Sonntag, 29. August 2010

Schnorcheln bei Safraga - Fahrt durch die Eastern Desert zum Nil – Hathortempel in Dandera –Ankunft in Luxor – Schneck und Besatzung wohlauf

Die Straße vom Roten Meer mit seinen leuchtend bunten Fischen zurück zum Nil windet sich durch die Einsamkeit der Berge und der Saharaausläufer um dann ganz plötzlich von Fruchtland umgeben zu sein. Eine Reise durch Landschaften aber auch durch die Zeit in nur einem Tag.

Der Kontrast ist enorm: In der brutalen Trockenheit und Hitze der Berge, Geröllhügel und Sandverwehungen sind kaum Menschen zu sehen – und wenn dann nur von ferne und von unbestimmter Kontur. Eine Hütte, kaum mehr als ein Sonnenschutz aus Strohmatten, einige Ziegen und eine Wäscheleine im Nichts – davor eine schwarz verschleierte Frau im staubigen Wind. Nur eine oder zwei Stunden weiter und wir sind von Maisfeldern, Dattelpalmen und leuchtenden Bougainvillaen umgeben. Überall baden Kinder in den Bewässerungskanälen, treiben Männer Rinder und junge Mädchen Ziegen durch das Grün und weiße Ibisvögel staksen durch die Feuchtwiesen. An manchen Stellen scheint die Zeit wirklich und wahrhaftig stehengeblieben zu sein und nur bei genauerem Hinsehen fällt die Dieselpumpe für die Bewässerung oder Brille und Handy eines Bauern ins Auge.

Der 2000 Jahre alte Hathortempel erhebt sich majestätisch über all das bordende Leben. Im Inneren erschließt sich uns zum erstenmal die Farbigkeit und die Pracht der altägyptischen Tempel und wir stehen minutenlang an eine Wand gelehnt und starren 20m hoch an die prächtige Decke, an der von 24 Hathorköpfen getragen sich die Himmelsgöttin Nuut über die Sternkreiszeichen beugt und ein großes Horusauge zurückstarrt, als bewache es immer noch die Opferbarken. In alter Zeit trug man Boote voller Opfergaben in den Tempel – die Löcher im Boden in denen man sie absetzte sind noch zu sehen – und beeindruckte die Gläubigen mit einer geschickt ausgeklügelten Vorstellung von Lichteffekten und Musik. Im oberen Stock dann die eher praktisch orientierten Räumlichkeiten: Der Mumifizierungsraum. Die Priester mit den Anubismasken arbeiteten wegen der geruchsintensiven Natur ihrer Tätigkeit unter einem Luftabzugsschacht, wie man ihn heute in so manchem Labor findet.

Luxor mit seiner halben Million Einwohner empfängt uns wie erwartet laut und aufdringlich. Jeder hat etwas zu verkaufen oder eine Dienstleistung anzubieten, am schlimmsten sind die Kutschenfahrer Kaläääsch?!Nur 5 Pfund für alles!! Wenn sie auch nur 5 Pfund in Futter für das Tier investieren würden wäre mir wohler. Abgesehen davon niest Lili die ganze Zeit und wegen der hohen Dichte an Kaleschen wird sie morgen wohl kaum ohne Allergietabletten auskommen. Zu unserem Entsetzen sind die Brotpreise fast zehnmal höher als in Kairo. Aber wenigstens die Restaurants sind noch nicht auf dem Luxus-Luxor-Trip und wir finden mit Hilfe des Reiseführers ein nettes Plätzchen mit ägyptisch orientierter Küche. Auf allen Plätzen der Stadt wird lautstark ein weiterer Ramadanabend gefeiert aber am Luxortempel ist es erstaunlich ruhig und wir genießen den Blick auf die erleuchteten Säulen und über den Nil hinweg auf Theben West. Lili hüpft wie ein Floh neben uns auf und ab und freut sich auf einen weiteren Tag Geschichte zum Anfassen und Fabi, der noch nicht oft im Dunkeln spazieren war, staunt über die vielen Lichter.

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