Der Weg von Malawi nach Zimbabwe führt durch Mozambique. Der sogenannte Tetekorridor ist die Transitstrecke für den Güterverkehr zwischen Südafrika und den nördlicher gelegenen Ländern und besteht aus einer gut ausgebauten Teerstraße durch dünn besiedeltes Land mit der Stadt Tete am Sambezi ungefähr in der Mitte.
Die Informationslage war dünn, aber in einem waren sich alle einig: Die Transitvisa für Mozambique gibt es problemlos und billig an der Grenze, die Visa für Zimbabwe ebenfalls aber sie sind furchtbar teuer. Von diesem Informationen stimmt nur eine: Die Visa für Zimbabwe gibt es tatsächlich problemlos an der Grenze.
Im Einzelnen: Die Ausreise aus Malawi war schon vergleichsweise nervig, weil irgendjemandem auffiel, dass man uns bei der Einreise keine road tax (Maut) abgenommen hatte. Irgendwie ist es uns gelungen ohne nachzuzahlen rausgelassen zu werden, aber die Diskussion hat über eine Stunde gedauert und ging letztlich nur zu unseren Gunsten aus, weil Malawier diskutierenden Weißen immer noch nachgeben um sich Stress zu ersparen.
Ein paar hundert Meter weiter dann die mozambiquanische Seite der Grenze. Guido verschwindet wieder mal im Gewimmel der Bretterbuden und Baracken um Immigrationsbehörde und Zoll zu finden und kommt erst eine Stunde später mit den üblichen Formularen für die Visa wieder: Der sturzbetrunkene Beamte hatte keine Lust Visa auszustellen und wollte uns mit der Begründung Die gibt’s nur bei der Botschaft in Lilongwe. zurückschicken. Zum Glück kann Guido sehr überzeugend sein. Wir füllen die Zettel aus und Guido verschwindet wieder (an den wenigsten Grenzen wollte bisher jemand die Familie sehen, deshalb bleibe ich mit den Kindern immer erst mal im Auto). Neben den preiswerten Transitvisa (30 US Dollar) müssen wir leider noch eine saftige road tax (75 Dollar) und eine Versicherung (30 Dollar) bezahlen und so beläuft sich die Gebühr für die 360 km Durchreise auf 225 US Dollar. Obendrein hatte Guido noch jede Menge Spass mit dem bewussten Beamten, der nicht mal mehr die Aufkleber für die Visa selber von der Unterlage abziehen konnte, und musste sich mehrfach anblaffen lassen. Als wir später in die Pässe schauen sehen wir, dass er ein ganz normales Touristenvisum für 30 Tage ausgestellt hat, aber irgendwie haben wir nicht mehr wirklich Lust auf Mozambique.
Die Landschaft wird rasch langweilig und wir sehen kaum noch Häuser, aber die wenigen Menschen die wir sehen sind erst überrascht und dann begeistert – dank der Probleme Zimbabwes unter Mugabe in den letzten Jahren kommen hier kaum noch Touristen durch.
Am Spätnachmittag erreichen wir Tete, dessen Hauptteil allerdings auf der anderen Seite des Sambezi liegt, den eine beeindruckende Brücke überspannt. Das beeindruckenste an der Brücke allerdings ist dass sie nach ihrem Einsturz in der gerade vergangenen Regenzeit jetzt wieder befahrbar ist. Da es durch den Stress an der Grenze bereits Nachmittag ist entscheiden wir uns auf dieser Seite des Sambezi den einzigen Campingplatz im Korridor anzufahren. Der Platz ist winzig aber direkt am Fluss, mit Sitzklo mit Wasserspülung aber ohne Klopapier wie Lili gleich begeistert attestiert und (kalter) Dusche. Es gibt zwar keine Bar, aber wir verbringen einen romantischen Abend mit Blick auf die sich spiegelnden Lichter von Tete im Wasser – und überraschenderweise Internetzugang, weil irgendeine Behörde in der Nähe ihren WiFi-Zugang nicht passwortgeschützt hat. Weniger erfreulich ist das Preisiniveau: 750 Meticai verlangt der junge Besitzer – das sind grob geschätzt 18 oder 19 Euro für eine Nacht.
Am anderen Morgen wollen wir die Brücke überqueren und ich halte das Geld für den Brückenzoll schon in der Hand, aber der Uniformierte will uns nicht durchlassen. Leider ist unser Portugiesisch nicht so gut und sein Englisch kaum besser – er will irgendein Papier sehen. Nach zehn Minuten hin und her verstehen wir, dass er die Quittung für die road tax sehen will, und dass darauf ein Stempel fehlt den wir an der LKW-Waage ein Stück zurück bekommen können. Also wenden und zur Waage.
Der Mensch an der Waage versteht uns etwas besser, ist aber zunächst verwirrt weil wir aus der falschen Richtung kommen und eigentlich gestern hätten stempeln lassen müssen. Schließlich zückt er aber doch sein Stempelset und wir können zurück zur Brücke. Dort zeigen wir den Stempel vor und ich will nun bezahlen, aber man winkt uns einfach durch und wir fahren langsam – wegen der Radarfallen sogar sehr langsam – über die Brücke und in die Stadt.
Tete ist eine Stadt irgendwo im Nirgendwo und eher mediterran als afrikanisch. Der portugiesische Einfluss ist noch deutlich spürbar – die Straßen haben Namen und die Häuser Nummern, es gibt asphaltierte Bürgersteige, die meisten Straßen sind palmengesäumt und es gibt viele Straßencafes. Guido entdeckt ein Fleischgeschäft – nein, keine Metzgerei, nur ein Laden mit sechs Gefriertruhen voller leckerer Dinge wie schönen Steaks und richtigen Würstchen aus Lammfleisch. Wir stehen im Dieseldunst einer Tankstelle als er mir in die Nase steigt: Der Geruch nach frischem Brot. Lili sag mal, riechst du das auch? – Was …Oh!! – Kannst Du sehen woher das kommt? – Wie das denn? Halt, da ist ein Bild mit Brot drauf an der Scheibe. Ich geh mal Brot kaufen. Fünf Minuten später kommt sie mit mehreren Baguettebroten und einer ganzen Tasche Brötchen wieder (Hat fast nichts gekostet!) und wir fallen kaum dass wir die Stadt verlassen haben über die Köstlichkeit her.
Die Ausreise aus Mozambique gestaltet sich unproblematisch, die Grenzer sind freundlich und nehmen sich selbst auf den Arm: Sagen Sie Ihrem Mann wenn er zurückkommt, dass ich den Zettel wegen der road tax noch mal kontrollieren muss. Wir sind hier alle verrückt nach Papieren.
Auf der anderen Seite erlebt Guido dann die positive Überraschung: Nein, Kinder bezahlen natürlich kein Visum. sagt der Mann aus Zimbabwe und nimmt Guido nur zweimal 30 US Dollar für uns ab. Eine Versicherung muss Guido allerdings auch wieder kaufen und dann geht die Diskussion um die road tax los. Aber was für ein Unterschied zu anderen Grenzen! Die Leute sind verständnisvoll, hilfsbereit und freundlich und versuchen ernsthaft für uns eine preiswerte Lösung auszuarbeiten. Der Schneck ist schwerer als drei Tonnen, das lässt sich leider nicht abstreiten und eigentlich müssten wir road tax pro Kilometer bezahlen. Da wir aber noch gar nicht wissen, wo wir lang fahren wollen könnte es am Ende sein, dass wir zu viel bezahlt haben, und das geht gar nicht, finden die Grenzer. Wir sind angesichts von ca. 200 Dollar, die auf uns zukommen, auch nicht wirklich begeistert. Eine Stunde später haben sie irgendwo in den Bestimmungen eine off road tax von 80 Dollar aufgetan, mit der wir vier Wochen lang fahren dürfen soviel wir wollen – und länger reicht unser Visum eh nicht. Völlig begeistert von so viel Engagement schreibt Guido eine Lobeshymne in das ausliegende Kommentarbuch und wir rollen kurz darauf los. Zimbabwe, wir kommen!
Dienstag, 26. April 2011
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