NEWS-Ticker: Wüstenautobahn – klösterliche Gastfreundschaft – erste Eindrücke ägyptischen Landlebens
Die Desert Road führt durch eine Halbwüste, und wenn man der Karte glauben darf über einige Ölfelder. Der Reichtum Ägyptens an Öl bzw. seine Mitgliedschaft in der OPEG mach sich beim Dieselpreis erfreulich bemerkbar – ganze 10 Cent kostet ein Liter.
So öde die Wüste auch sein mag, die Werbetafeln sind es nicht. Alle bekannten Autofirmen sind auf den riesigen Plakaten am Straßenrand vertreten, aber eine quietschbunte Pepsireklame nötigt uns zum Fotostopp – das ist kein Problem auf ägyptischen Autobahnen, so lange man keine Eselskarren übersieht und häufig genug die Hupe bemüht.
Unser geplanter Zwischenstopp ist ein koptisches Kloster des St. Bishoi inmitten der Salzwüste des Wadi Natrun. Ein Mönch führt uns durch die Kirche aus dem 3. Und 4. Jahrhundert sowie die dazugehörige Festung, geduldig alle Fragen beantwortend, stets eine passende Legende bereit, und immer wieder kopfschüttelnd unsere mageren Bibelkenntnisse überprüfend. Die Anlage, zur der auch ein moderner Teil und ausgedehnte Ländereien gehören, ist riesig und wunderschön, aber mehr noch nimmt uns der sie durchziehende stille Geist der Hingabe an Gott gefangen. Wir haben schon einige Klöster besucht, aber nie zuvor waren waren wir so berührt. Wir wagen kaum zu fotografieren um die Stimmung nicht zu stören, die lehmfarbenen unregelmäßigen Wände vor dem blauen Himmel, das Schattenspiel an der Zugbrücke und der fantastische Ausblick ins Land werden uns auch so im Gedächtnis bleiben. Zum Essen werden wir von der Klosterküche eingeladen – Hülsenfrüchte und Brotfladen, das müssen die Mönche schon vor Jahrhunderten geteilt haben. Auch für die Nacht findet sich ein ruhiges Plätzchen für den Schneck direkt vor dem Kloster.
Am nächsten Morgen geht es weiter vorbei an den gepflegten Pflanzungen des Klosters und durch kleine Bauerndörfer mit erstaunlich viel Wassergeflügel ohne Wasser und bildhübschen Gärten. Überall wachsen Dattelpalmen und Obststräucher. Was für ein Kontrast zum Ort Wadi Natrun selbst, den wir auf der Suche nach dem Kloster gestern passiert haben , und der uns nur laut, unfreundlich und schmutzig erschien.
Freitag, 20. August 2010
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