Freitag, 20. August 2010

NEWS-Ticker: Kairo abschreckend – Pyramiden erstaunlich – alle wohlauf

Kairo ist chaotisch, aber es liegt kein Charme in diesem Chaos. Jedenfalls nicht in dem Viertel in dem unser Campingplatz liegt oder auf dem Weg von hier bis zu den Pyramiden. Nach zwei Stunden Suche in und um Kairo nach der richtigen Adresse erscheint der Hinterhof in dem wir stehen eine grüne Oase inmitten eines unbeschreiblichen stinkenden Müllhaufens, der sich Kairo nennt. Auf einem schmalen Bürgersteig an einer stark befahrenen Straße lagern ein paar Ziegen neben und in einem großen Futtertrog, neben drei schmuddeligen Männern und einem Gestell an dem eine frisch gehäutete Ziege hängt. In der nicht befestigten staubigen Nebenstraße türmt sich der Müll buchstäblich überall, ein überfahrener Hund verwest vor sich hin, die Menschen bewegen sich ungerührt zwischen den Abfällen als schlenderten sie auf dem elegantesten Boulevard. Aus dem dritten Stock des Hauses neben uns – einem Bauwerk ohne Fensterscheiben und vermutlich ohne Stromanschluss dringt Hühnergegacker und hin und wieder ein Krähen.
Der Tuk-Tuk-Fahrer (ein Tuk-Tuk ist ein motorisiertes Dreirad mit Dach, möglichst vielen bunten Lämpchen und einem CD-Player in der Sonnenblende) setzt uns ein ganzes Stück vor dem Eingang zu den Pyramiden ab und wir laufen durch Gäßchen in die wir sonst nie hineingeraten wären, werden aber ständig von freundlich lächelnden Frauen in die richtige Richtung weiter gewiesen. Hier und da ist ein Pferd oder Kamel vor einem der Häuser angebunden, was darauf hinweist dass hier die Nepper und Schlepper wohnen, die ihr tägliches Brot auf dem Areal der Sphinx verdienen. Kamelritt?? Foto Kinder auf Kamel? Ganz billig! Habe auch Postkarten und Tickets! Lieber Pferd? Habe Freund! Guidos arabisches Nein danke! ( Ley shukren!) kommt im 30-Sekundentakt sobald wir den Eingang passiert haben.
Bereits der erste Anblick der Pyramidenlandschaft mit der Sphinx im Vordergrund entschädigt für alles. So dicht dran schälen sie sich endlich deutlich sichtbar aus dem allgegenwärtigen Smog, der Rest Unschärfe läßt sie der Welt entrückt erscheinen. Die Anmut und Präzision mit der sie erbaut sind und ihre schiere Größe, die erst im Vergleich mit den ameisenhaft den Hügel erklimmenden Touristen zur Geltung kommt, sind überwältigend. Dennoch bleibt nach viel Lauferei in glühender Sonne, unzähligen Fotostopps und einer Kutschfahrt zum hinteren Teil des Geländes besonders das Barkenmuseum in Erinnerung. Die mehr als 4000 Jahre alte Barke, die einst Pharao Cheops Sarg zur Pyramide brachte und jetzt liebevoll wieder zusammengebaut zu besichtigen ist bringt zum Schweigen. Nur von Seilen werden die Planken zusammengehalten und die zehn Ruder wirken riesig und kaum zu handhaben. 4000 Jahre hat sie im Sand gelegen und jetzt sieht sie aus, als könne sie jederzeit ablegen.
Wir verbringen den Abend gemütlich bei einer Flasche Weißwein, während ringsum Lautsprecher, Fernseher und Radios lautstark und disharmonisch das Fastenbrechen feiern.

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