Samstag, 5. März 2011

Pläne sind dazu da gemacht und wieder geändert zu werden. Wir wollten in Dar die Visa für Mozambique besorgen und haben uns vor der Tür der mozambiquanischen Botschaft spontan anders entschieden. Die Wartezeit auf die Visa war uns zu lang und die Gebühren zu hoch – die Strände Mozambiques werden wir auf einer anderen Reise erkunden müssen. Stattdessen baden wir jetzt noch einmal ein paar Tage vor der Küste Tansanias und machen uns dann auf den Weg nach Malawi.


Ein Gewitter über dem Indischen Ozean ist eine beeindruckende Sache: Die violettschwarzen Wolken ballen sich dicht über dem wetterleuchtenden Horizont zusammen und der Donner rollt krachend über unsere Köpfe. Nach einer halben Stunde ist der Spuk vorbei und der noch nieselnde Himmel wird wieder glatt und blassblau. Die Franzosen neben uns haben noch vor dem Wolkenbruch zusammengepackt – sie fahren heute weiter nach Norden. Die drei haben keinen festen Wohnsitz mehr, seit acht Jahren sind sie mit ihrem Renault-Truck unterwegs auf der ganzen Welt. Tochter Tiffany ist inzwischen 17 und hat sich jetzt noch eine USA-Rundreise gewünscht bevor sie auf die Universität geht – in Frankreich darf jeder sein Kind selbst unterrichten und neidisch hören wir uns an, wie selbstverständlich Leistungsüberprüfungen und Examen abgenommen werden. Lili macht sich inzwischen schon Sorgen, dass man ihr nicht erlauben wird in die siebte Klasse voranzuschreiten – ganz egal wie fleißig sie während der Tour lernt.

Die nötigen Vorräte besorgen wir uns in dem kleinen Dorf, das sich hinter den Hotels und Campingplätzen den sandigen Hügel hinaufzieht. Einige aus Stöcken und Planen abenteuerlich zusammengeschusterte Stände verkaufen Second Hand Bademoden aus europäischen Altkleidersammlungen und wir erstehen für 2,50 Euro den dringend benötigten neuen Badeanzug für Lili. Gegenüber in einer Bretterhütte , die sich Supermarkt nennt, sind Erdnussbutter, Thunfischdosen, Shampoo und Spülmittel ordentlich in den Regalen aufgereiht. Der Besitzer hat auch frische Eier im Angebot und schenkt den Kindern eine Packung Kaugummi. Ein wenig weiter die Straße rauf finden wir einige halb zusammengefallene Bruchbuden mit frischen Obst und Gemüse und den Metzger des Dorfes. Unter einem Schutzdach sitzen fünf Frauen vor qualmenden Holzkohleöfen und bereiten frische Chapatis (Pfannkuchen) und köstliche Samosas (würzig gefüllte Teigtaschen) zu. Eine springt auf und sucht für uns die Besitzerin des Obststandes an dem nur zwei Mädchen im Vorschulalter sitzen und sich eine Banane teilen. Nach vielleicht fünf Minuten taucht sie auf und es entspinnt sich eine dieser surrealen Unterhaltungen, bei denen keiner die Sprache des anderen versteht und deren Ergebnis uns auch unverständlich bleiben wird: Man kann offenbar nur zwei Ananas kaufen und keine einzelne, dafür bekommt man sie zum Preis von einer. Guido will beim Metzger wie gewohnt ein Kilo ohne Knochen kaufen und stößt ebenfalls auf Unverständnis: Das gewünschte heißt hier ein Kilo steaki . Das haben wir zwar noch nie gehört, hat aber eine gewisse Logik: Die Suahelisprache hängt an die meisten Dinge ein i und die Tansanier halten sich auch im Englischen daran: Auf der Strasse nach Dar ist immer viel trafficki und die Pommes im Restaurant heißen chipsi. Auch der Besitzer des Brotstandes verkauft seine Toastbrote nur im Doppelpack und so sind wir schwer bepackt als wir den Rückweg über den Strand antreten.

An der Wasserlinie flanieren nicht nur Mzungu (Weiße), sondern auch ein paar malerisch zurechtgemachte Massai, die einen kleinen Stand mit traditioneller Medizin und Schönheitspülverchen im Dorf betreiben und die unvermeidlichen Souvenirverkäufer: bunte Tücher und Ketten, Schnitzarbeiten und dem Meer geraubte riesige Muscheln werden auf und ab getragen. Am Strand selbst findet man kaum noch Muscheln und auch die Fischer, die morgens ins Wasser waten und ihre Netze ziehen haben kaum Glück – zu überfischt ist die Gegend. Immer wieder hören wir die Erschütterungen vom Dynamitfischen ganz in der Nähe. Das Prinzip der Nachhaltigkeit ist den meisten Afrikanern unverständlich.

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