NEWS-Ticker: Mikumi – Iringa – Mbeya – Grenze Malawi - Schneck und Besatzung wohlauf
Stoopppp!! Die Bremsen quietschen und riechen verdächtig, was dem Fahrer einen strafenden Blick seitens der Beifahrerin einträgt, dann geht der Motor aus und der Schneck steht. Hektisches Angeln nach den Kameras bricht aus und Gerangel um die besten Plätze um das perfekte Foto des prächtigen Giraffenbullen zu schießen, der unmittelbar neben der Straße steht, die durch den Mikumi-Nationalpark führt. Es ist eine öffentliche Straße und es herrscht entsprechend viel Verkehr, dennoch sehen wir einige Giraffen und viele Impalas, ein paar Warzenschweine, etliche Paviane und sogar drei Wasserbüffel und wir machen viele – allerdings sanfter abgebremste - Fotostopps. Das Highlight aber sind die Elefanten, die zu Dutzenden die Straße säumen und überqueren. Wir halten erneut an um ein junges Männchen vorbei zu lassen, das wohl ein wenig getrödelt hatte und erst nicht wagt, die Straße alleine zu überqueren. Als es schließlich doch den nötigen Mut findet und rasch mit wedelnden Ohren und erhobenem Rüssel losläuft sieht es aus wie Dumbo, der fliegende Elefant. Auf der anderen Seite angekommen bleibt der kleine Kerl stehen und droht dem großen roten Ungeheuer mit der lauten Brummstimme bevor er zwischen den Bäumen verschwindet.
Die Weiterfahrt durch das südliche Hochland Tansanias ist landschaftlich ein Genuss. Wilde Hügel und weite Ausblicke wechseln sich ab und unzählige riesige Baobabbäume beherrschen das Bild. Hier könnte man noch viel Zeit verbringen mit Tierbeobachtungen in Nationalparks oder Wanderungen zu Wasserfällen, aber wenn wir nicht bald ausreisen wird uns Tansania verzaubern wie die Feenländer der Märchen, in denen die Zeit so schnell vergeht, dass man für immer bleibt.
Der Weg zur Grenze führt über Iringa, eine dieser typischen mittelgroßen Städte die Versorgungszentrum für eine ganze Region sind ohne ihre Beschaulichkeit verloren zu haben. Eine trutzige Kirche und ein Verwaltungsgebäude im besten Zuckerbäckerstil erzählen noch von der Kolonialvergangenheit, als die Deutschen sich vor der Malaria auf den Hügel oberhalb des Ruahaflusses flüchteten. Bäume säumen die recht breite Hauptstraße und das übliche Sammelsurium an Geschäften reiht sich aneinander. Autoersatzteile, Plastikschüsseln und Särge am Ortseingang, dann Schneider, Handyläden und Frisiersalons und schließlich der Markt. In Iringa ist er überdacht und besonders schön. Wir bummeln einige Zeit durch die Gassen, finden einen recht gut sortierten Supermarkt (Käse! Das ist beinahe wie Weihnachten.), kaufen Obst (Ach komm, kauf zwei Kokosnüsse, mein Freund! – Mmmh…okay!!), Gemüse (Weiche Avocados, Schwester? Die hat meine Freundin da vorne, ich bringe dich hin.), Haarklammern (Yippieh!)und Shampoo (schwierig, wenn man nicht die Sorte möchte, die das Haar extraglatt macht) und anderes mehr. Schließlich erstehen wir noch eine ordentliche Portion Leber fürs Abendessen und eine große Tüte indischer Köstlichkeiten für zwischendurch und ziehen zufrieden ab. Nur die leere Gasflasche konnten wir nicht aufgefüllt bekommen – der Laden hatte heute zu.
Tansanische Verkehrspolizisten stehen an jedem dicken Baum. Oft sind wir als Weiße bzw. als Privatfahrzeug einfach durchgewunken worden. Einmal musste Guido eine Weile diskutieren um ein Strafgeld wegen nicht angelegtem Sicherheitsgurt zu vermeiden und bei den meisten war ein Schwätzchen fällig: Woher kommt ihr? – Deutschland. – Mit dem Auto? – Ja. Durch ganz Afrika bis hierher um Tansania zu sehen! – Oh! Willkommen!Wie gefällt euch Tansania? – Danke, Tansania ist toll …. usw. usw. Diesmal aber geht es schief – die Radarpistole zeigt 52 km/h wo nur fünfzig erlaubt waren. Guido reagiert entrüstet und klopft auf den Tacho Ich bin nur 40 gefahren! Es hilft nichts, er muss aussteigen und 20 000 TSH Strafe zahlen. Das sind rund zehn Euro und er ist entsprechend gelaunt als er wieder einsteigt. Unvorsichtig kommt es von der Beifahrerin: Ich hab Dir schon mal gesagt dass das Navi immer eine viel höhere Geschwindigkeit anzeigt als der Tacho… Der Rauch, der meinem Liebsten aus den Ohren quillt nimmt eine rotviolette Tönung an. Zehn Minuten weiter hat er sich soweit beruhigt, dass wir eine Testreihe starten können – und siehe da: Der Schneck ist gar kein Schneck! Tatsächlich fährt er viel schneller als er behauptet, manchmal bis zu 15 km/h schneller! Das ist doch irgendwie auch ganz schön…. Ein schnelles Auto und ein ehrlicher Verkehrspolizist ;-).
Auf dem Weg zur Grenze halten wir noch einmal an um mehr reflektierende Aufkleber für den Schneck zu kaufen, denn in Malawi sind grüne vorn und orange hinten angeblich Pflicht. Jetzt sieht er aus wie ein fahrender Christbaum! lachen die Kinder und texten Oh Tannenbaum um: Oh Waltersschneck, oh Waltersschneck –wie bunt sind d-e-i-n-e Sti-cker. Und dabei ist es nicht mehr lang bis Ostern.
Montag, 14. März 2011
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