Sonntag, 3. April 2011

NEWS-Ticker: NkhotaNkhota – Senga Bay – Cape Maclear – Lilongwe


Drei Leute sitzen vorn und bestimmt zwanzig hinten im Minibus – auf allen Gesichtern ein breites Strahlen während direkt daneben drei Männer versuchen einen Landrover aus dem Schlamm zu schieben und auf dem Schachbrett weiße Bauern mit Tropenhelmen und Gewehr gegen schwarze Springer auf Elefanten antreten. Wir sind in der Töpferei bei NkhotaNkhota und kommen aus dem Staunen nicht heraus. Neben wunderschönen Tellern, Tassen und Schüsseln in verschiedenen Techniken gibt es unzählige kleine und große Figuren, die meist das Alltagsleben der Malawier widerspiegeln. Der Schneck steht auf dem angeschlossenen kleinen Campingplatz gleich am Seeufer und Lili kommt gar nicht mehr aus der Dusche raus, weil sie die bunten Fliesen, die hier ebenfalls hergestellt werden so bewundert. Der Fliesenleger hat ein wildes Durcheinander verschiedenster Motive verklebt und wir finden wilde Tiere und kleine Hütten, exotische Früchte und sogar ganze Texte während wir die heiße Dusche genießen. (Da für die Brennöfen viel Holz gebraucht wird, fällt genug ab um den Ofen für die Dusche ganztägig zu betreiben.) Wie viel liebevolle, geduldige Arbeit selbst in den eher unscheinbaren Stücken steckt wird uns klar als wir zwei Arbeiterinnen zusehen wie sie überdimensionierte Stövchen (eigentlich: Herde), mit einem kleinen, nassen Kieselstein glätten.

Viel nasser aber auch noch viel erstaunlicher geht es auf der Cichlidenzuchtfarm in Senga Bay zu. Cichliden – das sind die oft blauen oder gelben Buntbarsche für die der Malawisee so berühmt ist und die überall in der Welt in den Zoohandlungen zu kaufen sind. Begeistert stehen wir vor hunderten von kleinen Becken aus Glas und großen Becken aus Beton in denen Tausende von Fischen nach Art und Herkunft (die meisten der über 2000 Arten leben jeweils nur an einer ganz bestimmten Stelle im See) sortiert sind. Die Zuchttiere werden von speziellen Tauchern eingefangen und zunächst einige Tage im See an Ort und Stelle gehältert. Dann kommen sie auf die Farm und zunächst in Quarantäne, wo sie gegen Krankheiten behandelt werden und sich langsam an die neue Umgebung gewöhnen. Der Nachwuchs wird bereits hier an kommerzielles Fischfutter gewöhnt und für den Versand in Plastiktüten mit extra reinem Seewasser, das weit draußen aus der Tiefe hochgepumpt wird, verschickt. Für schöne Träume während der Reise und damit die Tüten nicht zerknabbert werden gibt es noch einen ordentlichen Schuss Beruhigungsmittel ins Wasser.

So beruhigt, dass unsere zukünftigen Aquarienbewohner es von Anfang an gut haben fahren wir weiter am See entlang zu einem der schönsten Flecken überhaupt: Otters Point am CapeMaclear. Vor dreizehn Jahren haben wir einige Tage in einer kleinen wellblechgedeckten Rundhütte an diesem wunderschönen Ort verbracht. Jetzt rumpeln wir auf einer etwas verbesserten Piste durch den umgebenden Nationalpark und auf die halb verfallene Anlage. Hier hat sich nichts geändert – der Campingplatz strahlt mit seinen Ruinen einst schöner Häuser, Terrassen und Treppen einen morbiden Charme aus. Als ich aussteige um Guido einzuwinken kommt eine ältere Frau auf mich zu. Ich glaube ich kenne euch, das muss aber schon lange her sein. – Das kann ich mir kaum vorstellen, wir waren vor fast dreizehn Jahren hier, auf Hochzeitsreise. – Auf Hochzeitsreise? Ja, und du hast eine Gräte verschluckt und mußtest zum Arzt. – Ja, das stimmt! Cecilia ist für eine Malawierin uralt, aber auf dem Rücken trägt sie den vier Monate alten Enkel, damit ihre Tochter noch einmal zur Schule gehen kann und morgens schleppt sie wie eh und je große Wassereimer zu den Unterkünften, weil die Wasserleitung immer noch nicht funktioniert. Ein paar Stunden später taucht auch Foster, der Koch auf, und wir versprechen uns am folgenden Tag von ihm bekochen zu lassen. Das lohnt sich dann richtig, denn nach uns treffen noch deutsche und holländische Overlander ein, denen wir schon einmal begegnet sind und so wird ein richtiges Fest daraus. Foster fährt auf bis wir platzen: Drei Sorten Fisch vom Grill, Gemüse in scharfer Soße, Salat mit Avocados, Reis, Nudeln, Pommes frites und Nsima. Auch zu elft ist das nicht zu schaffen.

Erstaunlich eigentlich, dass nach diesem Gelage keiner beim Schnorcheln untergegangen ist. Denn deshalb sind wir eigentlich alle hier: Am Otter Point kann mit viel Glück einen Otter sehen, aber vor allem gibt es hier zehntausende verschiedenster Cichliden, die sich um die runden Steine tummeln. Scheinbar schwerelos im Wasser zu hängen und von kleinen bunten Fischen umschwärmt zu sein, die keinerlei Scheu zeigen, ist ein Erlebnis, dass man nie vergisst.

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