, den Felsformationen bei Cape Maclear oder gar den Inseln vergleichen.
Das Land ist einfach zu bereisen: Es ist immer noch sehr sicher ( nur an einigen Orten am See wimmelt es von den üblichen Neppern und Schleppern) und Englisch ist Staatssprache und wird also weitgehend verstanden und einigermaßen gesprochen. Die Straßen sind allerdings immer noch in sehr bedauerlichem Zustand – mit Ausnahme der Hauptverkehrsadern kommt man nur mit Vierradantrieb oder sehr guten Nerven ans Ziel.
Malawi war und ist eines der ärmsten Länder der Erde und bedauerlicherweise ist es von den Hilfsorganisationen, staatlichen und nicht staatlichen, entdeckt worden. Das erhöht die Preise (für den Touristen aber natürlich auch für die sowieso geplagten Malawier) und schafft eine Erwartungshaltung in der Bevölkerung, die sich in beginnender Bettelei (bis jetzt nur die Kinder) und völlig falschen Vorstellungen vom Schlaraffenland der 1.Welt ausdrückt. Sicherlich braucht das Land zur Zeit Hilfe von außerhalb aber die Form der Hilfen nimmt zum Teil merkwürdige Züge an. So sind überall Maismühlen erbaut worden um effektiver Maismehl für die Ernährung zu haben (Malawier essen vor allem Nsima aus Maismehl) und gleichzeitig die Frauen zu entlasten, die den Mais traditionell in großen Mörsern zerstoßen haben. Jetzt sind die Frauen damit beschäftigt lange Wege zu den Maismühlen zurückzulegen und dort ein stundenlanges Pläuschchen zu halten, um dann mit minderwertigem Mehl – die Schalen werden nämlich mitgemahlen – zu ihren Kindern zurückzukehren, die in der Zwischenzeit von der ältesten Schwester beaufsichtigt werden mußten. Die konnte deshalb natürlich nicht zur Schule gehen. Eine andere Hilfe besteht in der kostenlosen Verteilung von Verhütungsmitteln durch die Gesundheitszentren. Angesichts der Unzahl von Kindern, die oft genug ohne Eltern aufwachsen müssen, eine gute Sache – aber wieso musste ich dann zwei interessierten Lehrerinnen einer höheren Schule der Hauptstadt Nachhilfe in Sachen Verhütung geben? Sollten nicht gerade Lehrer von Teenagern erstes Ziel der Aufklärungskampagnen sein, weil sie Multiplikatoren sein können?
Leute: Malawier sind stolz auf ihre von Herzen kommende Freundlichkeit und nennen ihr Land auch das warme Herz Afrikas. Das können wir nur unterschreiben. Die Menschen sind hilfsbereit, dem Fremden gegenüber aufgeschlossen und haben immer ein Lächeln parat. In den letzten Jahren haben sie – und besonders die Frauen – an Selbstbewusstsein gewonnen was angenehm auffällt. Jedenfalls haben wir die peinlichen Situationen in denen jemand vor uns niederkniete diesmal nicht erleben müssen. Auch im familiären Bereich scheinen die Frauen aufzuholen: Man sieht mehr Männer arbeiten als früher und viele Frauen bringen ihren Jungen das Tragen von Lasten auf dem Kopf bei und schicken sie mit den Mädchen Wasserholen. Die höheren Schulen für Mädchen haben enormen Zulauf bekommen, obwohl die Schule so teuer kommt, dass die wenigsten Familien mehr als ein oder zwei Kinder hinschicken können.
Unter den Touristen sind immer noch viele weiße Südafrikaner (Malawi war lange Zeit das einzige schwarze Land, das die Apartheid unterstützte) und das Benehmen der ewig Gestrigen unter ihnen verdirbt einem gelegentlich den Tag. Die andere große Gruppe Touristen waren früher Backpacker mit starker Affinität zum Malawi Gold (Hasch), aber seit die Regierung die Kontrollen verschärft hat ist das nur noch auf einige Gebiete am See beschränkt – und die Dauerbekifften (kein Wunder – man hat uns einen Joint für 25Cent angeboten) stören auch niemanden.
Tiere: Malawi holt auf. Sehr mühsam aber stetig werden die Nationalparks wieder mit Tieren bestückt, die verbliebenen besser geschützt und die Bevölkerung an der Wilderei gehindert. Bislang gibt es kaum Großkatzen (d.h. es gibt jede Menge Leoparden, aber die sieht man nie) oder Giraffen, aber Elefanten, Büffel, Zebras, Flußpferde (Hippos), Krokodile und verschiedenste teils seltene Antilopenarten kann man finden. Der vielleicht größte Schatz sind die Fische des Malawisees – eine Schnorchelausrüstung gehört unbedingt ins Gepäck (obwohl man die teilweise sogar schon leihen kann).
Uns haben neben den Fischen besonders die Pferdeantilopen auf dem Nyika Plateau und die großen Kudus in Liwonde gefallen.
Highlights: Der See bei Chinteche und Cape Maclear, die Einsamkeit im Vwasa Marsh Game Reserve, eine Wanderung zwischen Zebras und Antilopen auf dem Nyika Plateau, das bedrohte Paradies des Liwonde Nationalparks und die wunderbaren Schnitzereien.
Dienstag, 26. April 2011
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen