Der Malawisee liegt blau funkelnd hinter leuchtend grünen Reisfeldern, der Blick über das Binnenmeer wird hier bei Koronga nur im Nordosten durch die Silhouetten des Livingstone Gebirges begrenzt. Unser Schneck steht im Schatten eines mächtigen Mangobaumes, in einer halb verlassen wirkenden Ferienanlage – eines dieser groß angelegten aber zum Scheitern verurteilten afrikanischen Projekte, die schon vor der endgültigen Fertigstellung anfangen zu verfallen.
Ein paar Meter weiter herrscht reges Treiben in der Krone einer Palme. Eine kleine Kolonie gelber Webervögel hat ihre Nester an die grünen Wedel gebaut und flattert und schnattert ohne Pause hin und her. Diesen Vögeln sind wir schon oft begegnet. Webervögel gibt es in vielen Farben und Arten und jede Art bevorzugt andere Bäume und webt ihre Nester auf eine ganz spezielle Weise. Aber alle diese Behausungen hängen nur an einem dünnen Faden unterhalb der Äste und es erfordert großes Fluggeschick in die nach unten zeigenden Öffnungen zu schlüpfen.
Als es Abend wird wird es in der Palme still, dafür erhebt sich im Gras der afrikanische Nachtgesang. Insekten zirpen unglaublich laut und Frösche und Nachtvögel stimmen in das Konzert ein, zu dessen Klängen kleine und große Glühwürmchen irrlichtern und Flughunde im Schein unserer Lampe lautlos ihre Beute jagen.
Wir gondeln noch einige Tage am See entlang (den Versuch die historische Mission in Livingstonia zu besichtigen mussten wir angesichts echt malawischer Straßenzustände aufgeben) , wandeln bei Karonga auf den Spuren des Malawisaurus und stehen etwas weiter südlich staunend am Ufer als Milliarden kleiner Fliegen riesige wirbelnde Säulen über dem See bilden. Die einheimische Bevölkerung sieht das Naturschauspiel pragmatischer – die Fliegen sind eine willkommene Bereicherung auf dem Speiseplan und werden genau wie Fische mit Netzen eingefangen. Aber das aufregendste am See bleiben seine Farben und das dramatische Wolkenspiel darüber. Die Regenzeit hat auch ihre schönen Seiten, und nach einem Tag Kampf mit den einbrechenden Wassermassen malawischer Gewitter ist der Schneck auch wasserdicht.
Wir fahren weiter nach Vwasa Marsh – ein abgeschiedenes Wildreservat voller grunzender Hippos und bunter Schmetterlinge in der Nähe von Rumphi und wollen dann versuchen ob wir mit dem Schneck die Straße zum Nyikaplateau erklimmen können.
Donnerstag, 24. März 2011
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