NEWS-Ticker: Nkhata Bay - Chinteche – NkhotaNkhota – Schneck verlor rechten Blinker an rücksichtslosen malawischen Kleinlaster – Besatzung wohlauf
Es sieht aus, als hätte jemand die Rinde mit Silikon verfugt. Der weiße Streifen zieht sich zweimal schräg um den Stamm herum, aber er ist nicht fest. Am unteren Ende tropft er als weißliche Flüssigkeit langsam in den am Baum befestigten Becher.
Wir haben die Tabakfelder hinter uns gelassen und fahren durch eine riesige Gummibaumplantage. Ich kann es nicht lassen, tauche die Finger in den merkwürdigen Baumsaft und bin beinahe enttäuscht: Er ist weder klebrig noch besonders zäh. Irgendwie entstehen aber dennoch Gummibänder daraus und aus den Bändern Bälle, die für wenige Kwatchas an der Straße verkauft werden und unsere Kinder zum Strahlen bringen.
Zum Glück treffen wir bald hinter der Gummibaumpflanzung wieder auf ein Paradies am See und wenn die Kinder nicht gerade im kristallklaren Wasser schwimmen oder schnorcheln sind die leichten aber sprunggewaltigen Gummibaumbälle der Hit.
Wir sind damit beschäftigt alles zu vermeiden, was den Truck in Schwingung versetzen könnte – denn der Schneck wird bunt bemalt. Jimmy pinselt eifrig, denn der letzte Tourist war im Dezember hier und wir haben ihm ein paar abgelegte Kleidungsstücke als Bezahlung rausgesucht, die er dringend braucht und die für ihn mehr Wert haben als die kleine Summe Geld, die er zuerst als Honorar verlangt hat. Also tippeln wir vorsichtig um den Schneck herum und verschieben das Teetrinken auf später.
Es ist Regenzeit und nachts donnert und blitzt es gewaltig und der Himmel öffnet seine Schleusen. Am anderen Morgen ist die schwarze Farbe weg! Alle anderen Farben haben gehalten, aber Arme, Beine und Konturen fehlen. Zum Glück kommt Jim gleich darauf um das zweite bestellte Bild zu malen und weiß Rat. Wir müssen das versiegeln. Keine Sorge ich bin Künstler, ich male das neu und dann kaufen wir im Dorf Versiegelung und streichen das drauf. Gesagt, getan. Guido stapft mit Jim in inzwischen sengender Sonne am Strand entlang und ersteht für den Künstler einen Topf Holzschutzmittel, das angeblich das Mittel der Wahl ist und einen breiten Pinsel. Angesichts der Preise von zusammen fast 750 Kwatcha (3,50 Euro) wird uns ganz schlecht. Kein Wunder dass Jim das nicht selber aufbringen konnte: Er verdient mit seiner Malerei nur ab und zu etwas und ansonsten lebt die Familie wie die meisten Malawier von einem kleinen Stück Land als Selbstversorger: Maniok, Mais und Süßkartoffel, ein paar Fische aus dem See und vielleicht ein Mangobaum und einige Bananenstauden. Viel mehr haben sie nicht. Ein Angestellter auf dem Campingplatz mit etwas Verantwortung verdient gerade mal 6000 Kw im Monat.
Guido hat uns für 50 Kw noch eine Baobab-Frucht mitgebracht und in der Lunchpause zeigt uns Jim wie man sie ißt: Er bricht die harte holzartige Schale mit einem starken Messer längs auf. Innendrin sind nierenförmige Kerne von einer pudrigen Masse umgeben, auf die der Begriff Fruchtfleisch überhaupt nicht paßt. Eher erinnert mich das Zeug, das man von den Kernen lutscht, an Milchpulver oder vielleicht Traubenzucker - nur schmeckt es sehr viel besser. Ein klein wenig säuerlich ist es und doch bin ich sicher, dass es sehr zuckerhaltig ist, denn einige Krümel auf dem Notebook finden bei den Bienen reges Interesse und im Truck schwirrt es rund um die Reste bald gewaltig. Jetzt gibt es noch einen weiteren Grund sich für die riesigen Affenbrotbäume zu begeistern.
Am nächsten Morgen ist alles perfekt: Das Wetter und die beiden neuen Bilder. Jetzt sieht der Schneck so richtig schön hippiemäßig aus und gefällt uns noch viel besser.
Dienstag, 29. März 2011
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen