Es ist still und dunkel als ich es zum ersten Mal rascheln höre. Die Kinder schlafen schon und ich habe nur ein kleines Licht brennen. Da ist es wieder. Eine Maus geht es mir unwillkürlich durch den Kopf, aber ich bin mir nicht ganz sicher. Vielleicht kommt das Geräusch ja auch von draußen. Vorsichtig und leise um niemanden zu wecken schleiche ich die Treppe runter und um das Wohnmobil herum. Hallo kommt es heiser und mit tiefer Stimme aus der Schwärze vor mir und fast wäre ich vor Schreck einen Schritt zurückgesprungen. Schwarzer Mann in schwarzer Uniform in mondloser Nacht – den Wächter, der sich seinen Stuhl unmittelbar neben den Schneck gerückt hat habe ich nicht gesehen. Erleichtert grüße ich und trete den Rückzug an – vielleicht hat er mit einem Bonbonpapier geraschelt. Wenig später raschelt es wieder und diesmal steht es fest: Wir haben einen blinden Passagier an Bord.
Gleich am nächsten Morgen räumen wir den Schrank leer. Es ist erstaunlich durch wie enge Ritzen und Spalten zwischen Schranktür und Regelbrettern sich so ein Nagetier hindurch quetschen kann, aber wir finden Beweise für die Anwesenheit eines Nagers in Bettwäsche und Haushaltskisten, auch ist die Brottüte durchgenagt und der Schmutzwäschesack hinter den Gasflaschen desgleichen. Damit das Tierchen nicht die Flucht unter die Sitzecke antreten kann hat Guido die Schranktür abgeschraubt und quer in den Raum gelegt, so dass ein Gang zur Ausgangstür entsteht, und macht hinter den Gasflaschen Krach. Ich erhasche einen Blick auf einen recht großes braunes Fellbündel dass hektisch hin und her läuft und denke Oh nein, bloß keine Ratte. aber dann saust die Maus den vorgegebenen Weg entlang. Auf der Schwelle zögert sie die gastliche Unterkunft zu verlassen und ich bringe sie mit einem gezielten Schubs in die richtige Richtung – nach draußen. Ob die fetteste aller schwangeren Mäuse mit ihrem Freiflug so glücklich war glaube ich nicht, aber wir sind froh ohne Falle oder Gift wieder untermieterfrei zu sein. Ausgerechnet dieses Camp hat nämlich keine Katze zum Ausleihen und die beiden Hunde sind liebe Labradormixe, die gerade Welpen haben und keine Mäuse jagen.
Den Rest des Vormittags verbringen wir mit Saubermachen, den Mittag mit der (vergeblichen) Suche nach jemandem, der unsere Gasflasche auffüllen kann und den Nachmittag verdirbt uns mal wieder der Keilriemen, der etwas Aufmerksamkeit möchte. Eigentlich hatten wir heute schon auf dem Weg durch den Tetekorridor Richtung Zimbabwe sein wollen, aber wenigstens hat mir die Maus einen Grund gegeben die komplette Schmutzwäsche in die Wäscherei (Sie haben eine Waschmaschine und einen Trockner!!) zu bringen. So hat mir das Tierchen noch einen Gefallen getan.
Montag, 11. April 2011
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