Freitag, 20. August 2010

NEWS-Ticker: Schneck und Besatzung in Ägypten gelandet

Der Leuchtturm von Alexandria ist schwarz und weiß und überblickt einen enorm häßlichen Hafen , der sich mit einigen halbversunkenen Wracks im Hafenbecken schmückt. Erst als wir die Stadt zum Greifen nah vor uns haben dreht die Visemar bei und wir haben Sicht auf einige wunderschöne alte Gebäude, deren Kuppeln und Türme vanillegelb in der Mittagsonne liegen.
Die Einreiseprozedur für die Passagiere dauert beinah zwei Stunden, obwohl nicht wirklich etwas passiert, dann darf der Schneck von der Fähre rollen. Unmittelbar dahinter stehen wir wieder. Bitte kippen Sie mal die Kabine, wir wollen die Motorblocknummer sehen. --- Waaas? Das geht so nicht! --- Natürlich, bitte kippen Sie mal eben die Kabine!! --- Das geht nicht, das ist bei dem Auto nicht so vorgesehen (okay: geschummelt, aber es ist weit und breit kein Kran zu sehen und überhaupt ist das nicht mal eben gemacht) --- Dann müssen wir von innen ran. Bitte schrauben Sie alles raus. --- *Seufz* Das kann aber drei Stunden dauern…. --- Mmmmmh --- Inzwischen steht die Uhr auf 16 und der Feierabend ruft. Wir müssen eine Motorblocknummer haben!! --- Können Sie sie nicht einfach aus meinen Papieren abschreiben? --- Nein…. Wir meißeln eine neue an einer besser zugänglichen Stelle ein! Okay….. gesagt, getan. Dann hat er eben noch eine, vielleicht ist das gar keine schlechte Idee – in Afrika. Den deutschen Behörden wird das vielleicht weniger gefallen. Was ist in dem Aufbau? – Das ist ein Camper. – Was??? Nachdem alle einmal reingeschaut haben, die Versicherung bezahlt ist und diverse bunte Zettelchen vergeben wurden: Okay. Da hinten können Sie sich die ägyptischen Nummernschilder abholen. Guido ist kaum los, da tauchen zwei andere Uniformierte auf: Alle raus aus dem Wagen – X-ray! --- Was? Röntgen? Wen? Das Auto oder uns?? Da schiebt sich auch schon piepsend ein uralter weißer Laster an der Autoschlange lang. Kurz darauf zwei neue Gesichter in Uniform samt Drogenspürhunden. Die Tierärztin in mir jault auf: Schlecht ernährt, Arthrose in den Ellenbogen, asymmetrisches Becken mit Hangbeinlahmheit hinten links…. Das läßt sich nicht abschalten und ich bin froh als Guido wiederkommt und die beiden Hundeführer weiterziehen. Vor uns müssen Jörg und Miriam den ganzen Wagen ausräumen, weil sie einen Scanner deklariert haben. Damit könne man ja Falschgeld herstellen hören sie. Sami und Yasemin ganz vorne hat es schlimm erwischt: Die holländischen Behörden hatten ihnen gesagt sie bräuchten kein Carnet de passage, jetzt bleibt der Wagen im Zollhof stehen und sie müssen sich ein Hotel suchen bis jemand aus Kairo kommt und die Sache klärt. Bei uns wird nur sehr oberflächlich in den Wagen geschaut, dann dürfen wir weiterfahren zur Verkehrspolizei. Dort bekommt der Wagen seine ägyptische Zulassung und dann endlich dürfen wir fahren.
Inzwischen ist es fast halb sechs und wir sind heilfroh, dass uns der Führer unserer neuen Bekannten in seiner Kolonne aus Alexandria raus lotst. Der Verkehr ist mörderisch und die Straßen sind ein ausgeklügeltes System aus Fallgruben, aber Guido besteht seine Feuerprobe. Von der Rückbank kommen die ersten entzückten Ausrufe der Kinder Ein Eselskarren! Papa, paß auf, da ist ein Pferd. Leider verlieren wir wegen unseres Schneckentempos auf der Autobahn den Anschluß und verfransen uns gründlich. Spontan entscheiden wir uns unsere Pläne zu ändern und heute Nacht am Mittelmeer zu bleiben anstatt im Dunkeln weiterzufahren. In der sinkenden Sonne dann die Ernüchterung : Die gesamte Küstenlinie ist mit Ferienhaussiedlungen zugepflastert und kein Zugang zum Meer zu finden. An der Straße kleine Geschäfte und Restaurants, die Tische und Stühle auf dem Mittelstreifen der vierspurigen Straße aufgebaut haben, Stände mit einer oder zwei angebunden Kühen (Wird da Milch verkauft?) und viel viel Müll. Schließlich finden wir ein Hotel auf dessen Parkplatz wir für die Nacht stehen dürfen. Erschöpft und verschwitzt gehen wir bis zum Strand und zurück und begeben uns dann auf Mückenjagd im Schneck.

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