NEWS-Ticker: Rumphi – Vwasa Marsh – Nyika Plateau – Rumphi – Schneck und Besatzung wohlauf
Die beiden jungen Frauen kommen uns entgegen die Straße herunter. Fröhlich kichernd, singend und tanzend waten sie barfuß durch den knöcheltiefen Schlamm – die eine mit einem kleinen Regenschirm, der kaum etwas von den gewaltigen Wassermassen abhält, die andere mit einem Kind auf dem Rücken, das erstaunlicherweise friedlich schläft.
Als wir vor fast dreizehn Jahren auf Hochzeitsreise in Malawi waren sind wir mit einem gemieteten Toyota Corolla diese Piste auf das Plateau hinauf gefahren – eine damals nicht ungefährliche Sandpiste ohne Ausweichmöglichkeiten, die sich aus den Tabakplantagen der Ebene auf 2300m hinaufschraubt. Jetzt sind wir mit dem allradbetriebenen und mehrfach berggeprüften Schneck unterwegs, im Reiseführer steht, dass ein Entwicklungshilfeprojekt die Straße in Ordnung gebracht hat und die Piste hat sich – kaum verändert. Statt tiefem Sand über Spurrillen und Schlaglöchern haben wir jahreszeitlich korrekt: Schlamm. Unser Schneck wühlt sich tapfer durch (vorweg: Wir sind nicht steckengeblieben!), nur leider geht es anderen Verkehrsteilnehmern nicht so gut und so stehen wir schon nach ein paar Kilometern hinter einem echt afrikanischen Truck: Kein Allrad, kein Profil, völlig überladen und mit einem komplett überforderten Fahrer. Die Besatzung hat sich ein Lagerfeuer am Straßenrand gemacht und versucht, während einer das Essen kocht, halbherzig den Wagen wieder flott zu kriegen. Eine halbe Stunde später (und dank Schützenhilfe einiger anderer genervter Fahrer) geht es weiter, nur damit er sich kurz darauf wieder festfährt. Zum Glück passen wir diesmal dran vorbei. Rausziehen können wir ihn nicht, dafür ist er viel zu schwer und die Straße zu rutschig und zu steil.
Der Nationalpark auf dem Nyika Plateau umfasst über 3000 Quadratkilometer einsamstes, scheinbar schottisches Hochland mit Nadelwaldinseln wie im Schwarzwald sowie eine stattliche Anzahl Zebras, Elenantilopen, Pferdeantilopen, Buschböckchen und andere. Von den Hyänen und Leoparden sehen wir leider nichts, aber einen Fischotter entdecken wir an einem paradiesisch klaren Bach auf einem Felsen sitzend und an Zebras können wir uns zu Fuß bis auf wenige Meter heranpirschen. Wir sind den ganzen Tag die Hügel rauf und runter gewandert, haben Bäche durchquert und Sumpfgrasbüschelhüpfen geübt und kommen völlig erschöpft, klatschnass und mit Blasen an den Füßen zurück zum Camp wo heiße Duschen und ein großes Lagerfeuer die klamme Kälte rasch vertreiben. Als es dunkel wird besuchen uns die Zebras, die das kurze Gras des Campingplatzes offenbar gerne mögen, am anderen Morgen ziehen die Antilopen nicht weit von uns vorbei und gleich darauf hören wir den Unglückstruck auf der Straße zur Sägemühle hinter uns. Die Jungs haben zwei Tage für die 60 Kilometer gebraucht und auf einmal kommen uns die fünf Stunden Fahrtzeit mit dem Schneck gar nicht mehr so lang vor. Während wir noch frühstücken und zusammenräumen kommen sie vollbeladen mit Holzbrettern wieder zurück und nur zwei Stunden später stehen wir mal wieder hinter ihnen. Diesmal müssen wir warten, bis sie herausgezogen werden.
Ebenso warten wir später am Tor bis die zuständige Dame ihr Mittagsmahl beendet, und uns statt mit Wechselgeld mit einem Glas Honig abgefunden hat und begeben uns so erst am späteren Nachmittag erneut auf die Rumpelpiste nach Rumphi.
Donnerstag, 24. März 2011
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